Die Amazonen – Legende und Wirklichkeit

Wenn Mann zu Frau „Du Amazone!“ sagt, ist das meist abwertend gemeint. So gelten Lesben oft als Amazonen, da sie von Mann unabhängig sind. Zwar ist das gut, aber Kriege führen wir keine. Sieht man von dem der Worte ab. Aber ist ein Kampf die Lösung?

Amazonen gelten als wehrhafte Frauen, die Mann nur als Samenspender nutzten und in einer matriarchalen Struktur miteinander lebten. Aber ist das wirklich so? Hat es Amazonen gegeben, oder sind sie Ausgeburt männlich-dichterischer Fantasie?

Um mehr über diese sagenhaften Frauen zu lernen, müssen wir eine Zeitreise machen. Durch die Dunkelheit der Jahrhunderte und das Schweigen der Vergangenheit. Die heute dominierende Gesellschaftsform, das Patriarchat, hat es nicht immer gegeben. Einst haben Frauen das Bild der Welt bestimmt.

Schon höre ich meine männlichen Leser stöhnen. Ist es wirklich so schwer vorstellbar, dass wir das Feuer hüten? Zwar sind Männer meist körperlich stärker. Mental? Das bezweifle ich. Aber wir dürfen heutige Menschen ohnehin nicht mit denen der Urzeit vergleichen. Da war Frau viel stärker und kein verweichlichtes Ding.

Matriarchat bedeutet übersetzt nicht „Herrschaft der Mütter.“ Die Matriarchatsforscherinnen Barbara G. Walker, Claudia von Werlhof und Heide Göttner-Abendroth sagen, dass es „Am Anfang die Mütter“ heißt. Und das ist richtig gut. Auch, wenn das andere Forscherinnen wieder anders sehen. Aber so ist das mit den Meinungen. Alle haben recht.

Wie hat nun das Matriarchat funktioniert? Überwiegend gewaltfrei, ist die Antwort. Frauen lösten Konflikte anders. Sie hatten begriffen, dass Gewalt keine Lösung von Problemen ist. Gewalt, ist anders als die heutige Meinung, Menschen nicht angeboren. Zwar hat es über viele Jahre immer wieder schreckliche Kriege gegeben, aber in Friedenszeiten flogen wir zum Mond. Mit einer für den Krieg erfundenen Rakete. Männer sind manchmal komisch.

Als Kennzeichen matriarchalen Lebens gelten Anpassung an die Umwelt, ein friedliches Miteinander, Konsensfindung, Rücksichtnahme und Kreativität. Die meist Männern zugeschriebenen Eigenschaften aggressiv zu sein, kämpferisch, wettbewerbsorientiert, hierarchisch, wortkarg, sind nicht angeboren.

Die Matriarchatsforscherin und Autorin Irene Fleiss, hat es anders ausgedrückt.Frauen, wie auch Männer, werden in unserer heutigen Kultur einer Gehirnwäsche unterzogen und nach dem Willen des Patriarchats geformt.“ So einfach ist das. Und alle marschieren mit.

Alle? Nein! Einige wenige Volksgruppen, haben sich eine Art von Unabhängigkeit bewahrt. Wie die Mosuo in Südchina. Dort lebt man miteinander. Friedlich. In der von Männern geprägten Wissenschaft kommt das Matriarchat weniger gut an. Es wird gern als „utopischer Urzustand der Gesellschaft“ oder abwertend als „rückschrittliche Kulturstufe“ gedeutet. (Quelle Wikipedia)

Es ist klar zu sehen, dass Männer Angst vor starken Frauen haben. Speziell vor Lesben, die sie nicht sexuell dominieren. Kritische Frauen werden daher gern lächerlich gemacht, um alte Pfründe zu sichern. Und die Frauchen laufen wieder mit.

Die heutzutage gern zitierte Genderkrise, sehe ich als Chance für die Welt. Männer müssen wieder erkennen, dass sie nicht Maß aller Dinge sind. Und Frauen sollten die Unterschiede von Matriarchat und patriarchalen Weibchen verstehen. Denn das sind die meisten heute.

Böse Nandalya, höre ich sofort. Wie kannst du nur! Glaubst du, du bist besser? Auch ich bin ein Produkt des Patriarchats, das vermag ich kaum zu leugnen. Aber ein Weibchen war ich nie. Nur eine rebellische Tochter und eine stets selbstbewusste Frau. Eine Amazone im klassischen Sinn. Das hat mein Vater längst erkannt. Aber er hat mich niemals zum kämpfen animiert. Das war allein meine Idee. Meine Reaktion, auf die Aggression von Mann.

Womit ich den Bogen von der „Großen Mutter“, zu den kämpferischen Schwestern schlage. Ich denke, dass Amazonen existierten. Lesbisch werden die wenigsten gewesen sein. Aber frei, um zu entscheiden, wie sie lebten und mit wem. Vermutlich sind Amazonen die Antwort auf das sich ausbreitende Patriarchat. Der letzte Versuch von Frauen, die Unabhängigkeit zu bewahren.

Jene Kriegerinnen, die für und mit Männern für deren Reiche kämpften, wie die germanischen und keltischen Frauen, haben mit Amazonen nichts zu tun. Frau hat sich untergeordnet und ihre wahre Kraft vergessen. Sie ist die Mutter, das Leben. Frauen bringen keinen Tod. Aber das Wissen von Frauen um Geburt und Fruchtbarkeit, war vielen Männern suspekt. Als Teufelswerk verdammt, haben sie Wissen und Frauen verbrannt.

Die Legende der „brutalen“ Amazonen dürfte der Versuch von Männern gewesen sein, die noch bestehenden Matriarchate, zu diskreditieren. Was leider gelungen ist. Ebenso die Verleugnung ihrer Existenz. Eine Frau als „Chefin?“ Das darf es niemals geben! Ich finde es schade, dass Frau sich aufgegeben hatte und erst langsam ihr alter Geist erwacht. Immer mehr Mädchen und Frauen stehen für ihre Rechte auf. Und das ist gut.

Über die Jahrhunderte haben wir aus zweiter Reihe, das Schicksal der Menschheit mitbestimmt. Und gelitten. Sinnlose Kriege haben alte Männer geführt. Und die Jugend der Welt ist verblutet. Die bedeutende Matriarchatsforscherin Gerda Weiler hat einmal gesagt „Nur wenn Frauen im Zentrum stehen und alle politischen Entscheidungen von weiblichen Lebenszusammenhängen bestimmt werden, kann die Zukunft der Menschheit am Leben orientiert sein, statt an Gewalt, Macht und Krieg.“

Wirkliche matriarchale Macht, wenn wir davon überhaupt sprechen können, funktioniert anders, als patriarchale Strukturen. Sie niemals autoritär, sondern partnerschaftlich. Selbst heute noch suchen Frauen meist nach einer Lösung bei Konflikten, die allen gerecht werden kann. Männer bestimmen. Punkt.

Frauen in matriarchalen Gesellschaften, hatten eine natürliche Autorität, die auf Vertrauen, Kompetenz und Integrationsfähigkeit beruhte. Männer, im aufkommden Patriarchat, lehnten diese Autorität gern ab,  es hat sie oft nur der Körper von Frauen interessiert. Falsch angewandte Religion, Lügen und Hass, haben Frau in eine Rolle gedrängt, die sie nie besetzen sollte.

Männer, leider auch Frauen, haben oft ein völlig falsches Bild von matriarchalen Strukturen. Vermutlich geprägt von Büchern, oder Filmen, die Mann als (Lust)Sklaven zeigen. So reizvoll der Gedanke für manche sein mag, mit dem Matriarchat hat das nichts zu tun. Hier gab es ein Miteinander. Und das war gut.

Selbst ich habe wenig Probleme mit Männern, die auf meiner Wellenlänge sind. Wolf und seine Crew (Die Ingenieure der Tuning-Firma), um nur ein Beispiel zu nennen. Wir arbeiten und entwickeln gemeinsam. Als Team. Und meine Meinung zählt.

„Wie kannst du (als Lesbe) dir anmaßen solche Aussagen zu machen“, wird Frau mich fragen. „Wie kannst du für alle Frauen sprechen!“ Ich kann, liebe Schwestern. Und ich werde. Weil ich erkannt habe, was und wer ich bin. Aktiv, kreativ, stark und unabhängig. Und kein Anhängsel von Mann.

Die Amazonen mögen nun Geschichte sein. Vieles, was wir über sie wissen, ist erfunden. Aber in einigen Frauen lebt ihr Geist noch immer. Wir kämpfen. Weil wir müssen. Es liegt in unserer Natur. Für eine bessere Welt, in der wir wieder alle Schwestern (und Brüder) sind (Zitat Irene Fleiss).

 

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10 Kommentare zu “Die Amazonen – Legende und Wirklichkeit

  1. Ich denke auch, in jeder Frau steckt dieser Amazonengeist – deinem letzten Absatz schließ ich mich sofort an, ob mit oder ohne Liane!

  2. Auch wenn ich dir grundsätzlich zustimme, fällt mir doch auf, dass das Matriachat als Ideal dargestellt wird. Auch wenn Frauen im allgemeinen vl. einfühlsamer sind – auch zB. in leitenden Positionen – so muss das nicht für jedes Individuum zutreffen. Es gibt eine Reihe von subtiler Gewalt, welche ich besonders von Frauen untereinander beobachte.
    Nur mal so als Relativierung.
    MfG toe

    • Das ursprüngliche Matriarchat war vor langer Zeit ein Ideal. Es gab soweit man weiß keine Herrscherin, Männer waren gleichberechtigt, erkannten aber die „Große Mutter“ an. Du sprichst von patriarchalen Weibchen, die ihren Ursprung vergessen haben. Frauen von damals und und heute kannst du nicht vergleichen. Auch nicht den Mann von heute, mit dem vor vielen Jahren. Nur mal so zur Relativierung.

  3. Matriarchat – Patriarchat: Ich glaube nicht, dass das eine besser als das andere ist. Frauen friedlicher, kooperativer als Männer? Nein, auch das glaube ich nicht. Auch unter Frauen gibt es Neid, Gier und Konkurrenzdenken. Ich glaube nicht, dass die Welt besser wäre, wenn Frauen regieren.
    Menschen als gleichwertig (!) zu betrachten, egal ob Mann oder Frau, schwul oder lesbisch, Afrikaner oder Chinese, schwach oder stark, das ist wichtig.
    Übrigens hat man entdeckt, dass manch ein Krieger der Terrakotta-Armee anscheinend weiblich war. Vor allem in der „kleinen“ Terrakotta-Armee des Han Yangling-Grabes in Xi’an (ca. 2100 Jahre alte) gab es bis zu 30% weibliche Krieger.
    LG
    Ulrike

    • Erinnere dich an meine Bemerkung vor einigen Tagen, als ich die „Kriegsdenkmäler“ angesprochen habe. Diese Verherrlichung männlicher Gewalt, ist Ausdruck des Patriarchats.
      Leider machst du, wie die meisten Menschen, den Fehler und betrachtest die Welt nur aus der Sicht der heutigen Zeit. Auch du – und ich – sind unter dem Einfluss des Patriarchats aufgewachsen. Wir kennen es nicht anders. Wobei ich mich stets gegen Mann aufgelehnt habe und ihn nicht als Maß aller Dinge sehe.
      Was du ansprichst, jene Kriegerinnen, sind vermutlich „Amazonen“ gewesen. Also genau die Frauen, um die es in meinem Artikel geht. Wobei diese Kriegerinnen bereits für Mann kämpften und ihre eigene Lebensweise aufgegeben haben. Und die war friedlich. Streit, Zickenkrieg, mag es schon damals gegeben haben. Aber die Mütter haben das für alle geregelt. Die Gewalt kam erst später ins Spiel. Auch bei Männern. Wusstest du, dass es im alten Japan keine wirklichen Kriege gab? Die alten Samurai, um ein Beispiel zu nennen, führten eine Art Ritualkampf gegeneinander. Wenn sich zwei Fürsten nicht grün waren, haben sie zwar ihre Armee aufgeboten, aber der jeweils beste Samurai hat dann den des anderes Fürsten herausgefordert. Wer gewann, der gewann auch den „Krieg.“ Ob es dabei bis zum Tod ging ist umstritten. Bei den Indianern z. B. reichte es bei solchen Kämpfen, den anderen zu berühren. Wann das alles kippte und warum, das weiß ich leider nicht. Aber das Schlachten ganzer Völker gab es in der Urzeit nicht.

      • Da kann ich Dir nicht zustimmen. Das Matriarchat zu idealisieren ist in meinen Augen falsch. Früher gab es nur weniger Menschen, so dass schon deswegen kaum Massenschlachten gegeben haben dürfte. Und: wo setzt Du die „Urzeit“ an? Es gab auch früher schon wirklich heftige Kriege (Troja oder die Schlachten der Pharaonen gegen die Hethiter). Auch hat man mittlerweile Massengräber aus der Steinzeit gefunden, deren Skelette fürchterliche Wunden vorweisen. Opfer eines Krieges? Vielleicht gab es in der Steinzeit einfach nicht so viele Menschen, so dass heftige Kriege/Kämpfe eher selten „notwendig“ wurden. Zu den Indianern der Vorzeit: http://www.ancient-origins.net/news-history-archaeology/sacrifice-victims-cahokia-were-locals-not-foreign-captives-003685
        Zur Steinzeit als Beispiel: http://www.welt.de/geschichte/article145318008/Gefoltert-erschlagen-in-die-Grube-geworfen.html

      • Es ist interessant, wie du dich gegen den Begriff Matriarchat wehrst. Viele Frauen machen das. Warum will ich gern erklären. Moderne EuropäerInnen (JapanerInnen auch) denken und sprechen stets in patriarchalen Konversationen. Alles, was sie über die Vergangenheit zu wissen glauben, haben männliche Sieger diktiert. Es scheint für heute lebende Menschen unvorstellbar schwer zu sein, eine Kultur, die sich grundlegend von unserer Kultur unterscheidet, in ihren eigenen Bestimmungsmerkmalen zu verstehen.

        Die Vorstellung, dass der Männerherrschaft eine Frauenherrschaft oder „Herrschaft der Mütter“ vorausging, wurde im Zeitalter des Evolutionismus vertreten. Und wer hat das bestimmt? Männer, die diese Vorstellung nicht ertragen konnten. Die Irokesen in den USA und Kanada, die Navajo in New Mexiko, die Hopi in Arizona, haben niemals unter dem Matriarchat gelebt. Das wird gern verwechselt. Man spricht dort von Matrilinearität und Matrilokalität. Das ist etwas anderes.

        Du bewegst dich immer wieder auf patriarchalem Terrain und führst die Kriege von Männern gegen Männer an. Siehe weiter oben. Den Artikel über das Steinzeit-Massaker kenne ich. Was beweist er? Dass es Gewalt doch schon immer gab? Dass Frauen niemals „herrschten?“ Niemand weiß, was damals geschah und warum. Es wird spekuliert. Auch, weil es kaum noch Hinweise auf das Matriarchat gibt. Dafür hat Mann gesorgt. Oder was glaubst du warum Frauen im Mittelalter verbrannt worden sind.

        Ich habe versucht zu erklären, was Matriarchat bedeutet. Es war niemals eine „Herrschaft der Frauen.“ Männer herrschen, dominieren, töten. Frauen im Matriarchat führten keine Kriege. Die späteren Amazonen schon. Aber die taten das, um zu überleben. Und schon unter dem Einfluss von Mann. Und zum Teil ist das einfach nur erfunden. Schauen wir zurück, auf 2000 Jahre Krieg, von dem wir wissen. Auf Gewalt gegen Frauen. Wäre da das friedliche Matriarchat nicht um Welten besser gewesen?

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