Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

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16 Kommentare zu “Ein Leben lang auf Reise

  1. Genießt den Sommer. Ich wünsche euch das von Herzen.
    Ich hab ja viel gelernt hier und denke vor (fast) jedem politischen Kommentar meinerseits an dich;-)

  2. Wow, ihr reist echt wahnsinnig viel! Durch meinen Job und mein Training wäre das in meiner Lebenswelt nicht möglich.
    Mir macht die Klage vorm Bundesverfassungsgericht etwas Sorge. Ich hoffe, dass es bei der „Ehe für alle“ unbeschränkt bleibt. Den Schachzug von Merkel fand ich aber auch genial, auch wenn er recht offensichtlich war (um die Gemüter der CDU und CSU etwas zu besänftigen).
    Jetzt würde ich natürlich gerne wissen, was du für MMA-Erfahrungen gesammelt hast und was mit der Koreanerin war. Neugierig machen, ist gemein. 😉

    • Dazu müsste ich einen oder mehrere Beiträge schreibe, das ist mit einigen Worten nicht erklärt. Kurzform: ich habe der Tochter eines Sensei in Los Angeles bewiesen, dass ihr MMA nicht überlegen und unschlagbar ist. Die Koreanerin suchte Streit und fand ihn. Ich glaube sie wird nie wieder nach Fukuoka kommen. 🙂 Vielleicht schreibe ich darüber noch mehr nach dem Sommer.

      Was unsere Reisen betrifft, das ist alles eine Frage der Organisation. Yuki kümmert sich ums Gepäck. das kann sie besser als ich. Ich bereite die Seminare vor oder arbeite Konzepte für … aus. Sie übersetzt die Korrespondenz einer deutsch-japanischen Kooperation usw. Und Training ist überall möglich. Ich finde eben diese Abwechslung viel besser, als ständig im gleichen Dojo zu trainieren.

      • Danke, für die kurze Zusammenfassung zum MMA sowie der Koreanerin.
        Durch die Reisen habt ihr natürlich ganz viel Abwechslung und erlebt viel Neues. Dies bezüglich bin ich etwas langweilig, denn ich verreise nur in den Ferien oder am Wochenende. Aber es gibt Menschen (wie Yi Man und mich), die sind einfach etwas heimischer/heimatbezogener. Unsere Katzen fänden es auch sicher nicht so witzig, wenn wir nur unterwegs wären. 😉

  3. Mmmmh, sehr umriebig und wenig Zeit, aber wann, wenn nicht jetzt, da hat Yuki schon recht. Ich würde die Abstimmung eher als Quantensprung sehen, denn ist dem Biber erst einma das Fell abgezogen, bleibt nicht mehr viel übrig. Beste Grüße, wo immer ihr seid!

    • Wir sind in Amsterdam und von lauter merkwürdig sprechenden Menschen umgeben. 😉

      Die Abstimmung ist ein kluger Schachzug gewesen. Aber nicht von der SPD, die hat sich vorführen lassen. Dankbar bin ich trotzdem. Das geht, auch ohne Merkel oder Schulz zu mögen.

  4. Ja die Abstimmung war ein guter Schachzug.

    Das hat sie von Kohl gelernt. Der soll es 1990 ähnlich gemacht haben, als der Arbeitsstab der Beauftragten des Ministerrats für die Gleichstellung von Frauen und Männern in das westliche System integriert werden musste und er sich die innerparteiliche Mehrheit für das 2. Gleichberechtigungsgesetz holte.

    Die Gefahr der Verfassungswidrigkeit sehe ich eher gering an. Es ist mehr eine formale Frage, ob die entsprechende Abstimmung eventuell eine Zweidrittelmehrheit erfordert hätte. Es gibt Argumente die dafür sprechen, aber es gibt auch Argumente die dagegen sprechen.

    Aber vor allem ist zu sehen, dass die Frage wohl dem Bundesverfassungsgericht gar nicht vorgelegt werden wird.

    Wie soll das gehen.

    Die AfD kann das nicht, denn nur auf Antrag der Bundesregierung, einer Landesregierung oder eines Viertels der Mitglieder des Bundestages … kann eine abstrakte Normenkontrollklage zum Bundesverfassungsgericht erhoben werden.

    Natürlich gäbe es die Möglichkeit einer Klage, aber dieses auch eher unwahrscheinlich, siehe
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ehe-fuer-alle-klagen-vor-dem-bundesverfassungsgericht-sind-sehr-unwahrscheinlich-a-1155755.html

    • Ich bezog mich bei der eventuellen Klage auf die Aussage eines ehemaligen Richters, der das gern so gesehen hätte. Aber gut, umso besser. Sieg! Sieg? Danke für den Link.

  5. Das Private ist nicht immer politisch…
    (Diese Bemerkung konnte ich mir nicht verkneifen, Du kannst das ja wahrscheinlich sozio-historisch verorten.)
    Von daher: Ich lese Deine Beiträge gerne – auch die privaten, aber ich kann verstehen, wenn Du in Zukunft weniger davon öffentlich machst.

    • Es ist Yukis unausgesprochener Wunsch. Viele nie veröffentlichte Kommentare richten sich gezielt gegen Frauen, Lesben, Feministinnen und und und … Auch Neider gibt es, die mir (uns) den Erfolg nicht gönnen. Wie ich schon schrieb stört mich das wenig, aber niemand beleidigt meine Elfe. Sie ist sensibler als ich.

  6. Nun, wenn Du auch leiser treten willst, egal, ich bleib Dir trotzdem treu – dies sage ich als Hetero-Mann 😁.

    Die Rolle von Merkel sehe ich nicht so positiv. Vielleicht taktisch klug, aber politisch höchst unehrlich. Sie kam nur der SPD zuvor, die damit ihrerseits einen politischen Schachzug vollbringen wollte.

    Allerdings ist dieses Gesetz mE nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Und da nützt es nichts, wenn Politiker eine ‚geänderte gesellschaftliche Meinung‘ herbeireden wollen. Im Gesetz steht nun mal der Vorbehalt für Mann und Frau. Was passiert, wenn nun auch das Grundgesetz zum beliebig politischen motivierten Mittel verkommt? Ein weiteres Indiz für die Entfremdung zwischen der Politik und den Bürgern.

    Ich rechne schon damit, dass Bayern – natürlich nach der Wahl – das Gesetz bekämpfen wird. Bedenklich ist, dass bei der Abstimmung die 2/3-Mehrheit nicht erreicht wurde. Und nun?

    Bei uns würde man von einer ‚typisch österreichischen Lösung‘ sprechen – warum soll es solche nicht auch in Deutschland geben? 😀 ‚A G’schmäckle‘ bleibt.

    Zuletzt noch: Wer oder was hat diesen gesellschaftlichen Wandel herbeigeführt? Politiker? Intellektuelle? Journalisten? Vielleicht.
    Ich denke aber, es waren hauptsächlich die Talk-Shows der 90er und der 00er Jahre von Arabella & Co. Die erreichten die Masse, die dann im Fernsehsessel feststellte: alles halb so wild.

    • Die „alte Tante SPD“ hat fertig, um es salopp auszudrücken. Ich kann mich irren, aber momentan verheizen sie dort Schulz. Warum? Darüber könnte ich spekulieren, aber wozu?

      Mit Interesse beobachte ich ab und zu die Politik in Österreich. Kurz, Strache, Hofer, wird das die Zukunft sein? Ich bin gespannt. Und was wird aus Lugar?

      Bei „Ehe für alle“ bleibe ich misstrauisch. Und wird das wenn nur steuerlich begünstigen. Aber wir gehen sowieso wieder in die USA. Wo wir Steuern zahlen werden, wird sich noch entscheiden. Aber ich glaube es wird nicht mehr lange Deutschland sein.

      Der Wandel in Deutschland, die schleichende Linksvergiftung, war ein Prozess, der vielleicht geplant war. Darüber könnte man seitenlang diskutieren. Aber wenn du weißt, dass mehr als 70 Prozent der deutschen JournalistInnen links oder grün sind, wird vermutlich einiges klar. Sie mussten nicht an der Regierung sein, um ihre Meinung unters Volk zu bringen.

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