Lichter der Großstadt – Teil 8: Life in the USA

Schon mehrfach hat man (Frau) mir die Frage gestellt, wie es sich in den USA so lebe, ob sich „die Amis“ wirklich nur für Sport und Lokalklatsch interessieren. Außerdem gab es die Frage, was ich denn bitteschön so den ganzen Tag über mache.

Natürlich kann und will ich diese Fragen gern beantworten und habe aktuell (10. Mai 2017) in die Zeitung geschaut. Die Los Angeles Times hat die Schlagzeile „Trump urged Comey to go after Clinton — and then fired him for it.“ Gemeint ist damit die Entlassung des FBI-Direktors James B. Comey, die völlig überraschend kam.

„Why we took a stand on Trump“, lautet die nächste Schlagzeile, die unter der Rubrik „Editorial Series“ zu finden ist. Erst 14 mehr oder weniger lokale Meldungen später, eine lautet immerhin „Turkey: U.S. decision to provide arms to Syrian Kurds is ‚unacceptable‚“, und steht unter der Überschrift „World“, gibt es eine Eishockey News.

Scrollt Frau weiter nach unten, stehen dort Entertainment und Klatsch, sowie weitere „Local California“ Meldungen. Wer gut aufgepasst hat und den deutschen Medienwald kennt, wird sofort Unterschiede entdecken, die ich mit der FAZ abbilden will.

10. Mai 2017, Meldung 1: „Entlassung des FBI-Chefs Warum Trumps Manöver an Watergate erinnert.“ Daneben Meldung 2: „Entlassung von FBI-Chef Comey Kam er Trump zu nahe?“ Nun frage ich mich (nicht!) ernsthaft, warum eine deutsche Zeitung als Schlagzeile über die USA berichtet, wenn es genug Probleme im eigenen Land gibt.

Immerhin ist der FAZ das Geständnis des „Bochumer Vergewaltigers“ einen kleinen Artikel wert. Der FOCUS hatte darüber schon längst als „Eilmeldung“ berichtet. Deutsche Politik sucht man bei der FAZ vergebens, sieht man von Videos mit Ursula von der Leyen und Patrick Lindner ab.

Während sich also die Los Angeles Times auffällig mit Innenpolitik beschäftigt, die Welt quasi ausblendet, stellt sich mir die Frage, ob die FAZ deshalb nichts schreibt, da es keine Meldungen aus Deutschland gibt, oder ob deutsche JournalistInnen wirklich nur, wie ich schon berichtet habe, am Tropf der großen Nachrichtenagenturen hängen und Meldungen über Herrn Trump wichtiger sind, als deutsche Innenpolitik.

Was mich zu meinem Innenleben bringt, das natürlich aus geldprotziger Dekadenz und Dauerparty besteht. Wirklich? Aktuell schaffe ich den Balanceakt, deutsch-japanische Firmeninteressen aus Los Angeles zu betreuen, mich um die Geschäfte meines Vaters zu kümmern, eine mögliche Kooperation mit einer kleinen Tuning Werkstatt im Großraum Los Angeles anzuleiern und Karate zu trainieren.

Lustig ist anders, die Zeitverschiebung kann ziemlich nervig sein. Der Verkehr in Los Angeles ebenfalls und auch die Gespräche mit dem Inhaber der Werkstatt, auf dessen Diskretion ich bauen muss. Offiziell darf ich in den USA nicht arbeiten. Daher werden wir uns die Greencard besorgen. Hilfe wird es dabei von Onkel Jiro geben. Und vermutlich (bestimmt), werden wir sie noch im Sommer bekommen. Dann aber in Deutschland, bevor es nach Japan geht.

Hilfreich zur Genehmigung der Greencard wird sein, dass die Stuttgarter Tuningschmiede quasi nach Kalifornien expandiert. Wolf wird in den nächsten Tagen hier erwartet. Wenn alles klappt, wovon ich ausgehen kann, habe ich bald wieder einen offiziellen (Neben)Job und darf getunte Autos testen. Ich hätte da schon die eine oder andere Idee.

Privat, das möchte ich noch kurz erwähnen, ist alles in Ordnung bei uns. Yuki war die eigentliche Auslöserin unseres Greencard Experiments. Ihr gefällt es gut in Los Angeles, auch wenn das Leben etwas teurer ist.

Nun habe ich natürlich meinen eigenen Kopf, der aber zunehmend weltbürgerlicher wird. Eigentlich, da bin ich ehrlich, war ich das immer schon und habe mich nie exklusiv als „nur“ Deutsche oder „nur“ Japanerin gesehen. Und doch liebe ich beide Länder.

Hinzu kommt die Offenheit der Menschen in Los Angeles, die zwar oft nur gespielt und oberflächlich ist, aber auch positive Seiten hat. Wo sonst trifft man mal eben so nebenbei Filmstars und Sternchen, die auch noch einige Worte im Golds Gym mit dir wechseln.

Ja, wir haben den legendären Fitness Tempel besucht und versuchen uns in etwas mehr Gewichtstraining. Aber Arnold (Schwarzenegger) haben wir noch nicht gesehen. Wenn der trainiert schlafen wir vermutlich noch. (Super)Ellen wäre mir ohnehin lieber.

17 Kommentare zu “Lichter der Großstadt – Teil 8: Life in the USA

  1. Schlagzeilen gibt es viele, doch die Politik ist derzeit glatter als jeder Aal und deshalb wenig erwähnenswert in den Medien. Lieber wird über Hoeneß, Bibi & Co. geredet und geschrieben. Eure Heimat ist natürlich hier, aber eine Green Card kann ja nie schaden 😉 Staufreie Grüße über den Teich 🙂

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    • Die Ausblendung bestimmter Themen in beiden Zeitungen ist für mich bezeichnend. In den USA ist es immer „America first“, der Rest wird nebenbei erwähnt. Und wenn man doch über Außenpolitik spricht, geht es dort auch um die Interessen der USA.

      Die meisten deutschen Medien, egal ob man nun auch die Profitschiene fahren will, sind Teil des politisch-medialen Komplexes, der über die Atlantik Brücke gesteuert wird. Wir werden gezielt mit genau den Informationen beeinflusst, mit denen man uns versorgen will. Der einzelne Journalist ist daran unschuldig. Entweder er tut was sein Chefredakteur / Verleger von ihm verlangt, oder sein befristeter Vertrag wird nicht verlängert und er durch einen willigeren Kollegen ersetzt.

      Die wenigen Aussteiger gelten heute als „Verschwörungstheoretiker“ und sind vom politisch-medialen Komplex geächtet worden. Leider und auch das muss man in dieser Hinsicht ansprechen, begehen einige den Fehler und erliegen ihrer Bitterkeit und verlieren sich dadurch wirklich in abstrusen Theorien, die ihre Glaubwürdigkeit nachhaltig erschüttern.

      Schon Max Weber hat davon gesprochen, dass Journalisten lediglich politische Aktivisten sind, wenn ich das Zitat richtig in Erinnerung habe. Das trifft heute noch mehr zu, als zu seiner Zeit behaupte ich. Vielleicht sollte man sie „gesteuerte“ politische Aktivisten nennen. Ich habe das schon vor Jahren geahnt und mich auch deshalb gegen den Beruf entschieden. Eine Lohnsklavin zu sein ist einfach nicht mein Ding. Eine der wenigen deutschen Journalistinnen, die ich sehr schätze, ist Frau Dr. Gabriele Krone-Schmalz. Die Frau hat mehr auf dem Kasten, als alle Wills, Illners oder Lanz’s zusammen.

      Die Greencard sehe ich als nützliche Option an, um mich in den USA freier und vor allem legaler in Bezug auf Arbeit zu bewegen. Ob und wie lange wir dann (langfristig gesehen) wirklich in Los Angeles bleiben, das weiß ich momentan noch nicht. Sehe ich die USA zu blauäugig? Bin ich von den Eindrücken geblendet? Nein.

      Ich analysiere sehr kritisch wo wir sind und dass Los Angeles anders, als der Rest der USA ist. Ich glaube dieses Fleckchen Erde hat einen besonderen Menschenschlag hervorgebracht, egal ob eingewandert oder hier geboren. Die Probleme in den USA, aber auch in Los Angeles, sind riesig.

      Was ich als angenehm empfinde, in Los Angeles falle ich keinem auf. Niemand schaut mich komisch an weil ich aus Japan stamme, die Leute schauen lediglich überrascht wenn ich erzähle, dass ich Deutsche bin. 😉

      Vermisse ich Deutschland? Ja! Deshalb sind wir spätestens im Juli wieder zurück, bevor es dann im August nach Japan geht. Aber Pläne können sich ändern. Bei mir oft sehr schnell, was Yuki „wahnsinnig“ macht, wie sie immer behauptet. Dabei packt sie schon, wenn ich noch am nachdenken bin. 😀

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      • Nie würde ich mir Sorgen um eine eventuelle Blauäugigkeit bei dir machen und natürlich stimmt es, wie unsere Medien funktionieren. Scholz ist dort plötzlich kein Thema mehr, statt dessen ist Mutti wieder angesaft und Herr Lindner, die 1-Mann-Partei, der am Sonntag ja dritte Kraft im Landestag werden möchte. Träumen darf man ja. Mögt ihr beiden immer über Blütenteppiche schweben und beste Grüße aus dem nebelverhangenem Marburg!

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  2. Schon der Spiegel bekam die Lizenz nach dem Krieg von den Briten, das hat Augstein nie vergessen und sein „Sohn“ versucht, ganz Sohn, seinen Vater zu übertreffen – das hat der August Goethe auch nicht geschafft. Dafür hat er nach seines Vaters Tod alles, was er von seinem Vater hatte, an Baron Rothschild verkauft. Und der Jakob?
    Deutsche Presse hat auflagen zu erfüllen, nicht zahlenmäßig sondern alliiertenmäßig.
    Darum sollte man sich mit Kritik zurückhalten, auch Zeitungsmacher wie Joffe, Funke, Prandl wollen leben und auch ein wenig das Gefühl der Macht kosten.
    Die Größe derer erkennen heißt Ordnung im eigenen Hirn schaffen.

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    • Augstein junior ist vermutlich das linke Gedankengut in die Gene geschmiedet. Wie ich bereits Arno schrieb, wird die deutsche Presse über die Atlantik Brücke gelenkt und die LeserInnen gleich mit. Selbstverständlich auch die Bundeswehr, wenn Nordkorea „uns“ angreifen wird.

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  3. Meinst du mit (Super)Ellen Ellen DeGeneres? Ich wusste gar nicht, dass sie so bekannt für ihr Fitnesstraining ist. Für die Lachmuskeln ist sie auf jeden Fall gut.
    Passt auf, dass ihr durch das Stemmen der Gewichte nicht langsamer werdet. 😉
    Ich wünsche euch beiden Cosmopolitans noch viel Spass in Los Angeles! 🙂

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    • Ja, die Ellen meinte ich. Und nein, die geht in kein Golds Gym. Aber vermutlich könnten wir uns dann das Bauchtraining sparen. 😀

      Keine Angst, wir werden dort nicht dicke Gewichte bewegen. In Sachen Fitness habe ich durchaus einen Plan. Aber wir probieren einfach gern neue Dinge aus. Warum also nicht auch mal den legendären Fitness Tempel besuchen?

      Es gibt in Sachen Kampfsport (ja SPORT) noch mehr Neuigkeiten, die ich aber in einem anderen Beitrag aufarbeite. Vorab, es geht um MMA.

      Und nun liegt noch ein Arbeitstag vor mir bevor es ins sonnige Wochenende geht. Vorhergesagt sind lediglich 23 Grad, die richtige Hitze kommt erst noch. 🙂

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      • Dann bin ich mal gespannt, was du über MMA berichten wirst. Ich finde diese blutverschmierten Käfigkämpfe unästhetisch, auch wenn die Kämpfer was drauf haben.
        Ich wünsche dir ein schönes Wochenende! 23 Grad sind doch schön! 🙂

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