Kalkulierte Liebe

Liebe, so heißt es, sei unkalkulierbar. Und der Mensch nur Sklave seiner Triebe. Aber stimmt das wirklich, sind wir alle nur Geschöpfe in einem biologischen Prozess? Mit vererbtem „Samurai-Gen“ und einem abgeschlossenen Studium in BWL sehe ich die Dinge anders. Liebe geht auch mit Kalkül. Wie, das erkläre ich gern.

Düsseldorf vor einigen Jahren. Die Begegnung mit Yuki ist noch fern. Mein Stern am Lesbenhimmel strahlt. Ich genieße das Leben, aber Liebe sieht anders aus. Gezielt suche ich nach Frauen, die mein Interesse wecken. So auch die als unnahbar geltende Leonie.

Leonie ist älter als ich, schon Ende Dreißig. Sie steht in Clubs meist allein. Wenn sie spricht, dann leise. Aber in ihren Augen brennt ein waches Licht.
„Lass bloß die Finger von der“, warnt Karin. „Die ist eine Nummer zu groß für dich.“
Mein Lächeln könnte japanischer kaum sein und Karin verdreht die Augen.
„Mach doch was du willst“, schnauft sie und geht tanzen. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“
Schnell überdenke ich die Fakten. Und dabei hilft mir BWL.

Eine Aktion muss her. Wer wartet, hat schon verloren. Nun hat jede Aktion eine Menge von Alternativen und die zugehörigen Erfolge. Will ich küssen, oder scheitern? Was ist hier und jetzt der beste Weg?

Keine Lösung ohne Formel. Aber diese Aufgabe ist schwer. Ich bewerte, wäge ab und kalkuliere. Aber ein Erfolg sieht anders aus. Um das Unternehmen, wie bagggere ich Leonie gekonnt an, zu realisieren, braucht es einen guten Plan. Oder zwei.

Ich will ehrlich sein, ich habe es ganz ohne BWL geschafft. Mit den Worten „Magst du tanzen?“, habe ich das Eis gebrochen. Danach trank ich Wasser und sie noch ein Bier. Für die große Liebe hat es nicht gereicht. Und doch war das Ziel kalkuliert.

Elfchens frecher Kommentar zu diesen Zeilen: „Und ich bin die Summe deiner Erfolge?“ Dann schmollt sie gekonnt und lacht dabei. Ich habe sie in den Arm genommen und „Ich liebe dich“, gesagt. Das ist ehrlich und ganz ohne Kalkül.

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23 Kommentare zu “Kalkulierte Liebe

  1. Klingt zunächst ungewöhnlich. Ich möchte darauf als interessierter Schüler der Kampfkünste Antworten. Ich mag kein Karate, zumindest kein deutsches, wegen der strengen Hierarchien, der Gürtel und der klaren, eckigen Bewegungen. Ich liebte Kung Fu wegen der chaotischen, selbstorganisierenden chinesischen Nicht-Methodik. Das Ausprobieren, die jüngsten das Aufwärmen leiten lassen, die vertrackten Formen, deren Sinn man erst nach Jahren begreifen kann, die Weichheit. Ich bin beim Boxen geblieben, weil ich dort keine Eso-Spinner mehr traf, sondern nur hart arbeitende Handwerker. Was ich aber am Karate uneingeschränkt bewundere: Wenn nach dem Kumite die Partner gleitend auseinander gehen, breitet sich eine Glocke der Stille aus, füllt die Halle und wächst bis an die Grenzen des Universums. Bei Großmeistern, aber genauso intensiv schon bei jüngsten Weißgurten. Denn da wird mir klar, die Unterschiede sind nur oberflächliche, der eine schreibt von rechts nach links, der andere von oben nach unten, wichtig sind nur die richtigen Worte. Klar, das eine Karate-Meisterin erst mit äußerster Disziplin Form, Methode und Weg ausarbeitet und dann erst losläßt und die Auflösung genießt. Aber ein Bier hättest Du trotzdem mittrinken können, Du bist ja letztlich auch nur ne rheinische Määdsche.

  2. Warum hast du dich nicht einfach auf dein Bauchgefühl verlassen? Ich glaube, mit rationalem Denken kommt man in Sachen Liebe nicht immer unbedingt weiter.

    • Du hast meinen Humor noch nicht so wirklich verstanden, oder? 😉
      Ich habe damals weniger nach Liebe gesucht, ich habe mich selbst ge- und erlebt. Aber durchaus berechnend, ohne Herzen zu brechen! Das war nie mein Ding. Und dann kommt irgendwann diese Elfe auf mich zu, verzaubert mich in ziemlich genau zwei Sekunden und stiehlt mein kleines Herz. Da hat alle Logik versagt. Ich habe es ihr gern gegeben. Und sie hat es immer noch. 🙂

      • Ich denke schon, denn ich lese viel bei dir 🙂 . Allerdings habe ich in Liebesdingen grundsätzlich nach dem Bauchgefühl gehalndelt. Manchmal wäre ein Kopfeinschalten schon besser gewesen. Aber so macht Frau ihre Erfahrungen 😉 .

      • Gut! 🙂 Ich bin schon ein analytisch denkender Mensch, der immer und überall bewertet. Das hilft im Leben weiter, da ich nie lange für eine Antwort brauche. Auch beim Karate weiß ich, wie ich im nächsten Augenblick, wie ich auf einen „Angriff“ reagiere. Wobei das mehr Instinkt, als Überlegung ist.
        Erfahrene Grüße an dich. 😀

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