Fußball, Fahnen, Patriotismus

Ich war lange bei den GRÜNEN zu Hause, sie waren lange meine Partei. Aber seit einer Weile sind sie mir suspekt geworden und viele ihrer Ideen finde ich nicht mehr wirklich gut. Mit dem Aufruf der GRÜNEN JUGEND keine Nationalfahnen zur EM zu tragen, haben sie sich und die Partei lächerlich gemacht.

Der Wortlaut: „Nationalismus ist eine Form von Patriotismus. Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus. Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert. Zur Fußballeuropameisterschaft fordern wir alle Fans dazu auf, nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen! Fußballfans Fahnen runter!“

Hohn, Spott und blanker Hass waren das Ergebnis. Nie war sich Deutschland so einig, nie hat man so gelacht. Yukis Kommentar zeigt, wie viele Menschen denken. Sie hat gesagt „Spinnen die jetzt?“ Dann ist sie in ein Geschäft gegangen und hat unser Auto mit Fähnchen geschmückt.

Patriotismus hat absolut nichts mit dem Unwort der Deutschen zu tun, das Nationalismus heißt. Alle Völker dieser Erde sind Patrioten, wenn es um gewisse Dinge geht. Wo ist das Problem die Fahne (m)eines Landes zu schwenken, wenn ein sportliches Ereignis naht?

Ich sage es mit den Worten von Paul Spiegel, dem verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden: „Patriotismus ist etwas Gesundes. Das fehlen von Patriotismus würde zu einem neuen Nationalismus führen.“ Ich kannte den Spruch schon vor der Sendung im ZDF und finde der Mann hat recht.

Im ZDF hat der Politikwissenschaftler Professor Patzelt, Jamila Schäfer, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND, eine Lehrstunde über Patriotismus erteilt. Ein wenig leid tat mir das Mädel schon. Sie musste für etwas sprechen hinter dem sie selbst nicht wirklich steht. Entsprechend lahm waren ihre Argumente.

„Es ist belegt …“, stammelte sie, „es gibt Studien …“ Von aufgeladenem Nationalismus war die Rede und noch anderen Dingen. Yuki hat sich wieder an den Kopf gefasst. Dann ist sie aus dem Wohnzimmer verschwunden und kam mit zwei T-Shirts zurück. „Los anziehen!“, hat sie verlangt und mich dabei angelacht.

Und dann saßen wir in Deutschland T-Shirts vor der Glotze und haben uns Professor Patzelts Worte angehört. Und die hatten wirklich Gewicht.

Wörtlich: „Gegen Dummheit und Missbrauch ist kein Kraut gewachsen. Außer, dass vernünftige Menschen vernünftige, wichtige Dinge besetzen.

Patriotismus meint im Grunde nichts anders, als dass man Zuneigung hegt, zu jenem Flecken der Erde, auf dem man entweder zufällig geboren worden ist oder in den man eingewandert ist und dort sich beheimatet hat, dass man Zuneigung empfindet zu den Leuten, die mit einem gemeinsam dort leben,

dass man den Entschluss fasst, für diesen Flecken Erde, mit diesen Leuten, die hier sind, für das Gemeinwohl etwas zu tun, dass man sich freut, wenn man in einer Gemeinschaft tüchtiger Leute ist und dass man diese Freude auch zum Ausdruck bringt.

Patriotismus hat immer etwas zu tun mit gemeinsamer Zukunft. Patriotismus ist das wichtigste Integrationsmittel gerade einer Einwanderungsgesellschaft, gerade einer multikulturellen Gesellschaft. Im Patriotismus drückt sich das aus, was einen zusammen hält, selbst wenn man aus ganz verschiedenen

Weltteilen kommt und ganz unterschiedlich aussieht. Deswegen hat Spiegel vollständig recht. Patriotismus integriert. Und wenn wir auf diese Integrationsmöglichkeit verzichten, dann fällt uns die Gesellschaft auseinander und die Pikierten, die Beleidigten, die sich dann einspinnen in

ihre hergebrachten oder eingesessenen Kulturen, die führen dann zu großen kulturellen und sozialen Konflikten, von denen sich unsere werdende oder schon gewordene Einwanderungsgesellschaft nach Möglichkeit zurückhalten sollte. Vor Nationalismus zu warnen ist einerseits berechtigt, denn es es gibt solche,

aber sozusagen jene, die patriotisch sind und nicht zugleich immer daran denken, dass man dieses und jenes nicht immer noch dazusagen muss, damit man nicht sozusagen in eine falsche Ecke gestellt wird, diese fühlen sich zutiefst verletzt wenn sie bloß weil sie gerne Patrioten sind, gleich als

Nationalisten, Chauvinisten oder Latenznazis behandelt werden. Das scheint mir der Grund dessen zu sein, dass Sie so viele in der Sache unberechtigte und im Tonfall sich vollständig vergreifende Hassmails bekommen haben.“

Den Text habe ich mitgeschrieben und ihn versucht wörtlich abzubilden. Aber Professor Patzelt sprach schnell und vielleicht habe ich Wörter falsch verstanden. Der Großteil müsste stimmen. Jamila Schäfer wirkte sichtlich betroffen von der Rede, ihr Schmollmund war deutlich zu sehen.

Die von ihr angesprochenen Hooligans, die ewig gestrigen Deppen, sind dann wieder eine andere Qualität. Und Nazis tragen Reichskriegsflaggen. Rechte und linke Extremisten mit Worten zu bekämpfen ist einfach. Sie sind eine kleine Minderheit und wir das Volk, die Masse! Wir entscheiden für unser Land. Auch ob und wo wir ganz patriotisch Fahnen tragen.

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33 Kommentare zu “Fußball, Fahnen, Patriotismus

  1. Da hast du wohlformuliert völlig Recht. Die Junggrünen deuten da auf eine echte Wunde, aber nicht heilsam und weise, sondern so wie ein Kind juckenden Schorf aufkratzt, bis es wieder blutet.

    • Zur WM hatten wir übrigens eine deutsche und eine japanische Flagge am Auto. Genau das siehst du auch bei wirkliche integrierten Menschen, die fröhlich zwei Fahnen schwenken. Egal ob sie aus der Türkei, Pakistan oder Russland kommen. die GRÜNE JUGEND schafft nur noch mehr Ab- und Ausgrenzung mit ihrer Aktion, die völlig undurchdacht gestartet worden ist.

  2. Wieder einmal sehr gut auf den Punkt gebracht ;-).

    Nationalismus ist eine übersteigerte Form des Patriotismus, diesen Schluss hat die Grüne Jugend übersehen und bringt damit den (gesunden) Patriotismus unnötig in Verruf. Ich verbuche dass unter jugendlichen Irrungen (wenn ich da so an meine Irrtümer zurückdenke …).

    Ich stelle mir gerade zwei Japannerinnen in Deutschland-Shirts vor, das allerdings würde ein Österreicher nieeee machen, das ist nämlich auch eine (gesunde) Form des Patriotismus 🙂 …

    • Wir sind gestern provokativ bei Freundinnen in Japanshirts aufgetaucht. Die wollten vor dem Training noch das Spiel schauen. Verwirrung pur! Der Tenor war: „Aber ihr spielt doch überhaupt nicht mit!?“ 😀 😀 😀

      Ich kann die Gründe der GRÜNEN JUGEND verstehen, den Ansatz. Was ich nicht leiden kann ist dieses sture „Wir sitzen Fehler aus!“ Zumindest Jamila Schäfer hat den eingesehen. Glaube ich. Hoffe ich.

      Lustig wäre übrigens ein Spiel Japan – Deutschland! Originalton Yuki: „Wir losen dann, wer welche Fahne tragen darf.“ Ich: „Wir tragen beide!“. Passt gut. Oder nicht?

  3. Niemand auf dieser Welt versteht, warum wir uns in Deutschland so schwer damit tun, unsere Fahne zu zeigen und stolz auf Deutschland zu sein. Ich denke, dass gerade dieses Gefühl, nicht wirklich offen Deutscher und stolz darauf sein zu dürfen, Menschen der AfD oder den Neo-Nazis in die Arme treibt.
    Danke für deinen Artikel!

    • 2006, zur WM im eigenen Land, hatte man viel weniger Probleme mit Fahnen und Patriotismus. Ich bin kein wirklicher Fan, aber ich habe schon Spiele geschaut. Ist immer lustig, wenn sich Freundinnen aufregen. Ich schmunzele dann nur.

      Die Worte von Professor Patzelt, die Erinnerung an das Paul Spiegel Zitat, waren wichtig. Seine Rede sollte zur besten Sendezeit erneut ausgestrahlt werden. Vielleicht fände dann endlich ein gesundes Umdenken statt und wir wären wieder alle stolze „Patrioten.“

  4. Also, ich bin froh, dass Deutsche wenigstens bei der WM oder EM mal so etwas wie Nationalstolz zeigen. Das hat meiner Auffassung nach auch erst recht spät bei der WM 2006 richtig angefangen (Verbesser mich ruhig, falls ich falsch liege!). Dann sah man plötzlich Autos mit deutschen Flaggen herumfahren etc. oder Menschen, die vor den Fußballspielen die Nationalflagge mit sich trugen.
    Yukis Antworten auf den Disput mit den Grünen finde ich außerdem total amüsant! 😄

    • Yuki ist alles andere als ein Mäuschen, das wird oft übersehen. Sie behauptet sowieso (auf Zehenspitzen) größer als ich zu sein. 😉

      Es ist schon richtig wenn du von 2006 schreibst. Aber ich habe das schon vorher beobachtet, wenn auch nicht in diesem Stil. Nur war das damals wenig interessant für mich.

      Amerikaner, Japaner, Franzosen und …, sind alle stolz auf a. ihr Land und b. auf ihre Nationalmannschaft / SportlerInnen. Ich habe kein Problem damit Flagge zu zeigen. Am Z flattern momentan deutsche Fähnchen. Und du darfst auch nach einer EM / WM stolz auf dich und Deutschland sein. Wer dir das absprechen will, ist nur ein ewig Gestriger.

      • Yi Man findet es ganz praktisch, dass sie kleiner ist als ich. Sie lässt sich nämlich von mir gerne durch die Gegend tragen. 😅
        Witzig, dass ihr an eurem Sportwagen Fähnchen habt! 😀 Ich bin ganz zufrieden damit, Deutsche zu sein. Das Sozialwesen ist hier doch recht weit entwickelt, außer wenn man sich mit den skandinavischen Ländern vergleicht. Dort ist es mir aber wiederum zu kalt. 😉

      • Es sind keine Fähnchen, die halten nicht, sondern diese Spiegelüberzieher. Keine Ahnung, wie man die wirklich nennt 😀

  5. Ich kommentiere selten zu deutschen Themen, aber diese Aktion ist ja wirklich ein Schwachsinn.
    „Patriot ist, wer seine Heimat liebt, Nationalist ist, wer die Heimaten anderer hasst.“ Der Spruch ist alt, aber gut.

    • Ja, auch der Spruch ist gut. So allein deutsch ist dieses Thema nicht. Es betrifft jedes Land finde ich.

      Patriotisch und durchaus auch seine Nation zu lieben, ein wenig „national“ zu sein, passt vielen nicht ins Schema. Sie wollen eine neue Welt, eine neue Religion und keine einzelnen Staaten mehr. Klar macht das nüchtern betrachtet Sinn, aber wird nicht funktionieren. Ich freue mich immer gleich doppelt patriotisch zu sein. Das geht wunderbar und macht mir keine Probleme.

  6. Ich denke, mir mangelt es an Patriotismus, denn ich hatte noch nie das Bedürfnis eine Fahne zu schwenken… und schon gar nicht für Fußball. Allerdings gönne ich es Anderen, wenn es sie glücklich macht. Auf jeden Fall tun sie damit niemandem weh.

  7. Hm, irgendwie hatte ich nie das Bedürfnis, mich über meine Staatszugehörigkeit zu definieren und das hat nichts mit der Geschichte zu tun…

  8. Gute Worte von Herrn Patzelt. Danke fürs Teilen.
    Ich werde niemals stolz darauf sein, Deutsche zu sein. Warum sollte ich? Stolz bin ich auf etwas, was ich selbst geleistet habe. ABER – ich liebe „mein“ Land. Nicht zwimgend alles was in ihm passiert und nicht jeden meiner Landsmenschen, aber das wäre in anderen Ländern ja auch nicht anders. Ich bin einfach froh und dankbar dafür, hier geboren zu sein, und das auch noch zu einer guten Zeit. Das bringt nun mich persönlich nicht dazu, Fähnchen ans Auto zu hängen – aber es bringt mich dazu, es völlig okay zu finden, wenn andere das machen 😉

  9. Auch wenn es nur Fußball ist, finde ich es schade, dass die deutsche Mannschaft gestern rausgeflogen ist. Wenn man Fußball rational betrachtet, ist es ja merkwürdig, dass die Zuschauer es toll finden, wenn 22 Männer einem Ball hinterherlaufen. Ein Bekannter von mir meint, dass gerade Männer dieses Spiel so mögen, da man es auch so interpretieren kann, dass Jäger einer Beute hinterherhetzen. Also irgendwelche Urtriebe!?! 😂 Was hälst du von dieser Interpretation?

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