Das ist Taekwondo!

Eigentlich bin ich eine treue Seele. Aber eigentlich ist so ein komisches Wort. Daher gehe ich heute ganz offen fremd und fahre einen Schmusekurs mit (Süd)Korea. Der Hintergrund ist der, dass ich wieder Taekwondo (TKD) trainiert habe. Ich wechsle gern die Stile, demnächst ist es Tai Chi. Mein Vater will mich bereits scherzhaft enterben, wenn ich wirklich den Schwarzen Gürtel im TKD mache. Aber das ist japanischer Humor, den nur wenige verstehen.

Warum TKD? Instinktiv hatte ich als junges Mädchen im Karate meine Beine auf eine Weise benutzt, die mein Vater mir nie zeigte. Als er mich fragte was das sei, habe ich nur die Schultern gezuckt und sofort zugestimmt, als er mich ins Taekwondo Training mitgenommen hat.

Und damit ist das Geheimnis gelüftet, ob mein Vater andere Kampfkünste kennt. Er kannte den dortigen Meister, der mich nun 2 x pro Woche unter seine Fittiche nahm. Der Sensei war völlig verblüfft, als ich in Rekordzeit lernte, wofür andere Jahre brauchen.

Hohe Kicks und akrobatische Sprünge lagen damals bei mir im Trend. Mein Vater war klug genug um zu erkennen, dass mein Karate dadurch besser werden wird. Er hatte recht und ich bin ihm dankbar dafür.

Später hat er geschmunzelt, als ich ihm die Tritte zeigte und mich mit einem Fußfeger von den Beinen geholt. Ich habe schnell begriffen, wo und wann ich hoch kicken kann. Bei Kickbox-Turnieren hat mich das zur Siegerin gemacht. Und das obwohl ich oft genug die Kleinste war. Niemand sprang höher als ich.

Gibt es große Unterschiede zu Karate? Die Techniken beider Stile sind fast gleich. Im TKD kickt man nur häufiger. Die Frage was besser ist vergleicht wieder Äpfel mit Birnen und übersieht, dass es auch im TKD klassisch und sportlich zugeht. Im Endeffekt ist TKD lediglich leicht abgewandeltes Shotokan-Karate, das mit Elementen von Kung Fu und dem Taekyon, einer klassischen koreanischen (Tanz)Kampfsportart, vermischt worden ist.

Taekwondo hieß zunächst Dangsudo (Tangsoodo), „Weg der (Dang-)China-Hand“, oder Gongsudo (Kongsoodo), „Weg der leeren Hand“. In beiden Fällen handelt es sich um die koreanische Aussprache dessen, was auf japanisch Karate gelesen wird. Salopp ausgedrückt ist Taekwondo also koreanisches Karate.

Im TKD gibt es wie im Karate die gleiche Diskussion um klassisch und modern. Wobei sich diese fälschlicherweise zu sehr auf die Sportvariante bezieht und das moderne Wettkampf-TKD kritisiert, das aber wirklich anders geworden ist.

Oft wird die Frage gestellt ob Karate besser als Taekwondo ist, bzw. umgekehrt. Für beide Systeme gilt, dass der jeweils besser trainierte Wettkämpfer gewinnt.

Das folgende Video zeigt neben Techniken auch viele Showeffekte, die das Publikum begeistern sollen. Aber niemand kämpft so auf der Straße. Taekwondo ist viel mehr als das. Und falls nun die Frage kommt ob ich diese Stunts ebenfalls kann, so muss ich das klar verneinen. Auf reine Show zu machen war noch nie mein Ding.

12 Kommentare zu “Das ist Taekwondo!

  1. Da sind ja ein paar ganz geschmeidige Hopser dabei 😀 Mir ist egal, ob du ebenfalls so durch die Gegend springen kannst, solange wir uns freundschaftlich begegnen 🙂 Beste Grüße ins Elfenheim aus dem subtropischen Marburg (4 Grad plus)

  2. Nur generalisierend gemeint: Verstehen sich Japaner mit Koreanern besser als mit Chinesen? Wie ist das Verhältnis?
    Meine Zwillingsschwester hat mal ne zeitlang Taekwondo gemacht und war durch ihren Reitsport ziemlich begabt (viel Kraft in den Beinen). Durch ihren Unfall darf sie das leider nicht mehr machen.
    Taekwondo sieht natürlich viel spektakulärer aus als die meisten Kampfkünste. Und ja, wie immer kommt es in Bezug auf die Effektivität auf den jeweils Ausübenden an. Wie alt ist der älteste Ausübende, den du kennst?

    • Die Vorurteile zwischen unseren Nationen schwinden. Aber es wird noch eine ganze Weile dauern, bis der alte Hass vergessen ist. Vor allem junge Menschen haben wenig bis keine Problem. In Fukuoka trifft man immer wieder auf SüdkoreanerInnen, die sogar japanisch sprechen. Koreanisch selbst ist auch nicht wirklich schwer zu lernen.

      Im Gegensatz zu China stellt aber Südkorea keine Bedrohung für Japan dar. Politisch arrangiert man sich daher, die „einfachen Menschen“ haben sowieso kein Problem miteinander. Vergleichen kann man das mit einer Beziehung Deutschland – England vor einigen Jahrzehnten.

      Darf / kann deine Schwester keinen Sport mehr machen?

      TKD ist durchaus effektiv, wirkt aber oft verspielt.

      In (m)einem Düsseldorfer Dojo gab es eine Reihe von Leuten die schon über 50 Jahre jung waren. Sonst kenne ich leider keine älteren, meine Zielgruppe waren (sind) Kinder und (junge) Frauen. Möglich ist Karate aber bis ins hohe Alter, wenn die Gesundheit das erlaubt.

      • Danke für die Erklärung zu Südkorea und Japan im Vergleich.
        Meine Schwester hatte durch einen Autounfall (letztes Ostern) die Wirbelsäule gebrochen und muss bald noch einmal unters Messer. Gott sei Dank hatte sie nur kurz nach dem Unfall Lähmungserscheinungen, die wieder weg sind. Sie darf nichts machen, was ihre Wirbelsäule schädigen könnte. Ich habe ihr Tai Chi empfohlen.
        Schön, dass man Karate bis ins Hohe Alter machen kann. Für mich ist es total wichtig auch noch als Granny Wing Chun machen zu können.

      • Es gibt verschiedene Stile im Tai Chi. Im Westen ist meist nur der Yang-Stil bekannt, der alle schnellen, explosionsartigen Bewegungen entfernt, bzw. verlangsamt hat. Stichwort: Gesundheit

        Der Chen-Stil, den ich schon mehrfach angesprochen habe, gilt als Original. Von ihm leiten sich alle anderen Stile ab.

  3. Auch wenn das m.E. mit Kampfsport/Selbstverteidigung nix zu tun hat stehe ich voller Respekt vor Menschen, die ihre Körper so beherrschen – und ästhetisch siehts aus, keine Frage.
    (Für mich ist das im Video eher Tanzsport 😉 duckandcover )

    • Taekwondo basiert zum Teil auf dem klassischen Taekgyeon, das man wie das Capoeira als „Kampftanz“ bezeichnen kann. Beim Taekwondo wird viel Wert auf diesen Showeffekt gelegt, der beim Publikum gut ankommt. Damit hat man es bereits zu Olympia geschafft. Dieser Weg steht Karate noch bevor. Aber „wir“ schaffen das! 🙂

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