Lesbisch in Japan – (K)Ein Problem

Schon mehrfach habe ich über Homosexuelle in Japan geschrieben und wie sehr sie dort zu leiden haben. Weniger im wörtlichen Sinn, es gibt keine „Hexenprozesse.“ Vor allem in Tokio und Osaka gibt es eine ständig wachsende LGBT-Community.

Aber noch immer existiert kein Gesetz zur Eheöffnung, noch immer sind große Teile der Bevölkerung zumindest skeptisch. Auch Japan wird sich ändern. Nur wird es länger dauern, als anderswo. Homosexualität in Japan wird quasi ignoriert. Dafür gibt es keine Verfolgungen.

So wenig, wie die heterosexuelle Mehrheit, so wenig reden Homosexuelle über das Thema. Viele leben verborgen und gehen sogar Scheinehen untereinander ein. So ist es alles andere als ungewöhnlich, wenn Lesben und Schwule heiraten und sogar Kinder miteinander haben.

Wie das „technisch“ funktioniert, soll hier kein Thema sein. Aber echtes Glück sieht anders aus.  Es ist vor allem die angeblich so zahlenmäßig geringe jüngere Generation, die dem Thema viel offener gegenüber steht. Angeblich deshalb, da auch japanische Medien nicht immer die volle Wahrheit sagen.

Zum demografischen Problem wird es noch einen separaten Artikel geben. Heute sind „die Lesben“ dran, speziell Koyuki Higashi. Ich verfolge ihren Weg seit einer Weile und bin mächtig stolz auf sie. Sollte ich jemals Japan als Heimat wählen, werde ich sie auf jeden Fall treffen.

Ich will ohne viele Worte ihre Geschichte vorstellen, die im nachfolgenden Video zu finden ist. Verbunden mit der Hoffnung, dass der „kleine Schnee“, wie Koyuki übersetzt werden kann, die Weichen für Toleranz und Aufklärung stellt.

21 Kommentare zu “Lesbisch in Japan – (K)Ein Problem

  1. Diese Aufklärungsarbeit muss manchmal sehr hart sein, aber sie hat ein gutes offenes Gesicht und schafft damit vielleicht ein wenig mehr Verständnis für dieses Thema in Japan. Schließlich ist der etwas normalere Umgang mit LGBT bei uns auch noch nicht so lange her. Gib es zu, die Essszenen hast du eingebaut, damit ich das ganze Video gucke, oder? 😉

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    • Der japanische (Sonder)Weg braucht deshalb mehr Zeit, um nicht völlig mit den Traditionen zu brechen. Wie immer, werden meine JapanerInnen auch dieses Thema elegant lösen und ich Elfchen im Urlaub auch weiter ganz offiziell als meine Ehefrau vorstellen. Die Reaktionen sind so köstlich, wie japanisches Essen. 🙂

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  2. Koyuki (sehr offene und positive Ausstrahlung) und ihre Frau machen in Japan wirklich einen tollen Job. Ich bin froh, dass es so mutige Frauen gibt! 🙂 Wenn durch sie dort nun schon lesbische Frauen heiraten, dann werden sie sicher bald auch bei der Familiengründung Vorbilder sein. 😉 Schön, dass auch Japan sich langsam wandelt.

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    • Alle „Yukis“ sind toll. Meine ist natürlich am tollsten! 😉

      Japan braucht wirklich mehr Kinder, also junge Menschen, die offener für LGBT sind. Nur so wird die Akzeptanz größer werden.

      Wir waren schon in diesem im Video angesprochenen Stadtteil in Tokio. Dort könnte auch ich gut leben. Wobei ich zur Zeit Los Angeles vorziehe. Die Dinge sind so einfach hier.

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      • Das hat vermutlich weniger etwas mit Los Angeles, als mit mir selbst zu tun. Ich kann Stimmungen spüren. Selbst hier im Internet. Vielleicht liege ich ab und zu falsch, aber die Kommentare von Finsterlingen oder Schlangen, habe ich bisher immer richtig gedeutet.

        Los Angeles, Kalifornien, hat einen besonderen Menschentyp hervorgebracht. Vieles mag Show sein, aber du begegnest vielen positiv eingestellten Menschen, Menschen die lächeln und die es auch so meinen. Diese positive Energie, auch in Bezug auf LGBT, macht die Stadt (für uns) so einzigartig. Ja, sie ist riesig! Ja, es gibt die Schattenseiten, Elend, Armut. Ich nehme das alles wahr und doch überwiegt der positive Effekt. Was an mir und meiner Lebenseinstellung liegt.

        Wenn ich in Deutschland lebe, wenn dort stets schlechtes Wetter herrscht, wenn viele meiner FreundInnen immer nur meckern, die politische Situation eskaliert, hat das auch einen Effekt auf mich. Die Distanz tat mir gut. Auch daher ist das Leben in Los Angeles zur Zeit einfacher.

        Die Oberflächlichkeit der Menschen, hat dann wieder eine andere Qualität. Neue Freunde findest du hier täglich und am nächsten Tag haben sie dich meist schon wieder vergessen. In meiner Welt sieht das etwas anders aus. Wir Mädels halten durchaus zusammen. Und damit das so bleibt und ich dir auch morgen noch „kraftvoll“ antworten kann, werde ich mich jetzt ins Bettchen verabschieden. 😉

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      • Dann wünsche ich dir mal eine angenehme Nachtruhe (voll Omi-like)! 🙂
        Ich habe so ein Kartenspiel (Memory), bei dem es um die kulturellen Unterschiede zwischen China und Deutschland geht. Demnach ist beispielsweise die schlechte oder gute Laune der Deutschen wetterabhängig und die der Chinesen nicht. Allgemein geht mir das Meckern (der Pessimismus) von Deutschen auf den Geist. Wenn mehr Deutsche ihre Situation global betrachten würden, dann würde ihnen der Wohlstand in ihrem Land klarwerden.
        Gerade jetzt in der Situation mit meiner Schwester fällt es mir schwer, Beratungs- oder Therapiegespräche zu führen. Viele meiner KlientInnen haben nur Probleme im Kopf, weil sie sich über ungelegte Eier Gedanken machen. Ihre Probleme sind demnach nur in ihrem Kopf real. Vielleicht sollten Deutsche mal lernen, dankbar dafür zu sein, was sie haben (Positivfokus auf ihr Leben).

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      • In meinem Artikel „Deutschland du mein Jammerland“, den du bereits gelesen und entsprechend kommentiert hattest, habe ich einiges über die negative Sicht der Dinge geschrieben. Ich kann nicht mit Menschen, die ständig jammern oder sich selbst für unzulänglich halten. Psychos inklusive, von denen halte ich mich bewusst fern.

        Es liegt in Deutschland nicht nur am Wetter, auch die christliche (Trauer)Lehre hat Schuld am Pessimismus. Was weniger an der Bibel, als an den Predigern liegt. Schon diese sind entsprechend negativ konditioniert.

        Jetzt glaub nur nicht, dass AmerikanerInnen weniger jammern oder keine Probleme haben. Das stellt sich dort nur anders dar. Tipp: Lern(t) Englisch eröffnet Büros in Los Angeles. Deine Freundin und du hättet ein wunderbares Leben und ich könnte dich endlich richtiges Karate lehren. 😀 😛 😉

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      • Ich muss zugeben, dass ich wahnsinnig gerne mal miterleben würde, was du kampfkünstlerisch auf dem Kasten hast. 🙂 Du bist bestimmt auch eine richtig gute Lehrerin. Wenn ich bei dir Unterricht nehmen würde, dann läge mein Asthma-Spray immer in der Nähe. Wahrscheinlich wären mir deine Aufwärmübungen schon zu anstrengend. Dennoch ist mein 4h-Training samstags auch ganz schön anstrengend, obwohl es Wing Chun ist. 😉

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      • Aufwärmen ist enorm wichtig. Vielleicht im Aikido noch mehr, als im Karate. Bei mir ist das schon so zur Routine geworden, dass ich an Wochenende die wir unterwegs waren im Hotel Dehnungsübungen machte. Übe also schon mal Spagat und Grätsche, Erfolgsmeldung erwarte ich im Sommer. 😀

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      • Ich werde den Frauenspagat üben, denn ich mache ja nur „schattenlose“ Kicks. 😀 Den tiefen „Pferdestand“ (Ma Bo nennt man den beim Wing Chun) muss ich auch für mein Training üben. An dem verzweifele ich manchmal. 😅

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  3. Danke für deinen Artikel und für das Video! Sehr interessante und wichtige Arbeit, die Koyuki-san dort vollbringt. Und traurig, wenn ich mich nicht verhört habe und wirklich erst vier gleichgeschlechtliche Paare eine Hochzeitszeremonie in Japan halten konnten. Aber gut, wirklich fortschrittlich und absolut gleichgestellt läuft in Deutschland ja auch fast noch nichts … Hoffen wir einfach, dass beide Länder langsam und stetig freundlicher zu allen Menschen werden, die Teil der Gesellschaft sind.
    Was sind eigentlich die häufigsten Reaktionen darauf, wenn du Yuki als deine Ehefrau vorstellst? Ich stelle mir da jetzt in etwa „Verzeihung, Ihre was?!“ vor. 😀 Selbstverständlich in höflichem Japanisch dezent anders formuliert. ^^

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    • Die häufigste Reaktion ist ein Lächeln. Aber dass muss man deuten können. Ich glaube es ist für EuropäerInnen unmöglich, den Gesichtsausdruck von JapanerInnen zu lesen. „Verzeihung, Ihre was?!“, wäre unhöflich. Oft wird die Bemerkung ignoriert und man spricht ganz normal weiter, vermeidet aber das Thema.

      Der Sensei meines Cousins, ein wirklich weltoffener und sehr aufgeschlossener Japaner, weiß von unserer Beziehung und spricht Yuki ganz offen als meine Frau an.

      Der Tante und dem Onkel habe ich das schon vor Jahren beigebracht, bzw. meine Eltern. Mit meiner / unserer Familie gibt es keine Probleme.

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      • Okay, also das Thema wird übergangen. Diese Eigenart unangenehme Themen schlicht zu ignorieren widerspricht mir schon. Ich muss sagen diese Reaktion fände ich persönlich auch noch schmerzhafter als ein „Bitte was?!“, auch wenn das natürlich sehr unhöflich klingt. Bewundernswert, wenn ihr so stark seid und euch davon nicht runterkriegen lasst. 🙂
        Es freut mich sehr, dass deine Familie (bzw. ein großer Teil eurer Familie) von dir in Sachen Toleranz unterrichtet wurde und euch unterstützt. 🙂

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      • Es war weniger ich, als vielmehr die Tatsache, dass meine Eltern und auch ihre Schwester samt Mann und Kindern, aufgeschlossene JapanerInnen sind. Meine Eltern hatten beide deutsche Brieffreundschaften und leben seit 30 Jahren in Deutschland. Das hat mit Sicherheit geholfen.

        Japaner übergehen sehr oft unangenehme Fragen. Der Grund ist einfach und wird von Europäern falsch interpretiert. Es geht darum, das Gesicht zu wahren. Und zwar von beiden Seiten. Du wirst also oft genug lediglich ein Lächeln bekommen, aber keine direkte Antwort. Wer länger in Japan lebt, wird das verstehen.

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  4. Ich lebe seit 2013 in Japan, wegen und mit meiner Partnerin. In diesen 4 Jahren hat sich so viel getan! Ich bin echt glücklich darüber, aber vieles ist trotzdem noch nicht erreicht. Aber wie du auch schon geschrieben hast, Japan braucht seine Zeit. Ich erfreue mich aber über jeden Schritt, und über jeden Bezirk oder Stadt die ein Same sex partner certificate ausgeben oder Firmen die LGBTs unterstützen. Ich hoffe die Stadt in der ich lebe ist auch bald bereit für diesen Schritt. ^^

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    • Viele Europäer / Amerikaner glauben, dass nur ihre Lebensweise der Weisheit letzter Schluss sein kann. Alles muss immer schnell und sofort und jetzt und überhaupt gehen. Aber wenn es um Abschaffung der eigenen Traditionen geht, wird auch „der Deutsche“ wieder langsam.

      Für Japan und darauf bin ich stolz, sind diese kleinen Schritte ein gewaltiger Sprung nach vorn. Jede gleichgeschlechtliche Partnerschaft wird den Leidensdruck von den Betroffenen nehmen, aber Japan nicht in den Grundfesten erschüttern.

      Gib „deiner Stadt“ Zeit. Schenke ihr, den Menschen dort (d)ein Lächeln. In einigen Jahren ist Homophobie nur noch eine verblasste Erinnerung. 🙂

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