Karate heute – Zurück zu den Wurzeln

Vor mehr als einem Jahr, habe ich den Beitrag „Das ist Karate!“ verfasst. Dort habe ich auf die Unterschiede zwischen der Kampfkunst und dem daraus entstandenen Sport hingewiesen.

Aber noch immer herrscht großes Unverständnis darüber, was Karate wirklich ist. Kickboxer und muskelbepackte Mixed Martial Arts (MMA) Fighter rühmen sich, die besten auf der Welt zu sein.

Aussagen wie diese zeigen nur wieder, dass man(n) wie so oft nichts versteht. MMA ist ein Sport, bei dem es feste Regeln gibt. Traditionelles (Okinawa) Karate dient nur der Selbstverteidigung.

Wieder sind es die beiden Sensei aus dem damaligen Video, die „Karate für die Straße“ zeigen. Und das wie ich finde richtig gut! Vermutlich werden nun einige LeserInnen verblüfft die Köpfe schütteln und sagen „Das habe ich schon anderswo gesehen!“

Ja, das haben sie wirklich, andere Kampfsportarten haben sich nämlich kräftig beim Original bedient. Auch und ganz besonders, das angeblich so tolle MMA, das lediglich die niederen Instinkte der Massen anspricht.

Aber bis auf das damals noch unbekannte Boxen, hat man so schon vor Jahrhunderten auf Okinawa trainiert. Mit allerdings erheblichen Konsequenzen für Angreifer, wenn es den Ernstfall gab.

Immer mehr Sensei besinnen sich auf die Wurzeln des Karate und wollen diese entweder selbst lernen, oder an ihre Schüler weitergeben. Vielleicht hat dieses neue Interesse an (m)einer Kunst etwas mit den Olympischen Spielen in Japan zu tun und bietet die einmalige Chance, den Wettkampfsport Taekwon-Do abzulösen.

 

 

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12 Kommentare zu “Karate heute – Zurück zu den Wurzeln

  1. Kampfsport ist für mich nur von Interesse, wenn die Kämpfenden einer gewissen Ästhetik unterliegen, die darauf hinweist, dass es eine Art Schach ist, auch wenn die Bewegungen sehr schnell ausgeführt werden. Einfach auf einander einzudreschen finde ich langweilig. Friedliche Grüße ins Elfenheim!

    • MMA, Vollkontakt (Sport!)Karate etc., sind das Spiegelbild einer dekadenten Gesellschaft, die zunehmend verroht und ihre eigenen Werte vergisst. „Bloodsport“ ist (wieder) in, als Ersatz für Kriege? Man(n) schlägt sich also friedlich die Köpfe ein?!? Na ja …

      Grüße aus dem nächtlichen Fukuoka

  2. Ja vielen Dank für den Beitrag. Ich sehe den beiden wirklich gerne zu. Aber nicht, weil ich Gewaltverherrlichung propagiere, sondern weil es zeigt, was (alle) Kampfkünste im Grunde wollen, Verteidigung gegen Angriffe. MMA ist da eigentlich nicht anders – aber es hat eben den bitteren Beigeschmack der Show, statt wie z.B. Krav-Maga, Systeme zu kombinieren…

    • Dir ist bewusst, dass MMA ein Vollkontakt Kampfsport ist und absolut nichts mit Selbstverteidigung im Sinn der Kampfkünste zu tun hat? Dir ist auch bekannt, dass beim MMA sehr wohl verschiedene Sport Systeme kombiniert werden? Meist Judo, Jiu Jitsu / BJJ, Boxen und Muay Thai, bzw. Kickboxen.

      Die beiden Sensei zeigen ein Karate, dass fast in Vergessenheit geraten ist. Der Stil ist das auf Okinawa entstandene Shōrin-Ryū, das wie das Gōjū-Ryū sehr stark vom chinesischen „Kung Fu“ beeinflusst ist. Während Shōrin-Ryū angeblich aus dem Shaolin Stil entstand, übersetzt heißt es auch Shaolin (Wäldchen), stammt Gōjū-Ryū vermutlich aus dem Weißen Kranich Stil. Aber das Thema hatten wir schon.

      Durch das populäre Shotokan, durch sportliche Wettkämpfe, ist das „alte“ Karate unpopulär geworden. Plötzlich wollte alle Welt hoch kicken und aus der Distanz agieren. Das Video zeigt, wie effektiv echtes Karate ist und dass es sich nicht vor neuen Systemen zu verstecken braucht. Eher ist das Gegenteil der Fall.

      Krav Maga sehe ich als Sonderform. Zwar als Selbstverteidigung eingestuft, bedeutet Krav Maga „Kontaktkampf.“ Aber ist es wirklich Notwehr, wenn ein israelischer Soldat einen arabischen Terroristen zuerst angreift und mit Krav Maga tötet? Die in Deutschland gelehrte zivile Form ist dagegen wirklich reine Selbstverteidigung.

    • Das „steif“ wirkende Shotokan Karate, ist immer mehr auf das Notwendigste reduziert worden. Kickboxen ist noch weiter vom Ursprung entfernt. Ich nenne Shotokan auch gern Schulkarate. Meiner Meinung nach ist es einfacher zu lernen, als die alten Stile und hat seine Berechtigung im Breiten- bzw. Wettkampfsport. Wer die traditionelle Kampfkunst sucht, ist bei den Okinawa Stilen besser aufgehoben.

      Shōrin-Ryū Karate ist sehr nahe am chinesischen Original, unterscheidet sich aber wieder von (meinem) Gōjū-Ryū. In beiden Systemen wirst du sofort die Verwandschaft zum „Kung Fu“ erkennen. Das folgende Video zeigt einige Gōjū-Ryū Techniken, die, wenn ich sie vorführe, für große Augen bei SchülerInnen sorgen. „Wie jetzt, das soll Karate sein?“

      Für meinen Vater und mich ganz besonders, ist der Mix aus dem klassischen Aikijujutsu und Karate nie ein Problem gewesen und kommt unserer Art der Selbstverteidigung entgegen. Bewusst vermeide ich das Wort „Kampf.“ Ich kämpfe nie, ich verteidige (mich) immer. Mein Vater wollte mir aber nach einigen Jahren Training auch den Blick über den Tellerrand ermöglichen, als er meine Wissbegier bemerkte und hat mich zu einem befreundeten Taekwon-Do Meister geschickt. Und schon waren meine hohen Kicks und Sprünge geboren. So habe ich Stück für Stück aus anderen Systemen gelernt, sie für meinen Stil übernommen oder verworfen.

      Klassiches Gōjū-Ryū zeige und trainiere ich nur noch für Prüfungen. Ansonsten lehre ich einen bunten Mix aus Techniken verschiedener Stile, die einfach zu lernen und anzuwenden sind. Meiner Meinung nach ist es für jeden Kampfkünstler wichtig, auch mögliche „Gegner“ zu kennen. Das gilt auch für Kampfsportler, die auf Wettkämpfe gehen. Wer sich nur auf (s)ein System konzentriert, wird darin vielleicht gut und im Ernstfall KO geschlagen.

      • Gern. Traditionelles Karate ist so viel mehr, als nur einige Kicks und Schläge.

        Aber wolltest du bezüglich der Akupressurpunkte nicht eine ganz andere Frage stellen? Die, ob sie auch funktionieren? Ja, das tun sie. Aber ich muss dir kaum erklären, dass es immer ein „Aber!“ gibt. Oder? 🙂

      • Das „Aber“ bezieht sich auf die Anwendbarkeit bei der Selbstverteidigung. In alten „Kung Fu Schinken“ kann ein (fliegender) Meister seine Gegner mit nur einem Finger besiegen. Versuch das in der Realität. 😀

        Gegen Untrainierte, die still halten, funktioniert ein Druckpunkt durchaus. Aber stehe ich einem 100 kg + Mann mit dicker Fettschicht gegenüber, wird das nix. Jetzt klar? 🙂

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