Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 2: Die Düsseldorfer Kickers

Die eigene Mutter als Lesbe zu sehen, ist oft ein Schock für Kinder. Nicht so für Karin. „Warst du überrascht?“, frage ich. „Und wie hast du die Neuigkeit aufgenommen?“ „Ich war total von den Socken“, gibt Karin zu. „Meine Mama eine Lesbe? Nie hätte ich das gedacht! Aber ich war auch total erleichtert.

Ihre Freundin, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Das ist eine ganz Liebe, die auch eine Tochter hat. Total die Hete meine Schwester, aber kein bisschen homophob.“ Wir kennen Nina, die wenig Glück mit Männern hat. Ein Ausflug ins lesbische Leben blieb ohne Folgen. Sie steht nicht auf Frauen. Alles gut.

Karins Mutter hatte jahrelang heimlich Freundinnen. Sie wusste nach Karins Geburt, wie sie für Frauen empfand. Aber aus Rücksicht auf ihr Kind, hat sie es nie öffentlich gemacht. „Doof sei sie gewesen“, schmunzelt Karin, „das waren ihre Worte.“

Mit einer Mutter wie Birte, hast du keine Probleme im Leben. Die Frau hat scheinbar vor nichts und niemand Angst. Nur vor ihrer Tochter, wie ihr Geständnis zeigt. „Ich habe mich so für sie gefreut“, sagt Karin und lächelt dabei. „Meine beiden Moms sind selbst heute noch unzertrennlich. Und meine Schwester wird doppelt bemuttert. Selbst schuld, wenn sie noch bei den beiden Glucken lebt.“

„Das sind wir doch auch“, sagt ihre Frau und beide grinsen um die Wette. Aber ihren Töchtern ist das egal. Sie finden es obercool zwei Mütter zu haben. Was nun mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und prompt bekomme ich von Yumi einen Kuss.

Meine nächste Frage zielt auf ein Thema ab, das Homophobe gern benutzen, wenn es um die Kinder von Homosexuellen geht. Angeblich, so die falsche Meinung, werden die ebenfalls homosexuell.

„Völliger Blödsinn!“, schnauft Karin und Doris fasst sich an die Stirn. „Oder siehst du bei unseren beiden Süßen einen Hinweis darauf? Bei meiner Mama und mir ist das eher Zufall. Die Chancen, dass Kinder von Lesben auch lesbisch werden, sind total gering.

Ihr ist total der Stein vom Herzen gefallen. Endlich kein Versteckspiel mehr! Und ich hatte endlich jemand, mit dem ich über alles, aber auch wirklich alles reden konnte. Das hat mich in meiner Entwicklung ein großes Stück nach vorn gebracht.“

„Gab es mal Probleme mit Männern, oder sonst in deinem Leben?“, frage ich. Karin nickt und knetet ihre Finger. „Mehr als einmal. Jungs im Teenageralter sind oft ziemlich aggressiv. Und später wird es kaum besser. Damals konnte ich noch keinen Kampfsport. Yumi hat mir dann einiges beigebracht. Aber ein hohes Knie hilft immer.“

Noch heute macht Karin samt Familie tapfer Karate, wenn es ihre Zeit erlaubt. Vor allem die Töchter sind begeistert und kaum zu stoppen, wenn sie im Training sind. Für Karin und Doris ist der Sport notwendiger Ausgleich zu Mutterrolle und Beruf.

„So ein Jahr nachdem ich deine Frau kennenlernte, hatte ich einen Zusammenstoß mit einer Gruppe Jungs. Der Anführer wollte sich vermutlich vor seinen Kumpels beweisen und hat mich dämlich angemacht. Er meinte „Hey Schätzchen, du brauchst doch auch nur einen richtigen Mann!“ Dann hat er mich angefasst.“

„Das war eine üble Sache damals“, höre ich Yumis Stimme. „Die wollten ihr echt an die Wäsche. Die Aktion war filmreif. Ich bin dann dazwischen. Niemand greift eine Frau an, wenn ich in der Nähe bin!“ Was Yumi so locker erzählt, hat einen ernsten Hintergrund. Gleich mehrere Jungs stürmten damals auf Karin zu.

„Du hättest deine Frau sehen sollen!“, sagt Karin mit bebender Stimme. „Wer das einmal erlebt hat, versucht es kein zweites Mal.“ Was ich bestätige. Meine Süße ist herzensgut, aber kann wie eine Bombe explodieren.

„Wie war das, als Yumi dich anprach?“, wechsele ich das Thema und die Zeit. „Hattest du keine anderen Freunde?“ Karin schüttelt langsam den Kopf, als sie sich erinnert. „Im Kindergarten und später in der Grundschule gab es welche. Aber irgendwann habe ich den Kontakt verloren. Oder das Interesse. Ich war die totale Einzelgängerin.“

„Sie war die einsame Wölfin unter lauter Schafen“, stichelt Yumi und lacht sich schlapp, als Karin und Doris ihr die Zunge zeigen. „Ich Doofie“, korrigiert sie sich „Natürlich war sie das Schaf …“ Ich halte ihr den Mund zu und spüre prompt ihre Zähne. Unser Spiel, bei dem wir beide stets gewinnen.

„Ich hatte wirklich Schiss vor Yumi“, gesteht mir Karin. „Mit ihr hast du keinen Streit. Die es versuchten, haben es bitter bereut. Meine Güte, kann die böse werden! Aber ich habe sie auch dafür bewundert. Diese Stärke haben nur wenige Frauen.“

„Hast du jemals geahnt, dass Yumi auch lesbisch ist?“, will ich wissen. Karin schüttelt den Kopf. „Wie denn? Ich habe ein mieses Gaydar! Meist haben mich Mädels aufgerissen.“ Prompt schenkt ihr Doris einen empörten Blick. „Du hast mich angesprochen!“, sagt sie. „Schon“, erwidert Karin. „Du hast mir gefallen, aber ich habe nicht genau gewusst, dass du auf Frauen stehst. Meist habe ich falsch gelegen.“

Sie macht eine kurze Pause und schaut ihre Frau an. Die nickt und Karin strahlt. „Mein Talent Heten anzusprechen, ist wirklich legendär“, erzählt sie weiter. „Aber im Gegensatz zu vielen anderen Mädels, habe ich es wenigstens gemacht.“ „Ist doch total einfach“, nuschelt meine Süße und schmiegt sich in meinen Arm. „Anschauen, Augenkontakt und Peng!“

„Als Yumi damals zu mir kam und mich über Lesben ausfragte, hat mein kleines Herz ganz laut gepocht“, fährt Karin fort. „Ich dachte für einen Moment wirklich, sie suche Streit. Dabei haben wir kaum jemals ein Wort geredet. Aber ich fand sie schon immer toll. Die meisten in der Klasse. Sie war unser Star.“

„War sie streitsüchtig?“, will ich sofort wissen. Wieder schüttelt Karin den Kopf. „Sie hat sich nie etwas gefallen lassen. Aber sie hat schon ab und an Jungs provoziert. Die meisten wussten zum Glück wer sie ist. Aber mit ihr als Freundin lebt es sich leichter.“ Und da hat sie wirklich recht.

Und damit ihr auch weiterhin kraftvoll zuhören könnt, wird es einen dritten Teil geben. (Den Satz hat mir Mayumi diktiert.)

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12 Kommentare zu “Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 2: Die Düsseldorfer Kickers

  1. Der Klassenstar, hm!?! 😉 Voll praktisch mit so einem Bodyguard wie dir durch die Gegend zu laufen. Wenn ich mit meinen Mädels unterwegs bin, habe ich die Rolle der Beschützerin. Petra (unsere Boxerin) aber auch. Ich muss zugeben, dass ich dich gerne mal kämpfen, wie du es nennst, „spielen“ sehen würde. 🙂

      • Willst du mich therapieren? 😉 Im Moment nehme ich mein Leben als recht anstrengend wahr, aber nicht als Kampf (Hamsterrad). Ich muss seit Beginn meiner Weiterbildung zur Therapeutin neben dem Job Leistung erbringen. Ich bin jetzt im letzten Jahr und froh, wenn ich es hinter mir habe. 🙂 Eigentlich bin ich aber ein absoluter Optimist und lasse mich gerne dahintreiben. Yi Man sagt immer, dass ich wie eine Eintagsfliege lebe, was sie etwas stört.

      • Mein Sifu meint jedoch, dass ich beim Wing Chun Training zu viel ans Kämpfen denke. Das Problem ist nur, dass es mir da echt Spass macht zu kämpfen. Mein Lieblingstrainingspartner (Ich bin auch sein Lieblingstrainingspartner!) macht nebenbei Thaiboxen und mit ihm kann ich ein bisschen ernster trainieren.

      • Suchst du vielleicht (un)bewusst nach einem Ausgleich? 🙂 Aber ich mag dieses Thema nicht vertiefen. Du weißt selbst was dir vielleicht fehlt.

      • Wäre das kein öffentlicher Blog, dann würde ich Frau Therapeutin fragen, welche Analysen und Hypothesen sie gebildet hat. 🙂

      • So etwas sagen Therapeuten auch immer zu ihren Klienten. 😉 Sie sind der Experte/die Expertin für ihre Lebenswelt etc. pp 🙂

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