Denk ich an Deutschland in der Nacht

Seit drei Monaten sind wir nun in Japan, unser Leben hat sich normalisiert. Zwar vermissen wir liebgewordene Dinge, aber das gibt sich nach und nach. Wir leben im Haus meiner Eltern und haben dort unser eigenes Reich. Probleme? Fehlanzeige. Wir machen was wir wollen und das wird akzeptiert.

Was so rebellisch klingt, ist in Wirklichkeit ganz anders. Nach wie vor übernehme ich sämtliche Geschäfte meines Vaters und Yuki unterstützt mich dabei. Außerdem sind wir noch immer für eigene Projekte tätig. Und ganz nebenbei unterhalte ich diesen Blog.

Man (Frau!) hat mir die Frage gestellt, ob ich Deutschland vermisse. Die Antwort liefere ich gern. Etwas zu vermissen heißt, eine gewisse Art von Trauer zu empfinden. Dieses Gefühl ist mir fremd. Ich lebe in der Gegenwart und arbeite auf die Zukunft hin.

Aber 30 Jahre in einem Land zu leben, geht nie spurlos an einem Menschen vorbei. Daher verfolge ich noch immer das (politische) Geschehen in Deutschland und mische mich mit Worten ein. Ob das etwas ändert? Ja. Ein Schneeball löst eine Lawine aus.

Aktuell verfolge ich das Geschachere um mögliche Ministerposten und Merkels Rochade mit der netten Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK). Die eher provinziell wirkende „Putzfrau aus Saarbrücken“ ins Kanzleramt zu holen zeigt, auf welches Niveau unsere PolitikerInnen gesunken sind.

Putzfrau ist keine Beleidigung, liebe LeserInnen. AKK hat diese Figur seit Jahren im Karneval gegeben. Jetzt hat man sie zur Ausputzerin in der Berliner Puppenkiste gemacht. Die Frage ist nur, wer dort die Fäden zieht.

Der gefallene (B)Engel Gabriel bewirbt sich erneut als Außenminister und holt den Deutschenhasser Deniz Yücel aus dem Knast. Zwar ist das zu begrüßen, aber der Jubel darüber mutet seltsam an. Yücel, der die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft hat, ist in der Vergangenheit mehrfach durch wirklich üble Hetze aufgefallen. Guter Journalismus sieht anders aus.

Während er seinen Artikel in der taz „Super, Deutschland schafft sich ab!“ nach harscher Kritik als „Satire“ gesehen haben wollte, hat ihn bzw. seinen Arbeitgeber, die Bemerkung über Thilo Sarrazin 20.000 Euro gekostet. In der Türkei sieht man das vermutlich lockerer, hat ihn aber wegen „Terrorpropaganda“ angeklagt.

Vermutlich wird man das auch bald mit dem AfD-Mann Poggenburg praktizieren. Geht ja mal so überhaupt nicht, dass sich ein Mitglied der Köterrasse über Kümmelhändler echauffiert. Aber was ein türkischer GRÜNER darf, ist für den deutschen AfDler natürlich tabu. Willkommen in Absurdistan!

Dort, bzw. in Afghanistan, steht auch die Bundeswehr und müht sich ums tägliche Überleben. Aber die Kindergärtnerin Uschi hat etwas dagegen und die Bundeswehr kaputt gespart. „Deutschland sei zur Zeit Verteidigungsunfähig“, haben (angebliche) Experten dazu gesagt.

Der empörte Aufschrei darüber kommt zu Unrecht. Die Politik will der Bevölkerung einen höheren Wehrhaushalt schmackhaft machen. Dass der, wie von den USA gefordert, kommen wird ist klar. Wieder hat man die dummen Deutschen reingelegt.

Ein Ei ins Nest der Demokratie haben GRÜNE und LINKE gelegt, als sie (an der Spitze der Antifa) den Frauenmarsch in Berlin blockierten. Die absurde Begründung der Gegner „Man habe eine Asylpolitikfeindliche AfD-Demonstration gestoppt.“

Zwar ist die Initiatorin Mitglied der AfD, aber ohne politisches Mandat. Das scheint sie natürlich in den Augen der Linken zu einer Nazibraut zu machen, auch wenn sie eine zum Christentum konvertierte Kurdin ist. Das Motto der Demonstration „Es reicht!“, richtete sich gegen sexuelle Gewalt an Frauen. Linken, die eigene Vergewaltigungen durch Migranten verschweigen, ist das natürlich egal.

Man darf auf die juristischen Kniffe der Staatsanwaltschaften gespannt sein, bei denen es nun Strafanzeigen hagelte. Grünlinke Abgeordnete haben zumindest im Bundestag gelacht. Sie übersehen dabei, dass im Internetzeitalter nichts vergessen wird.

Die Lacher haben auch die JUSOS auf ihrer Seite, die einen Hund zum Mitglied machten. Aber Hunde sind bekanntlich die besseren Menschen und ihrem Besitzer treu bis in den Tod. Wie wäre es, liebe GenossInnen, holt auch den sagenhaften Yeti in Lohn und Brot.

Den deutschen Michel tangiert das alles wenig. Zwischen Tagesschau und Krimi wird schnell Liebe gemacht. Danach geht es flugs ins Lotterbettchen, um am nächsten Tag brav zur Maloche zu gehen. An Deutschlands Zukunft und die eigene, hat er dabei nicht gedacht.

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16 Kommentare zu “Denk ich an Deutschland in der Nacht

  1. Ach herrje, zwischen Tagesschau und Krimi? Dafür bin ich nicht schnell genug, aber das die Bundeswehr noch nie einsatzfähig war kann ich bestätigen, denn keiner unserer Soldaten würde je freiwillig auf Menschen schießen, also ist der ganze Zinnober nicht nur veraltet, sondern im jetzigen System überflüssig. Wir sind seit 1950 nur noch Steigbügelhalter für die Natopartner und mehr werden wir auch in Zukunft nicht sein, auch wenn jetzt das Geld wieder ins Militär fließt und nicht ins Bildungssystem und mal im Ernst, wer will auch schon gut (vor)gebildete Soldaten in der der Armee haben, die stellen sich nur überflüssige Sinnfragen, wo doch blinder Gehorsam gefragt ist. Meine Vermutung ist, dass diese Regierungszeit als Verschwendung in die Geschichte eingehen wird und die Protestwähler noch drastischer zunehmen, egal was vorher gewählt wurde. Vielleicht könnte man eine Wahllotterie daraus machen, da es grundsätzlich egal erscheint, wer mit wem was regiert. Und in Berlin und anderswo? Wir weiter Instrumentalisiert, als ob es kein morgen mehr gibt, ob #FreeDeniz oder anderen Quotenbringer, da wünscht man sich schon fast den nächsten Lebensmittelskandal, um mal etwas anderes zu hören oder zumindest eine schmutzige Affäre zwischen Mutti und Lindtner, auch wenn das nur ein paar Sekunden gedauert hätte 😉 Farbenfrohe Grüße ins Elfenheim!

    • Bekanntlich wird Deutschland zur Zeit am Hindukusch verteidigt. Vielleicht hatte man aber auch nur Angst vor den SoldatInnen und hat sie daher vorsorglich im Ausland stationiert. Warum? Vielleicht sollte man sich die Aussagen eines gewissen Herrn Yascha Mounk durch den Kopf gehen lassen, die er bei den tagesthemen machte.

      Im zweiten Teil seiner Antwort auf die Frage „Warum ist das Grundvertrauen in die etablierte Politik so zurückgegangen?“ sagte er:

      „… weil wir hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen und zwar eine monoethnische, monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln.“ Nach diesem „Coming Out“, das er entweder leichtfertig oder absichtlich machte, ging ein Aufschrei durchs Netz. Vielleicht ist das die schmutzige Affäre von der du sprichst.

      Warum schaut Deutschland weiter nur zu?

      Gute Nacht. In Japan wird das nie passieren.

  2. Dein Blog – wie immer auf den Punkt und auf der Höhe der Zeit.

    Mir fällt es, offen gestanden, ziemlich schwer, in Bezug auf D-Land noch günstige Prognosen abzugeben.
    Wenn man bspw., wie in der Tagesschau von diesem Herren (siehe oben), bestätigt bekommt, dass das Ganze einer Agenda (und hinzugesetzt von mir: einer Ideologie) folgt, die singulär ist und deren Ausgang keiner kennt, dann wird einem so oder so bange:
    Dass das Pendel weiter in die eine Richtung schwingt und irgendwann vielleicht ebenso heftig in die andere zurück, und das jeweils über den Auslenkungspunkt hinaus, bei dem ich noch für mich zivilisatorisch akzeptable Lösungen sehe.
    Vermutlich sind andere aufgrund Sozialisierung etc. da weiter und haben ihre individuelle Lösung irgendwo zwischen Alltagseskapismus und Vorbereitung eines Bürgerkrieges bereits gefunden. Für mich klar ist allerdings, dass das öffentliche Zeigen von Meinung, was ja, sofern es nicht die „richtige“ ist, bereits massiv sanktioniert wird (siehe bspw. Berlin am vergangenen Wochenende), nur eine notwendige, nicht aber hinreichende, Voraussetzung sein kann. Es wird sich dann die Frage nach Handlungserfordernissen stellen und damit verbunden die Frage, ob für Handlungen überhaupt noch die mentale wie auch logistische Grundlage vorhanden ist?

    Ich habe in einer anderen Quelle unlängst von Versicherungs-internen Untersuchungen gelesen, nach denen in den vergangenen Jahren eine deutlich erkennbare Verschiebung der Ursachen von Angststörungen festzustellen ist – kaum erstaunlich. Die hiermit verbundenen sekundären Kosten des Umgestaltungsplanes (ich nenne das andere Wort jetzt nicht – soll Herr Yücel meinetwegen machen, kann er eh‘ besser) werden wohl, wie manches andere auch, nicht in der FEDIDWGUGL-Statistik aufscheinen.

    Schöne Grüße und beste Wünsche in das m.E. mit ungleich besseren Zukunftsperspektiven gesegnete Japan
    Oli

    • Ich bin noch wach, aber die Antwort wird nur kurz. Die bewusst herbeigeführte „Nazifizierung“ normaler BürgerInnen, ihre Stigmatisierung durch „reisende Gewalttäter)“, wie die Gewerkschaft der Polizei die Antifa nannte, hat Methode. Hier wird klar „Teile und herrsche“ praktiziert. Durch wen? …

      Mit unserer Logik ist das nicht mehr zu begreifen, dazu sind wir zu normal. Als problematisch sehe ich die jetzt mögliche, verstärkte Aktivität wirklicher „Rechter“ an, die – vom Verfassungsschutz bezahlt – auf ihre Chance lauern.

      Ich sehe nicht zu schwarz, aber Deutschland muss endlich aus seiner Lethargie erwachen und in Kandel, Bottrop und anderen Städten immer wieder auf die Straße gehen. Einige deutsche Freundinnen wollen sich beteiligen. Leider kann ich zur Zeit nur mit Worten unterstützen. Und das werde ich auch weiterhin tun.

      Grüße aus Fukuoka!

  3. Besonders interessant (raffiniert) finde ich, dass Merkel ihren Kritiker Spahn als Gesundheitsminister einsetzen wird. Um ihn auszubremsen (leider werde zu lassen)? Um ihre Kritiker in der CDU zu besänftigen?

    • Noch gibt es keine GroKo, aber Merkel muss die CDU verjüngen. Mit der aktuellen Riege war nie ein Blumentopf zu gewinnen.

      Jens Spahn war ursprünglich als Generalsekretär vorgehen. Aber dagegen hat er sich erfolgreich gewehrt. Das wäre sein politisches Ende gewesen. Bei AKK bin ich mir nicht so sicher, für sie könnte dieser scheinbare Rückschritt ein Satz nach vorn gewesen sein.

      Natürlich ist es ein alter Hut, die eigenen KritikerInnen weg zu loben. Jens Spahn kann nicht viel gewinnen, wenn er den Posten antreten wird. Warten wir es einfach ab und beobachten ihn, wenn es so kommt. Aber ob aus ihm ein zweiter Kurz wird? Ich zweifle noch.

  4. Deutschland ist schon am Boden und die Zukunft wird es zeigen.
    Sobald die heutige Jugend das Arbeitsalter erreicht und die Alten aus der Arbeitswelt ausscheiden. Die Dummheit und Frechheit unserer Kinder hat neue Höhen bzw. Tiefen erreicht.
    Dies wurde mir von mehreren Lehrern bestätigt.
    Gut betuchte Deutsche und Firmeninhaber suchen nach einer neuen Heimat bzw. haben diese schon gefunden. (Eine Freundin wird bald Deutschland den Rücken zukehren und ihre Firma schließen).

    Ich bezweifle, dass sich in den nächsten 4 Jahren was ändern wird. Deutschland aus seiner Lethargie vollends erwacht. Wenn ja wird es viel Kraft und Energie benötigen um wieder auf Kurs zu kommen. Nur wer wird dann noch da sein und welcher Rücken muss dann dafür herhalten.

    • Wegzulaufen ist natürlich immer eine Option. In der Opposition für Veränderung zu „kämpfen“ wäre besser. Das kann man, wie ich, auch vom Ausland aus. Wobei es mir als Japanerin völlig egal sein könnte, was mit Deutschland geschieht.
      Die breite Masse in Deutschland muss aufgerüttelt werden, der friedliche Protest gegen die Merkel-Diktatur kann erfolgreich sein.

  5. Nachdem wir nun wieder die GroKo gewählt haben werden die Proteste kleiner ausfallen.
    Der letzte Protestmarsch in Frankfurt ist sehr klein ausgefallen, auch wahr eher das ältere Semester vertreten. Ich denke mal das der Großteil in Deutschland einfach weiter schimpfen aber nicht auf die Straße wird.
    Ehrlich gesagt bereue ich es selbst vor 20 Jahren Deutschland nicht verlassen zu haben. Aber was nimmt man nicht alles in kauf für die Liebe :D!

    • Wer ist „wir?“ Die GroKo ist von der Mehrheit der Bevölkerung abgewählt worden. Leider (noch) nicht deutlich genug. Also werden sie noch eine Weile diktieren, wie Deutschland zu leben hat.

      Selbst in Japan bin ich über Proteste und Demonstrationen offenbar besser informiert, als viele Deutsche. Am Wochenende fanden in Kandel und Bottrop erneut oder erstmalig Demonstrationen statt. Cottbus war letzte Woche. Davor Berlin. Noch ist das kein Flächenbrand, PolitikerInnen zeigen sich bisher nur „besorgt“ und die Presse macht aus normalen Bürgern böse Rechte.

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