Das ist Karate!

Was Karate wirklich ist, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Aber noch immer verstehen viele diese Kunst gern falsch. Also ergänze ich meinen letzten Artikel und möchte Ōyama Masutatsu, den Begründer des Kyokushin-Karate, zitieren. Der Fokus liegt dabei heute auf der körperlichen Seite. Warum erkläre ich noch.

„Karate ist kein Spiel. Es ist kein Sport. Es ist nicht einmal eine Technik der Selbstverteidigung. Karate ist zur Hälfte eine körperliche, zur anderen Hälfte eine spirituelle Disziplin.“

So ganz einverstanden bin ich mit dem großen Meister nicht. Man kann das auch durchaus anders sehen. Karate war und ist durchaus Selbstverteidigung für mich. Dieben meinen Geldbeutel zu überlassen, um sie nicht zu verletzen, käme mir niemals in den Sinn. Wer mir, bildlich gesprochen, an die Wäsche will, hat ein Problem.

„Karate hat eine nicht zu leugnende mystische Qualität. Doch all dies ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen und Training. Es ist offen zugänglich und hat nichts mit geheimen esoterischen Schriften zu tun, die manche Karateschulen angeblich besitzen. Selbst wenn solche Bücher existieren, sind sie keine praktischen Erklärungen für die Methoden und Techniken des Karate, sondern abstrakte Erklärungen der geistigen Haltung.“

Ōyama Masutatsu hat recht, es gibt keine geheimen Techniken und keine Super Karateka, die allein mit Blicken einen Vorteil für sich verbuchen. Aber im modernen (Sport)Karate werden all jene Techniken nicht mehr gelehrt, die nach Meinung einiger Meister, eine zu große Verletzungsgefahr bei Wettkämpfen darstellten.

Was aber nicht gelehrt wird, gerät schnell in Vergessenheit. Und plötzlich ist Karate pflegeleicht und seine Schüler taumeln gebückt durchs ganze Leben, statt aufrecht und mit Stolz zu gehen. Mein Vater hat mich traditionelles Karate gelehrt. In all seiner Konsequenz. Das ist ein Grund warum ich Kämpfe gewinne und andere sie verlieren. Was auch für das normale Leben gilt.

„Die Kampfkünste wurden erdacht um Siege zu fördern, daher erfordern sie Rivalität. Doch gleich wie stark der Rivale auch ist, der Gerechte wird immer siegen. Davon bin ich überzeugt. Demzufoge muß Karate eine gerechte Kunst sein. Menschliche Wesen, die diesen Namen auch verdienen, sollten gewillt sein, Gemeinheit durch Gerechtigkeit zu bekämpfen, und dies bis zum Tode, falls es nötig sein sollte.

Ohne diesen Willen, in dieser Weise für die Gerechtigkeit einzustehen, was wäre das Leben noch wert? Die höchsten Dinge, die man aus einem Kampf auf der Grenzlinie zum Tod erfahren kann, sind Gerechtigkeit, Höflichkeit und der WEG. Und das Erreichen dieser drei Dinge bedeutet einen gewissen Sieg. Im Vergleich dazu sind Ruhm und Geld ohne Bedeutung.“

Karate kann zu mehr Gerechtigkeit führen. Davon bin auch ich fest überzeugt. Dabei ist es egal ob ich einen kleinen Jungen oder einen alten Mann vor Schlägern rette. Das Ergebnis ist es, das letztlich zählt. Auch der Sieg über mich selbst, wenn ich lächelnd vor einem Provokateur stehe und sein verbaler Angriff verpufft.

Ōyama Masutatsu war eigentlich Koreaner. Aber das ist nur Nebensache. Und er hat Karate auch nicht revolutioniert. So wenig wie Gichin Funakoshi, der Begründer des modernen Karate, dem Shotokan. Traditionelles Karate ist anders. Gelernt hatten sie es beide. Im Ansatz zumindest. Aber dann nur noch den eigenen Stil praktiziert.

Beide, Kyokushin-Karate und Shotokan sind durchaus gut. Mir sind sie zu einseitig, zu sehr vom eigentlichen Ursprung entfernt. Mein Karate war stets anders. Schon als Kind habe ich gern und oft improvisiert. Instinktiv. Gelernt habe ich andere Techniken erst viel später.

Es ist schwierig bis unmöglich, den geistigen Aspekt im Karate mit Worten abzubilden. Dazu ist (m)ein Blog denkbar ungeeignet. Karate und Zen-Buddhismus sind ein Team. Und das ist absolut kein Widerspruch. Es ist der japanische Weg, der im Westen kaum verstanden wird.

Aber ich kann die absolute Kompromisslosigkeit aufzeigen, wenn es im alten, traditionellen Karate darum ging, einen Angriff abzuwehren. Die Formel lautet krass ausgedrückt: Wer einen Karateka attackierte, war ganz schnell besiegt. Und das ist noch heute so, wenn jemand echtes Karate kann. Wobei besiegt nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. Man kann mit Karate auch richtige Kämpfe vermeiden.

Und genau das ist der Unterschied zwischen Kampfkunst und -sport. Kickboxer, um das System einfach zu benennen, machen nur noch Spaß. Sie tänzeln, sie prahlen und feuern irgendwelche Tritte und Haken ab. Um im Wettkampf Punkte zu bekommen, was ihnen bei einem echten Angriff kaum hilft.

Schnell macht sich Verwirrung breit, wenn ich die Unterschiede im Dojo lehre. „Aber Sensei“, höre ich dann, „das verstehen wir nicht! Es heißt doch im Karate gibt es keinen Erstangriff.“

Nun hat das wieder Gichin Funakoshi gesagt und hat damit durchaus recht. Aber seine Verwässerung des Karate, der daraus entstandene Wettkampfstil, hat mit zum heutigen Problem geführt. „Funakoshi ist nicht in der Lage, etwas anderes als Gymnastik zu unterrichten“, hat Ōyama Masutatsu gesagt und damit den Nerv getroffen, an dem Karate noch immer krankt.

Aber hat er recht? Ja und nein. Shotokan ist ein durchaus guter Stil und richtig erlernt bis ins hohe Alter ausführbar. Aber das gilt für alle Karate Arten, wie diverse Meister noch immer zeigen. Trotzdem halte ich die Okinawa Stile für besser, wenn es um Traditionen geht. Und um mit einer Legende aufzuräumen, auch im Karate gibt es Hebel und Würfe. Wie im traditionellen chinesischen Wushu (Kung Fu).

Das Wissen um die Gesamtheit von Karate muss zwingend erhalten bleiben. Es geht dabei weniger darum wie man jemand töten kann. Wer das nur denkt, hat nichts verstanden und gehört vermutlich in die Psychiatrie.

Ich habe lange gesucht und ein Video gefunden, dass sich „This is Karate!“ nennt. Zwar wird dort der Shōrin-Ryū Stil gezeigt, aber der „Aha-Effekt“ sollte vorhanden sein. Den beiden Sensei geht es wie meinem Vater und mir darum, das echte Karate zu erhalten. Hauen kann jeder. Richtiges Karate nur wenige.

Sie zeigen einen Stil, den viele Thai- und Kickboxer, sowie die koreanischen Taekwon-Do Schüler, noch nie gesehen haben. Die wären alle ziemlich überrascht, wenn es zu einer Auseinadersetzung käme. „Kannst du das alles?“, höre ich die Frage und muss lächeln. Ja und noch eine ganze Menge mehr.

Ich finde die beiden Sensei gut und authentisch. Daher teile ich gern ihr Video. Und nun viel Spaß beim schauen:

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31 Kommentare zu “Das ist Karate!

  1. Schöne Zusammenfassung. Es kommen auch die Nachteile der strengen Systematisirung und Aufspaltung in verschiedene Schulen gut raus. Ich dachte immer, Hebel und Würfe seien ins Aikido outgesorced worden. Ich erlebte mal folgendes: Für vielleicht 10 Monate trainierte ich bei einem Lieben Arbeitskollegen Wadu Ryu. Vom Kung Fu kommend, wollte der mir immer die ausladend runden und weichen Bewegungen austreiben. Dann zum Prüfungstag kam auch ein Großmeister aus Japan. Und der führte eine Kata, oh Wunder, sehr weich und Rund, fast schlacksig aus. Der Trainer war ein wenig Ratlos. Und mit Jobwechsel endete mein Karate als Gelbgurt. Video schau ich später, macht aufm Telefon keinen Spaß.

    • Was wir heute als Aikido kennen, ist die milde Form des Aikijujutsu. Und dort gibt es durchaus Schläge und Tritte. Diese alte Kunst haben schon die Samurai genutzt, wenn sie keine Waffe/n mehr hatten. Das aus dem Okinawa-Te entstandene Karate, ist dagegen ein junge Kunst. Chinesisches Wushu (Kung Fu) wesentlich älter. Viel Spaß dann beim Video. Und es ist nie zu spät Karate (neu) zu lernen.

      • Sehr, sehr schön der Film. Vielleicht komm ich noch mal zum Karate. Denn für mich ist das beste Training das, welches 5 Minuten von meiner Haustür stattfindet. Im Moment bin ich mit meiner Altmännergruppe vom Muay Thai ganz glücklich. Auch eine japanische Sportart, wenn’s stimmt, dass an der Entwicklung japanische Veranstalter und Buchmacher maßgeblich beteiligt waren. Ausserdem gefällt mir der Diätplan der Thai-Kämpfer: Wann Du Zeit hast, was Du findest, soviel Du essen kannst. Vor allem wenn’s Fleischsalat ist, roh und blutig, behutsamen gewürzt mit nur wenigen Hand voll Chili. Oh, da fällt mir ein, was hier gern mal lesen würde: Wo gibt’s in D’dorf die beste Ramen? Und sach jetzt nicht bei Deiner Mutter.

  2. Hallo Mayumi,

    anderes Thema, gleichwohl ebenso interessant, aber, so ich hoffe ich mal, vielleicht nicht ganz so emotional.

    Danke zunächst für den Beitrag– ich werde wohl noch ein paar Male lesen müssen/dürfen, um das, soweit mir möglich, zu erfassen (das ist vielleicht auch eine Form von Meditation…).

    Ich hoffe dennoch, dass mir die Freiheit nehmen darf, ein paar Laienanmerkungen zu machen.
    Nach Anschauen des Videos und deinen Ausführungen habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Karate, so wie du das lebst und lehrst, ein „Allkampfsystem“ ist, unterfüttert mit einer, ich schreibe es mal so, ebenso wichtigen ostasiatisch-spirituellen Komponente. Diese Kombination wäre für mich gefühlt 😉 fast so eine Art Alleinstellungsmerkmal.

    Jedenfalls ist das, so denke weiter, ziemlich weit weg von üblichen Karatebildern, die manche so haben mit Katas laufen und Einmal-Einmal-Sparring, was möglicherweise wiederum zu dem Eindruck geführt hat, Karate sei zwar irgendwie traditionell, aber nicht „praxistauglich“.

    Abschließend noch eine (Neugier-)Frage, welche weiteren Systeme du als Allkampfsysteme traditioneller Provenienz (also keine modernen Hybriden) sehen würdest, bspw. klassisches Muay Thai, Pankration, Kalarippayat oder Wu Shu (bitte um Korrektur bzw. Nachsicht, falls das doch eher Kung Fu heißen sollte/müsste), Arnis, etc.?

    Danke und beste Wünsche
    Oli

    • Klassisches Karate, die traditionelle Form – Okinawa-Te -, war mit Sicherheit nicht schön anzusehen. Es ging ums nackte Überleben. Da bleibt keine Zeit für schöne Kunst. Der in Okinawa heimische Stil – eine Art (Aiki)Jujutsu – hat sich nach neuesten Erkenntnissen, mit dem „Weißen Kranich“ Stil aus China vermischt. Möglicherweise auch mit der Kunst von Shaolin Mönchen.

      Traditionelles Karate ist ein sehr umfassendes System. Es beinhaltet spirituelle, medizinische und körperliche Aspekte. Nur für den Wettkampf taugt es nichts. Wettkämpfe haben feste Regeln. Dort wird oft touchiert. Bei Vollkontakt sind natürlich Schläge gegen Kehlkopf, in den Unterleib, gegen die Halsschlagader und Stiche in die Augen tabu. Modernes Karate hat das weg kultiviert.

      Ich halte modernes Karate / Kickboxen für wesentlich untauglicher, wenn es zu Auseinandersetzungen auf der Straße kommt. Hier trifft ein Sportler auf einen Schläger. Letzterer kenne keine Regeln. Daher verlieren auch gern Profiboxer eine Kneipenschlägerei. Was bringt dir ein Jap, wenn dein Gegner eine Gerade schlägt?

      Meditation, wie sie gern in Filmen unter freiem Himmel gezeigt wird, ist für die meisten modernen Karateka ein Fremdwort. In unserer Zeit der Hektik muss alles schnell gehen. Auch der Weg zum Schwarzen Gürtel. Aber davon gibt es 10.

      Muay Thai Boran, aus dem das wirklich nur noch harmlos zu nennende Muay Thai hervorgegangen ist, war vermutlich durch die unglaubliche Brutalität, vielen anderen System (scheinbar) überlegen. Aber es gewinnt kein System einen Kampf, es gewinnt stets der Mensch der besser ist. Und ein im Dschungel lebender Thai Buschmann, der jahrelang ums Überleben kämpfte, dürfte durchaus einen kultivierten Wushu Schüler oder auch Samurai besiegt haben.

      Ōyama Masutatsu, der streitlustige Kyokushin-Karate Gründer, hat auch in Thailand gekämpft und den Kampf gegen vermutlich einen Muay Thai Boran Praktiker ganz knapp gewonnen. Das trug dann mit zu dem Nimbus der scheinbaren Überlegenheit von Kyokushin-Karate bei. In Wirklichkeit ist dieser Stil nur einfach noch näher am Original.

      Das indische Kalarippayat ist mehr eine rituale Kunst. Fast schon eine Art Tanz. Bestimmt kann man das auch im Alltag zur Verteidigung benutzen. Aber die häusliche Bratpfanne taugt dazu auch. Mit Sicherheit war es effektiv gegen die „bösen Engländer“, die nur schießen konnten. Außer Colonel Sharp, der konnte in seinen Filmen alles.

      Pankration, Ringen mit Faustkampf gemischt, kann schon fast als Vorläufer des heutigen MMA gesehen werden. Aber MMA / UFC ist für meine Begriffe nur noch ein verrohter Krampf. Mit Testosteron gedopte Hünen schlagen sich unter dem Jubel der Massen die Köpfe ein.

      Wushu …, darüber könnte man sich stundenlang auslassen. Kung Fu bezeichnet nur die Meisterschaft in etwas, was auch Gartenarbeit sein kann. Das vermutlich effektivste Kung Fu, wenn wir bei dem falschen Begriff bleiben wollen, ist der traditionelle Shaolin Stil, bzw. das Wudang Tai Chi. Wobei niemand mehr weiß, ob Tai Chi nicht doch aus dem Shaolin entstanden ist.

      Es gibt einige Dutzend – ich habe selbst den Überblick verloren – Kung Fu Arten, die jeder Sifu wieder anders betrieb. Die angeblich so geheimen Techniken mancher Stile lassen mich schmunzeln. Die Wahrheit ist einfach. Vielleicht hat ein Schüler von einem Shaolin Mönch gelernt, der ihm aber nur einen Bruchteil zeigte. Einem anderen Schüler zeigte er einen anderen Bruchteil. Beide lernten also unterschiedliche Dinge. Gut, aber nicht vollständig. Und schon war die mystische Variante geboren, die „18 Bronzekammern der Shaolin“, um sich über die absurden deutschen Filmtitel lustig zu machen.

      Diese Gefahr droht auch dem Karate. Aber die Rückbesinnung hat begonnen. Bei mir zuerst instinktiv, als ich schon als Kind improvisierte. Danke fürs lesen und die Fragen. Die Antwort hat mir Spaß gemacht.

      • Hallo nochmals,

        zunächst lieben Dank für die umfangreichen Ausführungen und Einschätzungen – auch hier bei mir mindestens zwei Mal nochmal lesen mit Muße (ja, das geht auch bei Kampfkunstthemen).

        Ich mag übrigens zum Kucken am liebsten Capoeira, aber das kennst/kannst du ja bestimmt auch…;-).

        LG und beste Wünsche
        Oli

      • …ja, die Mischung elegant und dynamisch – das hätte ich auch schreiben wollen, aber zu schnell abgeschickt – macht nix, Mayumi macht das schon…:-).

        Ich finde auch das hier recht bemerkenswert, obwohl das schon ein bisschen arg weit vom eigentlichen Thema Karate entfernt – vielleicht magst du bei Gelegenheit dennoch mal schauen…

        LG
        Oli

      • Ich glaub, beim Kung Fu kocht jeder Meister sein eigenes Süppchen und ist da stolz drauf. Hab mal in Berlin bei einem Großmeister, indonesischer Chinese, trainiert. Der Unterricht sehr asiatisch, viel nachmachen, wenig erklären. Der nannte sich Großmeister nicht weil er alle umhaut (kann der auch, aber ungern) sondern weil er unglaublich viele Formen, vielleicht sogar alle seiner Schule, kann. Die weiterzugeben ist ihm sehr wichtig. Der hat manche Schüler nur eine der Formen trainieren lassen, für die Kampfkunst reicht das wohl und tatsächlich haben hier wohl Schüler von ihm mit ein oder zwei Formen eigene Schulen aufgemacht und es wird erwartet, dass sie die weiterentwickeln. Das wichtigste aber war, dass das alte Wissen nicht verloren geht.
        Ich hab da am liebsten beim Tai Chi mitgemacht, auch wenn’s „nur“ die Peking-Formen, 24er, 48er und Waffen, waren. Ich hatte das Gefühl, da lehrt er die echte Kampfkunst, während die athletischen Kung-Fu-Formen einen eher für’s Tai Chi fit gemacht haben. Das wurde aber nie gesagt, und manche Schüler haben das Tai Chi nur bei Verletzungspausen mitgemacht, fast peinlich berührt von den vorwiegend älteren und gebrechlichen Leuten da. Auch witzig, die technischen Details hat er nur Neulingen in der Kleingruppe gezeigt, da konnte man sich dazu stellen und lernen oder eben überheblich rumsitzen und grünen Tee trinken.
        Bei nem Lehrgang durfte ich mal ein hochinteressantes indonesisches System sehen, die mit Messertechniken beginnen. Das fand ich sehr sinnig, weil da grade wir europäischen Kraftmeier erst mal zu weichen Bewegungen gezwungen werden. Hach schön. Könnt den ganzen Tag von schwätzten. Aber wovon man redet, weiß man nicht…

      • Sifu Hong Thay Lee vermute ich mal. Ja, du hast genau das erlebt, was solche Meister mach(t)en. Nur dem oder den Meisterschüler/n hat man alles gezeigt. Aber wenn ich dann weiß, dass der gute Sifu den „10. Dan“ im Kung Fu hat, winke ich nur noch ab. Im Wushu gibt es keine Gürtel. Das ist reine Geldmacherei, die leider auch im Karate Einzug gehalten hat. Den Schwarzen Gürtel hat man früher vom Sensei bekommen, wenn der meinte, dass der Schüler reif dafür war. Aber von Gelb bis Schwarz gibt es jede Menge Farben, die man mit Geld in Verbindung bringen kann.

        Tai Chi – Chen Stil – ist sehr gut. Eine Freundin ist darin absolute Meisterin. Sifu Lee bietet wohl nur den Yang-Stil an. Den kann man zwar auch schnell ausführen, machen aber nur wenige.

      • Ach, den kennst Du? Ich fand es nett da. Und von Geldschneiderei hab ich so nix mitgekriegt. Eher is Herr Lee im Sportstudio jobben gegangen, um seine Schule zu sponsern, weil die ganzen Harzer ihren Beitrag nicht zahlen konnten und dafür seinen Tee wegsoffen. Und eigentlich hat er allen Schülern alles gezeigt und die Meisterschüler eben speziell auf eine der Formen getrimmt. Sein Tai Chi nannte er tatsächlich Peking Form, die Vereinfachung aus Yang und wohl, in der 48er, die ich mir nicht merken konnte, auch aus Chen. Und das recht langsam, weil in der Gruppe das Durchschnittsalter eher über 60 lag und die Schüler da absolut kein Bock auf Veränderung oder Anstrengung hatten. Lee sagt halt keinem die Meinung und läßt jedem für die persönliche Entwicklung so viel Zeit, wie er braucht. Das hat mich dann halt irgendwann genervt, dann bin ich umgezogen und ich erwähnte ja schon die 5 Minuten Fußweg. Aber ansonsten fand ich das chinesische selbstorganisierende Chaos sehr angenehm. Vermutlich kriegt ein Japaner schon im verdreckten Treppenhaus die erste Krise.

      • Ich denke in China war es früher ähnlich wie in Japan, Meister und Schüler haben eine Familie gebildet und das Dojo war gleichzeitig Wohnung und Sportstätte. Hat ein Sifu oder Sensei einen Schüler einmal angenommen, waren sie für immer verbunden. Das gibt es heute selten. Bei meinem Vater und mir ist das selbstverständlich. Er wird für immer mein Sensei bleiben.

        Meine Kritik, wenn man es so nennen will, hat sich auch nur gegen die Graduierungen gerichtet. Mit Sicherheit ist Sifu Lee ein guter Lehrer, der seinen Weg gefunden hat.

      • Da hab ich beim Kung Fu auch nur gute Erfahrungen gemacht. Bei Lee hieß es unter den Schülern, man solle sich doch mal zur Gürtelprüfung melden, damit die Schule bißchen Geld verdient. Hat aber keiner gemacht in den zwei Jahren, wo ich da war. Und mein erster Meister, ein lustiger Bonner Polizist in einem gemeinnützigen Sportverein, hat vor den Gürtelprüfungen immer einen kleinen Vortrag gehalten, wie unsinnig diese Prüfungen doch seien, bei all den Verbänden und Großmeistern, die sich gegenseitig irgendwelche Titel verleihen. Und ja, dem fühl ich mich noch familiär verbunden, obwohl, oder grade weil wir höchstens alle halbe Jahr mal telefonieren. Wie hältst Du es mit den Gürteln, ausser dass sie die Hose festhalten sollen?

      • Der Schwarze Gürtel dient mir als Lehrberechtigung. Meine Kindergruppe mag natürlich bunte Farben, also dürfen sie bei mir Prüfungen machen. Dabei geht es aber primär um den Spaßfaktor. Und den haben sie bei mir.

        Die großen Mädels wollen keine Gürtel. Sie lernen Selbstverteidigung.

      • Hallo Mayumi,

        das muss ich jetzt einfach noch schreiben, nachdem ich den ganzen heutigen Thread, einschließlich meiner Schrägereien, nochmals durchgelesen habe:
        Hammer, wie du dir diese Antworten scheinbar (und wohl auch anscheinend) mühelos aus dem Giri schütteln kannst – bist schon ein sehr, sehr aussergewöhnliches Menschenkind – aber ich vermute mal, dass du auch das schon wusstest…😉

        LG
        Oli

      • …wenn das alles ist, dann bleibt nichts für noch mehr…alles gut dann…😉😊.

  3. Das Video gefällt mir! Die beiden Karatekas sind echt gut und wenn du so etwas auch kannst, du natürlich auch. 🙂
    Wing Chun ist ja ein Stil der Entmystifizierung. Es gibt keine übersinnlichen Geheimnisse, sondern nur durch hartes, technisches Training wird man richtig gut. Natürlich kann es nicht schaden zusätzlich noch den Geist durch Meditation zu schulen, was mir ja leider gänzlich fehlt.

    • Gut, im Sinn von „Ich halte die Hände schön“, ist nur ein Aspekt. Die Praxis ist ebenso wichtig. Ohne die Möglichkeit das Gelernte je anzuwenden, wird niemand besser. Wobei man hier wieder zwischen Wettkampf und Tradition unterscheiden muss. Weder klassisches Wushu noch klassisches Karate taugen dazu. Dort gibt es keine Regeln und man schlüge sich, übertrieben ausgedrückt, gegenseitig tot.

  4. Danke, ein sehr interessanter Artikel! Wirklich spannend, wie sehr sich verschiedene Kampfsportschulen aufspalten und im Laufe der Zeit auseinanderentwickeln können. Auch dass die ursprüngliche Idee der Verteidigung oftmals gar nicht mehr vorhanden ist, sehen viele Europäer vermutlich gar nicht, weil sie zu beeindruckt von diesen „irgendwie asiatisch und exotisch“ wirkenden Bewegungen sind und im Hinterkopf diverse Ninja-Filme haben. ^^ In dem Zusammenhang fand ich auch das Video sehr schön, weil die beiden darin eben gerade nicht so aussehen, als würden sie eine Show mit möglichst viel Rumgewedel und Brimborium abliefern. 🙂

    • Gern. Die Aufspaltungen gehen sogar noch viel weiter und tiefer. Ich habe nur einen Teil der Karate-Stile abgebildet. Keiner ist wirklich schlecht, jeder hat seine Berechtigung.

      Zum Thema Ninja / Shinobi gäbe es auch einiges zu sagen. Und zum angeblich so überlegenen „Ninjutsu.“ Was natürlich blanker Unsinn ist. Ninja waren primär Agenten / Spione, die einen bestimmten Auftrag hatten. Klar konnten die auch kämpfen. Aber wenn sie das mussten, haben sie etwas falsch gemacht. 😉

      • Das ist schon eine Wissenschaft für sich, oder? Gibt es eigentlich Leute, die das studieren? Also rein theoretisch vom historischen Blickwinkel aus? Karate-Stil A entstand dort und Stil B entstand da. Also gibt es quasi Historiker, die sich damit beschäftigen oder funktioniert das ohnehin nur, wenn man sich auch praktisch damit auseinandersetzt? Vermutlich eine komische Frage, aber das kam mir gerade nur so in den Sinn. 🙂
        Ja, die Idee dass Spione gerade dann besonders erfolgreich sind, wenn sie auffällig in der Mitte des feindlichen Lagers/der Residenz herumhüpfen und ihre Gegner schreiend 20 Meter weit durch die Luft werfen, ist schon eine lustige … ^^

      • Jein. Ich müsste jetzt Werbung für einen gewissen Herrn machen, der einen Fernlehrgang in Sportpädagogik -Schwerpunkt Wing Tsun – mit einer ausländischen Universität ins Leben rief. Aber das ist Blödsinn pur und wie alles in diesem Verband nur Geldmacherei.

        Mit dem historischem Karate, dem Ursprung, den verschiedenen Meistern und Stilen, beschäftigt sich z. B. auch mein Vater. Ich glaube es hilft, wenn man etwas vom Thema Karate versteht. Fakten kann jeder recherchieren. Aber das war es dann auch schon. Und ein Laie wird die Unterschiede bei den Kata kaum erkennen. Da sollte er schon ein Schwarzgurt mit Kenntnissen der anderen Stile sein.

      • Okay, danke für die Infos! 😊
        Fernlehrgang in Sportpädagogik klingt wirklich nicht allzu sinnvoll.
        Vermutlich hilft es immer, wenn man die Materie nicht nur theoretisch kennt. Musste nur an die klischeehaften Historiker in verstaubten Bibliotheken denken, die sich z.B. auch mit Waffenkünsten des 12. Jahrhunderts beschäftigen könnten, ohne je eine in der Hand gehabt zu haben. 😉

  5. Mit „Kämpfen ohne zu kämpfen“ (nach Bruce Lee) habe ich schon manche gefährliche Situation bestanden.
    Ich habe auch einfach immer mein Leben in die Waagschale geworfen, da die meisten Menschen doch Angst vor dem Tode haben. Ich nicht, denn ich kenne ihn, meinen Freund.

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