Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 3: Freundinnen

Nachdem wir Tee getrunken und Kekse genascht haben, ist Karin bereit weiter Rede und Antwort zu stehen. „Wie ist das Yumi plötzlich als Freundin zu haben?“, will ich wissen. „So, als ob dich ein Wirbelsturm durchgerüttelt hat“, erwidert Karin. „Aber du fällst nicht. Du fliegst und wenn du wieder landest, ist sie da und fängt dich auf.

Nach diesem Tag haben wir viel und oft geredet. Am Anfang war ich skeptisch, ob mich ihre Clique akzeptiert. Es war vor allem Nati (Natalie, Yumis verstorbene Freundin), die mir viel geholfen hat. Sie war ein besonderer Mensch. Ein Engel auf Erden.“

Wieder verspüre ich diesen Kloß im Hals, aber ich kenne keine Eifersucht. Natalie bin ich mehrfach begegnet und habe Yumis Liebe zu ihr gespürt. Die beiden waren wie Schwestern, was Karin mir schon mehrfach bestätigt hat.

„Drei sind normalerweise immer einer zuviel“, sagt sie. „Aber irgendwie hat sich das so ergeben. Ich war mit Yumi und Nati total befreundet und wir haben so gut wie alles zusammen gemacht. Das dynamische Trio“, sagt sie und alles lacht. „Aber deine Frau war der Turbo. Ihre Energie, hat uns nach vorn gebracht.“

„Batterie leer, klick“, murmelt meine Süße mit geschlossenen Augen. „Ich, klick, brauche, klick, Küsse! Mindestens 100, besser 1.000.“ „Wie wäre es mit kitzeln?“, meint Karin und greift nach Yumis Füßen. „Wehe!“, faucht sie und giftet Karin gespielt böse an. Aber das ist nur Show. Karin darf fast alles bei ihr machen. Nur ich natürlich mehr.

„Wir haben Nati damals oft mit in Szene Clubs genommen“, fährt Karin fort. „Sie stand zwar nur auf Männer, aber hatte immer Spaß in unserer Gruppe. Leider hat sie dann diesen Tom genommen. Ich hielt das nie für eine gute Idee.“

Tom, das war Natalies Ehemann. Die beiden haben noch auf der Uni geheiratet. Vielleicht zu jung, aber die Liebe hat eigene Gesetze. „Warst du in Nati verliebt?“, will ich von Karin wissen. Wieder schüttelt sie den Kopf. „Nicht so, wie in Doris, oder andere Freundinnen.

Die Leute glauben immer, dass Lesben jede Frau anmachen. Das zeigt, wie wenig sie von Homosexualität und Liebe wissen. Ich frage Frauen dann immer, ob sie sich in jeden Mann verlieben. Meist folgt dann betretenes Schweigen und sie verstehen. Nati war eine Freundin, mehr war da nie. Aber sie mit einem Mann zu sehen tat mir weh.

Sie hätte jedes Mädel aus der Szene haben können. Ihre ganze Erscheinung, ihre Zerbrechlichkeit, ihr Wesen, haben sie für viele Frauen interessant gemacht. Sie hat immer nur gelacht und dankend abgelehnt, wenn Mädels sie daten wollten.“

Beim Thema Tom, wird Yumi noch immer böse. Immerhin hat er wegen ihr Düsseldorf verlassen. Angeblich lebt er irgendwo im Ruhrgebiet. Mich hat das nie interessiert. Aber ich zumindest weiß genau, was ihn zu dieser Flucht veranlasst hat. Aber wenn, so wird meine Süße vielleicht darüber schreiben. Die Wahrheit kommt immer ans Licht.

Ich werfe einen Blick auf Yumi und wieder läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Es kommt nur selten vor, aber ihr plötzlich eisiger Blick, diese totale Finsternis in ihren Augen, ängstigt mich immer wieder. Auch Karin sieht das und beißt sich auf die Unterlippe. Thema wechseln ist angesagt.

„Warum habt ihr BWL studiert?“, frage ich weiter. „Es gibt so viele Fächer und Themen, warum dieser trockene Stoff?“ „Nenn es Taktik, Faulheit, oder Cleverness. Du kannst BWL für alles brauchen. Und den Doktortitel sowieso.“

„Wirst du oft wegen deinem Namen gehänselt?“, will ich wissen und spiele auf das Dr. Sommer Team der BRAVO an. „Ständig“, gibt Karin zu und lächelt dabei verschmitzt. „Vor allem von deiner Ehefrau. Die macht sich sogar in ihrem Blog über mich lustig. Und du hältst ihr noch zu. Ihr seid beide Biester!“

„Freundinnen müsste man sein“, singt Yumi unvermittelt und wir halten uns die Ohren zu. Aber genau das sind wir. Nichts und niemand wird uns jemals trennen.

Freundinnen müsste man sein, dann könnte man über alles reden
Über jeden geheimen Traum

Freundinnen müsste man sein, dann könnte man über alles lachen
Viele Sachen zusammen tun

Man könnt sich neue Schuhe kaufen und auf Partys gehen
Man könnte durch die City laufen und auf gute Musik stehen

Und man könnte die Nacht durchtanzen ohne auszuruhen
Man wäre unbeschwert und den ganzen Tag gegen Einsamkeit immun

(Songtext von Queen Bee – Freundinnen müsste man sein)

Danke fürs lesen, sagt Yuki. Dieses Interview zu schreiben, hat Spaß gemacht.

Mayumi schreibt: Wie fast alle persönlichen Texte, ist auch dieser nicht völlig 1:1 übernommen und literarisch aufgearbeitet. Aber wir haben versucht, den Dialog so originalgetreu wie möglich zu bringen. Wer Natalie ist und auch über Karin gibt es eigene Artikel. Wer sie noch nicht kennt und lesen mag, der darf gern hier klicken:

Das Mädchen mit den blonden Haaren

Die Lesbe

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16 Kommentare zu “Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 3: Freundinnen

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