Wing Chun – Der ewige Frühling

Viele Mythen und Legenden ranken sich um die fernöstlichen Kampfkünste. Von unbesiegbaren HeldInnen und wundersamen Techniken ist die Rede, die jeden Gegner lässig niederstrecken.

Das ist so dumm wie falsch und schon allein das Wort Gegner ist dabei der falsche Begriff. Ursprünglich hat man Wushu / Kung Fu zur körperlichen und geistigen Fitness erschaffen. Erst viel später haben die Shaolin Mönche daraus die Kunst der Selbstverteidigung gemacht.

Die kämpfende Kunst

Vor einigen Monaten hatte ich am Beispiel Karate über den Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport geschrieben und warum die reine Kampfkunst in einem Wettkampf unbrauchbar ist.

Wer diese Artikel noch nicht kennt, der darf gern HIER und HIER klicken.

Bei meinem Aufenthalt in den USA, habe ich mehrfach mit Sifu Feng über dieses Thema gesprochen. Auch sein Wettkampf Tai Chi ist nur die abgewandelte Form jener Kunst, die in Konkurrenz zu den aus dem Shaolin „Kung Fu“ entwickelten Stilen steht.

Für Feng überraschend, dass ich als Karateka, die „Klebenden Hände“ beherrsche. Einerseits gibt es die auch im Goju Ryu Karate und andererseits im Wing Chun. Und auch das habe ich gelernt.

Wing Chun, das man mit „Ewiger Frühling“ übersetzen kann, ist ein vermutlich im frühen neunzehnten Jahrhundert entstandener südchinesischer Kung Fu Stil, der seit den 1970er Jahren auch Furore im Westen macht. Leider haben Geschäftemacher viel kaputt gemacht, aber das soll heute kein Thema sein.

Kurz vor meiner Abreise hatte Feng Besuch von einem befreundeten Sifu, der als Kind und Jugendlicher zehn Jahre lang Wing Chun trainierte und vor fast zwanzig Jahren zum Tai Chi gewechselt ist. Gemeinsam haben wir die beiden Systeme analysiert und die Unterschiede herausgestellt. Und das war auch für mich hochinteressant.

The men of Tai Chi

Sifu Dan ist Amerikaner und knapp vierzig Jahre jung. Sein Stiefvater habe bei Hawkins Cheung in Los Angeles trainiert und ihn zum Training mitgenommen, erzählt er uns. „Als Kind hat mir Wing Chun geholfen“, sagt er. „Ich war ein schmächtiges Kerlchen und immer Opfer der älteren Schüler. Als ich mich erstmals wehrte, haben sie mich in Ruhe gelassen.“

Fast automatisch erscheinen die Bilder in meinem Kopf, die mich als siebenjähriges Mädchen auf dem Pausenhof der Schule zeigen und als „Opfer“ eines üblen Streichs. Ein Mitschüler hatte mich ohne Vorwarnung zu Boden gestoßen, beleidigt und dabei noch gelacht. Mein Karate hat ihm dann Manieren beigebracht.

„That’s life in the USA“, stichelt Feng und lacht. Die Männer nicken wissend, als ich meine Geschichte erzähle. „Ich glaube das haben wir alle durchgemacht“, sagt Dan. „Aber im Gegensatz zu anderen sind wir wieder auf die Füße gekommen.“

„Warum und wann hast du mit Wing Chun aufgehört?“, will ich wissen. Seine Antwort ist überraschend. „Nicht aufgehört“, lässt er mich wissen, „in meiner Schule wird auch Wing Chun unterrichtet. Nur unser Schwerpunkt ist Tai Chi.

Ich bin als junger Bursche zu den Marines. Wing Chun hat mir zu Beginn meiner Ausbildung geholfen, aber als wir Bodenkampf und Boxen übten, stand ich auf verlorenem Posten.“

Ich ahne warum, aber will es genauer von ihm wissen. „Woran genau lag es deiner Meinung nach?“ „Wir haben bei Hawkins zu wenig Sparring gemacht und nie mit fremden Stilen geübt. Alles war sehr theoretisch. Und ich kann schlecht einem Trainingspartner die Knochen brechen.“

Gegen jede Regel

Dan spricht ein Problem an, das viele Kampfkünstler haben, wenn sie in einem Ring nach Regeln kämpfen sollen. Schläge zum Kehlkopf oder Tritte in den Unterleib gehören zur Selbstverteidigung, im Sport sind sie aus gutem Grund verboten.

Auf der anderen Seite gibt es aber diese Arroganz scheinbarer Überlegenheit im Lager der Wing Chun Verfechter. Und das ist, bei aller Sympathie für diesen Stil, eine glatte Lüge. Dan sieht das ebenso. „Hawkins Cheng ist ein netter Kerl. Aber er hat auch den 3. Dan im Karate.

Viele, die sich jetzt Sifu nennen und wirklich gute Wing Chunler sind, haben noch einen zweiten oder dritten Hintergrund. Sie mixen diverse Stile und erst das macht sie gut. Oder sie schummeln, wie Sifu Moore.“

Dan zeigt uns ein Video, das ich ebenfalls kenne. Ein beleibter Mann, wird von einem schmächtigen Karateka „angegriffen“ (Sparring) und schiebt diesen dann quasi vor sich her. Das hat wenig mit Wing Chun, aber viel mit physikalischen Gesetzen zu tun. Der Mann ist einfach schwerer. Punkt.

„Ein großer Nachteil diverser Stile, ist der Fokus auf Hände und / oder Füße“, sagt Dan. „Wir können Tritte und Schläge, aber am Boden verlieren wir.“ „Das klingt wie Werbung für Brasilian Jiu-Jitsu (BJJ)“, stichele ich. „the most effective Martial Arts on the Planet.“

And the winner is …!

Herzliches Lachen folgt meinen Worten, die beiden verstehen den Gag. „BJJ ist in erster Linie Sport“, sagt Dan und auf der Straße völlig unbrauchbar. Das gilt für alle ringenden Sportarten. Kein Mensch wälzt sich auf dem Asphalt.

Die scheinbare Überlegenheit von BJJ basiert auf dem Überraschungseffekt, den auch Wing Chun kennt und auf deren Regeln. Bei Vergleichskämpfen mit BJJ scheuen sich andere Sportler sehr oft, die wirklich effektiven Kicks oder Schläge zu landen.“

„Oder sie dürfen nicht“, füge ich hinzu. „Bei Judoka oder Ringern sieht das ganz anders aus. Kein BJJ-Sportler steht lange gegen einen guten Freistil Ringer. Man kann solche Sportarten ganz schlecht vergleichen.“

„Ich sehe Wing Chun als eine Sonderform unter den Kampfkünsten“, sagt Dan und nickt zustimmend. „Es ist reine Selbstverteidigung und eine Art Straßenkampf. Relativ einfach aufgebaut gibt es dort keine Geheimnisse. Die werden nur von diesen selbsternannten Großmeistern Leung Ting und Keith Kernspecht propagiert. Jeder kann Wing Chun erlernen. Dafür braucht es keine Ewigkeit.“

„Mit erlernen meinst du die Formen oder die Techniken inklusive Schmetterlingsmesser und Langstock?“, frage ich. „Wenn du Wing Chun als reine Kunst siehst und wirklich jede Handbewegung akribisch und auf den Millimeter genau lernen möchtest, wirst du vermutlich ewig brauchen“, erwidert Dan. „Und du wirst im Ernstfall die Prügel deines Lebens beziehen. Die meisten Wing Chunler können nicht kämpfen.“

Dans Worte sprechen das Problem an, das ich am Beispiel Aikido verdeutlichen will. Aikido ist als Wettkampfsport völlig ungeeignet und nur die kultivierte Form des Aikijujutsu. Bei Wing Chun ist das ähnlich. Nur gibt es dort keine offizielle sportliche Form. Eventuelle Wettkämpfer sind einfach nur Kickboxer.

Die Analyse

Dan holt einen Schnellhefter aus der Tasche und zeigt uns auf mehr als fünfzig Seiten seine Analyse von Wing Chun und Tai Chi. Grob gesagt ist sein Fazit, dass Tai Chi das wesentlich komplettere System ist, schwieriger zu lernen, aber im Endeffekt effektiver.

„Wing Chun ist nicht komplett“, erklärt Dan. „Man hat dort Elemente aus dem Tai Chi und vermutlich dem Shaolin Kung Fu sozusagen extrahiert und um ein imaginäres Dreieck herum modifiziert. Ich spreche von den kurzen, schnellen Bewegungen, die immer die eigene Mitte schützen und gleichzeitig zum Zentrum des Gegners gehen.

Der Erfolg, den einige wirklich gute Wing Chunler mit dieser Methode haben, basiert lediglich auf dem Überraschungseffekt. Aber mit einem Kettenfauststoß gewinnt man keinen ernsthaften Kampf. Mit einem Tritt in den Unterleib schon.“

„Das ist mein Spruch!“, protestiere ich lachend. „Ich glaube ich weiß, was du meinst. Auch Karate kommt ursprünglich aus China und ist vermutlich aus dem Weißen Kranich Stil entstanden. Aber Japaner sind Puristen und haben überflüssige Bewegungen eliminiert, was sehr gut im Shotokan Karate zu sehen ist. Mein Stil, das Goju Ryu, ist noch näher am Original.“

„Tai Chi basiert auf einem Kreis“, fährt Dan fort und Feng stimmt zu. „Greift ein Gegner an, wird der Wing Chunler der Kraft ausweichen oder um sie herum arbeiten und gleichzeitig attackieren. Tai Chi wird die Kraft, den Schlag oder Tritt quasi aufnehmen und absorbieren, um erst dann zu attackieren.

Dreieck und Kreis

Die Bewegungen beim Tai Chi sind kreisförmig, um es einfach auszudrücken. Beim Wing Chun dagegen eckiger (Dreieck Prinzip). Ein weiterer Unterschied liegt im sogenannten Trapping, dem immobilisieren der Arme oder Beine.

Das funktioniert im Training für Wing Chunler wunderbar. Im realen Leben habe ich so meine Zweifel. Steht mir ein muskulöser Kraftmensch gegenüber, so geht das in den meisten Fällen gewaltig schief.

Tai Chi macht das besser, indem man einen Gegner aus der Balance bringt. Greift jemand nach mir, gebe ich nach und leiste keinen Widerstand. Bis zu diesem Punkt kann man sich darüber streiten, ob beide Systeme nicht teilweise das Gleiche machen, wenn auch mit anderen Methoden.

Der größte Unterschied liegt aber meiner Meinung nach in der Sensitivität. Wing Chuns klebende Hände sollen hier das Maß aller Dinge sein, was nur zum Teil richtig ist. Nicht nur Wing Chun kennt diese Form, wie Mayumi schon angesprochen hat, gibt es die auch im Okinawa Karate und anderen Kung Fu Stilen.

Mit dem Unterschied, dass im Wing Chun leider wirklich nur die Arme sensibilisiert werden, im Tai Chi aber der ganze Körper. Wing Chun gilt als reiner „Close Range Combat.“ Und das macht das System recht gut. Bis man, rein theoretisch, auf den Weltmeister im Kyokushin-Karate trifft.“

Kick it

Wir müssen alle lachen. Dan spricht von den blitzartig aus nächster Nähe nach oben gezogenen oder gesprungenen (Dreh)Kicks zum Kopf, mit denen ich Feng im Sparring überraschte. „Wing Chun übt Druck nach vorn (auf den Angreifer) aus“, fährt Dan fort, „aber es geht immer nur um die Mitte, das Zentrum.

Tai Chi ist ein 360 Grad System, das sich wie ein junger Baum verhält. Zieht man daran oder drückt und lässt dann los, geht der Baum in seine ursprüngliche Position zurück. Tai Chi attackiert den ganzen Körper und ist das wesentlich komplettere System. Falls man es bis zum hohen Level schafft.“

„Der Blick über den Tellerrand ist wichtig“, ergänze ich. „Unbedingt!“, stimmt mir Dan zu. „Es geht mir nicht darum einen Stil zu verteufeln und die Überlegenheit eines anderen anzusprechen, aber viele meiner Schüler haben vorher etwas anderes gemacht und sind nun wesentlich zufriedener mit ihren Erfolgen.“

„Könnte man Wing Chun als Einstieg in die Welt der Kampfkunst sehen?“, will ich wissen und Dan nickt. „Das hast du gut formuliert“, erwidert er, „aber ich sehe das komplexer.

Wie ich schon sagte ist Wing Chun ein einfaches System, das vor allem für körperlich schwächere Menschen interessant ist. Vor allem für Frauen.“ Er grinst, als er meinen Mittelfinger sieht. Humor, den auch Dan versteht.

Hinterm Horizont geht’s weiter

„Du wirst dort viele treffen, die kaum Fitness haben oder einfach unbeweglich sind“, fährt er fort. „Für die wäre Karate Mord. Auch für Kinder ist Wing Chun eine tolle Sache. Aber wer Wunder erwartet, wird bitter enttäuscht.

Wer dazu in der Lage ist und echte Fortschritte machen möchte, dem rate ich sich auch anderweitig umzusehen. Ohne den direkten Vergleich, wird man immer limitiert bleiben. Und die angeblich so guten Wing Chunler aus Hongkong machen in Wirklichkeit nur Sanda (Chinesiches Kickboxen).“

Auch Feng stimmt zu. „Ja“, sagt er, „das habe ich mittlerweile auch erkannt. Ich musste auch Kickboxen lernen, um bei Meisterschaften erfolgreich zu sein. Trotzdem hat mir mein Tai Chi Hintergrund dabei geholfen. Und schon Bruce Lee hat die Stile gemischt.“

Unvermischt und pur bleibe nur ich meinen LeserInnen erhalten. Auch wenn ich Deutschland nächste Woche wieder in Richtung USA verlassen werde.

32 Kommentare zu “Wing Chun – Der ewige Frühling

    • Vielen Dank.

      Kampfkunst oder -sport theoretisch zu erklären ist immer schwierig und wird nur wenige interessieren. Wenn die Leute „Tai Chi“ hören, wird sofort an die daraus entstandene Gesundheitsform gedacht. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, was man dort langsam zeigt, das kann auch schnell ausgeführt werden.

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  1. Ich kann manchen Dingen zu der Technik von Wing Chun nicht beipflichten (zumindest nicht bei Wing Chun aus der direkten Ip Man Linie). Darf ich fragen, bei wem Feng gelernt hat? Kettenfauststöße gibt es beispielsweise nur beim WT (Leung Ting, der nie direkt von Ip Man gelernt hat). Wenn jemand wirklich Wing Chun beherrscht, reicht ein Fauststoß aus. Auch beim Wing Chun wird in Kreisen gearbeitet, die einfach nur kleiner sind. Ebenfalls wird die Energie des Gegners absorbiert oder weitergeleitet (zumindest bei meinem Stil). Des Weiteren geht es darum, den Angreifer aus der Balance zu bringen. So wie ihr Wing Chun beschreibt, handelt es sich nach meiner langjährigen Erfahrung um WT. Wie du weißt, habe ich selbst 16 Jahre eine Art WT-Stil betrieben. Erst bei Ip Chuns Training in Hongkong habe ich verstanden, was Wing Chun wirklich ist. Außerdem arbeiten wir beim Lok Yiu Wing Chun (direkte Ip Man Linie) auch mit den Beinen. Ach ja, wir arbeiten auch zur Mittellinie, aber von jeder Position aus (kein Dreieck!). Es geht um die Mittellinie des Körpers, die von allen Richtungen aus attackiert werden kann. Das kannte ich vor dem Vereinswechsel auch nicht.
    Dass Wing Chun einen nicht auf einen Bodenkampf vorbereitet, sehe ich jedoch auf jeden Fall genauso. Außerdem machen wir auch nicht mit Schutzkleidung richtiges Sparring, was ich aber manchmal in meiner Freizeit mit Freunden anderer Stile betreibe (wie ich schon berichtete). Dennoch machen wir Go Sao Training (freie Arme, freie Beine), ohne uns dabei wirklich gegenseitig zu verletzen.

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    • Es war Dan, der Wing Chun gelernt hat. Wo steht im Artikel, es war bei Hawkins Cheung. Ich hatte ihn bereits vor einigen Monaten erwähnt. Hawkins ist ein direkter Schüler Ip Mans und kein selbstgestrickter „Großmeister.“ Bei wem Dan sonst noch trainierte ist mir unbekannt. Ich kann ihn fragen, wenn wir wieder in Los Angeles sind.

      Die Bemerkung mit dem Kettenfauststoß war mehr ironisch gemeint und als Seitenhieb auf Leung Ting und Konsorten gedacht. Du darfst dir das flüssig zu lesende Interview nicht wirklich so vorstellen. Wir haben länger geredet und auch die Unterschiede in der Praxis getestet. Mein Beitrag zeigt also nur die literarisch aufgearbeitete Essenz des Treffens.

      Es macht auch keinen Unterschied, ob es „kleine Kreise“ oder ein Dreieck im Wing Chun ist. Gegenüber den weit ausholenden Bewegungen des Tai Chi wirken viele Kampfkünste limitiert. Schau dir die Unterschiede der Formen an oder wie ein Angriff im Tai Chi absorbiert und gekontert wird. Dir werden die im Text angesprochenen Ähnlichkeiten auffallen, niemand erfindet das Pulver neu, aber auch die Unterschiede. Das war der Grund warum Dan vom „kompletteren“ System des Tai Chi sprach. Nimm die weit ausholenden Bewegungen weg, extrahiere die Essenz und es wird quasi zu Wing Chun oder Okinawa-Te (Karate).

      Du selbst hast mir bestätigt, dass ihr einen neuen Schüler mit Knieproblemen im Wing Chun habt. Für den wäre Tai Chi völlig ungeeignet. Mit Sicherheit wird ihm Wing Chun mehr liegen. Aber er wird auch die Stile mixen, wenn es zum Sparring kommt.

      Im Aikido, der mordernen Form des Aikijujutsu, ist es umgekehrt. Aikido „führt“ den Partner in weit ausholenden Bewegungen. Aikijujutsu kennt die gleiche Bewegung, wird sie aber kurz ausführen und die „Knochen“ brechen lassen. Dafür ist es geschaffen (Schlachtfeld). Beide Künste sind trotzdem völlig unbrauchbar in einem sportlichen Vergleich.

      Die angesprochenen Kyokushin Kicks findest du z. B. in diesem Video:

      Wobei du dir meine anders vorstellen musst. Feng und ich standen uns danals beim Sparring gegenüber – Unterarm an Unterarm – und er hat versucht mich aus der Balance zu bringen. Ich habe aus dem Stand einen Kick zum Kopf gezogen, den er nicht kannte und auch nicht kommen sah. Mein Cousin ist darin ein wahrer Meister, aber zu langsam für mich. Wenn der ansetzt hole ich ihn von den Füßen. Und am Boden ist er verloren.

      Wenn ich dir einen Rat geben darf, schau dir „Bodenkampf“ Sportarten an. Die sind auf der Straße zwar meist nutzlos, aber sie bereiten auf eine mögliche Attacke vor. Und solltest du dann doch in die Verlegenheit kommen, wirst du entsprechend reagieren.

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      • Ich muss zugeben, dass ich von Hawkins Cheung noch nie etwas gehört habe. Er gehörte jedenfalls nicht zu den ersten Generationen von Ip Mans Schülern. Leung Sheung (leider recht früh gestorben) und Lok Yiu waren Schüler aus der ersten Generation. Da Lok Yiu Ip Mans langjährigster Schüler von ihm war (Leung Sheung starb zuvor), wurde er nach Ip Mans Tod der Präsident der VTAA (Ving Tsun Athletic Association) in Hongkong. Es gibt nur ein paar Wing Chun Linien, vor denen ich wirklich viel Respekt habe, nämlich die von Lok Yiu, Ip Chun, Ip Ching, Tsu Sheung Tin und Wong Sheun Leung.

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      • Ich beteilige mich nicht an dieser „Ich und nur ich bin ein direkter Schüler von Ip Man“, Diskussion, den seit Jahrzehnten irgendwelche mittlerweile sehr alten Männer führen, um sich den Titel „Großmeister“ zu sichern. Hawkins soll ein enger Freund von Bruce Lee gewesen sein. Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich mir seine Schule vielleicht anschauen.

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      • Ich lege auf den Stammbaum viel Wert, weil ich 16 Jahre verarscht wurde. Mein alter Sifu hat angeblich bei einem Sifu in Hongkong trainiert, der nie existiert hat (eine fiktive Person). Dementsprechend habe ich mich beim Chi Sao Training bei Ip Chuns total blamiert. Darum bin ich bei diesem Thema sehr ernst geworden. Alle Schüler von Ip Man werden Wing Chun mehr oder weniger gelernt haben.

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      • Nicht du hast dich blamiert, dieser unseriöse Geschäftemacher ist der Blamierte. Natürlich kann ich verstehen wie ärgerlich das für dich war. Wann / wie hast du die Lüge bemerkt?

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      • Nach dem Training bei Ip Chun war ich von meinem alten Trainer einfach wahsinnig enttäuscht und wütend auf ihn. Ich möchte ihm nie wieder begegnen. Außerdem habe ich erkennen müssen, dass ich in den 16 Jahren nur Unfug gelernt habe.
        Die Lüge habe ich durch meinen neuen Verein aufdecken können. Für kurze Zeit war mein alter Sifu auch beim Lok Yiu Wing Chun, wurde dann aber durch sein Verhalten aus dem Verein geworfen. Mein jetziger Sifu hat für mich bei den Söhnen von Lok Yiu in Hongkong nachgefragt, ob es wirklich einen Ip Po Pei gibt. Sie haben noch nie von ihm gehört, obwohl sie ansonsten alle Schüler von Ip Man persönlich kennen. Ihr Vater war mit ihnen ja befreundet. Außerdem habe ich auch bei meinen zuvorigen Recherchen nie etwas über ihn finden können, obwohl ich auch die Biographie von Ip Man habe.

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      • Und zeigt die Grenzen jedes „unbesiegbaren“ Stils. Der Begründer des Kyokushin Kaikan, Ōyama Masutatsu (eigentlich Choi Hyung-yee), hat zu seiner Zeit sehr viele Kämpfe mit anderen Stilen ausgetragen und sie angeblich alle gewonnen. Es gibt darüber einen Film „Fighter in the Wind“, der allerdings voller Pathos ist. Ich vermute, dass er Elemente aus dem Taekgyeon, einer traditionellen koreanischen Kampfkunst, mit Karate mischte. Die ungewöhnlichen hohen Kicks, gepaart mir seiner Aggressivität, haben ihm vermutlich den ein oder anderen Vorteil verschafft.

        Ich habe als Teenager auch Taekwon-Do trainiert. Daher waren die Kicks im Kyokushin Kaikan kein Problem. Wie beweglich bist du? Kannst du diese Drehkicks? Glaub mir bitte, als ich sie in Stuttgart vorführte, war mein armer Sifu „platt“ … vor Schreck. 😀 Der kam, wie ich schon schrieb, von der EWTO, hat aber später bei Philipp Bayer trainiert. „Mein“ Wing Chun dürfte sich daher von deinem Stil leicht unterscheiden. Wobei ich das niemals wirklich benutze. Mir ist / war immer wichtig, dass ich andere Stile kenne und begreife. Und als Partnertraining fand es Yuki damals sehr effektiv. Mittlerweile hat sie aber der Ehrgeiz gepackt und sie möchte auch den 1. Dan im Karate.

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      • Es gibt keinen unbesiegbaren Kämpfer/keine unbesiegbare Kämpferin. Aber jeder Stil für sich ist gut und durchdacht. Nein, ich kann keine Drehkicks. 😀 Vor deinem Wing Chun Stil habe ich außerdem viel Respekt. Philipp Bayer hat direkt von Wong Shun Leung gelernt, der Bruce Lee hauptsächlich trainiert hat. Außerdem hat Philipp Bayer hier in Köln Ehrenfeld eine Schule. Dort habe ich mit im Chi Sao gemacht. Er ist wahnsinnig gut (super geschmeidig). Nur aus einem Grund habe ich mich damals gegen ihn entschieden. Seit dem Tod seines Sifus hat er keinen Kontakt mehr nach Hongkong. Sven Dittrich (mein Sifu) trainiert regelmäßig bei den Söhnen von Lok Yiu. Dorthin werde ich ihn nächstes Jahr begleiten. Ich spare schon für die Reise.
        Ich wünsche Yuki viel Erfolg bei ihrem Karatetraining für den ersten Dan (und dir für den 4. Dan) ! 🙂

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      • Absichtlich hatte ich „unbesiegbar“ in Anführungsstriche gesetzt, um die Ironie aufzuzeigen. Wobei man das schon differenzieren muss. Es wird immer wieder außergewöhnliche Menschen geben. Siehe Miyamoto Musashi, Japans besten Samurai, der niemals einen Kampf verloren hat. Musashi war aber noch mehr, als nur ein guter Kämpfer, er beherrschte auch die Kunst der psychologischen Kriegsführung wunderbar. Mit einem wütenden Gegner, hatte er dann leichteres Spiel.

        Leider wird in der Kampfkunst / -sport Szene viel Schindluder getrieben wie du am eigenen Leib erlebt hast. Irgendwelche „Großmeister“ wollen „geheime“ Techniken kennen, mit denen sie einen Elefanten töten können. Und das ist totaler Quatsch. Mit jahrzehntelangem Training und Talent, ist es schon möglich kleine Wunder in Form von außergewöhnlichen Leistungen zu vollbringen, die ein Normalo niemals lernen wird.

        Authentizität im Wushu oder Karate leitet sich nicht zwangsläufig durch eine direkte Verbindung zum Ursprungsland ab, wie man bei der EWTO und EVTF feststellen kann. Jeder Sifu / Sensei, wird seine Philosophie einbringen. SchülerInnen dürfen auf keinen Fall den Fehler machen und eine 1:1 Kopie anstreben.

        Lass mich dir ein Beispiel geben. Mein Papa ist unglaublich gut, wenn es um direkte, schnelle (Konter)Attacken geht. Aber als Mann verfügt er natürlich über mehr Kraft. Zwar heißt es immer, dass Stil X oder Y „ohne Kraft“ auskommen, aber völlig richtig ist das nicht. Schon als Mädchen war ich wesentlich schneller als er und auch viel flexibler. Ich habe schon vor meinem Taekwon-Do Training Kicks (schlecht) benutzt, die ich erst später richtig lernte. Als er einsah, dass ich hungrig auf mehr war, hat er mich selbst in eine gute Taekwon-Do Schule gebracht und ich bin noch einmal regelrecht aufgeblüht! Diese blitzartigen, hohen Kicks waren genau mein Ding. Auch wenn ich nur „so ’ne Kleene“ bin, wie meine Freundin Anna mich einst nannte. 😀

        Was ich sagen möchte ist einfach, dass ich zwar viel von meinen Papa lernte, aber eben keine Kopie von ihm bin. Jeder Schüler muss genau seinen eigenen Stil finden! Und genau daran scheitern die meisten. Sie kicken, schlagen, ringen ohne Plan und kopieren quasi nur, ohne die wirkliche strategische Intelligenz zu haben. Ohne Taekwon-Do, ohne meinen Abstecher ins Tai Chi oder Hung Gar, ohne Wing Chun und und und …, wäre ich niemals die geworden, die ich jetzt bin. Das hat meinen eigentlichen Stil nicht verschlechtert sondern ihn besser gemacht.

        Ich werde auch weiterhin auf z. B. Krav Maga Seminare gehen oder wieder nach Prag zu einem wirklich tollen Trainergespann fahren. Eventuell bringe ich diesen Beitrag noch.

        Weißt du, die Dan Prüfungen sind reine Formsache für mich. Es kann sein, dass ich die Prüfung in Japan mache, um dem Vorwurf entgegen zu treten, dass ich bevorzugt werde. Ich muss auch wieder Kampfrichter Praxis bekommen. Auch da bietet sich Japan an. Fragen zum Kampfrichterwesen sind Teil der Prüfung.

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      • Danke für deine Erläuterungen! 🙂 Es kann gut sein, dass ich dies bezüglich zu festgefahren bin.
        „Learn the form, but seek the formless. Hear the soundless. Learn it all, then forget it all. Learn the way, then find your own way.“ (The Forbidden Kingdom)
        So weit bin ich noch nicht. Ich muss die Form erst einmal richtig lernen. Erst seit 3,5 Jahren mache ich authentisches Wing Chun.

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      • Mit der Authentizität ist es so eine Sache. Innerhalb eines beliebigen Systems könnte es die nur geben, wenn irgendwer dieses System durchgängig konsistent und mit gleicher Intention in stets gleicher Weise vermittelt hätte. Und das ist niemals der Fall. Du kannst also kein „authentisches“ Wing Chun lernen. Es wird immer auf den jeweiligen Fähigkeiten des Sifu bzw. deiner Möglichkeiten es zu lernen bzw. auszuführen basieren und demnach eine Interpretation sein.

        Was du lernen kannst sind die Basics. Aber z. B. dein Stand wird nie meiner sein, nie der deines Sifu, dein Tritt nie meiner, dein Schlag / Hebel nie der, den du so sehr zu erlernen trachtest. Was wäre wenn Du deinen Stil lernst? Verstehst du, was ich dir sagen will? Stichwort: Individualität. Die meisten Leute scheitern an ihren eigenen Vorstellungen und suchen etwas, dass nur in der Fantasie existiert.

        Anders ausgedrückt kann aus einem Kaltblüter niemals ein Rennpferd werden und ein Sprinter geht beim Marathonlauf unter. Aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten kommen sie trotzdem ins Ziel. Es dauert nur länger und wird weniger elegant aussehen.

        Wo liegen deine Stärken, was sind deine Schwächen? Das gilt es herauszufinden und zu akzeptieren, um innerhalb deiner Möglichkeiten besser zu werden.

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      • Danke für diese wichtigen Erklärungen. Mein Sifu hat das auch gesagt, dass jeder der Wing Chun benutzt, es trotzdem auf seine Art und Weise macht. Meine Stärke liegt in der Geschwindigkeit. Mit der Körperkraft der Männer kann ich nicht mithalten, aber ich bin schneller als die meisten.

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    • Ich weiß. 🙂 Aber du machst den gleichen Fehler, wie fast alle Wing Chunler, wenn ihr stets von der Mittellinie sprecht. Kick ihm die Füße weg, lass ihn ins Leere laufen. Sieger: Du! 🙂

      Schönes Wochenende für dich (euch), wir werden heute noch zurück in die USA fliegen. Ich melde mich dann von dort.

      Liken

      • Anders als bei anderen Wing Chun Stilen greifen wir auch die Seite an (Rippen etc.). Ebenfalls treten wir Gegner auch von hinten das Standbein weg oder von der Seite gegen das Kniegelenk (natürlich auch von vorne).

        Ich wünsche euch ganz viel Spass in den USA! 🙂 Und ich freue mich schon über deine Beiträge darüber!

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      • Du hättest mitkommen sollen. Das Dinah Shore Weekend ist ein must see! Und jetzt sag bloß nicht, du hättest davon noch nie gehört. 😀

        Müde Grüße aus Los Angeles, wir sind da!

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      • Ich bin voll die schlechte Lesbe, denn ich musste es gerade googlen. 😅 Ein älteres lesbisches Paar, mit dem ich befreundet bin, meinte schon, dass ich dies bezüglich total ungebildet sei. Beim Lesbenfrühlingsfest in Köln war ich aber mal. Ist das dieses Festival, wo in den 80gern diese kurzhaarige Blondine ihre politischen Reden geschwungen hat? Ich weiß noch nicht einmal mehr, wie sie heißt, aber sie muss sehr berühmt sein.
        Das ist dort sicher, wie der CSD in XXL. Natürlich wäre ich gerne dort! 😀 So viele schöne Frauen… und Yi Man, die mir dauernd Klapse auf den Hinterkopf gibt, wenn ich es wage, eine davon anzuschauen. 😂

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      • Meinst du Ellen DeGeneres? Wobei es „The Dinah“ erst offiziell seit 1991 gibt. Gründerin ist Mariah Hanson.

        Uns geht es weniger um andere und schöne Frauen, wir wollen einfach mittendrin in dieser Szene sein. Klar schauen wir hin. Aber das wars auch schon.

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  2. Sehr ausführliche und interessanter Beitrag. Als Mitglied der EWTO werde ich mich nun nicht schlecht über meine Meister äußern. Aber eins möchte ich doch beitragen. Es gibt kein System was perfekt ist oder jeder lernen kann. Jeder der in die Schule kommt, die ich besuche, sage ich; „probier es aus“. Es gibt Menschen die sind nicht für WT geschaffen. Sie sind besser beim Boxen oder Karat aufgehoben. Andere hingegen können sehr gut fließen und zu ihnen gehört es. Das ist alles. PS: ich lese aus dem Bubishi eine Ur-Verwandtschaft des WT und Karate heraus und Du?

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    • Falls du meine anderen Beiträge kennst, so habe ich den Weißen Kranich Stil dort schon als Ursprung des Okinawa-Te / Karate erwähnt. Ohnehin sind die Ursprünge der Kampfkünste hochinteressant. WT ist meiner Meinung nach auch „nur“ eine abgespeckte Form. Aber das schrieb ich bereits.

      Vielleicht liegt es oft einfach am Lehrer, wenn SchülerInnen etwas nicht verstehen. Wobei wirklich nicht jeder Quantenphysik lernen kann. 😉

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