Gedanken einer Ausländerin: Das Fremde

Mit diesem Beitrag werde ich eine unregelmäßige Reihe beginnen, die mein Leben als Ausländerin in den USA und Deutschland zeigt. „Moment mal“, werden einige meiner LeserInnen sagen, „du hast doch einen deutschen Pass!“ Aber macht mich ein Stück Papier zu einer richtigen Deutschen oder werde ich für in Deutschland geborene immer nur die Fremde, die Ausländerin sein?

Regelmäßige BesucherInnen meines Blogs kennen vielleicht meinen türkischen Onkel Ahmed, den (Geschäfts)Freund meines Vaters. Mit seiner Existenz habe ich ein weiteres Geheimnis zu „meinen Männern“ gelüftet. Auch wenn ich den Namen verändert habe, Onkel Ahmeds Philosophiestudium ist echt.

Ich kenne ihn seit mehr als 25 Jahren, mit seinen EnkelInnen bin ich aufgewachsen. Uns verbindet echte Freundschaft über alle Grenzen von Religion und Politik, die bis heute hält.

Vor fast genau einem Jahr, im Oktober 2016, habe ich ein langes Gespräch mit ihm geführt, das, wegen aktueller Ereignisse, nie den Weg auf meinen Blog gefunden hat. Unter anderem hatten wir über die Flüchtlingskrise und Fremdenfeindlichkeit gesprochen, die heiklen Themen unserer Zeit. Diesen Teil gibt es nun zu lesen.

Türkischer Honig

„Rassismus ist noch immer ein Thema auf der Welt“, hat Onkel Ahmed augenzwinkernd gesagt, als ich ihn zum Spaß mit japanischen Schimpfwörtern eindecke. Wie so häufig wenn wir uns sehen, hat er mich scherzhaft „Kobold(in)“ genannt, dabei ist auch er nur knappe 1,70 Meter groß.

Ich greife das Stichwort auf und während er mich mit türkischem Honig besänftigt will ich von ihm wissen, ob er jemals wirklichem Rassismus in Deutschland begegnet ist. Er überlegt kurz und wiegt dann den Kopf. „Na ja“, sagt er, „die üblichen Sprüche, aber mehr war da nie. Wie sind deine Erfahrungen?“

„Durchwachsen“, erwidere ich wahrheitsgemäß, „ich hatte eher Probleme mit Homophobie. Das weißt du bestimmt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Viele Deutsche haben Angst vor Überfremdung und bringen das mit offener Ablehnung zum Ausdruck.“ „Was verständlich ist“, stimmt mir Onkel Ahmed zu, „Frau Merkel hat die Bevölkerung überfordert und für Rassismus die Tür weit aufgemacht. Auch viele Neuankömmlinge haben den im Gepäck.“

„Du klingst wie ein AfD-Politiker“, necke ich ihn und weiß, dass er schon immer treuer SPD Wähler gewesen ist. „Jeder der gegen die herrschende Meinung ist, wird sofort diskreditiert“, erwidert er. „Diese Haltung finde ich erschreckend. Wir, die wir vor den Folgen warnen, werden nicht gehört. Dabei müsste man es besonders in Düsseldorf viel besser wissen.

Ich glaube Frau Merkels Satz <<Wir schaffen das!>> war Ausdruck ehrlichen Willens. Aber sie hat einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich spreche nicht von politischen Strömungen, ich spreche von der dadurch geschaffenen Angst. Erinnerst du dich an die Bankenkrise vor einigen Jahren und welche Sicherheit Frau Merkel den Bürgern gab?“

„Du meinst, dass das Geld der Sparer sicher sei?“, frage ich und Onkel Ahmed nickt. „Ja“, sagt er, „diese Garantie hat gefehlt. Das Volk schaut doch auf die Regierung und will von ihr vertreten werden. Aber plötzlich sieht es ein Staatsversagen. Ein Satz wie <<Niemand muss Angst vor den Flüchtlingen haben, wir schaffen das, liebe Bürgerinnen und Bürger!>>, wäre vielleicht besser angekommen.“

„Zusammen mit dem Hinweis, dass niemand Angst um seinen Arbeitsplatz oder seine Sozialleistungen haben muss“, füge ich noch hinzu. „Genau das hat sie versäumt und sich wie eine Despotin benommen. Und damit nicht nur meinen Widerstand geweckt.“

Philosophisch nachgedacht

Onkel Ahmed schaut mich nachdenklich an, ich ahne bereits was folgen wird. Der Philosoph ist erwacht und wird einen Vortrag halten. „Weißt du warum Menschen Angst vor Fremden haben?“, will er wissen. „Und zwar unabhängig von der sozialen oder materiellen Komponente?“ „Sag du es mir“, ermuntere ich ihn und höre seinen Ausführungen tapfer zu.

„Das Menschen Angst vor dem Fremden haben ist normal“, beginnt er. „Aber vor welchem Fremden fürchten wir uns, dem Fremden außer uns oder in uns, wie es der deutsche Philosoph Bernhard Waldenfels formulierte. Fremdheit beginnt doch schon im eigenen Haus, in uns selbst und auch der eigenen Sprache.

Unterscheiden müssen wir sie in eine radikale und relative Form. Schon der eigene Partner kann fremd erscheinen, eine quietschende Tür Ängste in uns wecken. Aber relative Fremdheit ist vorübergehend und wird unter günstigen Umständen zur neuen Erfahrung. Das radikale Fremde ist das eigentliche Problem und schafft im Übermaß eben jene Angst, die nun durch dieses Land schleicht.“

Die Hofierung des Fremden

„Ich habe keine Angst“, werfe ich ein. „Aber vermutlich ist Angst das falsche Wort dafür. Ich muss immer alles ergründen.“ Onkel Ahmed schmunzelt. „Ja“, sagt er, „ich erinnere mich. Wie war das damals, als du Shisha rauchen wolltest?“ Wir müssen beide lachen und Yuki schaut verwundert. Prompt hat ihr Onkel Ahmed die Geschichte erzählt.

„In Deutschland sehe ich zwei Lager“, sage ich als er fertig ist. „Eine Seite hofiert alles Fremde, die andere Seite hat die von dir angesprochene Angst. Hast du eine philosophische Erklärung oder ist das einfach nur politisch?“

„Mit der Hofierung des Fremden meinst du bestimmt die Linken“, erwidert er. „Aus reiner Selbstverleugnung überhöhen sie nun das Fremde. Darüber sprechen wir später noch. Lass mich dir ein Beispiel auf deine Frage geben. Im Urlaub bist du eine Fremde in der Fremde. Du magst das Fremde vielleicht gern, die Sprache, die Kultur.

Alles, was uns aus sicherer Distanz begegnet, hat den Reiz des Exotischen, das unsere Neugier anregt. Aber nun dringt das Fremde in das eigene Heim ein. Dieser plötzliche Überfluss macht vielen Angst und verführt zu Abwehrmaßnahmen, die sich gegen das Fremde richten, als müsse man es überwinden. Abwehr bedeutet nicht zwingend Gewalt, Abwehr kann sich auch in Demonstrationen manifestieren.

Das Fremde, bleiben wir beim Beispiel Flüchtlinge, wird für alle eigenen Probleme verantwortlich gemacht. Dieser Projektionsmechanismus funktioniere besonders gut, wenn der Einzelne wenig oder keinen Kontakt zu Flüchtlingen habe, hat ein Psychologe gesagt. Aber das halte ich für zu pauschal.“

„Ist vielleicht auch eine gewisse Eifersucht dabei?“, will ich wissen. „Wenn wir Frau Merkel als Mutter und Deutsche als ihre Kinder sehen, haben diese Kinder jetzt vielleicht einfach Angst davor, dass Mutti die fremden Kinder mehr als die eigenen liebt.“

Onkel Ahmed nickt. „Auch das spielt eine Rolle“, stimmt er mir zu. „Aber kommen wir zu denen, die alles Fremde lieben und sich selbst und Deutschland hassen. Sie sind das Opfer einer ideologischen Strömung, die sich tief in ihr Bewusstsein eingegraben hat. Man könnte sie auch konditioniert nennen. Tragisch daran, Betroffene können das nicht selbst erkennen.“

Auf der Flucht vor dem eigenen Ich

„Sind diese Menschen also quasi auf der Flucht vor dem eigenen Ich?“, frage ich. „Das könnte man sagen“, erwidert Onkel Ahmed. „Sie verleugnen sich und ihre Herkunft, überhöhen das Fremde und üben zum Teil sogar Gewalt gegen Andersdenkende aus.

„Bist du dir treu geblieben?“, will ich wissen, „kennst du dich?“ Onkel Ahmed nickt. „Wie du habe ich den deutschen Pass, aber ich bleibe doch Türke. Und ich liebe meine alte Heimat ebenso, wie dieses neue Land. Daran ist nichts falsch.

Als falsch sehe ich Merkels Entscheidung an und die dadurch entstandene Überforderung der Gesellschaft. Die Menschen sind zum Teil erschrocken, was passiert. Bernhard Waldenfels hat einmal gesagt <<Das Erschrecken ist ein Pathos, das uns widerfährt, gleich dem Erstaunen, mit dem laut Platon die Philosophie beginnt.>>

Wir schauen nun also erschrocken auf ein Heer von Leibern, dich sich mit Macht in unser Heim drängen. Die Fahnenschwenker nenne ich grenzenlos naiv, die Populisten ewig Gestrige. Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig Fremdvertrauen.

Wie wir mit in diesem Fall relativer Fremdheit umgehen lässt sich wunderbar an dir festmachen. Hast du nicht sozusagen gefremdelt, als du die deutschen und so fremdartigen Laute erstmals hörtest? Heute sprichst du sie besser als ich. Du hast die Fremdheit angenommen.“

„Den Fremden als das zu begreifen was er ist“, denke ich laut nach, „ist das der Schlüssel?“ „Der Schlüssel liegt im Begreifen des eigenen Ichs“, erwidert er. „Nur wer sich selbst nicht fremd ist, wird auch den Fremden akzeptieren können. Aber viele Deutsche verleugnen sich.“

Einfach und radikal

Er schmunzelt, als ich die Augen verdrehe. „Das ist sehr philosophisch gedacht, schon klar“, fährt er fort. Ich will auch nicht weiter darauf eingehen. Vermutlich werden die meisten solche Überlegungen nicht verstehen. Aber ich möchte doch noch zumindest einen Satz zu der radikalen Fremdheit sagen.

Radikale Fremdheit erleben wir, wenn wir vor etwas stehen, das sich außerhalb jeder und besonders unserer kulturellen Ordnung befindet. Deutsche und Europäer haben Angst vor der Überfremdung. Stell dir vor was passiert, wenn plötzlich 30 Millionen Fremde in Deutschland leben. Das wäre eine radikale Erfahrung!“

„Du glaubst an soziale Unruhen?“, hake ich nach, „Aufstände?“ „Ich glaube an eine zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft,“ erwidert er. „Die Abgehängten, wie sie schon der Spiegel nannte, werden sich erbittert wehren. Noch ist es lediglich Pegida oder die AfD, aber was passiert, wenn sich Millionen vereinen, wenn diese Menschen begreifen, wer die wirkliche Macht im Staate ist?“

„Aber dazu bedarf es einer charismatischen Gallionsfigur“, werfe ich ein. „Ich sehe zur Zeit keine.“ „Wir stehen erst ganz am Anfang einer sich verändernden Gesellschaft“, fährt Onkel Ahmed fort. „Die Parteispitzen der Volksparteien haben es bisher verstanden, sich selbst als alternativlos darzustellen. Jeden möglichen Konkurrenten hat man mundtot gemacht. Das wird sich noch bitter rächen.“

„Wird sich Deutschland verändern?“, frage ich, „siehst du eine Islamisierung?“ „Wen fragst du?“, will er wissen, „den Muslim oder den Philosophen?“ „Ich dachte du bist Gemüsehändler“, erwidere ich und bekomme ein lachendes „Frechdachs!“ zu hören.

Zur Aufklärung: Onkel Ahmed hat Philosophie studiert und danach den Laden seiner Eltern übernommen, der aber mittlerweile geschlossen ist. Im Hinterzimmer hat er vielen StudentInnen Nachhilfe gegeben und sie auf ihrem Weg inspiriert. Als Kind habe ich ihn respektlos Teephilosoph genannt, als er mit meinem Vater über Theologie und Religionen debattierte.

Fromm

„Ich sehe durchaus eine sich ausbreitende Frömmigkeit auch unter Türken“, fährt Onkel Ahmed fort. „Das hat verschiedene Gründe und mit wirklichem Glauben oft wenig zu tun. Im Islam finden viele scheinbar ihre verloren geglaubte Identität wieder. Plötzlich ist da ein WIR-Gefühl, ein falscher Stolz, mit dem sie sich über andere erheben. So war, wie ich vermute, die nicht reformierte und von Geistlichen mit politischen Ämtern beherrschte christliche Kirche.

Im Christentum gab es die Reformation, die Aufklärung, die dem Islam völlig fehlt. Der Islam ist wörtlich genommen eine Gefahr für jede Gesellschaft, wenn seine Anhänger die Scharia über menschliche Gesetze stellen. Der Islam ist dann harmlos, wenn Gläubige über die alten Suren schmunzeln und mit ihren deutschen Freunden ein Bier trinken gehen. So wie ich.

Viele Türken sind solidarisch mit Deutschland. Wir leben gern hier, wir mögen Deutschland genau so, wie es nun mal ist. Erdogans Phantasien, die politischen Ziele von Terrorgruppen, all das lehnen viele vehement ab. Wir gehen vielleicht in eine Moschee, die aber nicht zwingend wie im Orient aussehen muss. Aber in Wirklichkeit glauben die wenigsten an einen Gott. Das ist wie bei den Christen. Die gehen in die Kirche, weil es alle tun.“

Die Invasion

„Was kann oder sollte die Politik machen, um das Flüchtlingsproblem zu lösen?“, will ich von ihm wissen. „Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht?“ „Ehrlich zu sich und den Bürgern sein“, erwidert er. Aber Ehrlichkeit und Politik schließen sich aus. Das afrikanische Problem war viele Jahrzehnte nur aufgeschoben. Jetzt bricht es los.“

„Viele Konservative empfinden die Flüchtlinge bereits als Invasion“, stelle ich fest. „Ich zum Teil auch, aber das liegt auch in meiner Abneigung gegen aggressiv auftretende Männer begründet. Nur dich liebe ich natürlich heiß und innig, Onkelchen.“

Onkel Ahmeds Lachen ist ansteckend. Ich mag diesen alten Mann, der einerseits die Sanftmut in Person ist und andererseits richtig gut boxen kann und das schon gegen weniger nette Mitmenschen praktizierte. Auch mir hat er früher viel über diesen Sport beigebracht.

„Schon vor einigen Jahren gab es Hinweise auf immer mehr Menschen, die sich auf die gefährliche Reise nach Europa machen“, sagt er und bestätigt damit die Aussagen von Experten, deren Warnungen meist ungehört verhallen.

„Du hast das Stichwort Invasion benutzt. Was Deutschland braucht ist ein Auswahlverfahren für qualifizierte Kräfte. SPD und Grüne haben das ignoriert und Frau Merkel ist früher einen anderen Kurs gefahren. Wo sie heute steht siehst du selbst.“

Ich stehe mit diesem Beitrag nun am Ende. Ein anderer Teil des Interviews, die Warnung und Sorge vor Terroranschlägen, ist einige Wochen später von der Realität überholt worden und bleibt daher unveröffentlicht. Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von Professor Norbert Bolz, der den bemerkenswerten Artikel „Linke Lebenslügen“ schon 2010 in der taz geschrieben hat:

„Die Akzeptanz der Einwanderer hängt daran, dass die Immigration nicht als Invasion erscheint. Der Eindruck der Invasion entsteht am leichtesten bei Wirtschaftsflüchtlingen und beim Nachzug von Großfamilien. Natürlich muss Deutschland stets politisch Verfolgten Asyl gewähren; aber die Kriterien dafür sollten dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein.“

23 Kommentare zu “Gedanken einer Ausländerin: Das Fremde

  1. Ich beziehe mich nur auf persönliche Erfahrungen im Umgang mit Einwanderern..wer/wie auch immer… nette Leute, die auch noch lachen können. Bei uns klappt die Integration eben wohl fast von allein, so dass alle Vorrichtungen, Container etc. erst gar nicht bezogen wurden und wieder abgebaut werden mussten.
    In dieser Hinsicht hab ich auf meine Art mal mit Seehofer&co abgerechnet:
    https://4alle.wordpress.com/2017/10/10/obergrenze-pt-1-auf-dem-pruefstand/
    Jetzt warte ich nur noch auf besseres Wetter.
    Jürgen aus Loy (PJP)
    P.S. Am Wochenende haben wir in Niedersachsen Wahl…

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      • Ich kann dieses Wort bald nicht mehr hören, weil es immer so negativ besetzt mit ausländischen Menschen verbunden wird.
        Aber wie sieht das denn bei uns `Deutschen´ selbst aus? Wie gehen wir miteinander um? Wie begegnen wir einem sog. Penner, der auf der Straße sitzt? Warum lassen wir schwer Verletzte im Graben oder in der Bank achtlos liegen? Warum hilft mir `keine Sau´, wenn ich jemandem helfen will, der im Berufsverkehr mitten im Verkehr steckenbleibt und bringt mich selbst noch in Lebensgefahr? Ich könnte diese Reihe noch lange fortsetzen und viele andere Beobachtungen aus dem Straßenleben hinzufügen. Warte nur darauf, dass ich jemandem wegen unterlassener Hilfeleistung mal `eins vor`s Maul hauen´ kann, damit er mal aufwacht.
        Fazit:
        Lass uns mal vor der eigenen Tür fegen.
        Gruß
        Jürgen aus Loy (PJP)
        P.S. Einmal hab ich schon jemanden angezeigt. War Papierkrieg ohne Ende.

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      • Ich finde es bei einem Großteil deiner Ausführungen schwierig, einen Bezug zu meinem Beitrag herzustellen. Was wäre, wenn du enger beim eigentlichen Thema bleibst?

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  2. Ich freue mich auf den Tag, an dem sich die Moslems in Deutschland entscheiden müssen:
    Scharia oder Nichtscharia.
    Dies Art von Entscheidung ist existentiell.
    Für die Moslems (und für die Ungläubigen), die ganz, nach Semitenart, den Blick für den Mitmenschen schärft oder blendet, das hieße in letzterem Falle: Ungläubige, also Vieh, das man schlachten soll – oder gar muß.
    Ich bin nicht sicher wie das ausgeht, besonders wenn ich die Langlebigkeit und Intensität des „katholischen“ Jesuitismus als Vorbild nehme.
    Wer von all diesen Ideenverwaltern hat nicht auf dem Schirm: den dummen und fügsamen und eigeninitiativlosen Menschen – wer sich von diesen Vorgaben entfernt ist Häretiker, ergo droht Feuer oder Schwert..
    Je archaischer eine Religion ist deste blutbezogener ist sie.

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  3. Mir gefällt dein Kommentar „Integration klappt immer, wenn der Wille vorhanden ist.“ Ich galube das fast eure klugen Gedanken ganz gut zusammen, ob nun innerdeutsch oder zwischen unterschiedlichen Kulturen. Und bleib mir bloß mit charismatischen Führungspersonen vom Leib. Mit so etwas können Deutsche überhaupt nicht umgehen, jedenfalls noch nicht. Beste Grüße ins Elfenheim!

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  4. Danke für deinen Artikel. 🙂
    Traurig finde ich, dass es nie direkt an der „Fremdartigkeit“ scheitert, sondern eigentlich immer an einer mangelhaften Kommunikation. Wie unterscheiden sich „die Fremden“ von uns? Kann man das überhaupt so pauschal festmachen? Wie sind ihre Werte? Wie gehen wir mit ihnen um? Wer entscheidet wie, welche Personen hierherkommen und hier bleiben dürfen? Gehen Gefahren von diesen ominösen „Fremden“ aus? Das alles sind Dinge, die meinem Gefühl nach nur sehr vage und schwammig besprochen wurden und aus denen sich unzählige Probleme ergeben (haben). Wie dein Onkel Ahmed es zugespitzt formuliert hat: „Ehrlichkeit und Politik schließen sich aus.“ Versucht man immer alles möglichst aussagenfrei zu formulieren, muss man sich nicht wundern, wenn das Gegenüber (oder in diesem Fall die Wähler) enttäuscht davon sind …
    Ich hoffe meine Logik war einigermaßen nachvollziehbar. 😀
    Liebe Grüße aus dem Rheinland! 🙂

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    • Wir haben uns doch immer schon verstanden. Also fast. 😀
      Was mich interessiert, wie hast du Japan empfunden? Warst du dort eine Fremde in der Fremde, unter Fremden? War die Erfahrung einfach oder radikal?
      Die Diskussion in Deutschland über „Fremde“, wird leider oft sehr einseitig geführt. Viele sind und bleiben sich selbst fremd. Diese Verleugnung der eigenen Identität, sie führt ebenso zum falschen Ansatz mit „dem Fremden“ umzugehen, wie übertrieben gelebter Nationalismus.
      Es ist wichtig, dass wir das Problem „des Fremden“ in Deutschland nicht nur philosophisch sondern auf die Realität bezogen diskutieren. Fabulierende PolitdarstellerInnen, die keinen Blick für die wahren Zustände haben, die Problemviertel verleugnen und selbst Vergewaltigungen schönreden wollen, sind von den WählerInnen abgestraft worden. Diese nun pauschal als „Rechte“ zu denunzieren, ist der völlig falsche Weg und wird noch für weiteren Zulauf bei den Populisten führen.
      Du fragst wer entscheiden darf oder kann welche Menschen nach Deutschland kommen. Darf der Mensch über das Leben anderer entscheiden? Aber der Ansatz deiner Frage wird dem Problem der Flüchtlingskrise nicht gerecht. Wir sollten fragen, wer sie verursacht hat! Niemandem kann ein Vorwurf gemacht werden, der besser leben will. Aber dieses „besser leben“ kann auch in seiner Heimat verwirklicht werden. Die „wir“, die westliche und leider auch östliche Welt, noch immer ausbeuten. Das müssen wir endlich stoppen oder die Dritte Welt wird Europa überrollen. Und dann wird auch eine Frau Göring-Eckardt Rotz und Wasser heulen.
      Die sich dem Ende zuneigende Linkshegemonie, die seit 1968 mehr oder weniger Europa beherrschte, wird umdenken und zurückstecken müssen. Das Experiment „Links“ ist ebenso gescheitert, wie der Faschismus. Der kommt auch nicht wieder, diese Hysterie um die AfD ist grotesk. Aber auch die Konservativen müssen ihren Weg finden. Das wird schwierig gegen die alles und jeden beherrschenden USA.

      Danke dir fürs lesen und kommentieren. Grüße aus den USA! 🙂

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      • Ein bisschen Missverständnis is ja immer. 😉
        Hm, also ich habe mich gerade aufgrund meiner mangelnden Japanischkenntnisse schon als Fremde gefühlt. Aber gerade als Touristin wird man ja eher freundlichst aufgenommen und vorsichtiger behandelt als die eigenen Mitbürger. Schwierig fand ich es von daher nicht unbedingt. Kontakt aufzunehmen durchaus, aber das kontaktfreie durch den Tag kommen wurde höchstens von forschenden Blicken geprägt, egentlich nie von übermäßig negativen Reaktionen. 🤔 Nächstes Mal möchte ich übrigens mit Japanisch in Konversationsqualität im Gepäck dorthin. Da kann ich dann sicher noch andere Erfahrungen sammeln, was den Kontakt zu den Einheimischen des Kirschblütenlands angeht. 🙂

        Was meinst du genau damit, dass sich die meisten selbst fremd bleiben?
        Ja, genau bei dem rhetorischen Rechtslinksradikalismus ohne Erklärungen und mit vielen Extremansichten sehe ich das Problem. Natürlich wäre es ideal, wenn statt der lebensgefährlichen Flucht die Option bestünde im eigenen Land zu bleiben und da ein besseres Leben zu führen. Ich bezweifle, dass ohne furchtbare Lebensumstände so viele Menschen spontan auswandern wollen würden. Aber leider sind die Probleme, die beispielsweise in Syrien herrschen im Gegensatz zu den dreisterweise vor der eigenen Nase existierenden Geflohenen so viel leichter zu ignorieren, dass das Thema „Warum ist das eigentlich so?“ gerne mal versauert. Ausbeutung gibt es immer noch und aus Krieg zieht immer jemand einen Nutzen. Die Frage ist, wie ließe sich diese seit Jahrhunderten für die „Hightechländer“ gemütlich eingerichtete Situation realistisch ändern?
        😊🌸

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      • „Was meinst du genau damit, dass sich die meisten selbst fremd bleiben?“

        Am Beispiel vieler Deutschen kann man deutlich sehen, dass sie die eigene Identität verleugnen, sich damit also selbst fremd bleiben. Wobei Identität nun wieder mit Stolz auf das eigene Land und gesundem Patriotismus verknüpft ist. Du erinnerst dich bestimmt an meine entsprechenden Beiträge.

        Philosophisch betrachtet scheint es, dass dort, wo wir mit uns selbst in der intimsten aller möglichen Beziehungen stehen, wir uns doch am allermeisten unverständlich sind und insofern auch fremd bleiben. Aber lassen wir diesen Ausflug in die Philosophie lieber Ausflug sein. Sonst bekommen wir beide Knoten ins Hirn. Vielleicht besuche ich Onkel Ahmed wieder und vertiefe einiges noch. Wir hatten auch über Syrien und den Islam gesprochen. Und darüber weiß er wirklich gut Bescheid.

        „Die Frage ist, wie ließe sich diese seit Jahrhunderten für die „Hightechländer“ gemütlich eingerichtete Situation realistisch ändern?“

        Ich habe wie du vielleicht weißt BWL und VWL studiert. Das nur als Vorwort. Wenn ich nun aber über die Österreichische Schule der Nationalökonomie spreche, über libertäre bzw. liberale Grundgedanken, wird das ein Monolog. Der wäre aber nötig, um meine Gedanken über alternative Staats- und Wirtschaftsformen zu formulieren. Will und werde ich auf (e)einem privaten Blog nicht machen. Noch weniger einen Ausflug in marxistische Theorien.

        Einfach erklärt: Warum kommen die Menschen nach Deutschland, Schweden, Dänemark? Dort gibt es die besten Sozialsysteme. Noch. Hält der Zustrom von Migranten weiter an, werden diese in einigen Jahren kapitulieren. Dann gibt es wirklich Bürgerkrieg. Ein Teil der Migranten weiß, dass sie in „Europa“ ein gut finanziertes Leben ohne zu arbeiten erwartet. Sie müssen sich nicht integrieren, der Staat bezahlt sie ein Leben lang. Das ist keine AfD-Parole, das ist die, wenn auch überspitzt formulierte, Realität.

        Nehmen wir nun an, dass es diese Sozialsysteme nicht gäbe und sich mögliche Migranten in einen Arbeits- und Produktionsprozess im hochindustrialisierten Deutschland einbringen müssten, um gutes Geld zu verdienen, das sie aus Armut und Krieg in ihrer alten Heimat herausführt. Ohne tiefergehende Kenntnisse der Sprache und entsprechende Bildung / Ausbildung würden nur sehr wenige kommen. Die dann aber wirklich DIE Bereicherung wären, die wir uns wünschen.

        Der Ökonom Roland Baader, der ein Anhänger des Minimalstaates war, hat es einmal so formuliert: „Der Staat sollte sich lediglich um die innere und äußere Sicherheit kümmern.“
        Neben diesem Minimalstaat gibt es noch die Theorie des Nullstaates. Für Baaader ist das lediglich ein Leitstern, aber kein wirkliches Ziel. Der Nullstaat bringt aber die Gefahr mit sich, dass sich der Neokapitalismus hemmungslos ausbreitet. Das erleben wir zur Zeit, wenn auch in abgeschwächter Form. Das klingt nun alles sehr merkwürdig und ist, aus dem Kontext einer detaillierten Beschreibung neuer Staats- und Wirtschaftsformen gerissen, schwer zu verstehen.

        Wir müssen aber zwingend verstehen in welcher Staats- und Wirtschaftsform wir leben und wohin mittelfristig die Reise geht, zur NWO, zur Umverteilung der Ressourcen. Wir BürgerInnen haben die eigentliche Macht im Staat und lassen sie uns aus purer Bequemlichkeit immer wieder von korrumpierten (Personen / Parteien / Organisationen deiner Wahl einsetzen) nehmen.

        Wir dürfen nicht nur darüber reden keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, wir müssen das sofort stoppen! Wo ist die Friedensbewegung, wo die Lichterketten, wenn in der Ukraine oder Syrien Stellvertreterkriege geführt werden? Und jetzt sind wir genau bei dem von dir angesprochenen Land: Syrien! Dort wird uns die größte Show seit Jahren serviert: Assad ist der Teufel in Menschengestalt, die Opposition sind die Engel. Die Wahrheit sieht anders aus. Wie, darüber habe ich schon mehrfach berichtet und das ist keine Verschwörungstheorie. Alles frei recherchierbar, wenn man das will.

        Zu deinem Japanbesuch kann ich nur noch sagen, dass du bei der nächsten Reise bestimmt besser vorbereitet bist. Einen Rat möchte ich dir aber noch geben: Denke in Japan nicht deutsch! Das bedeutet sich eben nicht über „das Fremde“ zu monieren sondern es zu überwinden und anzunehmen. Und damit haben wir sogar noch einen wunderbaren Bezug zu meinem Artikel. Easy, isn’t it. 🙂

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  5. endlich komme ich dazu meinen Kommentar zu verfassen.
    Seit ich deinen tollen Beitrag hier veröffentlicht hast, jucken mir die Finger.

    Ich bin schon immer frei von Vorurteilen und schließe schnell Freundschaften.
    Jedenfalls zurück zum Thema und bleiben bei unseren türkischen Mitmenschen.

    Viele Paare, die nach Deutschland gekommen sind, egal aus welchen Gründen wollen und wollten nicht für immer hier bleiben. Die Verbundenheit zur alten Heimat, zu den anderen zurückgelassenen Familienmitgliedern immer im Hinterkopf haltend. Hatten Sie keinen Grund sich zu integrieren. Der Mann ging arbeiten und die Frau kümmerte sich um die anderen Häuslichen belange. Im Urlaub wurde dann die wirkliche Heimat besucht.
    Diese Gastarbeiter waren meist keine Gelehrten sondern einfach Arbeitskräfte.
    Jedenfalls gründeten Sie hier ihre Familien. Meine Freunde wuchsen zu beginn normal auf mit allen Freiheiten die Jungs eben genossen (leider nicht die Mädchen).
    Oft war ich zu Gast bei verschiedenen Familien.
    Manche Unterhielten sich zu Hause nur auf Türkisch und die Wohnungen waren
    mit Teppichen und Vorhängen zugepflastert. Alles im Stil der Heimat.
    Jeder soll so leben wie er sich am wohlsten fühlt.
    Im Berufsleben wurde das Gehalt auf ein Konto eingezahlt.
    Weiterhin wurde nur Urlaub in der Türkei gemacht.
    Ab der Volljährigkeit machten sich dann die Unterschiede stärker bemerkbar.
    Einer meiner Freunde fing an über das osmanische Reich zu philosophieren.
    Diese Freundschaft hielt dann leider nicht mehr lange und der Kontakt brach ab.
    Ein anderer wurde während seinem Urlaub in seinem „Heimatland“ verkuppelt und das darauffolgende Jahr wurde er verheiratet. Dies geschah nicht aus Liebe.
    Er nahm Sie mit nach Deutschland. Seine Frau blühte in Deutschland auf und genoss die Freiheit. Lernte Deutsch und wollte arbeiten. Dies gefiel seiner Familie nicht. Er berichtete mir über seine Auseinandersetzungen mit seiner Familie und das seine Frau sehr unglücklich sei.
    Nach einiger Zeit brach er den Kontakt mit seiner Familie ab und zog mit seiner Frau weg.
    Wieder ein anderer Freund von mir konnte nichts mit der Lebensweise seiner Familie und der Religion anfangen. Er wollte frei Leben, Essen, Trinken und Lieben wenn und was er wollte.
    Er brach ebenfalls mit seiner Familie und lebt jetzt in München.
    Ich habe nur noch einen türkischen Freund der eine deutsche Freundin hat. Er selbst hat studiert, seine Schwester ist Stewardess und Sie pflegen einen guten Kontakt zu Ihrer Familie.
    Uns verbinden die selben Interessen nämlich Japan.

    Was ich damit sagen will ist das die erste Generation hier nicht angekommen ist und nie ankommen wollte. Familienbanden stark sind und wenn man mit der Religion bricht auch öfters mit der Familie brechen muss. Was für viele unmöglich ist. Meine Erfahrungen sind jetzt schon über 20 Jahre her somit kann sich vieles geändert haben und dein Onkel Ahmed mag ja andere Kontakte pflegen.
    Mein Schwiegervater ist über 30 Jahre in Deutschland und hat immer noch keinen deutschen Pass und wollte zu beginn nie hier Leben. Er wollte immer zurück in seine Heimat und fährt mit seinen 70 Jahren immer wieder dort in den Urlaub.

    „zu Japan“
    Ich war im Februar, mit meiner Frau, in Tokio.
    Wir wurden freundlich empfangen, auf einem Fest wurden wir in viele Gespräche verwickelt.
    Zu einem warmen Reiswasser eingeladen. Im Yakitori setzten sich Japaner zu uns und begannen ein Gespräch. Es war einfach unbeschreiblich. So was kenne ich aus Deutschland überhaupt nicht. Vielleicht hatte es auch damit zu tun das meine Tandempartnerin mit uns unterwegs gewesen ist, aber auch wenn wir alleine unterwegs waren fühlte ich mich nie als Fremder. Jedenfalls will ich bald mal wieder nach Japan diesmal nach Fukuoka da ich dort ebenfalls Freunde habe.
    Das sollte jetzt mal reichen bevor ich gänzlich das Thema verfehle.

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    • Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar.

      Das Wort „Gastarbeiter“ bezeichnend treffend, wie man ausländische Arbeitskräfte sehen kann und vielleicht auch sollte. Die Türken sind auf Druck der Amerikaner, die den NATO-Partner Türkei stützen wollten, nach Deutschland geholt worden. Natürlich wollten die wenigsten für immer in Deutschland bleiben, aber die „linke Revolution“ von 1968 hat sie regelrecht hofiert und aus Gastarbeitern wurden Migranten. Ein Grund ist der den Deutschen oktroyierte Selbsthass, die Verleugnung der eigenen Identität und die später entstandene Hofierung des „Fremden.“ Wobei „Fremden“ nicht nur als Person zu sehen ist. Davon handelt der Beitrag.

      Im Zeitalter der Globalisierung haben dann immer mehr Menschen (Fremde) erfahren, wie lukrativ eine lebenslange Alimentierung in Deutschland, Schweden und Dänemark ist und wie lasch die Justiz bei Straftaten vorgeht. Europäer haben kaum Verständnis für die völlig andere Mentalität von Türken, Arabern und Afrikanern. Der Fehler im Denken fängt schon beim Familiennachzug an. Man geht von einer deutschen Kleinfamilie aus und vergisst, dass die „arabische Familie“ ein riesiger Clan ist. Holt man den nach, was gemacht worden ist, bilden sich Strukturen wie in vielen deutschen Städten.

      Das hat nun nicht unbedingt etwas mit Kriminalität zu tun, aber ein solcher Clan wird die eigenen Wertevorstellungen mit in die neue Heimat bringen und eine Straße, ein Viertel völlig beherrschen und zur Not auch mit der in „Arabien“ üblichen Gewalt verteidigen. Gewalt bedeutet dort Stärke, das begreifen viele Deutsche nicht. Einfach ausgedrückt: Begegnet man solchen Menschen mit Stärke, werden sie sich fügen. Stärke heißt nicht Gewalt! Aber zur Not darf die Justiz nicht zögern und muss hart und konsequent gegen Straftäter vorgehen.

      Onkel Ahmed ist ein sehr gebildeter Mann, der aber weder den Islam hofiert noch verklärte Ansichten über ein vergangenes „Osmanien“ hat. Er ist bekennender Fan von Hamed Abdel-Samad und Professor Bassam Tibi, die er sehr gern zum Gedankenaustausch träfe. Die Zustände in türkischen Familien, die du so explizit beschreibst, ich kenne sie und die Auswüchse sehr gut. Ich bin mit mehreren türkischstämmigen Frauen gut befreundet und weiß, wie sehr sie unter Familien- und Gruppenzwang litten. Nur mit türkischen / arabischen (jungen) Männern, habe ich noch keine Freundschaft geschlossen. Ganz im Gegenteil habe ich mich mehrfach erfolgreich gegen versuchte Übergriffe schützen müssen.

      Jüngere JapanerInnen haben ein großes Interesse an anderen Kulturen und sind wesentlich aufgeschlossener, als die ältere Generation. In ländlichen Bereichen kann es immer noch passieren, dass Europäer als Gaijin verachtet und entsprechend behandelt werden. Selbst ich gelte dort als „Auslandsjapanerin“ und werde dadurch als zweitklassig eingestuft. Yukis Großeltern behandeln mich als ihre beste Freundin, aber weigern sich unsere Partnerschaft anzuerkennen. Sie haben die Fremdheit im Denken noch nicht abgelegt.

      Vielleicht sollte ich den zweiten Teil des Interviews mit Onkel Ahmed bringen, darin ging es auch um den politischen Islam. Aber ich habe darüber bereits geschrieben und ich wiederhole mich nur ungern zu einem Thema. Fakt ist, dass der neue Hang zum „frömmeln“, wie Onkel Ahmed es bezeichnet, mitverantwortlich für die Probleme mit „dem Fremden“ ist. Wer diese zur Religion verklärte Ideologie über menschliche Gesetze stellt, wird sich niemals integrieren und immer ein Fremder unter Fremden in der Fremde sein.

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  6. Hm wo fange ich jetzt am besten an.

    erst mal habe ich zu danken das du dich meinem Kommentar angenommen hast.

    Dann möchte ich mich Entschuldigen wenn ich unbewusst Behauptungen
    über Deinem Onkel Ahmed angestellt habe.
    Ist eigentlich nicht meine Art unbekannten Personen etwas vorzuwerfen.
    Der Name Hamed Abdel-Samad sagt mir leider nichts, kann man aber ändern.
    Professor Bassam Tibi verbinde ich mit der Aussage das Deutschland zwar viele Flüchtlinge aufnimmt aber Ihnen nichts außer Unterkunft, Alimentierung und Sprachkurse anzubieten hat.
    Auch stimme ich seiner Aussage zu, dass eingewanderte Muslime die Rechts- und Verfassungsordnungen ihrer Aufnahmeländer zu respektieren.
    Somit stimme ich auch mit deiner Aussage überein, dass keine Integration stattfinden kann, solange eine Religion über menschliche Gesetzte gestellt wird.

    Zum anderen stelle man sich die Frage woher solch Gewalt und Kraftdemonstration herrührt.
    Ein Vater beantwortet meine Frage der hohen Kinderzahl so: er hoffe das wenigstens eines seiner Kinder überlebt und seinen Namen weitergibt. Der Stellenwert eines Menschenleben scheint dort auch weniger Wert zu sein. Es zählt die Ehre, der Stolz und die Kraft sich in dieser Welt durchzusetzen. Wenn man so aufgewachsen ist, kann man sich nicht von heut auf morgen in einem anderen Land ändern.
    Menschen die Gewalt erlebt und selbst gelebt haben werden dies als einzige und wahre Option
    sehen. Kleide dies noch in eine religiöse Ideologie um diese Gewalt kontrolliert lenken zu können. Es ist einfach ein unterschätztes Thema das in Deutschland keiner ernst nimmt.

    Ich habe japanische Freunde in meinem Alter 😉 sie sind Verheiratet und haben selbst Kinder.
    Außer meine Tandempartnerin in Tokyo und Ryu aus Fukuoka.
    Ryu ist in meinem Alter und wir unterhielten uns über die Liebe und wie man die Frau fürs Leben findet. Als ich mich spaßeshalber als Gaijin betitelte wurde ich sofort korrigiert es heiße がいこくじん also Mensch aus dem Ausland. Aber diese Verachtung von der du sprichst ist mir bei einer Messe in Deutschland begegnet. Als ich einen Salaryman auf japanisch begrüßte.

    Die Welt ist im Wandel die Frage ist nur wie sieht diese aus und ob wir dann in dieser Fremde sind.

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    • Gaikokujin ist das korrekte Wort für einen westlichen Ausländer. Dieses Wort führt im Ausland meist zu fragenden Blicken, niemand weiß was es heißt. Das daher fälschlich benutzte Gaijin kennt dagegen fast jeder. Ein Japaner der nie im Westen war, wird das aber nicht wissen. Nenne ich jemanden Gaijin, ist zwingend auf meine Mimik zu achten. Wenn ich dabei lächle war es vermutlich Spaß. 🙂

      Falls dich das Thema Islam interessiert, vor einigen Monaten habe ich auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Artikels und meines langen Gesprächs mit Onkel Ahmed, diesen Beitrag geschrieben:

      https://nandalya.wordpress.com/2017/03/15/europa-unterm-halbmond-ist-der-islam-gefaehrlich/

      Gefällt 1 Person

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