Der hegemoniale Zyklus – Wie die Welt wirklich funktioniert

Heute will ich eine kleine Märchenstunde halten. Zumindest werden viele das so sehen, die nichts von Ökonomie verstehen. Und eigentlich, ich liebe dieses Wort, ist es nur eine Interpretation von Ideen, die andere vor meiner Geburt aufgeschrieben haben.

Ein gewisser Robert Gilpin, den vermutlich nur ÖkonomInnen kennen, hat mit seiner Theorie des hegemonilalen Zyklus, die Weltpolitik auf eine wunderbare Art und Weise erklärt, die sich durchaus zur Interpretation der aktuellen wie der vergangenen Weltlage eignet. Gilpins Ansatz ist dabei nur einer von vielen, der aber hervorragend passt.

Elitär

Schon mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass wir von Eliten beherrscht und geleitet werden. Die PolitdarstellerInnen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wenn überhaupt, so sind sie Angestellte der Eliten. Auch eine Frau Merkel und ein Herr Macron.

Ebenfalls habe ich schon mehrfach geschrieben, dass es keine Kapuzenträger gibt, die durch dunkle Gänge marschieren und dubiose Rituale abhalten. Der wirkliche Herrscher der Welt ist das Kapital (Wirtschaft, Neoliberalismus), das im Besitz einiger – im Verhältnis zur Gesamtzahl der Weltbevölkerung – weniger wirklich reicher Menschen (Familien / Konzerne) ist.

Aber Bilderberger und Illuminaten, Freimaurer und Tempelritter eigenen sich gleich viel besser, wenn es um die Darstellung abstrakter Theorien geht. Mitglieder der Politkaste sind dabei durchaus Mitglieder solcher Gruppierungen. Wirklichen Einfluss haben sie trotzdem nicht. Sie führen lediglich Befehle aus.

Die Mächtigen

Wer hat nun wirklich die „Macht im Staate?“ Zur Zeit ist es das transnationale Kapital. Tolle Neuigkeiten, oder? Weil, das haben wir doch alles schon gewusst. Wirklich? Bisher glaubten viele, dass „die USA“ die führende Macht gewesen sind und sich alles auf eine Neue Weltordnung (NWO) zubewegt.

Das stimmte auch und es stimmt immer noch. Mit dem Unterschied, dass „die USA“ ebenfalls nur den Interessen des Kapitals untergeordnet sind. Internationale Hegemonie ist demzufolge heute nicht mehr so sehr auf das Engagement eines weltweit führenden Nationalstaats, sondern in weitaus stärkerem Maße auf die Interessen und Strategien sozialer Kräfte, in vorderster Linie des transnationalen Kapitals zurückzuführen.

Die Nationalstaaten zu zerschlagen, einem Irrsinn der mit Europa praktiziert werden soll, wird ebenso die USA beinhalten. Und dagegen wehrt sich ein Herr Trump. Er, das darf bitte niemand vergessen, ist ebenfalls Mitglied der Eliten. Die Frage ist nur an welcher Position.

Sklaven des Geldes

Für ihn kommt wirklich „America first!“ Das versucht er umzusetzen, wird dabei aber von Gegenspielern innerhalb der (eigenen) Eliten torpediert und quasi eingenordet. Gibt es sie also doch, die geheimen Zirkel? Ja, aber so geheim sind die eigentlich nicht. Wir sprechen von den Vorständen transnationaler Konzerne, die mit einem Federstrich alles kaufen können. Wir sprechen von Spekulanten, von Hedge-Fonts, die wie Heuschrecken durch alle Länder ziehen und nur Gerippe von Firmen übrig lassen.

Auch den „tiefen Staat“ gibt es, aber selbst die Geheimdienste arbeiten nur im Sinn derer, die das transnationale Kapital vertreten. Die spannende Frage, ob diese Menschen ebenfalls Sklaven des Geldes sind, kann man eindeutig bejahen. Die Eigendynamik des Marktes treibt sie voran. Sie opfern bedenkenlos Staaten, die sich ihren Interessen entziehen oder überziehen sie mit Krieg, den sie der durch Meinungsmanagement verdummten Bevölkerung als alternativlosen Einsatz gegen „Terrorregime“ verkaufen.

Dazu bedient man sich der jeweiligen PolitikerInnen, die zum Teil wirklich an ihre Sache glauben, die man aber längst über die Wirtschaft (Arbeitsplätze) erpressbar gemacht hat. Ein nie enden wollender Kreislauf, der natürlich auf ständiges Wachstum setzt. Das aber von Ressourcen abhängig ist, sprich wie lange reicht noch das „Öl?“

Die aktuelle Dieselpolitik in Deutschland ist ein untrügliches Warnsignal, das nur wieder keiner versteht. Ist etwa das Ende des Ölzeitalters gekommen? Noch nicht, aber endlos wird es so nicht mehr weitergehen. Daher bereitet man sich schon, wenn auch zaghaft, auf eine andere Zukunft vor und enteignet quasi die deutschen AutofahrerInnen.

Der hegemoniale Zyklus

Der hegemoniale Zyklus nach Gilpin – Aufgearbeitet von Prof. Dr. Max Otte, kommentiert und ergänzt von mir.

1. Überlegenheit einer Macht aufgrund von politischen / ökonomischen / gesellschaftlichen Vorteilen – Rom, Großbritannien, USA, …? Man könnte ergänzend hinzufügen, dass „Rom“ in Form der Kirche/n noch immer (mit)regiert, was auch durchaus richtig ist.

Wie Roms Macht entstand und wie man sie erhalten hat, wird jeder wissen. Auch bei Großbritannien war das so. Mit dem durch den Zweiten Weltkrieg verursachten Niedergang Großbritanniens, haben sich die USA endgültig als Hegemon durchgesetzt.

2. Hegemoniale Phase – der Hegemon (USA) legt weitgehend die Regeln fest, aber (fast) alle profitieren (legitime Ordnung)

In den USA, mit ihrem nicht sonderlich ausgeprägten Sozialsystem, ticken die Uhren anders als in Europa und Deutschland. Der immer offener auftretende Neoliberlaismus in den USA beutet dort die Menschen immer mehr aus, viele Bürger sind hochverschuldet. Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland, von der man sich in den letzten Jahren schleichend verabschiedet hat, milderte den Raubtierkapitalismus eine Weile ab.

3. Der Hegemon gewöhnt sich an seine Privilegien, neue Mächte steigen auf (Japan, China)

Ist ein Mensch satt, hat er vielleicht als Sportler alles erreicht, wird er oft träge. Das ist normal, niemand kann immer auf Hochtouren laufen und auch Motoren brauchen Pausen. Die Eliten der USA sind übersättigt und streiten sich nur noch untereinander, bzw. mit ihren Gegenstücken auf der anderen Seite der Welt.

4. Der Hegemon verteidigt seine Rolle immer aggressiver – Genau in dieser Phase befinden wir uns. Zwar angeschlagen, wie ein Boxer kurz vor dem Knockout, beißt der Hegemon nach allen Seiten um sich, wird sich aber nicht selbst retten können. Die schwindenden Ressourcen in der Welt wecken Begehrlichkeiten. Um den eigenen Lebensstandard zu erhalten, wird z. B. auf Sibirien geschielt. Der von einigen Kritikern propagierte „Kampf gegen die eigene Bevölkerung“ findet wirklich statt. Die Umverteilung des Geldes ist kaum noch zu verbergen.

5. Multipolarität, Instabilität, Krieg? – Wenn es China / Russland / Japan oder einer (Euro)Asiatischen Allianz gelingt die USA als Hegemon abzulösen, wird alles von vorn beginnen. Vorausgesetzt, dass ein (Atom)Krieg vermieden wird. Die Chancen stehen gut, die USA wackeln bedenklich.

Wann der alte Hegemon ab- und der neue auftritt, ist nicht in wenigen Jahren zu messen. Wir werden eventuell noch Zeugen von Umbrüchen werden, die hoffentlich keinen Krieg bedeuten. 

An dieser Stelle endet meine kleine Märchenstunde. Ob alles genau so ist wie ich es beschrieb, ob ich vielleicht nur Fantasien verbreitet habe, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ich behaupte aber ganz selbstbewusst, dass man vieles genau so sehen kann.

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6 Kommentare zu “Der hegemoniale Zyklus – Wie die Welt wirklich funktioniert

  1. Ich meine, dass es sich heute um eine. verbissenen Kampf zwischen dem transnationalen Kapital und den nationalen Eliten handelt,,wobei eine dieser nationalen Eliten den Hegemon spielen kann solange, wie dies dem Hegelschen Weltgeist entspricht. Der Wechselnvon einem Hegemon zum nächsten wurde in der bisherigen Geschichte nur durch lange Phasen von Chaos und kriegerischen Auseinandersetzungen bewältigt. Rom – (Byzanz) – Habsburg – (Napoleon) – GB – USA —– China? Eurasien?

    • Sehr gut formuliert. Wobei Habsburg und Napoleon meiner Meinung nach nicht wirklich in die Kategorie Hegemon gehören. Das ist alles noch „Rom“ und Streit innerhalb.

      Wir haben längere Zeit, zumindest in Deutschland, in einer Periode des Friedens gelebt. Die ging aber bereits zu Ende, als die Bundeswehr die auch von dir angesprochenen Aufgaben am Hindukusch begann, davor schon in Jugoslawien.

      Ich plädiere für eine Eurasische Allianz, aber die sollte friedlich kommen. Wenn sie käme, wäre die Gier der Eliten vorerst befriedigt und es könnte wieder zu Wohlstand und Frieden kommen.

      Aus ökonomischer Sicht sehe ich auf jeden Fall Wachstumschancen in Asien (Japan).

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