Absolut Miami – Teil 1: Über den Wolken

Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen. Wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht. (Johann Wolfgang von Goethe)

Ich mag dieses Zitat und habe mich stets danach gerichtet. Witzigerweise habe ich so meine japanischen Landsleute in Japan kennengelernt. Als Kind versteht sich. Japaner in Deutschland sind etwas anders. Zumindest was meine Eltern und mich selbst betrifft. Ich habe noch nie einem Klischee entsprochen.

Wir sind einmal mehr auf der Reise. Yuki ist wie immer aufgeregt. Haben wir auch alles? „Double check it“, habe ich gesagt und Elfchen damit fast wahnsinnig gemacht. Aber sie freut sich total auf diesen Urlaub. Miami wir kommen, das wird Sonne pur!

Als das Flugzeug startet und der Schub uns in die Sitze drückt, fällt mir das Lied „Über den Wolken“ ein. Der Liedermacher Reinhard Mey hat es gesungen, als meine Eltern noch Teenager waren. Ich habe es erst vor einer Weile für mich entdeckt. Die Zeilen sind gut, der Sänger ist ein (angepasster) Poet.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen. Und dann würde was uns groß und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein.

Die Gedanken der letzten Wochen fallen von mir ab. Ich lasse los, wie ich das immer auf einer Reise mache. Deutschlands Enge bleibt zurück, wir starten in einen neuen Morgen. Ursprünglich wollten wir schon vor einigen Wochen zum Dinah Shore Event nach Palm Springs fliegen. Aber Pläne ändern sich.

Dinah Shore ist das lesbische Event in den USA. Tausende von Mädels kommen um (sich) zu feiern. Da darf natürlich meine Biestigkeit nicht fehlen. Begleitet von (m)einer Elfe, das ist doch klar.

Der Flug ist lang, es gibt wenig zu berichten. Wir schauen Filme, lesen und dösen vor uns hin. Das Essen ist einigermaßen genießbar. Ich habe schon schlechteres erlebt. Aber Alkohol sollten man auf solchen Flügen doch verbieten. Er enthemmt Menschen und das macht wenig Sinn.

Ein untersetzter Mann  buhlt um meine Aufmerksamkeit. Er trinkt (zu viel) Wein und sucht immer wieder Blickkontakt. Ich schenke ihm ein eisiges Lächeln. Ob Mann je versteht?

Als er aufstehen will greife ich nach meinem Essbesteck und lasse das Messer durch die Finger wirbeln. Der Mann schluckt und hat es endlich kapiert. Yuki zwinkert mir zu und gibt mir auch ihr Messer in die Hand. Prompt habe ich doppelten Spaß. Botschaften können so einfach sein.

Das Messer blitzt, die Schweine schrein,
Man muß sie halt benutzen,
Denn jeder denkt: »Wozu das Schwein,
Wenn wir es nicht verputzen?«
(Wilhelm Busch)

Endlich in Miami angekommen passieren wir problemlos den Zoll. Überall sehen wir ernste, aber freundliche Gesichter. Einreise in die USA ist immer speziell. „Yumi, Yuki, hier …!“, erklingt eine bekannte Stimme. Freudestrahlend laufen Ally und Heather auf uns zu.

Unser Kontakt mit den California Girls ist nie abgerissen und ihr Besuch in Deutschland fest eingeplant. Als ich Ally von Reiseplänen nach Miami erzähle, hat sie uns spontan eingeladen. „Wir besuchen meine Tante Ende Mai“, schrieb sie mir. „Tante Dakota hat drei Töchter, aber die sind alle schon ausgezogen.“

Ganz unjapanisch lassen wir die Umarmungen zu. Wer mich kennt weiß, wie wenig ich das mag. Aber die beiden Mädels habe ich spontan ins Herz geschlossen. Und vielleicht wird daraus noch viel mehr.

Wer nun den Beginn einer Affäre mit Frauentausch wittert, den kann ich beruhigen. Gemeint ist ein – zeitlich begrenzter – Umzug nach Amerika. Vermutlich gegen Ende des Jahres, oder im Januar 2017. Mit oder ohne Blog werde ich dann sehen. 9 Stunden Zeitunterschied sind doch recht viel.

Urlaub in Miami zu machen ist anders, Urlaub in Miami ist wirklich „heiß!“ Außerhalb des Flughafens schlägt uns drückende Schwüle ins Gesicht und Elfchen ringt nach Atem. „Krass!“, sagt sie leise. „Das ist schlimmer als Japan hier!“

Noch mehr krasse Zeilen werden schon bald in eure Pupillen eilen. Fortsetzung folgt …

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34 Kommentare zu “Absolut Miami – Teil 1: Über den Wolken

      • Ach so. Hab´ich was übersehen?

        Hängen geblieben ist die Idee mit dem Sprung über den Teich und ganz woanders zu leben.

        Das Lied von Reinhard Mey gefällt mir auch; doch sonst… „Er würde auch ein Klo besingen, wenn…“

        Bei mir ist im Moment viel verpeilt; der Gedanke meine Wohnung unter Umständen aufgeben zu müssen… Tja.

        Einen schönen Tag für Euch.

        Herzlichst,
        Frank

      • Ich hatte im Mai den Urlaub angekündigt. Aber das hast du bestimmt nur überlesen. Im Urlaub selbst blogge ich nie. Also wird das Erlebte nun nachgereicht.

      • Im Mai war einiges los bei mir und oft wenig schönes. Dieses nicht wissen, wo bleiben…

  1. Schön, dass Du wieder da bist! Und wenn Du dann eine zeitlang „drüben“ bist, fände ich weitere Artikel toll! Ist dann ja kein Urlaub! 😉
    Liebe Grüße
    Ulrike

    • Los Angeles hat 9 Stunden Zeitunterschied. Ich mag direkt auf Kommentare antworten können. Das wäre schwierig. Arbeiten darf ich in den USA nicht. Von dort aus arbeiten dagegen schon. Also ist es irgendwie eine Art halber Urlaub. 😉

  2. Da hat der gute Goethe wohl Recht.
    Sagte ich Dir schon, dass mein Sohn ein Semester in Kyoto war?
    Hab somit auch viel über Japan erfahren.
    Geh aber mit den Männern nicht so hart ins Gericht, liebe Nandalya.
    Nein – hab mal schön lachen müssen.
    🙂 🙂 🙂
    Mit lieben Grüßen,
    Michael

    • Japan durch die Augen anderer zu sehen, ist immer für ein Lächeln gut. Fahr mal hin. Mach dir dein Bild wenn du magst. Ich kann das Erlebnis nur empfehlen.

      Manche Männer, lieber Michael, brauchen klare Ansagen. Und was bitte war an meinem Messerkunststück so schlimm? 😀

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