Das letzte Wort

In Japan ist es Sitte, dem Gast das letzte Wort zu überlassen. Gastfreundschaft schreibt man in Japan groß. Aber jede Freundschaft unterliegt gewissen Regeln, die ein Miteinander erst möglich machen.

Wer ein japanisches Gasthaus, ein Ryokan betritt, wird sofort verzaubert sein. Er lässt seine Welt hinter sich und taucht in das echte Japan ein. Jedes Detail ist pure Ästhetik. Angefangen von den Ikebana-Blumen bis zur Tatami-Matte.

Auch mein Blog ist in gewisser Weise ein Haus für Gäste. Menschen gehen ein und aus. Viele nehmen meine Artikel als Geschenke an oder bringen eigene in Form von Kommentaren mit. Ein Austausch von Höflichkeiten, Freunde unter sich.

Im Gegensatz zum japanischen Kaiserhof gibt es in meinem Haus kein allzu strenges Protokoll. Kein Oberzeremonienmeister wird dafür sorgen, dass alles förmlich bleibt. Humor ist mein Ding. Zwar ist der recht schräg, aber bei einigen Themen verstehe ich keinen Spaß.

Leider gibt es speziell in Deutschland die Unsitte der sogenannten Bekehrungswut. Man(n) zwingt anderen gern die eigene Meinung auf. Scheitert das, wird verbal attackiert. In Japan führen grobe Unhöflichkeiten zum Ende des Kontakts. Wer gegen die Regeln verstößt, wird geächtet.

In Japan ist es Sitte, dem Gast das letzte Wort zu überlassen. In diesem Blog gehört es mir. Wer die Regeln der Gastfreundschaft missachtet, wer grob unhöflich wird oder lediglich seinen Frust ablassen möchte, dem bleibt die Tür verschlossen. Das ist mein letztes Wort.

 

 

Advertisements

15 Kommentare zu “Das letzte Wort

  1. Gut, dass dein Blog keinen Oberzeremonienmeister hat. Da ich die japanischen Spielregeln nicht kenne, würde ich von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. 😅 Anderen mit Höflichkeit entgegenzutreten, sollte aber ein allgemeines Kulturgut sein. 😉

    • Vier Jahre Blog, noch mehr Jahre Internet, haben mir die Abgründe menschlichen Verhaltens gezeigt. Mich tangiert das wenig, aber Yuki sitzt oft still am Laptop und schaut mich mit großen Augen an. Ihr tun manche Kommentare weh, die meist nie das Licht der Öffentlichkeit sehen. Besser ist das.

      Ich möchte diesen Kommentar noch dazu nutzen, um ein allgemeines Statement zu machen, das sich vor allem an Anonyme richtet. Ich werde ab sofort keine Kommentare von LeserInnen ohne eigenen Blog mehr freischalten. Mit wenigen Ausnahmen. 🙂

  2. Dein Haus, Deine Regeln. Genau so.
    (oder auf schwäbisch: so muas`s sei! 😉 )
    Ganz liebe Grüße!

  3. Hallo Nandalya,

    ich verfolge deinen Blog nun seit einiger Zeit, da er hin und wieder Themen anspricht, die mich interessieren. Dabei hat sich mir eine Frage aufgeworfen, die ich dir gerne stellen würde. Ob du sie beantwortest sei dahin gestellt, aber ich muss sie einfach loswerden.
    Ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass du und deine Frau sowohl in Deutschland, als auch Japan und den USA unterwegs seid, und das nicht nur für den Urlaub. Ich frage mich also, wie sich das finanziell stemmen lässt? Entweder habt ihr einen Job, der ortsunabhängig ausgeführt werden kann, oder ihr habt die Möglichkeit mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen, oder ihr besitzt eine Art Sponsoring, was diese Reisen möglich macht.
    In erster Linie klingen diese Reisen für mich nach freiwilligen Reisen. Aber auch solche Reisen wollen finanziert werden und ich schätze, dass sie nicht gerade günstig sind.
    Also, wirst du dieses Geheimnis ansatzweise lüften?
    Ich würde mich freuen.
    Hochachtungsvoll
    Sara

  4. Hallo wieder und nochmals,

    da ich keinen Blog betreibe und dies auch zukünftig nicht vorhabe zu tun, möchte ich von dem mit japanischer Höflichkeit eingeräumten Gastrecht Gebrauch machen und mit (in)famous last words beste Wünsche für alles, was und wann und wo Ihr es Euch wünscht, aussprechen.

    Arigatou gozaimasu
    oder so bzw. lesen tu‘ ich trotzdem weiterhin 😉.

    LG
    Oli

      • …also wenn ich ich wäre, dann wüsste ich nicht, ob ich mich hier schreiben ließe…😳😉.
        Bevor es zu befremdlich wird -Kompromiss ohne Kompromittierung, aber mit commitment:
        Ich stänkere weiterhin und nur gelegentlich unter einem Namen im Vorhof der Elfenburg (die Ihr Euch bitte mindestens Himeji-mäßig vorstellen wollt) herum.

        Gute Nacht für heute aus dem dunklen Schland (Doppeldeutungen erwünscht)
        Oli

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s