Abenteuer Japan – Teil 2: Mission Liebe

Der Himmel über uns ist offen. Im gemieteten Cabrio geht es weiter von Tokio nach Kamakura. Weniger, um dort die Tempel und den großen Buddha zu sehen. Sonne und Meer liegen uns im Sinn. Schon sehe ich empörte Blicke. Wie kannst du nur, Mayumi!

Ich kann, will und werde. JapanerInnen haben ihre eigene Form der Gläubigkeit. Da wird gern Shintoismus und Buddhismus gemixt. Und christliche Feste finden wir sowieso cool. Also Herrn (Coca Cola) Weihnachtsmann. Den Osterhasen haben sie bekanntlich schon vor Jahren (in Österreich) totgefahren.

Das Hotel haben wir bereits von Deutschland aus gebucht. Besser ist das, es herrscht Hochsaison. Aber Strandmiezen waren wir noch nie. 2 Tage Meer und es geht weiter. Aber in diesen beiden Tagen haben wir viel Spaß. Wie albern wie Teenager umher und am Abend machen wir Sport.

Ja, Mayumi Sensei ohne Karate geht so mal überhaupt nicht. Wir finden eine kleine Kickbox-Schule, die auch Gäste akzeptiert. Die Truppe ist nett und westlich aufgeschlossen. „Gudden Tack!“, werde ich von einem Schüler begrüßt, der sein im Internet erlerntes Deutsch versucht.

Auch in Japan mache ich kein Hehl aus unserer Beziehung und stelle Yuki immer als meine Frau vor. Das sorgt oft für konsternierte Blicke. Dem Sensei ist es völlig egal. Eher die Ausnahme, als die Regel. Ein Mädel schaut sehr interessiert. Eigentlich ist Itoe 35 und ebenfalls in eine Frau verliebt. Aber sie hat auch einen Ehemann. Aus Vernunft, wie sie es formuliert.

Wir erfahren das nach dem Sport, als wir zusammen Essen gehen. Die japanische Wirklichkeit kann hart für Homosexuelle sein. „Ich weiß es seit ich ein Mädchen bin“, erzählt uns Itoe. Aber die Menschen können so grausam sein. Ich wollte meinen Eltern kene Schande machen und haben einen Mann akzeptiert.“

„Weiß er davon?“, will ich wissen und Itoe verneint. „Er würde mich erschlagen“, flüstert sie. „Bist du deshalb zum Kickboxen gekommen?“, will ich wissen, obwohl ich die Antwort bereits weiß. Sie nickt und es ist Angst in ihren Augen. „Hab keine Angst“, sage ich zu ihr. „Dir wird kein Leid geschehen.“

Ich tauche einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. Nein, ich werde keine Ehemänner prügeln. Aber den Frauen helfen. Und prompt habe ich einen Plan. „Hast du den Flyer vom Pub aus Tokio noch?“, frage ich Yuki. Sie strahlt, sie hatte die gleiche Idee.

Wir treffen Itoe und Yuri am nächsten Abend. Die beiden sind süß und fürchterlich verlegen. Aber sie lieben sich, das kann ich deutlich sehen. Auch Yuri hat einen Ehemann. Aber das kann so nicht weitergehen. Wir haben mit Tokio telefoniert. Korea, als Retter in der Not. Und nein, das ist kein Fehler im Text.

Die beiden koreanischen Mädels werden für Unterkunft und Anonymität sorgen. Frau hilft sich, wenn sie es kann. Itoe und Yuri lieben sich seit einigen Jahren. Immer heimlich, immer in Angst. Japan ist komisch, wenn es um Lesben geht. Werden schwule Männer einigermaßen toleriert, ignoriert man lesbische Frauen einfach.

Frau hat in Japan Hete zu sein und Kinder zu gebären. Und ansonsten gehorsam gegenüber dem Ehemann zu sein. So zumindest das altvordere Denken einer ganzen Schicht. Aber immer mehr Frauen wehren sich. Zaghaft noch, aber der Widerstand wächst.

Ich ermuntere Itoe und Yuri nach Tokio zu gehen. Der Plan gemeinsam wegzulaufen ist schon lange gereift. Sie haben Angst und sind doch voll Hoffnung, als sie uns in die Augen sehen. Um vorzugreifen: es hat funktioniert und wir haben neue Freundinnen gewonnen. Ja, 2 Ehemänner blieben verlassen zurück. Aber so ist es für alle Seiten besser.

Zur Liebe gehört auch Glück. Und eine Mayumi, die jede „Mission Liebe“ possible macht. Hat Elfchen gesagt! Und mich (mit Küssen) gezwungen, das zu schreiben. Und wer kann dieser Süßen schon widerstehen?

Im dritten Teil treffen wir auf den Buddha, der ziemlich schwergewichtig ist.

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10 Kommentare zu “Abenteuer Japan – Teil 2: Mission Liebe

  1. Inzwischen solltest du doch gelernt haben, deiner Elfe nicht zu widersprechen 😛

    Ich freu mich für die beiden. Schade, dass es so lang dauern und so mühsam sein musste, bis sie miteinander glücklich werden konnten – aber schön, dass sie es jetzt geschafft haben 🙂 Die Ehemänner werden sicher auf andere Weise ihren Weg finden. Hoffentlich ohne dafür jemanden zu bedrohen 😦 Dass Itoe Angst vor ihrem eigenen Mann haben musste, ist nicht in Ordnung. Hoffentlich sieht er das ein. Dann hat er auch eine Chance auf eine neue Ehe, die auf Ehrlichkeit statt auf Angst beruht.

    Den beiden Damen wünsche ich jedenfalls weiterhin viel Glück 🙂

    • Wie realistisch ihre Angst war, ist schwer zu sagen. Oft entsteht sie nur im Kopf. Aber Homosexuelle in Japan schämen sich oft, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen. Sie sind dann eine Schande für die Familie. Und es gibt immer wieder Fälle, die in Schlägen enden. Das konnten wir hoffentlich verhindern.
      Wir halten losen Kontakt mit den beiden. Momentan ist alles noch fremd und neu. Auch Tokio, das aber für sie die vermutliche Chance ist.
      Und wohl widerspreche ich Elfchen! 😛 Es macht nur ziemlich wenig Sinn.

  2. Ooooh, da macht man mal Blogpause und verpasst gleich, dass du im Urlaub mal eben das Leben anderer Menschen dramatisch verschönert (oder „befreit“?) und die Vorlage für mindestens einen Kinofilm geliefert hast! 😀

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