Manga, Miezen und Karossen

Unser Leben in Japan ist anders. Die Zeitumstellung haben wir schon längst vergessen. Nur mein Laptop läuft noch immer auf deutscher Zeit, eine letzte Erinnerung an gestern. Wir knüpfen Kontakte mit japanischen Firmen, die mit Deutschland handeln wollen. Unser großer Vorteil, wir sprechen beide Sprachen.

Meine Cousine erlebt einen Höhenflug, die Depression scheint wie weggeblasen. Aber bleibt das auch so? Tapfer übt sie Karate, die Mädchen freuen sich. Ohnehin sind sie der absolute Mittelpunkt unserer Familie. Überall nur Tanten und Onkel, die sie auf Händen tragen.

Wir machen Pläne für die Zukunft und verwerfen sie wieder. „Du machst Pläne!“, sagt Yuki frech, „und mich damit wahnsinnig!“ Ken hat sich verändert, die letzte Trennung war ein harter Schlag. Wir sehen ihn kaum, er arbeitet Tag und Nacht. Übermüdet fällt er von einer Leiter, nun liegt er mit Rippenbruch im Krankenhaus.

Wir besuchen den Kindskopf, der schon wieder lachen kann. „Barbie Cousinchen“, begrüßt er mich, „bitte hol mich ganz schnell wieder raus!“ Den jungen Arzt zu überreden ist einfach, er ist Kens Freund seit Kindertagen. Mit Leidensmiene steigt Ken ins Auto, zu Hause steckt ihn die Tante wieder ins Bett.

Am 12. Januar 2018 ruft der Auto Salon in Tokio. Prompt machen wir uns auf den Weg. Zwei Stunden Flugzeit trennen uns von den Edelkarossen. Wir fliegen im Auftrag, aber Spaß werden wir trotzdem haben. Unsere Mission, die Trends aus Japan kritisch zu betrachten. Aber werden in Japan Trends gemacht?

Die Antwort ist kompliziert und irgendwie japanisch, wir veredeln Trends, wir machen sie besser. Das Maß aller Dinge in der Autobranche bleiben immer noch die USA. Aber für die SEMA Show in Las Vegas hatten wir leider keine Zeit. Das wird sich vielleicht 2018 ändern, Los Angeles ist noch immer eine Option.

Tokio ist immer eine Reise wert. Wir waren schon öfter hier. Aber an diesem Wochenende werden wir keine Zeit für das bunte Treiben haben, wir sind zu einer noch bunteren Welt unterwegs. Diese Welt besteht aus in Stahl gepresste Leidenschaft, Auto Salon wir kommen!

Während ich in einem Manga blättere schaut sich Yuki die neuste Mode an. Dann tauschen wir die Hefte. Elfchen schnauft. „Was du auch immer liest!“ Dabei ist die Geschichte völlig harmlos. Also fast. Was kann ich dafür, wenn die Heldin alle niedermetzelt? Aber die neuen Modetrends finden wir dann beide gut.

Am Flughafen Tokio angekommen genießen wir die Fahrt mit dem Zug. Keiner spricht, einige Fahrgäste tragen Mundschutz. Das werden wir auf der Messe noch öfter sehen. Ob das wirklich vor Erkältung schützt? Elfchen und ich sind gegen Grippe geimpft, das machen immer so. 11 Hallen mit 880 Autos erwarten uns. Gegen dieses Virus hilft keine Spritze.

Alles was Rang und Namen hat tummelt sich auf der Messe. Deutsche Klänge hören wir ebenso, wie Französisch und Englisch. Ein bekannter Youtuber hastet vorbei, ich höre vertraute Klänge. „Die Welt ist klein geworden“, sage ich auf Japanisch. Yuki schaut und nickt. Aber Werbung werde ich keine für ihn machen.

Ich schieße Bilder, die für Wolf gedacht sind. Noch von der Messe maile ich sie ihm zu. Es geht vornehmlich um Folgen und Body Kits, die Tuning Schmiede geht mit der Zeit. Wir nehmen Prospekte mit und Visitenkarten, mein Rucksack ist zum Glück fast leer.

Wir treffen Herrn Yamasaki. Einige LeserInnen erinnern sich bestimmt, wir haben ihn bereits in Detroit gesehen. Knapp dreißig Minuten ziehespäter haben wir seine Unterschrift in der Tasche. Niemand verhandelt so gut wie wir. „Wie du!“, diktiert mir Yuki, sie hat neben mir gesessen.

Die Eindrücke erschlagen uns fast. Ein Nissan GT-R Umbau zieht mich magisch an. Und ist das nicht der Honda NSX? Wie eine Katze schleiche ich um den Wagen. Der ist toll, das Mädchen davor fast noch besser. Prompt schießt Yuki böse Blicke auf sie ab und ich fotografiere nur den Honda. Wirklich tummeln sich viele schöne Frauen auf der Messe. Sie werten auf, was kaum noch aufzuwerten ist.

Wir bleiben zwei Tage und fliegen am Sonntag wieder zurück. Aber wir haben uns nicht nur Autos angesehen. Tokio ist immer eine Reise wert. Ich kann die Stadt nur wärmstens empfehlen. Yuki gibt die Eifersüchtige, als wir im Flieger sitzen. „Ich lasse mir jetzt die Fingernägel wachsen“, sagt sie zum Spaß, „dann kratze ich jeder Mieze die Augen aus.“ Prompt habe ich „Miau!“ gesagt und bin nun vor Liebe blind.

 

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16 Kommentare zu “Manga, Miezen und Karossen

  1. Ein schöner Bericht, der mich an meine letzte Reise nach Tokio träumen lässt.

    Ich bin mal auf die Messe 2019 in Frankfurt gespannt. Wenn Sie mich wie letztes Jahr enttäuscht werde ich diese wohl nicht mehr besuchen.
    Frauen und Autos gehören eben zusammen :D.
    Zum Glück findet nächsten Monat die Automobilmesse in Genf statt.

    Des weiteren wünsche ich Euch einen schönen 2 Monat und Ken viel Kraft.

  2. Guten Morgen nach Japan. Mädchen und Autos haben für mich noch nie zusammen gehört, aber das nur am Rand 😉 Natürlich wünsche ich Ken beste Genesung und bedanke mich für die persönlich gemachten Bilder von eurem Rundgang! Für euch/ dich als Profi(s) ist so eine Messe bestimmt interessant, weil ihr alles sehen dürft, was ihr wollt. Ich war einmal in Frankfurt und fand das todlangweilig, weil ich die tollen Fahrzeuge nicht von innen sehen durfte und die anderen nicht sehen wollte 😀 Was die Messe oder der Automakt Europa voraus hat weiß ich nicht, denn innovatives ist mir von dort selten begegnet, aber vielleicht meinst du ja auch die Show. Beste Grüße ins Elfenheim 🙂

    • Auf der Messe ging es primär um die Optik, aber es gab auch Umbauten (Motor etc.) zu sehen. Gute Bilder zu machen, ist für mich als in dieser Hinsicht Unbegabte recht schwierig. Aber wen es wirklich interessiert, der liest entweder Fachzeitschriften oder schaut sich ein Video an.

      Japanische Messen sind anders, japanischer eben! 😀 Wir haben natürlich die schöneren Miezen … äh … Frauen. Miau! Aber eigentlich ist das eine Show für Männer, die hellauf begeistert durch die Hallen liefen. Vielleicht sollten nächstes Jahr irgendwelche Dream Boys vor den Karossen posieren. Ich lache mich dann weg. 😉

  3. Mir persönlich gefällt es nicht, wie Frauen auf solchen Messen dargestellt werden / wie sie sich geben (müssen). Bei der Gamescom stört mich das auch immer. Sie werden dort objektiviert.
    Yi Man möchte auch endlich wieder mal nach Japan. Ich würde gerne mal Okinawa sehen.

  4. Hallo nandalya,
    lange nicht bei dir kommentiert. Schön, dass du mal über das Leben in Japan geschrieben hast. Würd auch gern mal dahin.
    Ich habe eine Bloggerin auf dem Schirm, die nach Japan fahren will.
    Wir setzen uns gerade – mal wieder – mit dem Zufall auseinander (alter Artikle)..
    Vielleicht hast du ja auch mal Lust auf `n bisschen Psychologie und hast eine Meinung zu diesem Austausch unter Kommentaren:
    https://4alle.wordpress.com/2012/12/02/synchronizitat-oder-zufall/
    Alles kann, nichts muss!
    Schönen Tag!
    Jürgen aus Loy (PJP)

    • Es gibt keinen Zufall. Oft interpretieren wir zeitgleich auftretende Ereignisse lediglich als solchen, weil sie uns in den Kram passen, um es salopp auszudrücken.

      Über das Leben in Japan zu schreiben ist schwierig. Man (Frau auch) muss es selbst gelebt haben, um es ansatzweise zu verstehen. Selbst ich brauche immer eine gewisse Zeit, um mich an Japan zu gewöhnen. Aber zur Zeit fühlen wir uns hier pudelwohl.

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