Damals in Japan – Teil 4: Olympia

Karate wird olympisch! Zumindest einmalig bei den Spielen 2020. Das klingt nun wie ein großer Sieg und jeder wird glauben, dass maßgeblich Japaner dafür verantwortlich sind. Aber in Japan gab es niemals das große Interesse an olympischem Karate.

Wer meine Artikel über Karate gelesen hat, wird die Gründe vielleicht ahnen. Tradition und Moderne kommen sich ins Gehege. Auch ich bin zwiegespalten, als ich mit meinem Vater nach Tokio fliege. Wir haben das Angebot Jugendliche für Olympia zu trainieren zwar überraschend erhalten, aber mein Vater ist kein Unbekannter und sein Wort hat deutliches Gewicht.

Er hat meine Artikel gelesen und sich lobend geäußert. Aber er glaubt nicht daran, dass alle LeserInnen sie verstanden haben. „Es ist sehr schwer einem Europäer das Wort Kampfkunst richtig zu vermitteln“, sagt er. „Sie glauben Karate sei nur ein Spiel, eine Show.“ Und da hat mein Vater recht.

Worte wie „nutzloser Kram“ und „überholte Techniken“, begleiten dieses pure Unverständnis gern. Bis die Maulhelden am Boden liegen. Dann haben sie die Lektion gelernt.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen erwartet uns ein Gremium älterer Herren. Höflichkeiten werden ausgetauscht, es folgen die üblichen Floskeln bevor es zur Sache geht.

Vielleicht noch ein Wort zu Karate, das in meinen anderen Artikeln fehlte. In Japan betreiben hauptsächlich Kinder und Jugendliche Karate. Natürlich auch Studenten, die nach dem Studium oft damit für viele Jahre aufhören müssen. Der Grund sind die Arbeitszeiten Japans. Die Firma geht über alles.

Natürlich gibt es auch normale Bürger, die ihren Sport betreiben und das oft schon sehr früh vor der Arbeit machen. Aber der Prozentsatz ist deutlich geringer, als in Deutschland. Dafür gibt es in Japan viele SeniorInnen, die wieder damit beginnen.

Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass Karate Nationalsport wird und jeder Japaner darin unterrichtet wird. Nicht um zu kämpfen, es geht dabei vielmehr um Tradition, um die Rückbesinnung auf alte Werte und um Gesundheit. Vielleicht primär um genau die.

Kumite, der Zweikampf, steht auch auf dem olympischen Programm, das die Offiziellen zeigen. Sie erwarten Unterricht in Sportkarate und den lehnt mein Vater schon immer ab. Zwar hat er mich vor Jahren für Wettkämpfe trainiert, aber das war die Ausnahme pur.

Aber er ist klug genug nicht sofort abzulehnen. Schon vor der Reise, haben wir über eine mögliche Rückkehr nach Japan gesprochen. Und der Trainerposten wäre die ideale Grundlage dafür. Primär für mich. Mein Vater hat keine Probleme sofort wieder heimisch zu werden. Aber will ich nur die Assistentin meines Vaters sein?

So sehr ich ihn auch liebe, ich habe meinen eigenen Kopf. Mein Karate ist an die Neuzeit angepasst, ohne dabei den Blick auf die alten Formen zu verlieren. Was bedeutet, dass ich meinen Weg bei den Frauen sehe und sie Selbstverteidigung lehren möchte. Für mehr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen im Leben. Auch gegen Mann.

Das Angebot ehrt uns. Mein Vater ist stolz mich an seiner Seite zu wissen. Aber das können nur ich und meine Mama sehen. Die einer Rückkehr nicht im Wege stehen wird. Aber wir haben uns noch nicht entschieden. Was auch mit einem Besuch im Waisenhaus zu tun hat, der noch keine Früchte trug.

Wir wollen nicht irgendein Kind aussuchen, das Kind muss uns finden. Wie, darüber werde ich dann vielleicht berichten. Aber nicht mehr heute oder morgen. Und eigentlich ist das absolut privat.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für das Interesse an meinen Artikeln, die diesmal anders als sonst ausfallen. Distanzierter vielleicht. Es fällt mir schwer jene Distanz zu überwinden, die sich zu Deutschland aufgebaut hat. Mehr darüber beim nächsten Mal.

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13 Kommentare zu “Damals in Japan – Teil 4: Olympia

  1. Meine kämpferische Mayumi, manchmal muss meinen einen Schritt zurück treten um den Wald von den Bäumen unterscheiden zu können. Mit deinem Vater zu arbeiten lehrt auch die Dehmut Kompromisse zu machen, wo sonst nur Licht und Schatten herrschen. Ist das nicht ebenso ein Weg des Kämpfers? Die Distanz zu einem Land ist nicht so wichtig, wie die Nähe zu Menschen und da gibt es viele die keine Distanz zu dir haben und darauf kommt es doch an. Du bist mitten unter uns und darüber freue ich mich sehr. Für deine und Elfchens Zukunft wünsche ich euch einen weisen fröhlichen Knaben, denn dieser wird mehr für die Neuerung der Frauensicht tun, als eine Frau es jeden vermögen könnte. Ihr werdet es sehen, er findet euch. Mit noch dunkelblauen Grüßen aus dem frühen Marburg!

    • Es ist eher mein Papa der zweifelt, ob er Sportkarate unterrichten will. Davon hält er wenig. Mir hat er als Mädchen fast alles durchgehen lassen und erlaubt. Was hätte er auch sonst machen sollen? 😉

      Der Weg des Samurai hat wenig mit kämpfen zu tun. Der Weg des Samurai findet sich im Tod. (Hagakure – Der Weg des Samurai) Vielleicht kennst du das Buch. Ich habe es gelesen und zur Seite gelegt. Allenfalls kann ich mit den Werten etwas anfangen: Disziplin, Sittlichkeit und Mut. Mir sagt Miyamoto Musashi mehr zu und „Das Buch der fünf Ringe.“ Das ist ein Buch über die Schwertkunst, das auch heute noch aktuell ist und uns Dinge über „Gegner“ etc. lehren kann.

      Ja, ich bin eine Kämpferin. Ich muss immer für oder gegen etwas sein. Aber ich muss nicht mit dem Dickkopf meines Papas kämpfen. Da gewinne ich sowieso. Weil ich ein Mädchen bin. 😛

      Wie kann ich Menschen nahe sein, die ihre eigene Identität verleugnen und lieber alles Fremde hofieren? Ich bin eine „Fremde“, ich weiß wovon ich spreche. Dabei hat Deutschland der Welt so viel zu geben. Leider haben viele Menschen hier schon vor was auch immer kapituliert. Und wenn ich sie daran erinnere bin ich die „rechte Japanerin.“

      Nee, ich mag zwar alle Kinder, aber als eigene bitte nur Mädchen. Ich kann mit Jungs ab einem gewissen Alter einfach nicht. Mit Ausnahmen.

  2. „Der Anführer eines großen Heeres kann besiegt werden. Aber den festen Entschluss eines einzigen kannst du nicht wankend machen.“ (Konfuzius)

    „Wenn man die Wahl hat zwischen Austern und Champagner, so pflegt man sich in der Regel für beides zu entscheiden.“ (Theodor Fontane)

    Egal was, wie, wo und wann: Beste Wünsche dafür.

      • Gerne doch ☺️.

        Zu Karate und Olympia kam mir heute noch das folgende Filmchen in den Sinn, das im Zuge einer „PR-Kampagne“ für olympisches Karate entstand, wenn ich es recht weiß.
        Man könnte meinen, die alte und zukünftige Weltmeisterin zusammen, obwohl ich, offen gestanden, die kleine Mahiro schon etwas scary finde…

      • Ich habe die Kleine schon lange auf dem Radar und vor Jahren bereits kurz im Rahmen eines Artikels über sie berichtet. Damals war noch nicht klar, dass sie vermutlich eine Große werden wird. Wenn du sie siehst dürftest du eine ungefähre Ahnung davon bekommen, wie ich als Mädchen war. Heute bin ich natürlich noch viel niedlicher. 😀 😀 😀

  3. Mir würde Karate bei Olympia natürlich zum Zuschauen super gut gefallen. Natürlich kann ich aber auch verstehen, dass du und dein Vater von Sport-Karate nicht sehr angetan seid. Dennoch ist es so oder so eine große Ehre, dass man euch gerne als Trainer für die olympischen Sportler hätte.
    Ich würde wiederum gerne mal an einem Wing Chun Wettkampf teilnehmen. Vielleicht liegt das aber einfach nur daran, dass ich so etwas bisher noch nicht gemacht habe.

    • Bei dem Trainerjob geht es um die Arbeit mit Jugendlichen in einer bestimmten Region. Aus diesen Schülern werden dann aber vielleicht Kandidaten ausgewählt, die ins olympische Kader kommen Wir wären zu Beginn nur eins von mehreren Trainergespannen, die das landesweit machen. Mein Papa ist natürlich sehr geehrt, das er gefragt worden ist. Und es wäre eine Chance, der Welt „sein Karate“ zu zeigen. Aber Sportkarate ist in seinen Augen der falsche Weg.

      Gibt es Wing Chun Wettkämpfe? Ich kenne keine. Vielleicht machst du einfach einige Monate Kickboxen und nimmst an einem Turnier teil. Danach bist du geheilt oder Deutsche Meisterin. 😉

      • Ich muss zugeben, dass ich auch mal gerne euer Karate sehen würde. Falls dein Vater (vielleicht auch mit dir) wirklich die Jugendlichen trainieren wird und dann welche von ihnen bei Olympia zugelassen werden würden, könntest du mir dann vielleicht mitteilen, welcher Sportler oder welche Sportlerin euer Karate ausübt? Falls dir das zu privat wäre, sag es bitte einfach. Ich kann auch verstehen, wenn mich das einfach nichts angeht und im öffentlichen Blog auch nichts zu suchen hat. Ich bin ja lernfähig. 😉
        Ach ja, Wing Chun Wettkämpfe gibt es natürlich in China, aber auch in Russland. Ich gucke mir solche Kämpfe manchmal auf YouTube an. Natürlich werde ich nicht nach China fahren, um dort zu kämpfen. Aber bei Ip Chun werde ich auf jeden Fall nochmal vorbeischauen. Vielleicht muss ich einfach auch nur mal richtig eins auf die Mütze kriegen, um geheilt zu sein. Vielleicht verstummt dann der Wunsch in mir, mich messen zu wollen. Eigentlich geht es mir darum herauszufinden, ob mein Wing Chun funktioniert. Vielleicht ist das aber gerade auch der falsche Weg, wenn ich daran denke, dass dein Vater von Sport-Karate nichts hält. Und wenn, dann würde ich auch mein Wing Chun testen wollen und nicht irgendeinen anderen Stil. Und Sparring und ein richtiger Wettkampf sind ja nicht das Gleiche. Aber wem sag ich das überhaupt mal wieder, du hast ja mit beidem schon genug Erfahrung sammeln können. 😅

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