Starke Frauen: Rika Usami und Kiyou Shimizu

Freundinnen, die seit Jahren meinen Blog verfolgen, haben mir zum 5. Dan gratuliert. Leider konnte ich bisher keine dazu bewegen, auch einen Kommentar zu schreiben. Haben die etwa Angst?

„Ich erstelle mir doch keinen Blog!“, ist der einhellige Tenor, „es reicht doch, wenn ich dir eine Mail / SMS schicke!“ Das sehe ich natürlich anders und drohe scherzhaft Konsequenzen an. Aber die Mädels fühlen sich sicher, schließlich lebe ich weit entfernt.

Linda, mit der ich lange in Stuttgart Kurse gab, erinnert mich in einem Telefongespräch an zwei Videos, die ich schon lange mit meinen LeserInnen teilen wollte. Die beiden Filme zeigen die Japanerinnen Rika Usami und Kiyou Shimizu, die eine Kata in Reinkultur vorführen.

Eine Kata im Karate ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen besteht, welche jedoch im Karate meist gegen imaginäre Gegner geführt werden. Ich kenne viele davon und kann sie auch gut laufen. Aber gegen die beiden Mädels aus dem Video, hat auch eine Mayumi keine Chance. Schon sehe ich Unverständnis auf den Gesichtern meiner LeserInnen und höre die Frage „Warum ist das so?“

Die Antwort ist einfach, Kata zu laufen ist für die beiden ein Beruf. Während ich mich auf reine Kampfkunst und Selbstverteidigung konzentriere, die Kata nur als Pflicht im Training zeige, ist sie für diese beiden die Kür.

Wer sich nun vielleicht die Frage stellt, ob ich die beiden bei einem Zweikampf – Kumite – schlagen könnte, der hat Karate noch immer nicht verstanden. Sportkarate hat Regeln, ich lehre pure Selbstverteidigung.

Ich bin stolz auf die Leistungen der beiden jungen Frauen, die fast wie Schwestern wirken. Niemand präsentiert eine Kata besser als sie. Das erste Video zeigt Rika Usami, die 2013 ihre Goldmedaille gewann und danach (fast!) Tränen zeigte. Dieser emotionale Ausbruch, hat ihr damals die Herzen zufliegen lassen.

Auch das Herz einer Kiyou Shimizu, die nun ihre Nachfolgerin ist. “I wish that my Kata will impress many people“, hat sie vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. Und dann ist ihre Zeit angebrochen, nachdem Rika ihren Rücktritt erklärte. Nun ist sie die Königin.

 

Über Lindas Frage „Bist du bei den Spielen in Japan dabei?“ musste ich schmunzeln. Selbstverständlich werde ich dann in Japan sein und mir so viel wie möglich von Olympia und seinen starken Frauen ansehen.

 

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18 Kommentare zu “Starke Frauen: Rika Usami und Kiyou Shimizu

  1. Mir gefällt der Stil von Usami besser, denn er ist ruhiger und präziser. Was mir wirklich auf die Nerven geht ist der dauernde Krach der Zuschauer während der Übung, denn auch die Geräusche während der Vorführung haben einen Platz verdient, finde ich. Danke für die Clips!

    • Die Leistung der SportlerInnen ist genau wegen diesem Lärm, dem Klatschen, noch höher zu bewerten. Rika Usami war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, als sie diese Kata zeigte. Das ist der Unterschied zu der deutlich jüngeren Kiyou Shimizu.

      Ich bin nie im Wettkampf Kata gelaufen, aber beim Kumite hörst du die Zuschauer nicht. Man ist auf die Gegnerin fokussiert, auf den Moment. Alles andere habe ich ausgeblendet. Auch die Emotionen.

  2. Auch was das Hairstyling betrifft, scheint Usami Kiyous Vorbild zu sein. 😉
    Ich wusste gar nicht, dass es auch im Karate Stände gibt, bei denen sich der größte Teil des Gewichts auf dem hinteren Bein befindet. Die beiden Königinnen haben es wirklich drauf! 👍

    • PS: Außer bei der Kranich-Technik (Karate Kid 1), die wohl aus dem Kung Fu übernommen wurde.

      Ich habe dich das sicher schon einmal gefragt. Usamis und Kiyous Disziplin sind die Katas, richtig? Sie sind wahrscheinlich noch nie bei einem Wettkampf beim Kumite auf andere Gegnerinnen gestoßen, oder? Durch ihre Bewegungen bin ich mir aber sicher, dass sie auch dabei sehr erfolgreich wären, auch wenn es ein Sportwettbewerb wäre und keine kampfkünstlerische Darbietung.

      • Die japanische Sprache kennt keinen Plural, es heißt also nur „die Kata“, auch für mehrere Formen. Ich denke, dass beide Frauen auch schon Kumite gemacht haben. Aber nicht auf hohem Niveau. Die Darstellung der Kata ist von beiden außerordentlich gut! Da werde selbst ich (nicht!) neidisch. 😉

        Karate Kid 1? 😀 Lustiger Film. Mit Karate hatte der wenig zu tun. Mr. Miyagi war aber vermutlich eine Hommage an Miyagi Chōjun, den Gründer des Gōjū-Ryū Stils.

    • Die kurzen Haare sind mehr dem Sport geschuldet. Lange Haare sind dort hinderlich. Weißt du, auch Japanerinnen transpirieren. Wenn auch weniger, als Europäerinnen. 😉

      Rika Usami hat die Haare nach ihrem Rücktritt wachsen lassen. Sie sieht heute ganz anders aus.

      Karate ist soviel mehr, als die meisten Menschen glauben. Selbst (Shotokan) Dan Träger, die nach Japan kommen, staunen oft, wie wenig sie können.

      Leider ist (Sport)Karate im Westen zum Schatten seiner selbst geworden. Das wird sich zumindest in Japan wieder ändern. Wir wollen authentisches Karate fördern und lehren.

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