Phänomen Populismus – Im Namen des Volkes

Das Wort Populismus, lateinisch von Populus = Volk, ist in aller Munde. Dem Populismus und dem Populisten scheint es also um die Belange des Volkes zu gehen. „America first!“, hat Donald Trump gesagt und „Raus aus der EU!“, eine Mehrheit der Briten.

Den herrschenden Eliten schmeckt Populismus nicht, er gefährdet ihre Macht. Sie, als willfährige Vollstrecker des Neoliberalismus, sie, die Erfinder des Meinungsmanagements, brauchen keine neue Partei am rechten Rand der Mitte.

Sprachlos

Den Populisten ist das egal. Sie sehen sich als Alternative zum System und wollen eine neue Ordnung formen. Dabei formulieren sie nebulöse Thesen, die kaum nachzuvollziehen sind und stets vage bleiben. „America first!“ und „Raus aus der EU!“, sind einfache und klare Worte. Wie das funktionieren soll, das sagen diese Worte nicht.

Der Populismus bedient Ängste und Emotionen. „Der Flüchtling nimmt mir (uns) die Arbeit weg!“ Dass es den Flüchtling nicht gibt, wir von Asylbewerbern und Migranten sprechen müssen, wird vergessen. Flüchtling für alle zu sagen ist auch populistisch.

„Wir da unten gegen die da oben!“, ist die Essenz vieler Populisten. „Wir und nur wir machen es anders!“ Nun ist anders ein tolles Wort. Aber leider inhaltsleer. Auch „die da oben“ bleibt nebulös. „Wir da unten“, soll den einfachen Bürger, also Otto Normalverbraucher skizzieren, den Fahrer von der Müllabfuhr.

Die Angst

Im noch immer vom Nachhall des Zweiten Weltkrieges gezeichneten Europa geht die Angst vor dem Rechtspopulismus um. In den letzten Jahrzehnten haben sich in Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich, den ehemaligen Staaten des Ostblocks und nun auch in Deutschland, (rechts)populistische Parteien gegründet.

Gut, die FPÖ gibt es seit 1956 und erst unter Jörg Haider hat sie sich gewandelt. Die deutsche AfD hat sich erst 2013 gegründet und knüpft nahtlos an die Erfolge anderer Populisten an. Allen Parteien zu eigen, ist das Menschenfischen am rechten Rand der Wählerschaft, das man als durchaus kritisch sehen kann.

Geradezu panisch reagieren die Eliten auf deren Erfolge. Das liegt nicht unbedingt an der neuen Konkurrenz, es liegt an der Angst vor Volkes Stimme. Ich zitiere erneut Thucydides (454 – 399 v. Chr.), der den Massen (dem Volk) eine Neigung zu Affekten und Leidenschaft auf Kosten der Vernunft attestierte.

Vor dieser vom Populismus gut bedienten Leidenschaft fürchten sich die Eliten. Vermutlich sehen sie bereits die Revolutionären Zellen durch die Straßen ziehen, die an ihre Pensionen wollen.

Parteien im Wandel

Gehen wir kurz davon aus, dass wir in einer echten Demokratie und nicht in einer Oligarchie leben und die Herrschaft „des ersten Mannes“ nur eine halluzinatorische Bewusstseinsstörung ist.

Schnell werden wir den Wandel im Verhalten, sprich den Aussagen von Politikern erkennen, die nun ihrerseits versuchen mit Populismus zu punkten. Aussagen wie „Die Rente ist sicher! oder „Wir schaffen das!“, ist nichts anderes als dem Erfolg der Populisten geschuldete Rhetorik.

Die Frage „Was macht die Rente sicher?“ und „Wie schaffen wir was?“, ist nie beantwortet worden. Nüchtern betrachtet, ist Populismus also ein durchaus interessantes und die tröge Parteienlandschaft bereicherndes Phänomen.

Ideologie oder nicht

„Strittig bleibt, ob man den Populismus überhaupt als Ideologie bezeichnen kann, ob er ideologische Eigenschaften aufweist“, hat Prof. Dr. Frank Decker gesagt. „Seine rigorose Parteinahme für das Volk und gegen die Eliten betont die individuelle Freiheit ebenso, wie die Notwendigkeit gemeinschaftlicher Einbindung.“ Der Mann ist Wissenschaftler und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Phänomen.

Wir sehen also erneut das Volk, als identitätsstiftendes Ideal. Moderne, komplexe Gesellschaften werden verneint und als gescheitertes Multikulti Experiment bezeichnet. Das ist die wissenschaftliche Sicht von Populismus, die eine Wahrheitsfindung nicht unbedingt einfacher macht.

„America first!“, Trumps Wahlspruch, hat jeder amerikanische Präsident gelebt. Der Unterschied ist nur, Trump hat es laut ausgesprochen. Dafür wird er nun gerügt. Auch von Deutschen, die davon überrascht worden sind, dass jemand seine Versprechen einhält.

Der Wille des Volkes

Populisten, egal ob links oder rechts, propagieren angeblich stets den Willen des Volkes. Sie sprechen also mit Volkes Stimme. Rechte fokussieren den nationalen Aspekt, Linke die soziale Komponente. Anders ausgedrückt stellen Rechte die Individualität des Einzelnen in den Vordergrund und wehren sich gegen eine staatliche, kollektiv verordnete Zwangssolidarität.

Gegner des (Rechts)Populismus (Eliten), führen nun sofort die „Rolle rückwärts“ ins Gefecht. Damit ist gemeint, dass der Populismus dem Wesen nach rückwärts gewandt sei und ein längst vergangenes Gesellschaftsbild konservieren wolle. Und das, liebe LeserInnen ist falsch.

Falsch deshalb, da sich auch Linkspopulisten dieser Thematik bedienen. Der Erhalt sozialer Gerechtigkeit, der Wohlfahrtsstaat, ist nur ein Beispiel dafür. Und nun kommt als eine mögliche Form des Erfolgs von Populisten, erneut der Neoliberalismus ins Spiel. Seine Regentschaft, die Hörigkeit der Politik gegenüber Lobbyisten, ist ein großes Problem unserer Zeit.

Als Fazit gibt es den rein privaten Hinweis meinerseits, wieder mehr Geld für Bildung auszugeben. Sich nach außen öffnende Volkswirtschaften (Globalisierung), die es versäumen die eigenen Bürger quasi fit für den Wettbewerb zu machen, schaffen sich am Ende ab. Oder glaubt jemand, dass Dummköpfe die Verhandlungen mit (Land der eigenen Wahl einsetzen) führen können?

Gleichzeitig gilt es auch die Altersversorgung der Menschen abzusichern. Nicht dagegen das Risiko von Banken mit Steuergeldern abzufedern, wenn die sich an der Börse verzocken. Chancengleichheit und Fairness sind längst vergessene Schlagworte, an die sich PolitikerInnen wieder erinnern sollten. Versäumen sie das, wird der Populismus siegen und (Populist der Wahl einsetzen) der neue deutsche Kanzler sein.

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17 Kommentare zu “Phänomen Populismus – Im Namen des Volkes

  1. Wow, so früh schon so ein politischer Beitrag. Vergiss bitte nicht zwischendurch mal zu schlafen. 😀 Ich musste durch deinen Text gerade irgendwie an die französische Revolution denken. Ihr Slogan: „Vive la liberté!“. Demnach ist dieser Slogan auch populistisch, oder? Das ist vielleicht weit hergeholt, aber vielleicht hat der Populismus die Revolution erst möglich gemacht.

    • Ich habe sehr lange und sehr gut geschlafen. Wie immer. Du könntest mich also ein „ausgeschlafenes Mädchen“ nennen. 😀

      Populismus ist keine Krankheit. Das negative Bild wird nur von Menschen geprägt, die ihn für ihre Zwecke gebrauchen. Oder besser gesagt missbrauchen. Dabei darf man nie, was leider in Deutschland fast unmöglich ist, den Blick auf beide Seiten der Parteienlandschaft vergessen.

      Es gibt wissenschaftliche Definitionen von Populismus, die sich auch mit den neuen sogenannten Rechten oder Rechtspopulisten beschäftigen. Das Problem dabei, diese werden oft von links angehauchten Wissenschaftlern gemacht, die ihre persönliche Abneigung gegen Rechte oder Konservative mit einfließen lassen. Aber man sollte, soweit möglich, neutral bleiben, wenn man sich wissenschaftlich betätigt.

      Wenn wir uns anschauen, wer die französische Revolution möglich machte, bekommen wir die Antwort. War es das Volk oder nur eine Gruppe, die wir heute Partei nennen würden, die den Slogan prägte und das Feuer der Revolution entfachte?

  2. Ein toller Artikel, danke der Autorin! Wie Sie auch andeuten: Das Problem, das mit dem Populismus eng verknüpft ist und ihn erst möglich macht, ist die Oberflächlichkeit, mit dem die Dinge betrachtet werden. Wir leben in einem Land, in dem nicht einmal 20% wissen, wer Sigmar Gabriel ist, aber 80% Daniela Katzenberger kennen!
    Mich selbst schocken die manchmal grausamen Bilder der Nachrichten so sehr, dass es mir oft den Appetit verschlägt und ich lange darüber nachdenken muß. Auch verwirrt mich die sehr rasche Abfolge der Ereignisse, wie sie im Fernsehen dargeboten werden, auch nach 40 Jahren noch! Ich verstehe nicht, wie man in der einen Minute über die Massenhinrichtung in Saudi Arabien berichten kann, in der nächsten einen Komiker seine flachen Witze an den Mann bringt! Ich meine jetzt aber nicht…Ihr wisst schon wen… Das würde mir im Traum nicht einfallen, also wirklich nicht!
    Sorry, aber dabei kann ich nun mal nicht in mein Käsebrot beißen und danach gleich lachen. Da versuche ich erst einmal zu verstehen, warum da jetzt dieser Nimr Baker al-Nimr und 46 Leute haben sterben müssen und wer das überhaupt war. Aber schon dreht sich das Karussell weiter, Einzelereignisse verlieren an Bedeutung, Wichtiges vermischt sich mit Unwichtigem, alles wird zu einem unübersehbaren ,,Unterhaltungsmatsch“ komprimiert… Aber ich hör jetzt auf, nicht,
    dass jemand noch schlechte Laune bekommt!
    Wie immer wünsche ich Euch ein erholsames, wunderschönes aber (nicht nur diesmal) auch eine wenig nachdenkliches Wochenende – keinesfalls sarkastisch sondern von Herzen, Eure Nessy

    http://www.salutarystyle.com

    • Die überwiegend negative Berichterstattung der Medien, ist mehreren Dingen geschuldet. Menschen reagieren auf negative Meldungen, die Wut, Hass oder vor allem Angst erzeugen, extrem sensibel und unverzüglich schnell. Wir sind evolutionär so konditioniert, auf Angst sofort zu reagieren. Das wissen Populisten. Daniela Katzenberger offenbar auch. 😉

      Davon abgesehen verkauft sich die Meldung „Mord im Dschungelcamp, BLÖD sprach mit der Leiche“ natürlich besser, als „Durchbruch bei der Kalten Kernfusion.“ Und wenn wir uns jetzt noch vor Augen halten, dass die Presse zum Teil per Empörungsmanagement Stimmung gegen / für die (Partei / Person der eigenen Wahl einsetzen) macht, haben wir etwas begriffen.

      Leider glauben die meisten Menschen der abstrakten Wahrheit oft nicht und schauen gläubig das durch die GEZ zwangsfinanzierte (Staats)Fernsehen. Und schon hat auch Daniela wieder gewonnen und Sigmar Gabriel bleibt weiter unbekannt. Danke fürs lesen.

    • das mit der Katzenberger vs. Gabriel ist ein super Hinweis.

      Wüsste schon mal gerne, wie das Verhältnis bei den „Eliten“ aussieht…

      Ich finde schon, es spricht Bände, wenn MEHRHEITEN solche Platt-Entertainer wie Trump oder Berlusconi wählen, die mit ihren Medien / Sendungen mit äußerst relevanten Beiträgen zur „Volksbildung“ 😈 Millionen verdienen (um einmal das Wort „Volk“ zu benutzen).

      Was für moralisch verkommene Äußerungen diese Leute von ihren „anti-Elite“-Wählern verziehen bekommen, ist wirklich sagenhaft.
      Es ist aber halt genau die Sprache, das Auftreten und die völlig selbstbezogene Werteskala aus besagten „Unterhaltungs“-Sendungen, die diese Wähler als selbstverständlich und stilprägend akzeptiert haben.

      .

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