Aber du kannst doch Karate!

„Aber du kannst doch Karate!“, ereifert sich Carola und stemmt die Arme in die Hüften. Ich schenke ihr ein Lächeln und verlegen schaut sie weg. Was schwerer wirkt, die bleierne Stille, oder jener Satz, ist schwer zu sagen. Dass er daneben ist steht für mich fest. Aber ich will erzählen, wie es dazu kam.

Carola gehört zu meinem Bekanntenkreis. Sie ist die Schwester einer Freundin, Sozialpädagogin und eine Seele von Mensch. Aber auch lustig und kämpferisch, wenn es um Frauenrechte geht. Carola ist eine Grüne und vertritt schon fast sklavisch die Politik im Ländle. Und auch Mutti Merkels Willkommenskultur.

Wir sprechen über Köln und andere Städte, über schlechte Erfahrungen mit Männern und sexuelle Gewalt gegen Frauen. Gebetsmühlenartig wiederholt Carola immer wieder, man könne nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren und Deutschland habe die moralische Verpflichtung Menschen auf der Flucht zu helfen.

Nun hat niemand in unserer Runde etwas gegen Flüchtlinge gesagt. Niemand ist gegen hilfsbedürftige Frauen und Kinder. „Aber es kann doch nicht sein, dass so viele allein reisende junge Männer sind, die definitiv nicht aus Syrien stammen!“, sagt Linda und entfacht ein Feuer damit.

„Das stimmt aber so nicht!“, widerspricht Carola sofort. „Ich selbst bin als Helferin tätig und sehe das Elend …“ „Sieht du auch die Männer?“, fragt Linda. „Und weißt du auch woher die kommen?“ „Ja, nein“, kommt es von Carola. „Also die meisten haben ja alles verloren. Und klar haben die keine Papiere mehr. Aber die kommen alle aus …“

„… Nordafrika“, vollendet Linda den Satz, „Afghanistan und dem Irak. Deren einzige Absicht ist ein angenehmes Leben in Europa zu haben, wo bekanntlich Milch und Honig fließen und angeblich jede Menge leicht zu habende Frauen sind.“ „Du klingst wie eine Rechte!“, giftet Carola. „Das hätte ich nicht von dir gedacht!“

„Wieder das typische Totschlagargument“, mische ich mich ein. „Alle sind Rechte, die die Wahrheit sagen. „Was wisst ihr denn schon?“, sprudelt es mit Macht aus Carola, „wart ihr schon in Flüchtlingsheimen und …“ „Ja“, erwidere ich eisig. „Linda und ich waren aus beruflichen Gründen dort. „Und was wir gesehen haben, war nicht sehr schön.“

„Wie jetzt, beruflich?“, fragt Carola leicht verdattert und Linda holt tief Luft. „Ich habe eine Security Firma, meine Süße, du erinnerst dich vielleicht? Man hatte mich um Hilfe gebeten, aber wir können das nicht leisten. Diese Gier, diese Blicke, haben mich erschreckt.“ Und das will bei Linda etwas heißen.

„Willst du damit sagen, dass du gegen diese Menschen bist?“, will Carola wissen und springt empört von ihrem Stuhl. „Wir Deutschen haben die moralische Pflicht zu helfen …“ „Weil?“, unterbreche ich sie. „Auf diese Begründung bin ich nun gespannt.“ Die plötzliche Stille verunsichert Carola und fünf Augenpaare richten sich auf sie.

„Ja, aber wir haben doch …, also was ich meine ist …, also der Krieg …“ „Was für ein Krieg?“, will ich wissen. „Ich wüsste nicht, dass wir uns im Krieg befinden. Oder sprichst du von den Nazis? Das meine Süße ist seit 1945 vorbei. Falls es dir entgangen ist, wir schreiben das Jahr 2016. Und Deutschland hat mehr als genug dafür bezahlt.“

Der Effekt meiner Worte kommt einer geplatzten Bombe gleich. Tief bohren sich die Splitter in Carolas Seele und böse schaut sie mich an. „Du bist doch noch nicht mal Deutsche!“, faucht sie, „was bildest du dir eigentlich ein!“ „Und deine Eltern sind in Russland geboren“, kontere ich. „Zu was macht dich das?“

Carola beißt sich auf die Lippen und schaut kurz zu Boden. „Das … das habe ich nicht so gemeint“, sagt sie verlegen. „Entschuldigung!“ Ich bin ihr nicht böse, mit solchen Attacken bin ich aufgewachsen. Sie prallen an mir ab und zeigen nur das wahre Gesicht jener Menschen, die diese Worte gegen mich benutzen.

„Könnten wir jetzt bitte wieder alle friedlich werden?“, ergreift Yuki das Wort. Gleichzeitig drückt sie meine Hand. Sei lieb bedeutet das. „Wir haben doch über die Politik gesprochen und den unkontrollierten Zustrom von Menschen, die klar falsch in Deutschland sind. Und auch du kannst mir nicht erzählen, dass Köln spurlos an dir vorbei gegangen ist.“

„Natürlich nicht“, gibt Carola zu, um sofort wieder mit der alten Leier zu beginnen. „Aber wir dürfen nicht alle über einen Kamm scheren …“ „Niemand macht das“, unterbreche ich sie erneut. „Du versteckst dich hinter solchen Sätzen wie unsere Politker, die auch kaum etwas sagen.“ Yukis Hand drückt fester zu, aber ich weiß was ich mache.

„Es gibt keinen Rechtsanspruch für diese Menschenmassen nach Deutschland einzureisen. Du kannst das gern im Gesetz nachlesen, sofern du es verstehst. Und du selbst hast doch vor einigen Tagen noch über deine Angst gesprochen, dass Dinge wie in Köln wieder und noch öfter passieren“, sage ich. „Du hast also Angst. Und selbst ich habe ein ungutes Gefühl.“

„Aber du kannst doch Karate!“, ereifert sich Carola. „Ja, ich kann Karate“, erwidere ich. „Aber hilft mir Karate, die Probleme auf der Welt zu lösen? Soll ich mich nun täglich mit Männern prügeln, die in mir die billige Hure sehen? Machst du bitte die Augen auf? Wir sind Lesben! Wir stehen an der Front und sind doppelt betroffen.“

Carola schluckt, ihre Schultern sinken nach vorn. „Ja, es stimmt, in Köln ist eine Form von sexualisierter Gewalt offensichtlich geworden, die bisher unbekannt war“, sagt sie leise. „Niemand war darauf vorbereitet und …“

„… ist nun schockiert darüber, dass die heile Welt zerbrochen ist“, unterbreche ich sie kalt. „In Köln hat sich nur offenbart, was jeden Tag in der arabischen Welt passiert und was naive Menschen nicht sehen wollen.“

„Aber die Syrer …“, wirft Carola ein und wird nun von Yuki unterbrochen. „Willst du es eigentlich nicht verstehen?“, fragt sie böse. „Deutschland hat ein massives Problem mit Asylbewerbern, die ein völlig anderes Frauenbild haben. Und niemand hat nur von Syrern gesprochen!“

„Du erinnerst dich an die Razzia im Düsseldorfer Maghreb Viertel?“, frage ich. Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen und kenne alle Ecken dieser Stadt. Aber selbst ich gehe nicht allein in dieses Viertel!

Die Medien haben das Problem dort bisher verschwiegen und die Polizei hat auf Anweisung weggeschaut. Geändert hat sich nichts durch die Razzia, das war nur eine für die Öffentlichkeit inszenierte Show.

Düsseldorf Maghreb und Dusiburg Marxloh sind nur zwei Namen, die eine andere Seite Deutschlands zeigen. Dort herrschen Clans und Banden, die auf deutsche Gesetze spucken. Aber die Öffentlichkeit schaut weg. So, wie du.“

„Aber du kannst doch Karate!“, ist mit der dümmste Satz, den ich bisher zu Köln & Co. hörte. Er impliziert klar, dass Frauen sich mit einer veränderten Sicherheitslage auseinandersetzen müssen. Und das ist krass. Hinsehen statt wegschauen, hätte mehr gebracht.

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26 Kommentare zu “Aber du kannst doch Karate!

    • Viele meiner Freundinnen haben Angst. Sie wollen nichts von Männern. Leider verhält sich die Masse der Deutschen wie immer passiv und schweigend. Satt sitzen sie vor der Glotze und schauen sich dümmliche TV-Shows an. Und die Presse bejubelt das Dschungelcamp, oder schreibt über Millionentransfers im Fußball. Und wenn diese TV-Glotzer dann doch „auf die Fresse“ kriegen, haben sie von nichts gewusst. Die Sprecher …, das ist ein schwieriges Thema. Aber mittlerweile schauen auch Teile des vorher blinden „linken Auges“ hin und erwähnen die militante Antifa, die eigentlichen Provokateure.

  1. „Deutschland hat ein massives Problem mit Asylbewerbern, die ein völlig anderes Frauenbild haben.“ Ja, das fasst es auch für mich zusammen. Und da du diese beiden Viertel erwähnst (die ich nur vage vom Hörenlesen kenne, aber ich glaube, jede Großstadt hat die inzwischen), glaube ich, dass das Problem älter ist und nicht nur Menschen umfasst/betrifft, die neu ins Land kommen. Ja, das ist ein riesiges, offenes Problem. Und nein, einfache Lösungen (soll heißen, kurzfristig, d. h. bis zur nächsten Wahl erfolgreich) gibt es dafür nicht. Aber es neutral auszusprechen und anzuerkennen, dass die Dinge da falsch laufen und jahrelang falsch gelaufen sind, ist der erste Schritt.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Solche Viertel, in denen hauptsächlich sozial schwache Menschen lebten, gibt es schon immer. Aber der Hass, dieses so völlig andere Denken, hat eine andere Qualität. Die Naivität, mit denen deutsche Politiker solche Menschen ins Land lassen und damit die eigene Bevölkerung mit Füßen treten, ist gigantisch. Asyl kann man auch außerhalb der Staatsgrenzen eines Landes stellen. So ist das eigentlich vorgesehen. Man sollte sich vor allen Dingen fragen, warum die arabischen Nachbarstaaten keine Flüchtlinge aufnehmen.

      Die AfD lauert auf jeden Fehler, den die Regierung macht. Und es werden täglich mehr.

  2. Ich verstehe nicht, warum das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ so abwertend und beleidigend benutzt wird.. Es ist nun einmal so, dass einige Länder der Welt im Überfluss leben und andere in Armut – und ich verurteile niemanden dafür, dass er/sie herkommt, um ein besseres Leben zu führen.

    Die Täter von Köln repräsentieren nicht die Mehrheit der Flüchtlinge, auch nicht die Mehrheit der Wirtschaftsflüchtlinge. Und sie und Flüchtlinge mit ähnlicher krimineller Energie gehören abgeschoben, das steht für mich außer Frage.

    Trotzdem denke ich, dass sich langfristig global sehr viel ändern muss. Sonst wird es zu noch viel größeren sozialen Unruhen kommen, und das wäre mehr als verständlich..

    • Nüchtern betrachtet fliehen die meisten Asylbewerber in die guten, europäischen Sozialsysteme. Viele, wenn nicht die meisten, sind unqualifiziert und werden auf Jahre hinweg keiner Arbeit nachgehen. Aber das ist ein anderes Thema und nicht Gegenstand dieses Blogs.

      Köln und alle anderen deutschen (europäischen) Städte, war/en ein gesteuerter Aufruf zur Gewalt. Ein (erster) Test. Man kann davon ausgehen, dass es viele Mitläufer gab, die einfach nur der Masse folgten. Ein Grund sich derart frauenfeindlich zu benehmen, ist das noch lange nicht.

  3. liene nandaly, respekt für ihre offene herangehensweise an das thema! es gibt einen unterschied zwischen migranten, wer dies leugnet, leider viele sont kritische linke, macht sich lächerlich! hierzulande wird jeder direkt nahc rechts geortet, auch wenn er nur kritisch und offen ist! italiener usw. finden medial nicht statt, nur eine gruppe! weiter so mit ihrer seite!

  4. Ich bin ja auch Sozialpädagogin und trotzdem nicht blauäugig (sondern grünäugig 😉). Vielleicht hätte sich Carola mal so etwas durchlesen sollen:

    http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/gastbeitrag-von-samuel-schirmbeck-zum-muslimischen-frauenbild-14007010.html

    Du weißt ja, was ich von der Silvesternacht halte und wie sehr ich die Täter dafür verurteile. Sie nicht dafür zu verurteilen, nur weil sie Flüchtlinge sind, ist einfach nur dumm. Damit stelle ich aber nicht alle Flüchtlinge unter Generalverdacht. Wir sollten jedoch nicht außer acht lassen, wie wenig Wert man Frauen in solchen Kulturen zuspricht.

    • Ich kenne den Artikel. Und noch viele andere mehr. Aber den brauchte ich nicht zu lesen, das Frauenbild dieser Männer war mir schon bekannt. Bei Menschen wie Carola, wie auch bei einigen (Ex)LeserInnen meines Blogs, ist Hopfen und Malz verloren. Sie sehen nur, was sie sehen wollen, die geschönte, rosa Welt.

      • Selin Gören, von den LINKEN, zumindest hat den Verstand verloren. Du weißt, dass sie von Flüchtlingen vergewaltigt worden ist, das aber bei der Polizei zuerst nicht angezeigt hat?

      • Der Vorfall ist irgendwie unbemerkt an mir vorbeigezogen. Jetzt sag mir bitte nicht, dass sie dadurch die Flüchtlinge schützen wollte!?! 😱

      • Selin Gören wörtlich: „Ich habe gelogen, weil ich Angst hatte, dass die Vergewaltigung von Rechts missbraucht wird, um die Hetze gegen Flüchtlinge weiter anzuheizen, die gerade nach den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht dramatisch angestiegen ist.“

        Niemand hetzt gegen Flüchtlinge. Wir sprechen nur über die Täter, die ganz zufällig meist aus Syrien und Nordafrika stammen und meist erst seit wenigen Monaten in Deutschland waren. Die Zahlen vom BKA hatte ich genannt.

      • Ich habe gerade mal recherchiert. Der Dame empfehle ich dringendst eine Therapie. Psychologisch gesehen: Leider kommt es bei Vergewaltigungsopfern oft vor, dass sie sich schuldig fühlen für das, was ihnen abgetan wurde, so paradox das auch klingen mag. 😦

      • Bei diesem Fall hast du sicher recht. Es hat mit ihrer politischen Orientierung und ihrer Herkunft zu tun. Mit Sara (1. Liebe) kriege ich mich wegen des Flüchtlingsthemas zurzeit regelmäßig in die Haare. Sie wollte unterbinden, dass ich bei Facebook die Nachrichten-Artikel (Tagesschau) zu den Attentaten und Übergriffen in Deutschland teile. Sie meinte, dass ich so für mehr Pegida-Mitglieder sorge. Ich habe es natürlich trotzdem gemacht, denn ich sehe es anders. Um gegen Probleme vorgehen zu können, muss man sie benennen und nicht totschweigen. Ich glaube, dass hier auch immer wieder ein Konflikt zwischen uns aufgrund ihrer Herkunft entstehen wird. Wir sind aber trotz alledem befreundet.

      • Wir müssen zur Zeit sehr darauf achten, was der Justizminister so treibt. Der versucht bereits kritische Kommentare aus dem Netz zu löschen. Ich habe gelesen, dass bereits Journalisten auf Facebook gesperrt worden sind. Aber Hetze, dumpfe Parolen, ist etwas anderes, als offene Diskussion. Und wir brauchen diese Diskussion in Deutschland dringend! Wer sie nicht führt, der überlässt sie den wirklichen Fanatikern. Die Pegida gibt es genau aus diesem Grund! Und auch die AfD ist nur so stark, weil man unsere Gesellschaft mit Gewalt verändern will (muss).

        Türkische Freundinnen sind davon abgesehen auf meiner Seite, wenn es gegen Kopftuch und den radikalen Islam geht. Glaubst du die wollen verschleiert werden? Für die bedeutet ihr Glaube das gleiche, wie für die meisten Christen. Sie haben ihn nun mal und damit gut. Regeln von vor 1000 Jahren interessieren die nicht.

        Als Tipp: Oli postet oft Links zu Seiten, die kritischer mit dem Thema umgehen. Cicero, die FAZ sind deutsche Quellen, die man ernster nehmen kann. Mit Abstrichen, das Thema hatten wir schon, den FOCUS oder Roland Tichy mit seiner sehr kritischen Berichterstattung. Dazu kommen noch die ausländischen Quellen. Hetze zu lesen, darauf verzichte ich. Aber selbst bei der AfD kann man sich informieren. Die sind nicht alle so doof, wie man glaubt und haben zum Teil richtig gute Leute in ihren Reihen. Aber eben auch ein 50 Jahre altes, erzkonservatives Wahlprogramm, das LGBT noch in der Steinzeit sieht.

      • Oh, ich wusste nicht, dass kritische Kommentare aus dem Netz gelöscht werden. Das zum Thema Meinungsfreiheit und offene Diskussion. 😦
        Danke für die vielen Quellentipps! Ich glaube zwar, dass das an Saras Kritik nichts ändern wird, aber dann teile ich wenigstens seriösere Nachrichten. 😉

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