Abenteuer Japan – Teil 5: Die Shanghai Connection

China stand schon immer auf meiner Reiseliste. Hongkong und Macao sollten es sein. Der Zufall und die Familie haben anders entschieden. Wir stehen plötzlich in Shanghai. China ist von Fukuoka aus nicht weit. Knapp 900 Kilometer trennen uns. Ja, so nahe können sich alte Feinde sein.

Japaner benötigen zur Einreise nach China kein Visum. Zumindest wenn sie einen Reisepass haben und Touristen sind. Und Japanerinnen sind wir wieder. Die Stempel in den Pässen sind noch frisch. Eine Cousine von Yuki arbeitet in Shanghai. Sie hat uns eingeladen in ein Land, das fremd und doch vertraut erscheint.

Interessiert lese ich die Kanji. Die meisten können wir entziffern. Und Cousine Miri spricht Mandarin. Oder das, was man in Shanghai dafür hält. Der Dialekt ist völlig unverständlich für mich. Dabei habe ich wirklich geübt! Miri hat sich frei genommen, um uns die Stadt zu zeigen. Sie und Yuki haben sich einige Jahre nicht gesehen.

Miri lebt seit fast 10 Jahren in der Stadt. Sie ist 39 und sieht doch noch wie ein Teenager aus. Gute Gene eben. Ihr chinesicher Mann heißt Tony, ist völlig verrückt nach ihr und will noch 5 Kinder, sagt er. Auf Japanisch und lacht dabei verschmitzt. Die beiden haben 2 süße Töchter, die beide Sprachen fließend sprechen.

China, ich tauche ein in das Land, aus dem Japan so viel übernommn hat. Aber Shanghai ist nicht typisch China, das war diese Stadt noch nie. „Peking, was ist das? Habe ich schon gehört“, sagt Tony und schlägt damit in die gleiche Kerbe, wie die meisten Einwohner von Shanghai. Die Interessiert herzlich wenig, was man in der Hauptstadt so entscheidet. In Shanghai macht man was man will. Auf die ganz eigene Art.

Tony ist Börsenmakler und sehr erfolgreich in seinem Job. Miri Grafikerin. Die beiden haben eine riesige Eigentumswohnung in der es sogar ein Gästezimmer gibt. „Ihr könnt unmöglich im Hotel schlafen!“, sagt Miri und wir akzeptieren. Ich mag Tony, er ist kein Macho und völlig in seine 3 Frauen vernarrt. Dass wir lesbisch sind stört ihn wenig. „Mein bester Freund ist schwul“, sagt er lapidar. „Und wir kennen uns seit Kindertagen.“

Miri zeigt uns ihr Shanghai. Angefangen vom Huaihai Park bis zum Oriental Pearl Tower. Und auch den Century Park in Pudong nehmen wir noch mit. Dazwischen liegt das Einkaufscenter, Restaurants, die ganze Stadt.

Wir treiben durch ein buntes Leben, das fast schon ein Mix der Kulturen ist. China trifft den Rest der Welt, der Westen scheint überall präsent zu sein. Fasziniert lassen wir die Eindrücke wirken. Shanghai gefällt mir ganz spontan.

Im Park treffen wir auf Menschen, die Tai Chi praktizieren. Ich erkenne die Form, ich habe sie einst auch gelernt. Unwillkürlich mache ich mit und werde von dem freundlichen Sifu sofort eingeladen. Der Mann muss gute 80, wenn nicht älter sein. „Kommen Sie bitte!“, ruft er auf Japanisch. „Seien Sie unser Gast.“

Herr Huang hat absolut keinen Hass auf Japaner. Obwohl er den Krieg als Kind miterlebt haben muss. „Das ist alles so lange her“, sagt er, als ich ihn frage, wie er heute Japan sieht. „Schauen Sie nur, wir sind doch alle Brüder. Tai Chi vereint uns wieder.“ Und da hat er recht. Er hat lange in Japan gelebt und kann viele Geschichten erzählen. Wir hören gern zu, dann muss er leider gehen.

Ich bin nicht nur zum Spaß in China. Nur müssen das die Behörden kaum erfahren. Das Objekt der Begierde erweist sich schnell als Windei schräger Spekulanten. Ein Check der Zahlen und ich bin weg. Wir bleiben einige Tage bei Miri und Mann, die unseren Besuch sichtlich genießen. Wie Deutschland ist wollen sie gern wissen. Daher laden wir sie ein.

Zum Abschluß der Reise versucht ein Taschendieb am Flughafen sein Glück. Er greift Yukis Handtasche und rennt gegen einen Sicherheitsmann, der nicht lange fackelt. Bevor ich eingreifen kann gibt es einen perfekten Haken. Der Täter fällt, alles ist gut. Miri und Tony danken dem Chinesen überschwänglich, der noch einige Zentimeter wächst und den Burschen in Gewahrsam nimmt. Diese für Deutschland untypische Gewalt, ist in Asien Normalität. Ein Menschenleben zählt dort wenig.

Im vorerst letzten Teil, wird es um harte und weiche Dinge gehen. Und um Tradition.

 

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4 Kommentare zu “Abenteuer Japan – Teil 5: Die Shanghai Connection

    • Der Plan „China“ stand bereits seit Wochen fest. Aber wir wollten nichts verraten. Ja, ich glaube an diese Freundschaft der Nationen, der Menschen. Für mich sind Chinesen keine Gefahr. Und die Vergangenheit war gestern. Ich schaue nach vorn. Danke auch dir fürs lesen! 🙂

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