Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

Der folgende Beitrag bildet einen Zeitraum vor unserem Aufenthalt in Japan ab. Er ist die literarisch aufgearbeitete Realität eines etwas verrückten Tages. Zeitlich bedingt, wird es vorerst weniger Beiträge von mir geben. Der Rückflug nach Deutschland steht kurz bevor und im August ist wieder Japan angesagt. 

Die Zahl Zwei hatte schon immer besondere Bedeutung für mich. Und das, obwohl ich einmalig bin. Vermutlich hatte ich schon als kleines Mädchen erkannt, dass Frau im Doppelpack zur Höchstform aufläuft. Will das wer bezweifeln?

Entsprechend innig, aber kindlich-harmlos, war meine Freundschaft mit Natalie. Heute ist Yuki meine bessere Hälfte. Sie bremst sanft mein kämpferisches Wesen aus. Zumindest dann, wenn ich sie lasse.

Als in Japan geborene Frau, hatte ich schon immer zwei Heimatländer. Und seit 2015 (wieder) einen Doppelpass. Aber was in Deutschland legal ist, wird von Japan nicht anerkannt. Nur weiß dort kein Offizieller, dass ich (noch) Deutsche bin. Und selbst wenn, wird es stillschweigend geduldet. Ob ich (wir!) es bleibe(n), wird noch entschieden. Aber eigentlich geht das niemand etwas an.

Seit ich Autos teste, habe ich viel über Technik und Fahrverhalten gelernt. Und ein Doppelturbo macht einen Wagen richtig schnell. Warum ich das schreibe wollt ihr wissen? Mache ich etwa wieder einen Autotest? Die Erklärung folgt sofort.

Wir lernen Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, an einem Samstag in der Abbey (LINK!) kennen. Schlanke 1,72 Meter wirbeln durch den Raum. Die blonde Kurzhaarfrisur steht ihr gut. Wenn ich eine Alpha bin, hat sie auf den ersten Blick das Prädikat „Über“ verdient. Aber oft trügt der Schein, wie wir später noch sehen.

Sascha ist in Russland geboren. „Den Ort findest du auf keiner Karte“, sagt sie mit deutlichem Akzent. Aber sonst ist ihr Englisch perfekt, sie lebt schon zehn Jahre in den USA. Sie ist eine Bekannte von Nina, mit der sie im gleichen Fitness Center trainiert. Nina kennen wir durch Ally, die mit Ehefrau Heather neben uns sitzt.

Nina, die noch Verwandte in Dänemark hat und stolz auf die Herkunft ihrer Vorfahren ist, kann kaum die Augen von Sascha lassen. Bahnt sich hier etwas an? Sascha ist eine Art Playgirl. Sie hat Geld, das ist deutlich zu sehen.

„Papa hat mir verboten zu arbeiten“, erzählt sie locker. Es klingt selbstverständlich und kein Stück arrogant. „Aber ich mache trotzdem mein Ding“, fährt sie fort und zeigt stolz Bilder ihres Jobs. „Ich bin Bodyguard für Schauspielerinnen und andere Prominente.“

„Ernsthaft oder nur aus Spaß?“, hake ich nach, „magst du darüber mehr erzählen?“ „Schon aus Spaß“, sagt Sascha, „aber ich nehme das sehr ernst! Papa hat dafür gesorgt, dass ich Krav Maga trainiere. Ich habe es in Israel gelernt, dort war ich ein Jahr im Kibbuz.“

„Die militärische Form?“, frage ich und Sascha nickt leicht überrascht. „Du kennst das?“, will sie wissen und erfährt nun meinen Hintergrund. Ihr Lächeln wird noch breiter, KampfkünstlerInnen unter sich.

Mir entgeht ihr Seitenblick auf Nina nicht. Die brünette Schönheit ist mehr als einen kurzen Augenblick wert. Soll ich Schicksal spielen? Yuki schüttelt fast unmerklich das hübsche Köpfchen. „Lass es!“, heißt das. Aber will ich das auch?

Sascha erzählt, dass sie Prominente beim Shopping oder zu Veranstaltungen begleitet. „Einige sind lesbisch, andere fühlen sich besser mit einer Frau.“ Ich weiß wovon sie spricht, auch ich hatte vor Jahren kurz das Vergnügen. Spaß gemacht hat es immer.

Nina, die vor Nervosiät kaum noch sitzen kann, stellt eine entscheidende Frage. „Hast du schon Probleme gehabt?“ Sascha schenkt ihr einen Blick, der sich in Ninas Seele bohrt. „Ich würde das nicht Probleme nennen“, erwidert sie verschmitzt, „aber Paparazzi.

Vor etwa einem Jahr war ich mit einer Managerin aus Boston unterwegs, die zum Dinah Shore gekommen ist. Ich habe es selbst kaum für möglich gehalten, aber diese völlig elegante und durchgestylte Frau, bei der jede Wimper so perfekt saß wie das Kostüm, hat sich in eine ausgelassen feiernde Partymieze verwandelt. Die hatte einen Traumkörper sage ich euch!“

„Und du warst mit ihr im Bett?“, gehe ich in die Offensive, was Sascha breit grinsen lässt. „Aber hallo!“, lacht sie, „was glaubst denn du? Normal trenne ich Arbeit und Vergnügen, aber diese Frau war die Wucht!“

Plötzlich beißt sie sich auf die Unterlippe, als sie bemerkt, wie Nina den Blick abwendet. „Ich bin keine Spielerin“, sagt sie leise, „das ergab sich aus dem Augenblick. Und ich habe noch niemals eine Frau betrogen, mit der ich zusammen war.“

„Du wolltest etwas über Paparazzi erzählen?“, bringe ich das Thema wieder auf den Tisch. „Was ist passiert, seid ihr belästigt worden?“ „Ja,“ erwidert Nina. „Eine Frau ist uns vom Dinah Shore ins Hotel gefolgt. Zumindest habe ich mir das so erklärt.

Ich nenne die Managerin „Mandy“, der wahre Name ist egal. Wir waren also im Bett, als plötzlich die Tür aufging und eine Frau Bilder von uns machte. Sie hat ein Zimmermädchen bestochen, habe ich später erfahren. Für die Bilder hätte sie ein Vermögen bekommen. Hätte …“

Sascha schweigt und schaut bezeichnend in die Runde. „Okay ich war fast nackt,“ fährt sie fort, „aber ich bin ihr trotzdem hinterher und habe sie unten in der Lobby gestellt. Ich habe ihr den Arm verdreht und sie wieder nach oben ins Zimmer gebracht. Polizei brauchten wir keine. Ich habe die Bilder gelöscht, ihr in den Hintern getreten und sie nach Hause geschickt. Die Bitch macht das bei mir nie wieder!“

Selbst Nina muss nun lachen und Sascha schenkt ihr einen tiefen Blick. Prompt wird sie rot, Verliebte können so lustig sein! „Hattest du schon mit Gewalt zu tun?“, will ich wissen. „Leider ja“, gibt Sascha zu, „ein Dieb ist auf dem Set in den Wohnwagen einer Schauspielerin eingedrungen.“

Wortlos hebt sie ihr hautenges T-Shirt und zeigt uns eine gut verheilte (Messer)Narbe. „Meine Klientin hat gedreht und ich bin nur kurz zum Wohnwagen und wollte frische Unterwäsche für sie holen, als ich diesen Typ überraschte.

Als er mich sah zog er sofort ein Messer und hat mich attackiert. Ich bin ausgewichen, aber so ein Wohnwagen ist sehr eng und er hat mich doch seitlich erwischt. Dann war er tot.“ „Du hast ihn umgebracht?“, fragt Nina entsetzt und Sascha lacht schon wieder.

„Nee, aber mein Ellbogen hat seine Nase zertrümmert und ihn ins Reich der Träume geschickt. Hatte ich doch schon im Gym erzählt.“ Nina wirkt verlegen und schaut hilfesuchend in die Runde. Schicksal, warum nur immer ich?

„Deine Freundin hatte bestimmt Angst um dich“, sage ich und Yuki verdreht die Augen. „Das war nur eine Fleischwunde und ich bin meist solo“, höre ich. „Beziehungsstress, das ist so eine Sache.“

„Sagtest du nicht, dass du treu bist wenn …?“, werfe ich ein und plötzlich wirkt Sascha verlegen. Habe ich ihren schwachen Punkt entdeckt? Ich kenne die Antwort schon, bevor sie weiter spricht.

„Jaaa …“, dehnt sie das Wort, „aber was soll ich machen? Die stehen doch alle auf mich!“ „Und du greifst zu“, stelle ich fest. „Das erinnert mich an meine wilden Jahre.“ „Und heute bist zu zahm?“, fragt Sascha provokant und versucht ein Augenduell.

Nach knapp zwanzig Sekunden gibt sie auf. Niemand schlägt mich auf diesem Terrain. Nur in Sachen Autos, da ist sie mir „über.“ Noch in der Abbey haben wir das Thema gewechselt und Sascha sich beeindruckt von meinem Z gezeigt.

„Der war zu klein für mich“, sagt sie, „Papa hat mir dann den Ferrari California T geschenkt.“ Nun gibt es wenige Autos, die mich wirklich beeindrucken können, aber der Ferrari gehört definitiv dazu. 560 Pferdestärken beleben einen 4 Liter V8.

Sascha lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Das Haus ist riesig, aber wirkt kalt und leer. Ebenso der Pool, an dem wir im Schatten sitzen. „Ich brauche Abkühlung“, sagt Sascha plötzlich und zieht sich völlig ungeniert aus. Nur im Höschen springt sie kopfüber ins Wasser und Nina fällt fast in Ohnmacht.

„Ich stehe total auf Sascha!“, flüstert sie, „aber sie lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern! Was soll ich denn noch machen?“ „Zieh dich aus und spring rein“, sage ich. „Zeig ihr, wie hübsch du bist.“

Als hätte Sascha die Wort gehört, spritzt sie Wasser in unsere Richtung. „Los ausziehen, Mädels“, bestimme ich und springe kopfüber ins Wasser. Eine knappe Minute später gibt es eine Wasserschlacht, bei es nur Gewinnerinnen gibt.

Später holt Sascha Badetücher. Sie hat sichtlich Spaß Gesellschaft zu haben. Auffällig oft sucht sie Ninas Nähe und trocknet ihr sogar den Rücken ab. Ally und Heather grinsen wie Honigkuchenpferde und Elfchen zwinkert mir frech zu. Vermutlich nur, da ich sowieso die Hübscheste bin! Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Später geht es in die Küche und das Chaos ist perfekt. Jede hat eigene Ideen und wir stehen uns selbst im Weg. Sascha will russisch, ich japanisch, Ally mexikanische Pfanne kochen. Was dann folgt, hat sogar mich überrascht.

„Raus hier!“, bestimmen Yuki, Heather und Nina im Chor, „wir kümmern uns ums Essen und ihr könnt weiter über Autos erzählen.“ Rollenverteilung der besonderen Art. Auch wir können gut kochen. Aber wir spielen in diesem Fall gern mit.

Wir sind längst trocken, die T-Shirts mittlerweile auch. Leger gekleidet sitzen wir am Tisch und genießen einen Mix aus drei Nationen, der unbeschreiblich lecker ist. Ein perfekter Tag, den nur NeiderInnen dekadent nennen.

Dass es bei Sascha und Nina gefunkt hat, wird immer offensichtlicher. Wir fahren nach Hause, Nina bleibt. Ihre Augen leuchten, als Sascha sie zur Probefahrt im Ferrari einlädt. Und soweit ich weiß „kurven“ die beiden immer noch. Umeinander. Wie anders soll man die verliebten Blicke erklären, die beide seit Tagen unzertrennlich machen?

Mir hat Sascha den Ferrari geliehen und ist mit Nina in Urlaub geflogen. Ich darf also für eine Weile ein Auto fahren, das in meine Doppel(turbo)sammlung passt. Wobei mir (m)eine Elfe reicht. Zwei wären deutlich zu viel. Die kosten zu viel (Sprit).

 

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22 Kommentare zu “Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

  1. Schade, dass ich nicht da war, ich hätte gerne mal geguckt. Also was da so alles im Kühlschrank auf mich wartet. Was hast du denn gedacht? 😀 Ich wußte nicht mal das Ferrari jetzt auch Turbos baut, ich dachte immer die entwickeln nur Sauger. Meine besten Flugwünsche ins Elfenheim 🙂

    • Die beiden turteln immer noch, da haben sich zwei gefunden. Der Wagen war Spitze! Mein Nissan ist auch toll, aber ein V8 hat seinen ganz besonderen Reiz.

  2. Kurz ein anderes Thema: Hoffentlich klappt das jetzt endlich mit der gleichgestellten Homo-Ehe in Deutschland. 😀 Dann könnte ich Yi Man richtig heiraten. 👰 Ob die eingetragenen Lebenspartnerschaften dann automatisch Ehen werden?

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