Die Stadt der Engel – Teil 5: Elend

Los Angeles ist toll, daran gibt es keine Zweifel. Sonne, Hochglanz und Meer. Aber wir haben bei unserem Besuch genauer hingeschaut. Kaputte Straßen fallen auf. Mit Rissen, die schon fast lebensgefährlich sind. So toll der Walk of Fame sein mag, nur einige Blocks weiter sieht LA so völlig anders aus.

Ich bin nicht verrückt, daher meide ich die Ghettos. Das ist weniger Angst, pure Vernunft regiert. Aber was wir in Deutschland als Mittelschicht kennen, lebt in den USA nicht wirklich glamourös. Die Häuser wirken nicht nur klein, sie sind oft auch von den Erdbeben beschädigt. Hier fehlt Farbe, dort ist ein Dach kaputt. Und der Pontiac davor ist locker 10 Jahre alt.

Hollywood, Beverly Hills, hat andere Qualitäten. Hier lebt die High Society. Oder was sich dafür hält. Ja, alles in LA ist größer als anderswo. Aber auch das Elend. Und dafür habe ich schon immer ein Auge gehabt. So war das auch in Düsseldorf und anderen Städten. Ich schaue hin, nur die anderen schauen weg.

In einem Buchladen in Ost-Hollywood treffen wir auf einen jungen Amerikaner. Er lebt einige Straßen weiter und schläft mit seinen Brüdern in einer kleinen Wohnung, die 500 Dollar im Monat kostet. Josh(uah) ist clever und in Jamaica geboren. „Aber ich kam schon mit 15 Jahren nach LA“, verrät er uns. Heute ist er 25 und verkauft Bücher. Und einen High School Abschluss hat er auch. „Nur kein Geld“, lacht er. „Aber hey, das ist doch egal! Das ist Kalifornien, das ist mein Traum!“

So wie er denken viele Menschen, die hier ihr Glück suchen und scheitern. Der amerikanische Traum ist viel zu oft in den Hinterhöfen geplatzt. Ich wage eine kurze Vision. Blüht uns dieses Schicksal auch? Selbst wenn wir hier leben wollten, finanziell stehen wir nicht auf tönernen Füßen. Aber die Preise sind doch sehr hoch. Außerhalb der Stadt wird es wieder besser.

Amerika, Los Angeles, hat Schattenseiten. Hollywood überstrahlt die nur sehr gern. Aber selbst die Ärmsten lieben ihre Stars, die tollen Filme, die sie niemals (legal) sehen können. Josh bietet uns unter der Hand Kopien von Blockbustern an. „Super DVD-Qualität“, sagt er und grinst.

Ob er keine Angst hat erwischt zu werden, will ich von ihm wissen. Aber er winkt nur ab. „Was sollen die Cops mir tun?“, fragt er. „Ich habe nichts und die Gefängnisse sind voll. Außerdem schauen die auch gern solche Filme.“ Ich lasse das so stehen und lehne dankend ab. Dieser Urlaub ist unser ureigenster Film. Und wir die Hauptdarstellerinnen.

Als wir am nächsten Tag die Strecke noch einmal fahren, ist der Laden zu. Polizeiabsperrband gibt uns eine Ahnung. Was geschehen ist erfahren wir nie. Ein Junge den wir fragen zuckt die Schultern und geht seiner Wege. Auch dieses Desinteresse ist Amerika. Vielleicht gab es einen Überfall, vielleicht andere Gründe. Und vielleicht ist ein weiterer Traum von Amerika geplatzt.

Mein Interesse an diesem Land ist ungebrochen. Aber das gilt für einen großen Teil der Welt. Ich bedanke mich bei allen LeserInnen für das Interesse an meinen Artikeln und hoffe, dass auch eine Fortsetzung gefällt.

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20 Kommentare zu “Die Stadt der Engel – Teil 5: Elend

  1. Du stellst eine interessante Frage „… und scheitern. Der amerikanische Traum ist viel zu oft in den Hinterhöfen geplatzt. Ich wage eine kurze Vision. Blüht uns dieses Schicksal auch? … “
    Fahre in den Osten, da hin, wo nichts mehr vom Soli angekommen ist, dahin wo sich nur noch selten ein Tourist verirrt… dort findest du 10.000fach die geplatzten Träume ohne Hoffnung auf eine Änderung zum Besseren. Genau so wie in den Schmuddelecken von Düsseldorf und anderswo.
    Auch bei uns ist die unfaire Struktur der 1/3-Gesellschaft schon angekommen. Bei uns wird sie nur besser versteckt 😬

    • Unsere Sozialsysteme, haben bisher die geplatzten Träume abgefedert. Ich war im Osten. Ich war in anderen Ländern. Die Mittelschicht bricht langsam weg.
      Die USA, Obama zumindest, hat versucht dagegen zu halten. Auch das ist im Sand verlaufen. Die USA spielen lieber Krieg.

      • Der Schein ist alles, so könnte man meinen. Aber solange die Mehrheit der Menschen die Politiker wählen, von denen sie glauben, dass sie ihnen die Verantwortung für sich selbst abnehmen, solange wird sich daran nichts ändern!

  2. Probleme löst man nicht durch wegschauen, da muss man schon die Augen aufmachen. Insofern hast Du eine sehr gute Eigenschaft, die leider vielen fehlt.
    Ein spannender Artikel, dass der Unterschied so krass ist, war mir nicht bewusst.

    • Wenn du amerikanische Filme siehst, werden oft diese „Hinterhöfe“ gezeigt. Der Trailerpark, das Autowrack, auch das ist Amerika. Vielleicht das ehrlichere Gesicht.

  3. Wie gut, dass du auch das aufgezeigt hast.
    Schönen Regentag! – Mein ich ernst, Yuki kann dazu schön singen, oder? 😀

    • Wir wissen es leider nicht. Zu (über) Waffen in den USA werde ich vielleicht bei Gelegenheit noch etwas schreiben. Ich habe mich darüber schon mit Ally und ihrem Dad unterhalten. Aber das ist eher weniger interessant für LeserInnen. Mal schauen.

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