Die Stadt der Engel – Teil 4: Rot

Die Tage fliegen, es eilt die flüchtige Zeit. Wir erleben Weihnachten einmal anders. Es macht Spaß, auch ohne Schnee. Der Schock am Tag nach Heiligabend, der SUV ist weg. Keine Spur von dem Wagen, wir rufen die Mietwagenfirma an und die Polizei.

Cops in LA sind anders. Freundlich und doch bestimmt. „Don’t you worry“, meint der Officer und lacht. „Wir orten den Wagen ganz schnell mit GPS. Er hat recht, aber als sie den Wagen Stunden später finden, ist er nur noch Schrott. „Wegfahrsperren sind nur ein Witz“, erklärt der Officer. „Moderne Elektronik hat die lange überholt.“

Die Fingerabdrücke sind eindeutig. Moderne Elektronik hat sie wieder sichtbar gemacht. Ironie des Schicksals, auch bei der Polizei hat man dazugelernt. Noch am gleichen Tag nimmt man die Täter fest. Jugendliche im Drogenrausch, die sich einen Spaß machen wollten und schon mehrfach aufgefallen sind. Ihnen droht nun spezieller Jugendarrest, ein Camp mit militärischem Drill. Clever sein ist anders.

Wir bekommen einen neuen Wagen, aber es ist kein SUV. „I am so sorry“, sagt das California Girl und lächelt honigsüß. „Aber wir haben nur noch den Ford Mustang da.“ Immerhin ist er rot und immerhin ist es der V8. Das versöhnt, wenn ich schon mit einem anderen Flitzer fremdgehen muss. Rot war schon immer meine Farbe.

Ich gestehe, der Wagen hat was! Und er ist schnell. Nicht erwischen lassen, ist nun die Devise. Gibt es auch in LA eine Radar-App? Wir rufen Ally an, das Mädel aus der Abbey. Sie freut sich und will uns wirklich wiedersehen. „Ihr seid herzlich willkommen“, sagt sie. „Besucht uns, wir freuen uns auf euch.“

Santa Barbara ist nur ein Katzensprung. Wir verlassen das Hotel und brechen wieder auf. Ein letzter Besuch bei Onkel Jiro, den ich dieses Mal nicht mehr auf die Matte lege. Dafür hat er eine Überraschung bereit. Ein Deal ist perfekt. Das bringt Geld und Möglichkeiten. Und eine Bleibe in LA. Yeah!

Ally lebt etwas außerhalb von der Stadt, das Farmhaus ihrer Großeltern, ist als Wohnhaus umgebaut. „Wir haben eine Menge Platz für Freunde“, sagt sie und lacht. „Und eine Party coming!“ Ihre Eltern wohnen nebenan, zwei wirklich liebe Menschen.

Die Mutter freut sich Deutsch mit uns zu sprechen und auch Allys Papa John kann das ganz gut. „Meine Schwester ist auch gay“, sagt John und grinst. „Ich habe kein Problem damit, wenn meine Prinzessin glücklich ist.“ Er ist Oberstleutnant und nun bei der aktiven Reserve. Immer noch im Dienst mit toller Uniform.

Was Ally Party nennt, ist eine Fete der Superlative. Mehr als fünfzig Mädels überrennen den Ort in der Silvesternacht. Nicht alle sind Lesben, aber alle befreundet. Und wir treffen einen kleinen Star. In Los Angeles ist das völlig normal, dort wimmelt es davon. Ihre roten Haare leuchten, wie ihr strahlender Blick.

Das Mädel dreht eine Soap, die in Deutschland niemand kennt. „Reicht um recht ordentlich zu leben“, sagt sie lapidar. Wir unterhalten uns lange, sie ist sehr an Japan interessiert. Aber der Kontakt bleibt an der Oberfläche, wir werden sie nie wiedersehen.

Elfchen und ich werden herumgereicht, bestaunt und angehimmelt. Auch schöne Augen gibt es, das Interesse ist groß. Und diese Frauen können flirten. Natürlich nur fast so gut wie ich.

Wir machen Party bis zum Morgen, es wird getanzt, geküsst, gelacht. Aber ich bleibe meiner Elfe treu, da gibt es keinerlei Gefahr. Nur bei roten Autos gehe ich gern fremd. Aber das habt ihr schon gewusst. Da wird dann lustvoll geschaltet. Kommt noch wer mit?

Kurz wird es unschön, als eine betrunkene Butch auftaucht und lautstark ihre (Ex) Freundin sehen will. Sie wird handgreiflich und ich gebe eine Vorstellung meiner Kunst. Prompt landet sie auf der Nase und heult sich danach die Seele aus dem Leib. Ich kann es nicht ändern, aber Gewalt und Ungerechtigkeit sind mir ein Dorn im Auge. Dann greife ich ein. Punkt!

Die Mädels verarzten sie und flößen ihr Kaffee ein. Sie schämt sich hinterher für ihr Verhalten und alles ist wieder gut. Gut werden auch die nächsten Tage, die wir bei Ally und Heather verbringen. Die Familie betreibt einen Coffee-Shop und Diner. „Den haben uns die Großeltern vererbt“, sagt Ally und ihre Mutter nickt. Sie arbeitet dort mit und alle haben Spaß.

Ally hat Musik studiert und spielt perfekt Klavier. „Aber davon kannst du hier nicht leben“, sagt sie leise. „Also gebe ich die Kellnerin und spare.“ Auch für eine Deutschlandreise. Wir haben sie eingeladen und sie nimmt an. Wir haben mittlerweile schon wieder telefoniert. Ja, diese (neue) Freundschaft hält.

Im nächsten und letzten Beitrag wird es einen Zeitsprung geben. Er handelt vor der Party und beleuchtet eine andere Seite von Los Angeles, die gern vergessen wird.

18 Kommentare zu “Die Stadt der Engel – Teil 4: Rot

  1. du dein Schreibstiel, ganz gleich was du schreibst, nehmen mich einfach mit! Und gerne! Ich habe eine Zeit lang keine Beiträge von dir in meinem Reader gesehen, wieso auch immer! Also bin ich mal auf Suche gegangen. Wie du bemerkst habe ich mich einstweilen dem fotografieren gewidmet. Also nich mehr so viel Worte! Ganz bewusst halte ich mich aus verschiedenen Diskussionen zurück, wie du wahrscheinlich, vielleicht 😉 schon bemerkt hast! Ich sage einfach nur “ Selbstschutz „, ohne dabei die Augen zu verschließen und in meinem Umfeld zu handeln. GLG

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    • Dankeschön, liebe Monique. WordPress hat so seine Macken, das kenne ich alles schon. Daher schaue ich mir schweigende BloggerInnen immer genauer an und kann das korrigieren.
      Ich mag deine Bilder sehr! Wenn ich welche mache, ist meist Yuki das Motiv. Mit herausgestreckter Zunge, Elfchen ist superfrech. 😀
      Ich bemerke viele Dinge. Und zur Situtation in Deutschland, habe ich auch lange geschwiegen. Nach Köln geht das nicht mehr. Aber Angst ist kein Gefühl, dass mich lähmt. Sollen sie kommen, die Trolle. En garde, es folgt die Wahl der Waffen. 😉
      Liebe Grüße aus dem Elfenheim

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  2. Es macht auch hier wieder Spaß zu lesen. … und wenn ich „Mustang“ höre, schlägt mein Herz zwei Takte schneller. Hab mal so ein Ding gehabt – Bj. 1981. Es war leider nur ein Vierzylinder – nicht V8. Aber die Lackierung war klasse: – links Rotmetallic und rechts Grünmettalic (Dunhill und Dunhill-Menthol). Hab ihn leider in Rumänien geschrottet.
    Liebe Grüße an euch Zwei,
    Michael

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    • Der Mustang ist doch mittlerweile auch in Deutschland zu haben. Für relativ „kleines Geld.“ Sinn macht der keinen, das ist Dekadenz pur. Sinn macht mein 370 Z auch nicht, aber einen Riesenspaß. 🙂

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      • Sieht gut aus, der 370 Z. … und macht BESTIMMT einen Riesenspaß.
        Bei mir haben sich die Zeiten etwas geändert. Erstens gefällt es mir nun besser höher zu sitzen, zweitens müssen ein paar meiner Skulpturen oder Bilder reinpassen. … also Peugeot 5008 und Mercedes A160.
        Liebe Grüße,
        Michael

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      • Ich nenne ihn meinen Z auch liebevoll Porsche Abfangjäger.Warum? Na ja, es haben sich unter der Motorhaube etliche PS mehr breit gemacht. 😉 Aber wir fahren auch noch einen Nissan SUV. Da passt wirklich viel mehr rein.

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