Die Stadt der Engel – Teil 3: Heilig

The Abbey ist eine der bekanntesten Gay-Bars von LA. Hier leben die Heiligen des Regenbogens, das ist doch klar. Wir haben Brunch und wir sind nicht allein. Eine Gruppe junger Frauen hat sich zu uns gesellt. Wir reden, wir lachen und wir haben Spaß. „Ich kann Deutsch sprechen“, verrät uns Ally lachend. „Meine Mom kommt aus Passau am Inn.“

Ally ist 27 und superverliebt in ihre Heather, die nur 1 Jahr älter ist. Heather kommt aus New Jersey, die beiden haben sich übers Netz kennengelernt. „Nach einer Weile war ich mir sicher“, sagt Heather und drückt Allys kleine Hand. „Ich bin quer durch die USA geflogen, um diese Süße hier zu sehen. Und ich habe keinen Moment davon bereut!“

Was so einfach klingt, hat immerhin 2 lange Jahre gedauert. Nun leben die beiden in der Nähe von LA. Yuki erzählt unsere Geschichte und alles lauscht interessiert. Elfchens Englisch kommt spielend zurück. Nur ihr „German Accent“ ist niedlich, wie die Mädels uns gestehen. Mir glaubt man nicht, dass ich nie in Amerika war. „You talk like a local“, sagen sie und das nehme ich als Kompliment. Auch, wenn es vermutlich gelogen ist.

Einige deutsche Worte haben uns in Kontakt gebracht. Ally hat sie gehört und uns angesprochen. Sie lädt uns zu sich nach Hause ein und wir nehmen das Angebot an. Aber das wird noch ein anderer Bericht. Freundschaften in den USA zu schließen geht einfach und schnell. Aber meist können sich die Leute am nächsten Tag nicht mehr erinnern. Das mag bei vielen AmerikanerInnen so sein, diese Mädels sind anders.

Suyin ist in Hongkong geboren und kam schon als Kind nach LA. Sie lebt hier mit Taylor und ich habe selten einen süßeren Tomboy-Look gesehen. Die Süße ist so stylisch, sie wirkt schon fast wie ein Klischee. Aber sie ist Model und weiß was sie tut. Im Handumdrehen gibt sie uns Styling-Tipps. „Du siehst dann gleich viel lesbischer aus“, scherzt sie.

Aus Spaß stecke ich meine Haare hoch und Yuki schlägt die Hände vors Gesicht. Alles lacht und schnell umarme ich meine Elfe. Wieso nur schimmern ihre Augen feucht? Wir haben uns vor langer Zeit versprochen, uns nie von langen Haaren zu trennen. Das sind wir. Ein Kurzhaarschnitt steht nur den anderen.

Dass ich mein Leben lang Karate mache, wird von der Runde fast mit Ehrfurcht aufgenommen. Warum auch immer, mutiere ich auch hier zur Alpha. Dabei bin ich nachweislich die Kleinste im Raum. Nur mein Ego ist wieder mal 2 Meter groß. Aber ich dominiere niemand an diesem Tag, bleibe aber stets was und wer ich schon immer war.

Obwohl ich die Mädels nur kurz kenne, spüre ich ein Band. Verbundenheit über Landesgrenzen. Der Regenbogen hat uns vereint. Wir sprechen über Arbeit, Liebe und das Leben. Die LGBT-Szene in LA, die Unterschiede bei den Gesetzen. Ally und Heather sind verheiratet. Taylor und Suyin stehen kurz davor. Kinder sind ein Thema für alle. Als wir von unseren Adoptionsplänen sprechen, ist das Interesse groß.

Plötzlich Aufregung in der Abbey. Ein Hollywood-Sternchen kommt mit Gefolge. Die Süße zickt, als sie keinen Platz bekommt und rauscht mit wehenden Röcken davon. Die Mädels amüsieren sich über das Gehabe. „Das war eine Baby-Dike“, ist der abwertende Kommentar. „Sie versucht sich in der Szene, aber hat wenig Erfolg. Eine Spielerin, die niemand braucht.“ Ich nenne sie Drama Queen. Und die braucht wirklich keiner.

Wir aber brauchen eine Pause, die Zeitumstellung ist doch krass. Irgendwann fällst du einfach nur ins Bett und landest im Reich der Elfenträume. Im nächsten Teil der Serie gehen nicht nur Gefühle verloren. Was genau passiert, wird dann (k)ein Thema sein.

20 Kommentare zu “Die Stadt der Engel – Teil 3: Heilig

  1. Drama queen war ich auch mal, aber nur in Selbstbetitelung und in vertrauter Atmosphäre – weil ich mir angeblich immer um alles Sorgen mach und soooo emotional bin. Stimmt ja gar nich… kann auch die gelassenste Frau der Welt, wo andere abgehen wie Hollywoodvampire 😉

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  2. Ooh, nach L.A. möchte ich auch mal. Und nach Japan natürlich. 😉 Von daher lausche ich aus der Ferne ein wenig neidisch deinen Geschichten und wünsche euch beiden trotzdem ganz viel Spaß und viele schöne Erlebnisse auf eurer Weltreise! 🙂

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    • Im nächsten Leben werde ich mindestens 1 Meter 80, voll muskulös und lerne (kein) MMA.

      Die Szene in L.A. muss man sich einfach anschauen. Ich bin auch wirklich froh, dass wir das machten. Die Mädels dort sind alle total lieb. Gut, gibt auch andere (Zicken). Aber Ally und Heather sind Spitze.

      Szene, ja! Aber ich muss nicht in jeden Queer Club in jeder Stadt der Welt rennen. Da interessieren mich Dojos viel mehr.

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      • Mh, ich bin mit meinen 1,78 m eigentlich ganz zufrieden. MMA ist aber auch wirklich nicht so ästhetisch, wie ostasiatische Kampfkünste. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht effektiv ist.
        Wenn Yi Man und ich im Ausland waren, haben wir uns bisher irgendwie nie die ortsansässige Szene angeguckt. Mit meiner Ex war das anders. Aber beispielsweise in China waren/sind mir die Wing Chun Schulen natürlich auch viel
        wichtiger. In Wien war ich auch spaßeshalber mal in einer.

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      • MMA ist Sport. Dort „kämpfen“ Frau und Mann nach Regeln. Aus diesem Grund verlieren auch Boxer oft gegen Straßenschläger, wenn es zur Auseinandersetzung kommt.

        Solltet ihr jemals nach Los Angeles kommen, kann ich The Abbey nur empfehlen. Und klar, auch Hawkins Cheungs Wing Chun Club.

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      • Oh, danke für die beiden Tipps! 🙂
        Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas merkwürdig, aber mir fehlt beim MMA die Suche nach der inneren Ruhe/dem inneren Gleichgewicht. Das fasziniert mich so besonders an ostasiatischen Kampfkünsten. Vielleicht habe ich als Kind zu viel Karate Kid geguckt. 😉

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      • Verwechselst du immer noch Kampfsport und Kampfkunst? MMA ist ein (brutaler) Kampfsport mit Regeln, nach dem eine immer brutaler werdende Welt lechzt. Die einzige Ruhe dieser KämperInnen ist der Aufwachraum im Krankenhaus, wenn sie sich KO geschlagen haben.

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