Abenteuer Japan – Teil 1: Der Tokio Deal

Wenn Menschen Urlaub machen, packen sie gern Sonnencreme und Bikinis ein. Wir reisen anders. In Tokio selbst gibt es keinen Strand. Bei der Tante sind wir nur 2 Tage, dann geht die Reise weiter. Per Flugzeug versteht sich. Mit dem Auto sind 1.000 Kilometer viel zu weit.

Der Grund? Neugier, aber auch Business. Ich vertrete meinen Vater bei einer Transaktion, die uns ein gutes Einkommen bringt. Überhaupt hat er mir Vollmacht für seine Geschäfte übertragen. „Ich ziehe mich davon zurück“, erklärt er mir. „Du wirst Oberhaupt der Familie werden. Ich nur ein Sensei und so ist es gut.“

Schon allein dieser Satz sorgt für einen Lachanfall bei mir. Humor made by Papa. Selbst meine Mama schmunzelt. Meine Eltern werden länger in Japan bleiben. Sogar an eine völlige Rückkehr wird gedacht. Aber Deutschland ohne meinen Vater? Das kann nur daneben sein.

Von den Flügen gibt es wenig zu berichten. Stewards und Stewardessen waren vor mir sicher. Ich war so brav, wie Yuki neben mir. Tokio ist toll, es ist mein zweiter Besuch in dieser Stadt. Quirliges Leben und JapanerInnen satt. Wenige Touristen stechen aus der Menge hervor. Wir tauchen ein und schwimmen mit. Kann man als Japanerin eine Fremde sein?

Ein Taxi bringt uns zur Nobeladresse. Nun wird es ernst. Leben, wie ich es mag. Yuki ist aufgeregt. Sie spielt die Assistentin. Chic im sündhaft teuren Kleid, der Hosenanzug steht mir besser. Ein älterer Herr erwartet uns. Umgeben von einem halben Dutzend Typen. Anwälte, Schleimer, ein Bodyguard.

Mein Vater hat mich vor Herrn Haruno (Name geändert) gewarnt. „Er ist ein Schlitzohr, das zu handeln versteht“, hat er gesagt. Aber (ver)handeln kann ich gut, das liegt in meinen Genen. Und ich kann sehr überzeugend sein.

Förmlichkeiten und Etikette bestimmen das Treffen. Es wird Tee gereicht und vom Wetter gesprochen. Nur ernst nimmt mich der alte Knabe nicht. Sein Fehler. Malen nach Zahlen kann ich besser. Sein Angebot ist versuchter Raub. Prompt erhöhe ich die Summe.

Ich schockiere die Runde mit der Zahl, eisiges Schweigen folgt als Antwort darauf. Verwirrt blättern die Männer in den Papieren. Das Biest hat (k)eine falsche Zahl genannt. Wir feilschen wie Pferdehändler auf dem Markt im Mittelalter. Es macht mir Spaß die Typen vorzuführen.

Yuki ist sehr still, sie fühlt sich unwohl in der Runde. Ich trumpfe auf und werde immer besser. Das ist mein Spiel, BWL gemixt mit Persönlichkeit. Aber der graue Mann will eigensinnig bleiben. Kalte Augen mustern mich. Eine Spur von Wut kann ich in darin lesen. Er beherrscht sich, aber auch das kann ich gut.

„Vielleicht rede ich doch besser mit Ihrem Vater“, sagt er und fixiert mich dabei. „Von Mann zu Mann spricht es sich viel besser.“ Die Beleidigung prallt an mir ab, ich schenke dem Rüpel ein zuckersüßes Lächeln. Das verwirrt jeden Mann.

„Ich werde ihm berichten“, sage ich und stehe auf. „Genießen Sie den Tag.“ Meine Worte sitzen, die Botschaft ist angekommen. Ich nicke Yuki zu und langsam gehen wir zur Tür. Taktik, wie ich sie liebe. Auf halbem weg erreicht mich eine Stimme. „So warten Sie doch!“, holen mich Worte zurück. Ein Anwalt wedelt mit Papieren. „Wir akzeptieren!“

Ich unterzeichne. Alles ist gut, der Deal ein Erfolg. „Sie sind die Tochter Ihres Vaters“, gibt mir Herr Haruno zum Abschied mit. Und das bin ich, sonnenklar. Kopfschüttelnd und lachend hängt Yuki in meinem Arm, als wir wieder durch die Straßen gehen. „Wie hast du das nur gemacht?“, will sie wissen. „Ich dachte die fressen uns jeden Moment!“

„Na ja“, erwidere ich. „Niemand, der weiter Geschäfte machen will, mag Ärger mit meinem Papa haben. Auch ein Herr Haruno nicht. Das habe ich ihm zu verstehen gegeben. Er hätte viel Geld verloren, wenn er heute nicht unterzeichnet hätte. Das wusste er und doch hat er den Preis zu drücken versucht.“

„Ich bin dafür, dass du mich jetzt drückst“, sagt Elfchen frech und gibt mir einen Kuss. „Damit unser Urlaub ein echtes Abenteuer wird.“ Und genau das habe ich gemacht.

Der Rest des Artikels ist mein Posting vom Montag. Auf Details verzichte ich. Im zweiten Teil geht es ans Meer. Oben ohne versteht sich … im Cabriolet. Was habt ihr denn nun gedacht?

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13 Kommentare zu “Abenteuer Japan – Teil 1: Der Tokio Deal

    • Dankeschön! Magst du dann vorher noch Unterricht bei mir nehmen? 😉
      Aber wenn du Land und Leute kennenlernen willst, mach es! Natürlich wirst du als Touristin nur einen vagen Eindruck von Japan bekommen. Aber wenn es dir gelingt, das Land zu spüren, die Einzigartigkeit, wird dir diese Reise viel bringen. Und das ist möglich. Also Finger weg von „Guided Tours“, Finger weg von Klischees. Japan abseits des Mainstreams ist ehrlich. Nur nicht immer beim Lächeln. Aber das hast du bestimmt gewusst.

      • lach, ich befürchte, Japanisch werde ich in diesem Leben nicht mehr lernen 😀
        Geht das denn, Japan auf eigene Faust im Mietwagen? Ich erkunde am liebsten Land und Leute ohne Gruppe mit dem Motorrad oder Auto, bin bei mir Japan jedoch unsicher, ob das eine schlaue Idee ist…LG Annette

      • Klar geht das, warum auch nicht? Etwas Japanisch – Reiseführer lassen grüßen – und du kommst klar. Japaner sind Fremden gegenüber sehr tolerant und hilfsbereit. Sie erwarten nicht, dass du Japanisch kannst. Einzig den Linksverkehr wirst du zu Beginn spaßig finden. Aber nach einem Tag ist auch das normal. Mit dem Motorrad ist das noch einfacher. Du solltest aber nicht unbedingt in der Regensaison, aber auch nicht im Hochsommer reisen. Beides ist unschön.

      • klingt sehr gut. Linksverkehr ist kein Problem, den habe ich schon häufiger fahrend erlebt. Zuhaus ist es dann immer beim ersten Fahren lustig 🙂
        Was wäre aus Deiner Sicht eine gute Reisezeit?

      • Japan hat verschiedene Klimazonen. Das reicht von tropisch, bis zur eisigen Kälte im Winter. Du solltest dir vorher klar sein wohin genau du möchtest. Auf der Hauptinsel – Tokio, Kyoto, Hiroshima Route -, gehs du als Deutsche im Sommer ein 😀 Da empfehle ich dann doch den Frühling, oder Herbst. Hokkaido hat kurze Sommer, die weniger heiß sind. In Okinawa ist sowieso alles etwas anders. Und im nördlichen Japan ist es in höher gelegenen Regionen im Sommer auch nicht so heiß. Wo genau liegen deine Interessen? Tempel besichtigen, Badeurlaub? Auch Skifahren kannst du in Japans Winter. Und zwar richtig gut.

    • Ja und nein. Herr Haruno hat (s)ein Spiel gespielt. Aber mit unfairen Mitteln. Im Normalfall sollte bei Geschäften niemand sein Gesicht verlieren. Das ist durchaus gelungen. 😉

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