Zur Hölle mit mir – Interview mit Herrn Teufel

Auf der Suche nach neuen Gesprächspartnern, ist mir heute eine Idee gekommen. Wer kann das Chaos auf der Welt besser erklären, als der Teufel selbst? Gut, zugegeben, ich habe es vorher schon bei Herrn Gott versucht. Aber der nächste freie Termin wäre in 5 Äonen-Jahren. Außerdem ist er zur Zeit auf der Götterkonferenz. Und diese Tagung kann noch dauern.

Kein Problem für mich, flugs wähle ich 06-666-TEUFEL und prompt meldet er sich. „Frau Dr. Landar, wie schön Sie endlich live am Telefon zu haben! Ich bin ein großer Fan ihrer Biestigkeit. Was kann ich für und gegen Sie tun?“

Bekanntlich erschüttert mich wenig auf dieser Welt. „Tachchen auch, Herr Teufel“, sage ich. „Hätten Sie vielleicht für ein Interview Zeit? Wir könnten über so vieles reden, was sie schon immer sagen wollten. Ich weiß ja, dass sie nur mit ausgesuchten Menschen sprechen.“

Herr Teufel muss nicht lange überleben. „Aber sicher doch, gnädige Frau“, schallt es mir ins japanische Ohr. „Kommen sie nur einfach die Treppe runter. Ich leben unten. Im Heizungskeller und dann rechts. Sie finden mich schon, sie werden sehen.“

Zwar bin ich furchtlos, aber naiv sind nur die anderen. Also gehe ich mit Buddhas Segen in den Keller. Und wirklich öffnet sich im Heizungskeller eine höllisch rote Tür. Ich trete ein und sehe … nichts! „Ey hömma Alder“, protestiere ich sofort. „Das hier ist aber nicht die Hölle! Komm jetzt raus und zwar sofort!“

„Die Hölle?, erklingt neben mir eine amüsierte Stimme. „Die Hölle, liebe Frau Dr., die Hölle ist in dir. Sie ist das, was du aus deinem Leben macnst. Ich bin nur der Verwalter geplatzter Träume. Schau nur genauer hin.“

Ein nackter Mann tritt neben mich, die Lippen diabolisch grinsend. „Gefällt dir, was du siehst?“ Mir fällt das Sprichwort ein, den Teufel bei den Hörnern zu packen. Oder war es nur ein Stier? In Ermangelung von Hörnern greife ich Herrn Teufel ans Gemächt. Ächzend sinkt er auf die Knie. „Das war ein fieser Trick, Karate-Chick!“

„Nö“, sage ich. „Du weißt doch, dass ich lesbisch  bin. Was musst du mich aus nackig erschrecken!“ „Als wenn du vor Männern Angst hättest“, gibt er zurück. „Lässt du mich jetzt bitte wieder los?“ Als ich meine Finger öffne, verschwindet Herr Teufel einfach so. Ein kleiner Junge tritt an seine Stelle. „Du wirst doch keine Kinder hauen?“

Klein Teufelchen führt mich in sein Spielzimmer, das einfach aus dem Nichts erscheint. XBox, Playstation, Multimedia-PC. Abgerundet von einem guten Dutzend Breitwand-Fernseher. „Damit ich euch besser beobachten kann!“ „Das also machst du den ganzen Tag?“, will ich wissen. „Klar“, sagt er. „Sonst käme ich vor Langeweile um.“

„Erzähl mir von dir, deinem Fall und …“ „Wie Fall?“, unterbricht Teufelchen mich. „Ich bin total freiwillig hier. Der Alte, also Dad, ist doch verreist. Und die Engel wollten noch nie mit mir spielen. Spießer, die sie sind! Aber die Menschen, die Menschen sind anders. Die glauben an mich und nehmen mich ernst.“

„Du bist also das personifizierte Böse?“, will ich wissen. „Der Guy, den man anruft, wenn man seine Feinde töten will.“ „Häh, was ist?“, unterbricht Teufelchen mich schon wieder. „Bist du irgendwie doof im Kopf? Ich habe noch nie wen umgebracht. Das machen die Menschen ganz allein.“

„Aber du holst dir doch ihre Seelen und lässt sie in der Hölle schmoren“, fahre ich unbeirrt mit meinem Vorwurf fort. Aber wieder schüttelt Teufelchen den Kopf. „Siehst du hier wen außer dir und mir? Die Menschen knipsen sich selbst die Lichter aus. Wenn überhaupt, so leistet mein Name Sterbehilfe.“

„Du gibst es also zu“, rufe ich triumphierend. „Und was machst du dann mit all den Seelen?“ Teufelchen seufzt und sieht plötzlich richtig traurig aus. „Die, Frau Landar, die schicke ich nach oben. Damit sie den Himmel überrennen. Das  hält die Engel auf Trab und die können nicht mehr pennen.“

Nun bin ich doch etwas verwirrt. Ein Interview mit Herrn Teufel habe ich mir anders vorgestellt. „Belügst du mich etwa?“, will ich wissen. „Mach’s und ich reiße dir die …!“ „Nee, nee“, ruft Teufelchen schnell und wird ganz blass ums Näschen. „Komm ich zeigs dir, lass uns in den Himmel gehen.“

„Wie jetzt?“, frage ich perplex. „Du kannst so einfach da nach oben?“ „Ja klar, Schwester“, grummelt Teufelchen und schaut mich frech an. „In Abwesenheit des Alten bin ich der himmlische Verwalter.“

 

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23 Kommentare zu “Zur Hölle mit mir – Interview mit Herrn Teufel

  1. Danke liebe nandalya eine Lustige Geschichte vom Teufel vor allen als sie hin ins Gemächt greift Lach.Wünsche dir auch ein schönes sonniges Wochenende lieber Gruß und Umarmung Gislinde.

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