Absolut Miami – Teil 3: Pink

Miami hat die Farbe Pink für mich. Das war schon immer so und wird sich niemals ändern. Vielleicht ist daran ein gewisser Don Johnson schuld und die Kult Serie „Miami Vice.“ Vor einigen Jahren bekam ich die Serie auf DVD geschenkt. Interessante Musik, tolle Bilder und schnelle Wagen. Nur die Männer haben mich wenig interessiert.

Miami Beach am nächsten Tag verlangt nach sehr viel Sonnencreme und Schatten. Irgendwie ist ganz Florida dort. Wir toben durchs Meer, lachen und haben einen Riesenspaß. Und wir trinken literweise Wasser, das spurlos zu verschwinden scheint.

Wir fallen auf. Weniger wegen unserem asiatischen Look. Aber neun Frauen und drei Männer, dazu ein Gewirr von gleich drei Sprachen, scheint selbst für die USA besonders interessant zu sein. Als ich zum Spaß eine Kata laufe, bildet sich eine kleine Menschentraube.

Ich lächele nur, als Mann mir Avancen macht. „Ich bin schon vergeben“, sage ich und nehme Yuki an die Hand. Diskussion beendet, will noch wer irgendwas? Aber Amerikaner, das merke ich schnell, sind anders als deutsche Männer. Wesentlich höflicher zu Frauen und zum Teil schüchterner.

„Das war toll!“, lobt mich eine sehr schlanke, ältere Frau mit rosa Haaren. „Als ich jung war habe ich auch Karate gemacht.“ Sie stellt sich uns als Theodora vor und möchte, dass wir sie Dora nennen. „Und sagen Sie bloß nicht Mrs. Panagiotou!“

Dora ist als junge Frau in die USA gekommen. Aus Griechenland, wie sie stolz erzählt. „Ich habe Kickboxen schon vor 50 Jahren gemacht“, sagt sie. „Damals hieß das noch anders.“ Selbst heute trainiert Dora noch. Aber anders. „Senioren-Karate“, schmunzelt sie.

Als die Hitze unerträglich wird lädt uns Dora zu sich nach Hause ein. „Ich würde mich wirklich freuen!“, sagt sie. „In meinem Alter hat man wenig Besuch von jungen Leuten.“ Dora ist 68, topfit und genießt ihr Leben in den USA. Dakota und ihre Töchter haben keine Zeit. Aber Ally und Heather kommen mit.

„Mein Mann ist leider schon früh gestorben“, sagt Dora leise und bietet uns Eistee mit Früchten an. „Selbstgemacht! Versuchen Sie mal, ich hoffe dass er schmeckt.“ Wir sehen Bilder von Dora als junge Frau. Auf einem Seminar hat sie Chuck Norris getroffen. Und eine Menge andere Karate Champions ihrer Zeit.

„Im Training haben mich Männer oft belächelt“, lässt sie uns wissen. Das haben die aber immer sehr schnell bereut. Meine fehlende Kraft habe ich mit Schnelligkeit und Technik ausgeglichen. Bei einem Sparring habe ich sogar meinen Partner KO gekickt. Unabsichtlich!“, wie sie betont.

Dora weiß, dass wir alle lesbisch sind. Sie hat es sofort bemerkt und akzeptiert. „Ihre Frau …“, hat sie gleich mehrfach gesagt. Normalität, wie ich sie meine. So sollte das überall sein. Die Zeit vergeht im Flug und gegen Abend müssen wir weiter. Dora verabschiedet uns. „Vielen Dank für diesen schönen Nachmittag.“

Wieder fällt mir auf, wie einfach man in den USA Menschen kennenlernen kann. Der Kontakt mag oberflächlich wirken, aber wenigstens redet man hier. In manchen Teilen Deutschlands scheint die Steifheit zu regieren. Weiblein und Männlein starren. Geredet wird dann nie.

„Ich besuche Tante Dakota schon seit vielen Jahren“, erzählt uns Ally im Auto. „Sie hat mir damals bei meinem Coming Out geholfen. Ich habe immer wieder mit ihr telefoniert und als ich es meinen Eltern sagte, war sie mit dabei. Zum Glück gab es keine Probleme, das einzige Problem war meine Angst.“

„Bei mir war das schwieriger“, sagt Heather. „Ich hatte einen langen, harten Kampf. Meine Mutter ignoriert selbst heute noch, dass ich lesbisch bin. Wir reden kaum noch miteinander. Und das tut mir schon sehr weh.“

Kaum bei Tante Dakota angekommen gehen wir auch schon wieder aus. Dakota kennt ein wunderbares Restaurant in dem wir mexikanisch essen. Danach besuchen wir reinen Club, tanzen und machen die Nacht zum Tag. Irgendwann gegen Morgen fallen wir wie tot ins Bett.

Wieder träume ich und wie immer kann ich meinen Traum selbst bestimmen. Sonne, Meer und eine Regenbogenflagge bilden einen seltsamen Kontrast. Können wir wirklich hier leben, werden die USA unser neues Zuhause sein? Im Traum ist das wahr geworden. Und ein Traum zeigt oft die Realität.

Noch mehr reale Dinge gibt es in der nächsten Folge. Lest wieder mit wenn es erneut „Absolut Miami“ heißt.

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31 Kommentare zu “Absolut Miami – Teil 3: Pink

  1. Was für ein schöner Vers Danke dir .Wieder eine schöne Geschichte muss ja eine tolle Stadt sein.Ich wünsche dir eine schöne sonnige Woche liebe Grüße und Umarmung Gislinde

  2. Euer Leben klingt manchmal echt wie ein Abenteuerfilm! 🙂 Die ältere Dame war ja scheinbar auch echt extravagant durch ihre Kampfsporterfahrung und die Fotos mit Chuck Norris etc. Würdest du dich wiederum nicht von der Masse abheben, hättest du keine Kata am Strand gemacht und ihr wäret mit der älteren Dame nie ins Gespräch gekommen. 😉

    • Meine BegleiterInnen waren an Karate interessiert, wir hatten generell über Sport geredet. Natürlich sah meine Kata im Sand weniger elegant aus, aber ich muss doch einige Leute beeindruckt haben.

    • Alles was ich mache, wird von mir geplant. Die Strategie steht. Und einen Plan B gibt es bei mir immer. 🙂
      Dankeschön fürs lesen, lieber Michael.

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