Von deutscher Einheit, dem Zeitgeist und der epochalen Zäsur

Los Angeles, 03. Oktober 2017. Während Deutschland seine Einheit feiert, die dort zum Teil nie angekommen ist, blicke ich auf 30 Jahre deutsche Heimat zurück. Von Wehmut kann keine Rede sein. Heimat ist für mich dort, wo ich angekommen bin.

In Deutschland angekommen sind viele Menschen aus dem Osten bisher nicht. Die alte Bundesrepublik hat sich die DDR vereinnahmt und die Menschen mit westlicher Konsumhörigkeit überrollt. Das zumindest ist mein Eindruck von der Wiedervereinigung. „Aber die Menschen wollten das so, sie hatten doch die Wahl!“, mag das Gegenargument kommen. Ich frage: „Hatten sie das wirklich?“  

Die Wahl habe auch ich gehabt, ob ich weiter politische Artikel schreibe. Eigentlich ist das Thema ziemlich durch. Aber soll ich mein Deutschland im Stich lassen, das, sofern man den Medien glaubt, von einer epochalen Zäsur befallen ist. Ein Blick in diverse Publikationen zeigt, sie überschlagen sich in kreischender Hysterie zum Wahlergebnis. Täglich wird über mögliche Koalitionen und Konstellationen spekuliert und in den sozialen Netzwerken tobt Krieg.

Krieg herrscht unterdessen auch auf den Straßen der Welt. Katalonien versucht die Unabhängigkeit und ein Massenmörder in den USA erschießt unschuldige Menschen. An dieser Stelle sollte als Einwand die Meinung stehen, dass es auch keine schuldigen Menschen gibt.

Eine eigene Meinung erlaubt sich unterdessen der GRÜNE Boris Palmer, den ich als Hoffnung für die Partei ansehe. Nur seine „Chefin“, Frau Peter, hat wie immer nichts kapiert. So wenig wie Frauke Petry, die sich über eine Art Hexenjagd auf sie entrüstet. Was hat die Frau erwartet, nachdem sie ihre WählerInnen täuschte?

Apropos AfD, die laut der Prognose eines Meinungsforschers kurz vor dem Fall in die Bedeutungslosigkeit steht. Sie, so weiß er, wird sich sehr bald spalten und selbst zerfleischen. Möglich ist das, aber das gilt auch für die Altparteien. Kommt keine Koalition zustande, werden auch dort die Köpfe rollen.

„Die Merkel wird nie ihr Amt aufgeben!“, könnte nun als Einwand kommen. Ich sage: Man wird sie dazu zwingen. Nicht heute oder morgen. Aber vier weitere Jahre ist die Frau, die man getrost als „Mutter der AfD“ bezeichnen kann, nicht im Amt.

Merkel trägt große Schuld an ihrer Wiederkehr, die Partei war 2015 so gut wie bedeutungslos. Auch die Medien haben mit einer wahren Hetzkampagne dafür gesorgt, dass sie im Gedächtnis blieb. 60 % der AfD-Wähler haben laut Statistik, die Partei aus reinem Protest gewählt.

„Aber das sind doch Rechtsextremisten!“, kommt sofort der Protest aus der linken Ecke, „die darf man doch nicht demokratisch nennen!“ Ehemalige WählerInnen anderer Parteien derart zu beschimpfen, zeugt von schlechtem Demokratieverständnis. Aber so sind viele Linke, nur ihre Meinung zählt.

Nach Meinung einiger weniger Intellektueller, haben die Linken ihre große Zeit längst hinter sich. Was wir zur Zeit erleben sind letzte Gefechte einer Hegemonie, die sich langsam für die üppige Rente rüstet. Kein Wunder, hat man doch viele Jahre an den Fleischtöpfen gesessen. Aber da wäre immer noch die Antifa, die jungen Wilden unserer Zeit.

Was zumindest einige Medienvertreter bereits begriffen haben, nämlich einen normalen Umgangston mit demokratisch gewählten Abgeordneten zu pflegen, müssen viele Jusos und Antifa-AktivistInnen noch lernen. Aber das ist schwierig für Menschen, deren beschränkter Horizont eine unüberwindliche Grenze ist.

„Wenn der Zeitgeist links ist, dann sind logischerweise auch die Dummen links“, ist ein Zitat dem ich leider zustimmen muss. Mit der intellektuellen Studentenrevolte von 1968, hat die heutige „Linke“ wenig zu tun. Die Antifa ist zur bezahlten Sturmtruppe verkommen, die, ganz im Stil der Faschisten, gegen alles und jeden aufmarschiert.

Vielleicht würde es helfen sich mehr an Adorno zu orientieren und diesen Namen nicht für ein Reiseportal zu halten. Die Hexenjagd auf Menschen mit andere politischen Vorstellungen entlarvt die Antifa. Sie, die den Rechten dumpfe Gewalt vorwerfen, verstecken sich selbst hinter dunklen Masken, um unerkannt Steine zu werfen.

Etwas mehr Offenheit, aber vor allem Bildung, täte vielen gut, die nur sprachlos die Trillerpfeife benutzen. Aber wie der Journalist Peter Hahne (ZDF) bereits sagte: „Populär wird mit Populist verwechselt.“ Und da ist etwas dran.

Los Angeles, 03. Oktober 2017. Während Deutschland seine Einheit feiert, die dort zum Teil nie angekommen ist, blicke ich nach vorn. Willkommen Zukunft, ich freue mich auf dich!

14 Kommentare zu “Von deutscher Einheit, dem Zeitgeist und der epochalen Zäsur

  1. Ich sehe mir nichts mehr an was mit der Wahl zu tun hat, denn dann würde ich dem Ergebnis mehr Bedeutung zumessen, als es hat. Ich bin eigentlich froh über eine starke AfD, denn wenn dieses Ergebnis keine der Altparteien zum arbeiten bringt, sieht es wirklich düster aus in unserem Land. Wir beide verstehen ja die Aufgeregtheit der überwiegenden Medien, denn wer wird schön gehört, wenn er Sätze sagt wie, „Die AfD ist zuerst einmal demokratisch gewählt und der Rest findet im Bundestag und bei der täglichen Politik statt.“ Ne, dies wäre vielen Menschen zu lahm, also haut man ständig mit der verbalen Keule drauf und wendet jedes idiotische Wort so lange, bis etwas aufregendes dabei heraus kommt. Ist nicht meine Welt. Wie sagte ein Reporter in den USA über das neuerliche Massaker, welches gar nichts an den Waffengesetz ändern wird? „Jetzt beginnen wieder die Tage der Betroffenheit.“ Business as usuall, so werden solche Ereignisse inzwischen wahrgenommen, schließlich kräht die Welt auch nicht, wenn in Israel wieder duzende Menschen ums Leben kommen. Der Mensch ist bauartbedingt ein Gewohnheitstier und das wird bei dauernder Gewalt zum Problem. Liebste Grüße ins Elfenheim!

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    • Deutschland hat eine Wahl getroffen. Die PolitdarstellerInnen haben nur nicht zugehört. Aber sie werden und sie werden handeln müssen.

      Die Medien in den USA kennen natürlich zur Zeit auch nur ein Thema. In einigen Wochen ist auch das wieder vom Tisch. Ich glaube auch nicht an eine Änderung des Waffengesetzes. Weniger legale Waffen würden dann einer Unmenge illegaler gegenüber stehen. Die Diskussion verschleiert ohnehin nur das eigentliche Problem der amerikanischen Gesellschaft, das solche Amokläufe erst möglich macht.

      Elfische Grüße von Yuki und mir.

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  2. Trotz des Massakers werden die Waffengesetze in den USA nicht verändert werden…
    Durch die Polizeigewalt in Katalonien, wurde die „Unabhängigkeitsbewegung“ gestärkt…
    Und was sich hier so politisch verändern wird, wird sich noch zeigen. Jedenfalls bin ich gegen ein „Weiter so!“…

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    • Um die amerikanischen Waffengesetze zu verändern bedarf es einer Verfassungsänderung, die sehr unwahrscheinlich ist.

      Gibt es eine wirkliche Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien oder werden die Menschen nur wieder vor den Karren einiger weniger gespannt? Was denkst du?

      Wie alle HerrscherInnen, wird auch Merkel fallen, die Weichen sind bereits gestellt. Bis dahin geht die „Merkel-Show“ munter weiter, Mutti regiert wie es ihr gefällt.

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      • Die Waffenlobby wird jedenfalls alles dafür tun, um eine Verfassungsänderung zu verhindern.
        Ich denke, dass erst nur ein paar Menschen vor den Karren gespannt worden sind. Durch die Polizeigewalt sind es jedoch nun viel mehr Anhänger geworden. Rajoy hat sich damit keinen Gefallen getan.
        Hey Pippi Langstrumpf… 😉

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      • Ein Großteil der Amerikaner würde das Weiße Haus stürmen, wenn sich die Waffengesetze drastisch ändern. Davon abgesehen ist es ohnehin eine Legende, dass der Kauf von Waffen in den gesamten USA einfach ist. Jeder Bundesstaat hat dazu eigene Gesetze, die das zum Teil deutlich erschweren.

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  3. Epochale Zäsur, weil Bay. München einen neuen Übungsleiter hat?
    Dieser Begriff ist den Medien geschuldet, die auch zu den Schüssen in Vegas die klügsten Köpfe befragten, z. B. Lady Gaga.
    Was diese sagt zum Thema ist qualitativ ähnlich der Nutzung des Begriffes „epochal“.
    Neue Waffengesetze in den USA?
    Wenn die Staatsführung unentwegt Kriege führt, schießen läßt, Verbrechen begeht und moralisch bis zum Kinn in eigenen Ausscheidungen steht – dann ist gut über ein neues Waffenrecht zu salbadern.
    Verlogener gehts ja kaum – aber wer erkennt das noch in der täglichen Flut von Unsinn und Lügen.

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  4. Ich mag deine politischen Einträge, obwohl mich die Politik eigentlich nur noch abstößt…
    Genieße LA! Ich hab mal ne Weile San Diego genossen, es ist toll dort am Pazifik, und das sage ich nicht nur, weil ich ein überzeugter Pazifist bin …
    LG vom Lu

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    • Wir leben zur Zeit in Santa Barbara. Die Temperaturen sind frühlingshaft, aber genau richtig für den Roadster. Unser Aufenthalt in den USA ist kein Urlaub. Wir werden also selten bis nie am Strand liegen. Trotzdem ist das Leben dort anders. Du kennst es. Ich auch.

      Politik, sofern man an sie glaubt und nicht als reine Show für die Massen bloßstellt, ist ein schmutziges Geschäft. Leider betrifft sie uns alle. Und wenn wir ein klein wenig Einfluss wollen, müssen wir unsere Stimme erheben. Was immer die Gefahr birgt, dass wir in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.

      Grüße aus dem Elfenheim

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