Die Leiden der Frau Gott

Ich komme kaum zur Ruhe in diesen Tagen. Ständig rufen Prominente bei mir an, die Rat und Hilfe wollen. Von Trump bis Böhmermann sind alle dabei. Irgendwie scheinen Männer auf mich zu stehen. Was wenig verwunderlich ist, da ich Deutschlands lesbische Hoffnung bin.

Aber so komme ich nie zu meinem neuen Buch. Wer soll die Rechnungen bezahlen? Immerhin durfte ich einen Blick in den Lesbenhimmel werfen und bin noch immer angenehm überrascht. Teufelchen und der Rat der Engel sind zufrieden. Im Handumdrehen habe ich die himmlischen Finanzen saniert.

„Was überrascht dich so mein Kind?“, erklingt eine angenehme Frauenstimme. Ich schrecke hoch und sehe Frau Gott vor mir. Kurze Pause, harter Schnitt. Woher kann ich wissen wer sie ist? Natürlich ist Buddha schuld, mit dem ich gestern ein Arbeitsessen hatte.

„Weißt du“, hat er zwischen zwei Bissen Brust oder Keule gesagt, „ich muss dir was erzählen. Dieser Christengott, also du weißt schon wer, hat euch jetzt mehr als zwei Jahrtausende an der Nase herumgeführt. „Ich glaube du verwechselt da was“, unterbreche ich ihn ruppig. „Ich bin keine Christin sondern Zen-Buddhistin!“

Aber der Dicke schmunzelt nur und langt weiter zu. „Ob du noch etwas Braten hättest?“ Nachdem auch der und jede Menge Nachtisch in seinem Kugelbauch verschwunden ist, lehnt sich Buddha seufzend zurück. „Das war jetzt echt gut“, sagt er. „Gibt’s auch noch was zu trinken?“

Fünf Liter Reiswein später schwebt Buddha nun auf Wolke 7. „So“, lallt er, „wo warsch schtään gebliebhän?“ „Oh Gott!“, entfährt es mir. „Nun isser auch noch besoffen.“ „Gott, tschawoll ja“, sagt Buddha und schlägt sich auf den Bauch. „Weissu, der … also die Alte, die ist auch nur ’ne Frau.“

Müßig zu sagen, dass ich Chauvi zu ihm sage, was ihn beleidigt zum Teufel gehen lässt. „Hammisch eingeladen“, ruft er mir zum Abschied zu. „Issän äscht nettär Kärl.“ „Du mich auch!“, gebe ich ihm mit auf seinen Weg. „Komm erst wieder, wenn du nüchtern bist und Satori wieder aus dir spricht.“

Frau Gott lächelt fein, als sie mir in die Augen schaut. „Wieso siehst du so aus wie ich?“, will ich wissen und bin kein bisschen überrascht. „Das Göttliche steckt in jedem Mensch“, erwidert sie orakelhaft. „Hast du das noch nicht gewusst? Ich bin du und du bist ich.“

„Setz dich“, sage ich und deute auf den Sessel neben mir. „Du willst mir doch kaum erzählen, dass du mich abwerben willst? Und könntest du damit aufhören in Rätseln zu sprechen? Das habe ich bei Buddha auch schon exorziert.“

Frau Gott setzt sich und ich schaue sie mir genauer an. Vor mir sitzt meine exakte Kopie. „Soll ich dir auch die Bücher machen?“, frage ich und spiele auf den Wunsch des Himmels an. „Und was willst du eigentlich hier? Solltest du nicht auf der universellen Götterkonferenz abgeblieben sein?“

Sie winkt ab und sieht plötzlich ganz traurig aus. „Die quatschen jetzt seit 5 Milliarden Jahren“, erwidert sie. „Weiter als bis zum „who is who“ sind wir noch nicht gekommen. Verstehst du jetzt, warum es auf der Erde so gottlos ist?“

„Moment mal“, unterbreche ich. „Du hast doch die Menschen angeblich erst vor kurzer Zeit erschaffen!“ „Wer ich?“, empört sich Frau Gott sofort. „Ey hast du ’ne Meise, oder was? „Ich habe damit eigentlich gar nix zu tun, ja? Aber was kann ich dafür, wenn Adam so ’nen tollen Body hat.“

„Wie jetzt?“, frage ich verwirrt. „Du hattest was mit Adam?“ Frau Gott wird wirklich rot und nickt. „Ja“, flüstert sie. „Findest du das schlimm?“ „Ja, also nein“, murmele ich und schüttele den Kopf. „Aber ich dachte seine Frau sei Eva?“ „Aber ich bin doch die Eva!“, höre ich. „Ich bin die absolute Weiblichkeit.“

„Oh Mann!“, entfährt es mir, „das ist ja alles total kompliziert. „Und wer war dann die Schlange und was ist mit Kain und Abel? Hast du Teufelchen wirklich in die Hölle geschafft und …“ Ich unterbreche meine Rede und schaue Eva an. Was hat sie mir zu sagen?

„Es gab keine Schlange“, erklärt mir Eva leise. „Die habe ich erfunden nachdem ich schwanger war. Du kannst dir kaum vorstellen, was die Menschen so alles von mir glauben, wenn ich das wirklich will.“ „Waren Kain und Abel deine Kinder?“, will ich wissen. „Und was ist eigentlich mit Adam geschehen?“

„Quatsch!“, sagt Eva und winkt ab. „Teufelchen ist mein erstgeborener Sohn. Was glaubst denn du warum der sonst in den Himmel darf? Aber die Zwillinge Gabriel und Michael sind total neidisch auf ihn. Und der Rest der Familie irgendwie auch. Er ist der Größte. Auch wenn er viel kleiner ist.“

Eva macht eine kurze Pause und sieht sich in meiner Wohnung um. „Schön hast du es hier“, lobt sie mich. „Ich würde auch gern bei dir wohnen. Aber und das finde ich total witzig, in deinem Herzen hat nur dieser dicke Buddha Platz. Wie passt der da eigentlich rein?“

Sie erwartet keine Antwort und lächelt verschmitzt. Auch das hat sie von mir abgeschaut. „Adam vertritt mich als Platzhalter bei der Konferenz“, fährt sie dann fort. „Und nicht nur dort. Wir haben ihn als Vorbild für den lieben Gott genommen. Mich würden die ja olle Zicke nennen, oder Biest.“

Wir müssen beide lachen, der Witz ist angekommen. Was mich erneut zur Frage der Menschen bringt und ihren geistigen (Ver)Führern. „Ich wäre kaum so blöd und würde Menschen nach meinem Ebenbild erschaffen“, sagt Eva. „Eines Tages waren die da. Vielleicht habe ich sie geträumt. Kann ja mal passieren, oder?“

„Und was ist mit Jesus?“, will ich wissen. „Kennst du den, war der wirklich dein lieber Sohn?“ „Darüber möchte ich doch lieber schweigen“, sagt Eva und schaut mich nachdenklich an. „Andererseits ist es schon erschreckend, was die Menschen aus ihm machten. Ich fand das nie besonders gut.“

„Und warum hast du nicht eingegriffen?“, will ich wissen und ahne die Antwort schon. „Habe ich doch! Was glaubst du denn, wer Maria Magdalena war? Hm? Aber diese alten Patriarchen haben sie verleugnet und zur Sünderin gemacht. Und ich hatte weder Zeit noch Lust mich mit denen weiter zu streiten.“

„Warum bist du wirklich hier?“, frage ich. „Du hast doch was auf dem Herzen?“ „Ich lese dein Blogjournal“, gesteht sie mir. „Auch Eva Gott ist im Heute angekommen! Ich finde es gut, wie sehr du dich für Frauenrechte engagierst. Das wollte ich dir einfach nur mal sagen.“

Plötzlich beugt sie sich vor und blinzelt verschwörerisch. „Und ich fand es herzerfrischend, wie du Teufelchen an den … äh … Hörnern gepackt hattest. Der braucht manchmal eine harte Frauenhand, um ihm den Weg zu weisen …“

„Was machst du denn, mit wem sprichst du?“, höre ich Yukis Stimme und prompt schwebt Elfchen neben mich. Wild schaut sie sich um. „Ich hätte schwören können, dass du eine andere Frau bei dir hattest! „Ja“, mein Spiegelbild“, sage ich sanft und ziehe meine Süße auf den Schoß. „Und eine wahrhaft göttliche Idee.“ Hat sie euch gefallen?

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28 Kommentare zu “Die Leiden der Frau Gott

  1. Größenwahn ist also doch jedem Menschen möglich 😉

    Das Gott im eigentlichen Sinne die gegendertste Entität ist ist aber -ausserhalb der schönen Pointe des Textes – schon bewusst oder?

  2. Mir gefällt, dass du alle göttlichen Figuren aufs Kerbholz genommen hast! 😉 Sag mal, warum wird Buddha von den Chinesen eigentlich immer so fett dargestellt? Der indische Buddha macht vom Äußeren (schlank) her mehr Sinn für mich. Dieses Erscheinungsbild passt auch mehr zu dem, was in den Sutras steht.

    • Dicke Menschen galten in China und anderen Ländern Asiens früher als Zeichen für Weisheit und Güte. Und als die ersten Statuen viele Jahre nach seinem Tod entstanden, hat niemand mehr um die wahre Gestalt Buddhas gewusst. Ich vermute auch, dass er schlank gewesen ist. Aber das Bild vom dicken Mann passt besser zu meinen Texten.

      Satire darf alles und macht auch nicht halt vor einem Gott. 😉

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