Wer die Wahl hat – Teil 3: (M)Eine Nachbetrachtung

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Ganz Deutschland ist von einer fremden Macht besetzt … Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Teutonen bevölkertes Land hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Kurze Pause, harter Schnitt. Hat jeder den Witz verstanden?

Wie sieht nun die brutale Wirklichkeit für Deutschland aus, ist das Land dem Abgrund nahe? Sitzen verängstigte Mütter mit ihren Kindern im Keller, während die Väter vor dem Bundestag Schlange stehen. Bewaffnet mit Trillerpfeifen versteht sich und um laut „Widerstand!“ zu rufen. Widerstand gegen wen?

Vielleicht gegen die eigene Beschränktheit, die viele Jahre Parteien im Amt gehalten hat, deren verkrustete Strukturen deutlich bröckeln. Die Große Koalition hat dem Land mehr geschadet als genutzt. Aber das will wieder keiner sehen. Am wenigsten die Beteiligten. Ist klar, „The Show must go on!“

 Was ist wirklich geschehen an jenem 24. September? Es gab eine demokratische Wahl, an der sich Millionen von BürgerInnen beteiligten. Das Ergebnis hat dann viele (angeblich) entsetzt. Andere durften jubeln. Ich sage: Das war vorauszusehen. Vielleicht sogar gewollt.

In meiner Analyse zur AfD, die ich bereits im März 2017 schrieb, habe ich viel von dem voraus genommen, was nun in der Presse steht. Aber wer liest schon Analysen. Lieber schimpft man hinterher: „Wir haben das alles nicht gewusst …!“

Nun muss man wissen, dass der normale Deutsche meist politisch ungebildet ist. Seine beschränkte Sicht reicht vielleicht vom Stammtisch bis zur heimischen Glotze. Ein Parteiprogramm hatten die wenigsten in der Hand. Und selbst wenn, so haben sie die Texte nicht verstanden.

Trotzdem reden Deutsche gern politisch mit. Und was sie nicht alles wissen! „Diese Merkel, also die hat doch die Grenzen aufgemacht!“, ruft ein SPD-Anhänger. Prompt wird sein Nachbar, Hubertus von Mittig, sauer, ist doch die CDU genau sein Ding.

„Der Schulz, der hat sich in Brüssel auch nur bereichert!“, giftet er los und schon entspinnt sich der Streit mit Jakob dem Linken. Eigentlich sind die beiden Freunde, aber nun streiten sie sich. „Sie streiten sich, so heißt’s, um Freiheitsrechte; Genau besehn, sind’s Knechte gegen Knechte.“ (Johann Wolfgang von Goethe) Genau dieses Zitat zeigt die politische Wahrheit in Deutschland auf. Ich werde darüber noch einen gesonderten Beitrag verfassen.

Menschen wählen oft aus Angst. Oder eben nicht, wie der drastische Stimmenverlust der beiden Volksparteien deutlich zeigt. Wer ehrlich ist weiß, deren Niedergang bleibt das Resultat von Merkels Politik. Die wird sie nun ändern müssen, wenn sie Kanzlerin bleiben will. Und sie wird. Eigentlich hat sie das schon. Aber auch das hat wieder keiner bemerkt.

Ein betroffener Horst Seehofer, der seine Enttäuschung kaum verbergen konnte, will nun die „rechte Flanke schließen.“ Damit hat er das formuliert, was andere Unionspolitiker nicht zu sagen wagten. Aber Seehofer bleibt ein Papiertiger, der vielleicht bald in die erzwungene Rente gehen muss.

Martin Schulz ist schon im Wahlkampfmodus für die nächste Bundestagswahl. Ob er hofft, dass die nächste Regierung keine vier Jahre hält und seine SPD bei vorgezogenen Wahlen ein besseres Ergebnis einfährt? Halten wir fest, nach der Wahl ist vor der Wahl und GRÜNE und LINKE scharren ebenfalls mit den Hufen.

Der Wirt freut sich, als der Bierkonsum von Hubertus und Jakob steigt und streut heimlich noch einige Gerüchte, die, wie ein Schwamm, von den vernebelten Hirnen aufgenommen werden. So, um dieses Beispiel zu wählen, wird in Wahrheit Meinung sprich Politik gemacht. Und Herr Lindner singt dazu ein Loblied auf die FDP.

Zurück zur Wahl und dem Ergebnis. Wie geht man mit einer neuen Partei um, die nun den Bundestag bevölkern wird? Werden ihre Abgeordneten vielleicht erschlagen und heimlich im Spreewald entsorgt? Wohl kaum. Vielmehr wird man im Diskurs ihre Kompetenz auf Herz und Nieren prüfen müssen. Alles andere wäre undemokratisch und grundverkehrt.

Grundverkehrt war bisher die Haltung der Etablierten und der Presse. Mit Hass oder blindem Aktionismus kann man keinen Blumentopf gewinnen. Jeder Aufmarsch der Antifa, hat den Zulauf zur AfD gesteigert. Jeder negative Pressebericht, hat ihr neue WählerInnen gebracht. Mehr Sachlichkeit in der Debatte, wäre die wirkliche Alternative gewesen.

Wer oder was ist nun diese AfD, ist sie die Personifizierung des Bösen? Wir müssen zwingend verstehen, dass es „die AfD“ so wenig gibt, wie „die SPD“ oder „die CDU.“ Jeder Partei besteht aus mehreren Flügeln. Die AfD hat deren drei, die man als wirtschaftsliberal, konservativ und rechtsnational bezeichnen kann. Wahrgenommen wird meist nur letzterer, da er am lautesten ist.

„Pegida und AfD sind das Symptom unserer Zeit. Und die Politik will nun vertuschen, was sie selbst verursacht hat“, habe ich schon im Dezember 2015 geschrieben. Gelesen und verstanden haben auch das wenige. Fehlende politische Bildung, wir erinnern uns. Hubertus und Jakob werden also weiter streiten und der Wirt sich heimlich ins Fäustchen lachen.

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Ganz Deutschland atmet auf. Die Sonne scheint und kleine Kinder herzen ihre Mütter. Oder ihre Tanten, wie in unserem Fall. Die Teutonen werden auch die AfD überleben. Frau Merkel vermutlich nicht.

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23 Kommentare zu “Wer die Wahl hat – Teil 3: (M)Eine Nachbetrachtung

  1. … Hier mein auf FB veröffentlichter Standpunkt :

    Ohne Anhänger oder Sympathisant der AfD zu sein, beurteile ich die politische ZÄSUR so:
    Die SCHULDFRAGE liegt bei den ETABLIERTEN, denn wer den gesellschaftlichen RAND über Jahre ignoriert statt zu integrieren, hätte bei klarem politischen DENKEN dessen ERSTARKEN einkalkulieren müssen …
    Bedenklich stimmt, dass eine VOLKSPARTEI mit dem zweitschlechtesten WAHLERGEBNIS ihrer Geschichte v o l l m u n d i g sich als WAHLSIEGER feiert …
    “ Die PARTEI … hat immer recht “ … 🤔 … Das kenne ich noch !

    • Danke für deinen Kommentar! Du sprichst aus, was viele nicht wahr haben wollen. Alle geben Merkel die alleinige „Schuld“ und vergessen den Beitrag aller im Bundestag vertretenen Parteien. Man hat oft das Gefühl, dass es sich dabei nur um eine handelt.

  2. In meinem Wahlkreis Mittelsachsen fallen die Wahlergebnisse noch heftiger als meine Prognose aus. AfD 31,2%, CDU 27,7%.
    Das ist die Qitttung für Frau Merkel. Ihre Regierung mit der großen Koalition erweckt hier den Eindruch einer Regierung, die schon einmals als abgerückt und handlungsunfähig dagestanden hat – die des Zentralkommites der SED.
    Die Spaltung die sich durch Deutschland zieht ist dadurch klar und in Zahlen ausgedrückt.

    • Danke, ich habe mir die Zahlen schon angeschaut. Das Geschäft mit der Angst, das von ALLEN Parteien befeuert worden ist, hat funktioniert. Schau, auch wenn ich über Politik und Parteien schreibe, so glaube ich schon lange nicht mehr daran. Ich werde vor unserem Abflug in die USA versuchen, dazu noch einen Beitrag zu bringen. Stichwort: Manipulation der Massen. Er wird eine Fortsetzung der bisherigen sein.

      Um bei der momentanen Lage zu bleiben: Die CDU/CSU kann sich nun erneuern und Stück für Stück die Positionen der AfD übernehmen. Welchen Grund gäbe es dann noch, diese weiter zu wählen?

      Ich nehme die AfD, anders als viele, als ultrarechten Flügel der CDU/CSU wahr. Gebildet aus und doch gespalten in eben jene Flügel, die ich in meinem Beitrag beschrieb. Wie lange der Klebstoff noch hält, ist die wirklich spannende Frage. Vier Wochen, vier Monate? Die AfD ist nicht die politische Kraft, auf die Deutschland so sehr hofft. Sie ist, so vermute ich, eine Übergangslösung für viele.

      Altparteien und Medien, die WählerInnen auch, machen schon wieder den gleichen Fehler und reden nur über die eigenen Befindlichkeiten. Aber Deutschland hat andere Probleme, die wieder nicht angegangen werden. Arbeitslosigkeit, Armut, wer kümmert sich darum?

      • Niemand. Heute schon gar nicht weil man „zu geschockt“ ist. Ich bin gespannt und warte ab wie lange die AfD durchhält. Vor allem wie sie es schaffen möchte auch die kleinen Wahlkreise zu erreichen, denn das tut sie vielerorts nicht.

      • Niemand? Die LINKEN, in Gestalt einiger weniger versuchen es. Die SPD hat ihre WählerInnen schon zur Zeit Schröders aufgegeben. „Meine“ GRÜNEN sind von den eigenen Ideen abgerückt und von der Macht korrumpiert worden.

  3. Ich frage mich, ob Schulz mit der Aufkündigung der großen Koalition richtig gehandelt. Auf der einen Seite ist doch zu sehen, dass die große Koalition nach wie vor eine satte Mehrheit hat. Von einer Abwahl kann man also nicht sprechen.

    Zwar ist sein Ansinnen, die SPD in der Opposition zu profilieren, nachvollziehbar. Nur bezweifle ich, dass es ihm gelingen wird. Muss er doch einen Zweifrontenkampf führen, auf der einen Seite gegen die Linken, auf der anderen Seite gegen die Rechten.

    Wenn die Linken seine Position einnehmen, was sie partiell bereits schon tun, wie will er sich abgrenzen? Und wenn die Linken gute Oppositionsarbeit machen, was will er dann tun, außer mitzuteilen, dass er der gleichen Auffassung wie die Linken ist.

    • Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, als Schulz einer neuen GroKo seine Absage erteilte. Quo vadis, SPD?

      Vielleicht ist ihm auch endlich klar geworden, dass die SPD vier Jahre lang die Chance hatte, den Kanzler zu stellen. Wo sind denn die großen Unterschiede zu den LINKEN? Man wäre sich ganz schnell einig, wenn da nicht gewisse persönliche Probleme zwischen den Parteispitzen bestünden.

    • Wer oder was frustriert dich? Deutschland hat gewählt, ganz „demokratisch.“ Nun machen Medien und Politiker erneut den Fehler und streiten sich um … was eigentlich? Aber die Probleme löst man nicht.

  4. Mich nervt das ganze Wahldebakel in den Medien. Eine talkshow nach der anderen, immer nur ging`s um die AFD…hab die Glotze gar nicht mehr angemacht.
    Und jetzt haben wir den Salat, es geht immer noch weiter, einer tut schlauer als der andere und alles wird immer wieder wiederholt.
    Und der Seehofer ist gleich AFD, nur dass er sich anderer Worte bedient.
    Jetzt sollen die doch mal endlich alle im Bundestag bleiben und Politik weiter machen und sich da ordentlich fetzen.
    Also, ich mach jetzt erst mal wieder `Musiktherapie´, ohne Politik.
    Hab eine kleine Session heute!!
    Mach`s gut und bleib dir treu!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

    • Die Medien haben doch die „Angst“ der BürgerInnen befeuert und so erst andere Parteien groß gemacht. Diese Hysterie zeigt aber wieder, wer Deutschland bisher beherrscht. Aber die linke Vorherrschaft bröckelt. Die AfD in der jetzigen Form ist lediglich ein Übergang, aber die Konservativen werden nach und nach wieder die politische Macht erobern. Dass kann durchaus eine völlig neue Partei sein, die jetzt noch keiner auf der Rechnung hat, oder eine bundesweit agierende CSU, mit neuem Parteichef.

      Viele Grüße aus dem Elfenheim 🙂

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