Deutschland und die anderen – Wie deutsch müssen Flüchtlinge sein?

Kluge Köpfe haben schon mehrfach erklärt, was es bedeutet „Deutsche(r)“ zu sein. Das Ergebnis reicht von grobem Unsinn, bis zu blankem Populismus. Darum mische ich mich nun ebenfalls ein. Mein Beispiel soll zeigen, wie es ist in diesem Land zu leben und wie deutsch ich wirklich bin.

Ich bin Asiatin, was kaum zu übersehen ist. Aber Asiaten sind keine einheitliche Volksgruppe, sondern unterscheiden sich. Von Geburt an bin ich Japanerin und stolz darauf. Meine Eltern sind vor fast 30 Jahren nach Deutschland gekommen, sie haben hier gute berufliche Chancen gesehen. Der Erfolg gab ihnen recht.

Im Gegensatz zu Menschen, die vor Krieg, oder Elend geflohen sind, war ihr Entschluss also rein taktisch gewählt. Sie hatten immer Arbeit und haben niemals von Sozialleistungen gelebt. Sie sind integriert und doch anders. Japaner gehen ihren eigenen Weg.

Der CDU-Politiker Martin Patzelt hat im Focus geschrieben, „Integration könne man nicht so verstehen, dass Flüchtlinge werden müssen wie wir.“ Das ist einerseits richtig. Aus mir als Japanerin kann niemals ein blondes Model werden. Aber ich schätze deutsche Werte und habe einen deutschen Pass.

Einwanderer werden immer ihre kulturellen Wurzeln behalten und genau das sollen sie auch. Ich empfinde es durchaus als Bereicherung, in Deutschland andere Volksgruppen zu sehen. Solange diese Volksgruppen nicht versuchen ihre neue Heimat zu dominieren und die Gesetze Deutschlands achten.

Und damit schlage ich einen Bogen zur Flüchtlingskrise und der gescheiterten Integration von vielen bereits in Deutschland lebenden Menschen. Während meine japanischen Landsleute als absolute Bereicherung gelten, nimmt die Kritik an integrationsunwilligen „Flüchtlingen“ weiter zu.

Umfragen zeigen, dass die Stimmung in Deutschland kippt. Die Willkommenskultur war gestern. Eine Mehrheit der Deutschen sagt nun auch klar, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Die Unterwürfigkeit deutscher PolitikerInnen vor islamischen Machos, empfinden sie als widerlich.

Diskussionen um Kopftuch, Burka, kein Schweinefleisch in Schulen und Kindergärten, dem Bau von immer mehr Moscheen inklusive Minaretten, lassen am Verstand vieler (angeblich) christlicher PolitikerInnen zweifeln. Sind die wirklich noch normal?

Tolerant und liberal zu sein ist eine Sache. Aber einer auf Expansion ausgerichteten, politisch geprägten Ideologie Tür und Tor zu öffnen, ist Dummheit pur. Oder sollten nun auch Buddhisten in jeder deutschen Stadt den Bau von Tempeln fordern?

Das Versagen der europäischen (Asyl)Politik und der Erpresser vom Bosporus, hat viel zu der momentanen Krise beigetragen. Und natürlich ein Präsident Obama, der sein Eingreifen in Libyen nun bereut. Wobei ich behaupte, er hat dort eingreifen müssen. Die USA folgen schon immer ihrem eigenen Masterplan.

Deutsche PolitikerInnen machen einen großen Fehler, wenn sie ständig von der Integration „syrischer Flüchtlinge“ sprechen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese auf Dauer in Deutschland bleiben. Sie gehören in ihr eigenes Land und werden dort zum Wiederaufbau gebraucht. Oder gibt es doch einen anderen Plan, wie Rechtspopulisten oft behaupten?

Zurück in die Heimat gilt auch für reine Wirtschaftsflüchtlinge, die zum Teil illegal gekommen sind. Die Probleme Afrikas können nicht mit der unbegrenzten Einwanderung nach Deutschland gelöst werden. Aber deutsche Hilfe vor Ort kann eine Lösung sein. Zur Not auch im Rahmen von Truppen der UN, um Bürgerkriege und Elend zu beenden.

Und was hindert angeblich Verfolgte daran, beim Kampf ums geliebte Heimatland mit anzupacken? Müssen das wieder die Deutschen wie damals am Hindukusch tun? Ist klar, die „Nazis“ können das auch viel besser. Man(n) raucht dann lieber Shisha und trinkt Tee.

Nüchtern betrachtet, wird der volkswirtschaftliche Schaden von vielen in die Arbeitslosigkeit gehenden „Flüchtlingen“ in die Milliarden gehen. Kann das ein Ziel deutscher PolitikerInnen sein? Erreicht wird damit nur eine Stärkung der AfD, die ungebremsten Zulauf hat.

Was kaum verwundert. Die Mittelschicht definiert sich neu und sucht nach ihrer Identität, während die niedrigen Einkommensgruppen um ihre Existenz fürchten. Sie, die man jahrzehntelang vernachlässigt hat, bekommen nun noch den Flüchtlingstritt.

Der oft geschmähte Ex-Banker und Volkswirt Thilo Sarrazin, hat mit vielen seiner Thesen den Nagel auf den Kopf getroffen. Seine Bücher sind aktueller als jemals zuvor und Futter für Rechtspopulisten. Die etablierten Parteien verneinen das noch immer. Und Angela, die Erste, lebt sowieso in ihrer eigenen Gedankenwelt.

Gern wird von der moralischen Pflicht gesprochen, die Deutschland, als reiche Nation, gegenüber anderen Ländern hat. Und gern wird auch die Zeit nach 1945 zitiert, als Deutsche ihre aus dem Osten vertriebenen Landsleute aufgenommen haben. Der Fehler in dieser Rechnung wird oft ignoriert. Damals war ein Ende abzusehen.

Die ständige Verleugnung deutscher Kultur, der Selbsthass vieler Deutschen, ist mir völlig unverständlich. Sind wir eine Nation von Rückgratlosen geworden, die sich unter einer gern geschwungenen Nazi-Keule ducken müssen? Muss eine Japanerin dem Rest der Deutschen Deutschtum lehren?

Ich bin Deutsche und bleibe doch stets Japanerin. Zen-Buddhistin, mit kriegerischem Gen. Integriert, aber doch anders und eine Bereicherung für dieses Land. Danke fürs lesen. Habt einen guten Tag.

—————————————–

Wir werden vom 14.Mai bis zum 31.Mai 2016 Urlaub machen. Im Ausland natürlich, was habt ihr denn nun gedacht? Bis dahin ruht mein Blog. Kommentare ab dem 14.Mai, werde ich erst bei meiner Rückkehr freischalten (können).

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54 Kommentare zu “Deutschland und die anderen – Wie deutsch müssen Flüchtlinge sein?

  1. …“Muss eine Japanerin dem Rest der Deutschen Deutschtum lehren?“

    Ja, muss sie wohl – so, wie es auch viele andere MitbürgerInnen mit so genanntem „Migrationshintergrund“ tun, die, ob ihnen das bewusst ist oder nicht, deutscher sind als viele, schreiben wir es mal, autochthone Bio(besser)kartoffeln.
    Kann das häufig beobachten bzw. hören im nationalitätenmäßig sehr illustren KollegInnenkreis.

    Euch eine gute, interessante (oder was immer ihr euch wünscht) Reise, verbunden mit der Hoffnung, dass ihr sicher (und überhaupt!) wiederkommen möget.

    LG und beste Wünsche
    Oli

    • Über die letzten 70 Jahre, hat „man“ den Nationalstolz der Deutschen erfolgreich gebrochen. Was ist so schlimm daran im Land der Dichter und Denker zu leben? Warum kann man nicht stolz auf Kunst, oder Literatur sein? Wegen eines verlorenen Krieges?
      „Ich bin nur zufällig in Deutschland geboren“, habe ich gehört. „Ich schäme mich für …“ Für wen oder was? Vielleicht für eine Angela Merkel, die uns als Nation lächerlich macht.
      Danke für die Wünsche. Ich berichte bei meiner Rückkehr.

      • …manchmal genügt auch (oder gerade) eine Affinität zu Backwerk, wie nachfolgend bei Bedarf ersehen werden kann.

        Beide sind m.E. sehr instruktive Beispiele für
        – Integration
        – Konsequenz in der Verfolgung eines Lebensplans (wenn auch im ersten Link mit für mich eigentlich fast zu krasser Ausformung)
        – Reflektion der deutschen Kultur/Lebensart durch eine andere(…?) Kultur, aber das kennt man ja von euch, wenn ich das so quasi ex cathedra schreiben darf…;-)

        Und wenn wir schon dichten, denken und backen, dann sollten wir das Musizieren nicht vergessen – hier etwas großvolumiger dargetan…

        So, nun aber fröhliches Packen und Reisen – über die Lust am Wandern bekommen wir ja dann im Juni Bescheid…;-)?

        LG
        Oli

      • JapanerInnen lieben Deutschland. Egal ob sie nun Sambi Saito oder Mayumi heißen. Vielleicht hilft es für eine Zukunft, wenn die Deutschen nur noch eine Geschichte sind. Aber vielleicht hilft es auch sich mehr Gedanken zu machen und die Augen vor der Realität nicht zu verschließen.

      • Hallo, schön, dass du/ihr zurück seid…:-).

        Zu…
        „Aber vielleicht hilft es auch sich mehr Gedanken zu machen und die Augen vor der Realität nicht zu verschließen.“…
        noch von mir folgendes:
        Ich fürchte, die blauen Pillen abzusetzen bzw. dieses irgendwann zu müssen, das ist noch für zu viele Menschenkinder eine zu grauenhafte Vorstellung – insofern hülfe es vielleicht wirklich, wenn man/frau Teil der Geschichte würde…

        So, ich lese jetzt mal diverse Leserkommentare zu den jüngsten Einlassungen des Dalai Lama…have fun anyone.

        LG
        Oli

      • Der Dalai Lama ist eben ein aufgeweckter Zeitgenosse, und das schon in der Version 14, der keine roten oder blauen Pillen mehr benötigt (für die säkularen Dinge vielleicht präventiv etwas Padma 28…;-).

        Nochmals danke für diesen wichtigen Blogbeitrag.

  2. Ein alter Fritz (er mochte große junge Männer gern, da heißt es, wir Deutschen seien homophob) der hätte wahrscheinlich nach Ankunft der ersten tausend moslemischen Siedler die größte Moschee bauen lassen. Auf Staatskosten mitten auf dem Gendarmenmarkt. Da wäre auf Deutsch gepredigt worden, ebenfalls von preußischem Gelde. Und ausländisch finanzierte Hinterhofgebetsräume hätte es nicht gegeben. Und auch keine NRW-Polizei, welche ganze Volksgruppen über Jahrzehnte ignoriert. Sagt einer mit Ostasiaten in der Familie, welche perfekt integriert (=beruflich erfolgreich) rassistisch und stramm antidemokratisch eingestellt sind.

  3. Ich finde Deine Gedanken sehr interessant. Auch ich habe meine Meinung dazu. Doch ich möchte mich nicht politisch äußern. Ich handle lieber. Deshalb kommentiere ich auf solche Artikel eher selten.
    Ich freue mich, dass es Menschen wie Dich gibt.
    Gute Reise!
    Ulrike

  4. Ich muss hier gerade mal Konfuzius zitieren, weil ich dieser Sichtweise von ihm recht gebe und sie so gut zum Thema passt: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
    Ach ja, ich halte Salafisten für genauso schlimm wie Nazis.

  5. Ach ja, dank grandioser Politik haben wir bald die demokratisch gewählten Rechtspopulisten in der Regierung und die Islamofaschisten überall. Also von allen Seiten viel Ärger. Trotzdem eine schöne Reise

    • AfD und FPÖ verbreiten eigentlich nur altes Gedankengut der CDU und ÖVP. Schau dir mal das Programm einer CDU aus der Zeit Adenauers an.
      Danke und bis bald.

  6. Ich finde deinen Artikel bemerkenswert und würde ihn gerne rebloggen. Zu Sarazin kann ich leider nichts sagen,da ich seine Bücher nicht gelesen habe, aber den Rest unterschreibe ich voll. Allerdings hast du eine Kleinigkeit vergessen. Die Vorurteile der einzelnen Länder. Denn bei uns gelten die Japaner als fleißig, freundlich, wahrhaftig, gastfreundlich, pünktlich, höflich und zurückhaltend. Dabei spielt es keine Rolle ob wirklich alle Japaner so sind oder wie hier mal so,malso. Nicht mal Walfang oder Delphinschlachtungen führen generell zu Antipathie, während andere Länder, die uns kulturell schon vielnäher sind fast gar keinen Spielraum haben, egal ob Polen, England usw. Da reicht bereits eine falsche Regierungsperson und schon ist die komplette Bevölkerung mit am Pranger. Meine Vorfahren haben die Konzentrationslager und Kriegseinsätze alle überlebt,also fühle ich mich nie als schuldiger Deutscher, aber dauernd die Nazikarte zu ziehen, wenn sich Menschen und Parteien bei uns als armselig herausstellen geht mir sehr auf die Nerven. Auf sein Land stolz zu sein heißt ja nicht mit allem konform zu gehen oder gleich wieder Hetze und Gewalt zu betreiben, es kann auch bedeuten sich hier einfach wohl zu fühlen, ohne am rechten oder linken Ruder zu ziehen.

    • Du darfst meinen Artikel gern rebloggen. Auch wenn die Zeilen bestimmt schon wieder in Vergessenheit geraten sind.

      Vorurteile, die kenne ich alle und sehr gut. Nur was haben die mit dem Artikel zu tun? Aber vielleicht sollten wir die Neuankömmlinge nun danach bewerten, meintest du das?

      Viele Deutsche mit Migrationshintergrund sind stolzer auf ihr Land, als „Eingeborene.“ Ich kenne Russlandsdeutsche, die für dieses Land alles täten.

      Politik ist immer ein schmutziges und verlogenes Geschäft. Der normale Bürger kann kaum überblicken, wie sehr er belogen wird. Seine Interessen werden dem Kampf um Rohstoffe geopfert, damit eine Elite weiter gut leben kann.

      Ich für mein Teil bin doppelt stolz. 1. Japanerin zu sein, was ich auch immer bleiben werde. 2. Deutsche zu sein. Ja, das geht und ist kein Spagat. Und vermutlich bin ich daher einer national-liberalen Strömung zuzuordnen. Grün war ich gestern. Aber Grün hat sich auch nur angepasst.

      • Ja Nandalya, ich meinte es in diesem Kontext. Vorurteile gibt es gegen jedes Land, nur sagt das nichts über den Menschen aus, sondern eher etwas über Vorurteilsverbreiter. Dieses Thema wird nie alt werden, deshalb bedanke ich mich für den erlaubten reblog 🙂 (Wenn mich ein Thema bewegt, neige ich zu Ausschweifungen, sorry)

  7. anpassen heißt ja nicht kuschen, aber wenn ich wo leben möchte, sollte ich auch bestimmte Werte der Gesellschaft kennen lernen und beachten, wünsche eine gute Restwoche-!!!

  8. Oh, ich sehe meinen Kommentar nicht mehr. Es war nie meine Absicht dich zu irritieren oder zu beleidigen. Falls dies passiert sein sollte entschuldige ich mich natürlich!

  9. „Die ständige Verleugnung deutscher Kultur, der Selbsthass vieler Deutschen, ist mir völlig unverständlich.“

    Mir ebenfalls.. Aber ich glaube, viele können da die Grenze zum Nationalstolz nicht so klar ziehen und haben deshalb Angst.
    Meine Meinung dazu: Nationalstolz finde ich für mich persönlich unnötig – hängt mit meiner Definition von Stolz zusammen, ich finde, man kann nicht Stolz auf etwas sein, zu dem man keinen Beitrag geleistet hat. Und dazu, in einem bestimmten Land geboren zu sein, hat man eher weniger beigetragen.
    Heimatliebe und Kulturbewusstsein ist etwas ganz anderes, meine Heimat ist (teilweise zumindest) wunderschön und einfach mein zuhause, und dafür liebe ich sie. Und meine Kultur ist halt meine Kultur, die mir immer vertrauter sein wird als alles andere, also wäre jegliches verleugnen ein Eigentor.

    • Den Nationalstolz hat man Deutschen nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich ausgetrieben. Dieses Land duckt sich seit Jahrzehnten unter der Nazi Keule. Vergessen sind Kultur und Geschichte, des Deutschen Blick richtet sich nur auf einige, wenige Jahre.

      Japaner sehen das anders. Sie sind stolz auf ihr Land und sehen sich als Teil eines Ganzen. Die blutige Geschichte interessiert dabei nicht.

      • Also ich interessiere mich sowohl für deutsche Kultur als auch für deutsche Geschichte unabhängig vom Nationalsozialismus.
        Ich finde auch den Umgang Deutschlands mit seiner Vergangenheit nicht prinzipiell schlecht. In Spanien z.B. wird die Zeit der Diktatur in den Schulen kaum gelehrt, obwohl sie noch nicht lange her ist. Aber gerade das finde ich auch wichtig, dass man darüber spricht, reflektiert und mit dem Ziel, etwas ähnliches in der Zukunft möglichst zu verhindern.

        Das hat aber alles nichts damit zu tun, dass ich den Sinn von Nationalstolz nicht verstehe. Meine Gefühle würde ich eher mit Liebe/Freude/Heimat beschreiben, aber nicht mit Stolz.

      • Es kommt auf das „Wie“ an. Wie gehe ich mit etwas um, was ist die Intention dahinter. Die Diktatur der Siegermächte hat in dieser Hinsicht Früchte getragen. Deutschland ist zum Land der sich schuldig fühlenden Prinzessinnen und Männchen geworden. Oder anders ausgedrückt, zu Opfern.

        Mir war es wichtig, umfassende Informationen über die Vergangenheit meiner beiden Heimatländer zu erhalten. Das ist nicht so einfach wie mancher glaubt. Die Zensur greift perfekt und nur nach und nach kristallisiert sich ein Bild aus dem Nebel des Verschweigens. Aber die eigentlichen Kriegshetzer fühlen sich wenig schuldig.

        Niemand glaubt ernsthaft daran, dass sich eine Zeit der Nazis wiederholen könnte. Aber die linke Hetze hat auch einen anderen Hintergrund. Sie wollen den Staat zerstören. Antifa & Co. richtet sich primär gegen Deutschland und erst in zweiter Linie gegen Rechts.

        Ich verbinde mit Deutschland ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Auch wenn es komisch klingen mag, so mag ich das geregelte Leben und die zum Teil spröde Nüchternheit. Natürlich auch die großen Literaten und Musiker. Gleiches gilt auch für Japan. Diesen Spagat beherrsche ich perfekt.

      • Es geht ja nicht um eine eins zu eins Wiederholung der Zeit des Nationalsozialismus.. aber Faschismus und Diktatur können sich durchaus irgendwann wiederholen, auch wenn ich es nicht hoffe.. Genauso ist es mit Genoziden – der Holocaust war ja nicht der einzige.

        Ich finde den Umgang Deutschlands mit seiner Gesichte nicht falsch, sondern den Umgang anderer Länder mit den negativen Seiten ihrer Geschichte – ganz aktuell die Türkei mit dem Völkermord an den Armeniern, der auch nach hundert Jahren noch kein Stück weit aufgearbeitet ist.

        Du hast allerdings insofern recht als dass viele Deutsche noch Schuldgefühle haben, auch die Angehörigen jüngerer Generationen. Die Gründe dafür verstehe ich nicht – warum sollte ich schuldig sein an etwas, was zur Zeit meiner Vorfahren geschehen ist und an dem diese größtenteils nicht einmal (aktiv) beteiligt waren? Ich bin verantwortlich für mein Leben und wenn da etwas gewaltig schief läuft, dann ist es berechtigt und angebracht, mich schuldig zu fühlen. Aber doch nicht wegen etwas, auf das ich keinerlei Einfluss gehabt habe, einfach weil ich noch nicht geboren war?!

        Linksextremisten lehne ich genauso entschieden ab wie Rechtsextremisten – erst recht, wenn Gewalt eingesetzt wird. Auch wenn mir öfter mal links-grün-versiffte Ansichten unterstellt werden, bin ich voll und ganz überzeugte Demokratin. Meiner Meinung nach läuft vieles in diesem System falsch, aber zur Demokratie gibt es keine Alternative.

      • Erdogan, unser Sultan vom Bosporus, ist dabei seine Türkei in eine merkwürdige Richtung zu führen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Auch Wahlkampf in Deurschland, Drohanrufe bei Merkel und mal so eben die Aufhebung der Immunität kurdischer Parlamentarier. Ab und zu noch ein russisches Flugzeug vom Himmel holen und der neue Gröfaz ist geboren. Dann schleust er noch Flüchtlinge inklusive IS-Terroristen nach Deutschland, um den Druck und seine Macht zu erhöhen. Klappt bisher wunderbar, die blöden Deutschen spielen schuldbewusst mit.

  10. Ja, mit Schuldgefühlen und Scham kann man Menschen bestens formen (als Österreicherin mit Hitler in der Historie kann ich davon Opern singen …). Da hatte Kant eine ziemlich gute Idee: sich selbst aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit … und so weiter …
    Ja, die Vergangenheit lässt sich nicht auslöschen, auch wenn die Geschichtsschreibung sich allzu leicht verändern lässt. Allerdings denke ich, dass wir selbst jeden Tag neu entscheiden, wer wir sein wollen – wobei ich nicht meine, mal will ich so, dann wieder so sein … sondern: jeden Tag hinterfragen, ob der Weg, den ich eingeschlagen habe, die Gedanken, die ich gerade hege, die Gefühle, die an die Oberfläche zur Erscheinung drängen, der ist, die sind, die mein Wesen nicht nur formen (das tun sie so oder so) sondern ob ich da, wo ich kann, bewusst gestaltend eingreife und damit mich selbst verändere, damit mitentscheide, ob die Welt ein freundlicher Ort sein kann oder die Hölle auf Erden sein muss.
    Fremdenhass: im Grunde die Angst vor der eigenen Individualität und der grenzenlosen Einsamkeit, der wir als menschliche Wesen doch auch unterworfen sind, egal, wie sehr wir eingebettet sind in soziale Systeme? Die Fremden, die Flüchtlinge: sie erinnern uns zu sehr daran, wie zerbrechlich unsere eigene Existenz doch ist.

    • Vielleicht sollten sich Preußen und Österreicher generell schuldig fühlen, für viele Jahrhunderte voller Krieg. Und die Amerikaner für das Abschlachten der Ureinwohner. Oder waren das auch hessische Regimente? Die bösen Briten sollten sich auch was schämen, haben sie doch die spanische Armada (fast) versenkt. Und diese Franzosen erst, also der Napoleon. Ein richtig schlimmer Finger! Und die Italiener (Römer) sind sowieso an allem schuld! Hat Obelix schon so gesagt.

      Dumm nur, all diese Nationen haben kein Problem mit ihrer Geschichte. Sind sind stolz darauf sie selbst zu sein. Was auch für Japaner gilt. Nur Deutsche und vermutlich auch Österreicher leiden. Bitte unter was?

      Zum Thema Flüchtlinge könnte man Bücher füllen. Bzw. haben das findige Menschen schon getan. Aber kann man es jahrelang vernachlässigten Bedürftigen und schlecht bezahlten Menschen verdenken, dass sie fassungslos sind, wenn sie eine durchgeknallte deutsche Kanzlerin mit nur für „Fremde“ sprudelnden Milliarden in den Händen sehen? Das weckt Neid, Wut und Hass. Und der ruft Menschen auf den Plan, die niemand braucht.

  11. Wow! Ein Super-Text!
    Mein Horrorbeispiel ist/war Erdogans Wahlkampf in deutschen Stadien: Müssen wir sowas tolerieren? Machen wir demnächst sowas auch in Texas oder Norwegen?

    Sarrazins Erstling hab ich gelesen. Vollständig. Über ein-zwei „genetische Aussagen“ kann man streiten, über 95% des übrigen Inhaltes nicht.

    Allerdings fehlt bei ihm der Hinweis auf die Hauptursache allen Übels: Die rabiate Globalisierung inclusive ihrer moralischen Verwerfungen. Und an der sind nun mal alle Industriestaaten gleichermaßen schuld.
    Paradebeispiel: Näherinnen von Bangladesh oder Spendernieren auf Bestellung aus China und Moldawien…

    • Der „Partner Türkei“ wird von Europa und den USA wegen strategischer Interessen hofiert.Wäre Putins Russland unser Freund, die Türkei wäre uninteressant.

      Der „Sultan vom Bosporus“ betreibt eine undurchsichtige Politik, die seine Türkei weg von Europa und Richtung Osten treibt. Gleichzeitig behält er aber mit seinen hier lebenden Landsleuten (s)einen Fuß in Europas Tür. Und die machen die Stück für Stück weiter auf.

      Herr Sarrazin hat vieles sehr nüchtern und distanziert betrachtet. Der moralisch-entrüstete Aufschrei ist nicht zu verstehen. Er hat (s)eine Meinung, die zum ersten Mal seit vielen Jahren aus dem Rahmen fällt. Dafür hat man ihn versucht zu ächten. Hat nicht geklappt. Nur fast.

  12. Den Flüchtlingen, ungleich aus welchem Grund sie ihre oft gefährliche Reise antreten, fehlt vor allen eines: eine Perspektive. Aufgabe einer sinnvollen Politik muss es sein, Hilfe zur Selbsthilfe zu liefern. Gerade Kriegsflüchtlinge müssen auf den Wiederaufbau des Landes vorbereitet werden. Dazu gehört ein gewisses Verständnis über betriebswirtschaftliche Verfahren, politische Organisation im Sinne der staatlichen Verwaltung und der Gesellschaftsbildung. Flüchtlinge, die Jahre durch die Kontinente streifen und von Zeltlager zu Zeltlager zu Turnhalle usw ziehen, sind verlorene Generationen.

    • Ich stimme dir zu. Und es wird immer offensichtlicher, dass wir keine Akademiker und Ingenieure in der Masse in Deutschland aufgenommen haben. Angenommen mein Geburtsort Japan wäre vom Krieg verwüstet und Menschen geflohen. Wir würden alles daran setzen, um 1. zurückkehren zu können und 2. das Land wieder aufzubauen und nicht in scheinbarer Sicherheit in der Fremde bleiben.Danke dir fürs lesen und den Kommentar.

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