Auslaufmodell Ehe

Dieser Artikel ist nach dem Kommentar einer Leserin entstanden, die sich über die konservative Haltung gleichgeschlechtlicher Paare wunderte, wenn es um die Ehe geht. Und wirklich, hat die Ehe an Bedeutung verloren. Aber was ist die Ehe überhaupt, wer hat sie erfunden?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ehe zunächst eine Art Friedens- und Bündnisvertrag zwischen Sippen war. Sie verband unterschiedliche Clans oder Familien und sicherte so beiderseitiges Überleben. Promimente Beispiele sind die miteinander verwandten Königshäuser auf der Welt. So hat man (noch mehr) Kriege verhindert.

Mit dem aufkommenden Christentum und dem immer stärkeren Einfluss der katholischen Kirche, hat die Ehe eine andere Bedeutung bekommen. Plötzlich standen Monogamie, Unauflöslichkeit und der eigentliche Zweck der Ehe, die Zeugung von Kindern im Vordergrund.

„Bis dass der Tod euch scheidet“, ist keine romantische Liebeserklärung. Auch dieser Spruch stammt von der Kirche, die ihn mal eben so erfunden hat. Die Ehe war nun der kirchlichen Gerichtsbarkeit unterstellt. Frauen blieben Mittel zum Zweck, um die Erbfolge zu sichern.

Seit dem 12. Jahrhundert gibt es das kirchliche Eherechtsmonopol. Damit setzte sich die christliche Heirat gegen lokale Traditionen durch. Eine schöne Umschreibung für Heiden, die es immer weniger gab. Gleichzeitig wandelte sich das Gesicht der Ehe. Ihr Fokus lag auf der Zweierbeziehung zwischen den Eheleuten und nicht mehr auf der Beziehung zum Clan.

Mit Liebe hatte diese Ehe wenig zu tun. Liebe und Sexualität, waren außereheliche Angelegenheiten. Erst die Romantik und das aufkommende Bürgertum des 18. Jahrhunderts, haben die Liebesehe erschaffen. Womit ich einen Bogen zu meinem Artikel der Gleichberechtigung von Frauen schlage. Die Zwangsheirat wich langsam der Liebesehe. Auch das ist Fakt.

Als Niedergang der Ehe kann die sexuelle Revolution im späten 20. Jahrhundert angesehen werden. Außereheliche Lebensgemeinschaften standen nun im Vordergrund. In Deutschland nimmt die Zahl der Scheidungen zu, bei gleichzeitig immer weniger Eheschließungen. Hat die Ehe ausgedient?

Vielleicht hat sie das. Wenn es da nicht ein kleines Häuflein regenbogenbunter Menschen gäbe, das gegen diesen Trend marschiert. Vehement kämpft die LGBT-Gemeinde für die Gleichstellung der Ehe und erringt Sieg um Sieg. Gleichzeitig sind viele lesbische Frauen überzeugte Feministinnen, die für Frauenrechte kämpfen. Ein widerspruch?

Immerhin hat die Gesellschaft lange von einer Frau erwartet, dass sie verheiratet war, Kinder hatte und dem Ehegatten treu. Kuckuckskinder haben doch immer nur die anderen. Warum also nun machen Homosexuelle diesen Schritt zurück? Die Antwort ist einfach und auch wieder nicht.

Die Gleichstellung der Ehe gilt uns als Signal für Anerkennung. Endlich werden wir nicht mehr ausgegrenzt. Kein Gott hat jemals verlangt, dass Frauen nur Männer heiraten. Die Ehe ist aber auch eine Art von offenem Protest gegen eine noch immer homophobe Gesellschaft. Wir zeigen Flagge! Wir sind wie ihr! Wir können auch heiraten!

Auch, wenn es nach dem Gesetz nur eine eingetragene Lebensgemeinschaft ist, so bleibt Yuki doch was sie schon immer ist: meine Frau! Und sie ist kein Auslaufmodell. Liebe und Yuki, ist das gleiche Wort. Und wenn in einigen Jahren die Gleichstellung der Ehe kommt, werde ich meine Elfe noch einmal heiraten. Und so ist es gut.

30 Kommentare zu “Auslaufmodell Ehe

  1. @ stefanini: Die Liebesheirat hat nicht zum Ende der Ehe geführt, weil die Liebe kommt und geht, sondern weil die Ehe vorher ein formelles oder informelles Arrangement war. Solange die Bestandteil des Arrangements eingehalten worden sind, hatte die Beziehung insgesamt bestand. Durch die Liebesheirat trat das Arrangement in den Hintergrund.

    @ Mayumi: Ich bin mir unsicher, ob deine Auffassung, dass die katholische Kirche die Ehe erst geschaffen hat, zutreffend ist. Ich denke vielmehr, dass die katholische Kirche die schon vorher bestehende Ehe aufgegriffen und in ihrem Sinne strukturiert hat. Das katholische Argument greift meines Erachtens nicht, da die Strukturen der Ehe in nichtkatholischen Gegenden doch ziemlich ähnlich mit denen in katholisch geprägten Gegenden sind.

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  2. Klar soll man seinen geliebten Partner heiraten dürfen, egal, welches Geschlecht wer hat. Was man von der Ehe hält, das mag jeder für sich entscheiden, ob als Liebesbund schlechthin, Steuervorteilsergatterung oder altmodische Überflüssigkeit. Aber das Recht auf eine Ehe muss jeder haben dürfen – ebenso wie das Recht auf Scheidung!

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      • Ich kenne eine Frau in Urheimat, die trotz rechtskräftiger Scheidung bis heute von ihrem kath. Pastor mit dem Ehenamen angesprochen wird. Weil halt.
        Wer starre Regeln und eingefrorene Gesetze über Nächstenliebe, Freundlichkeit und Menschlichkeit stellt, der hat weder Gott, novh die Bibel oder das Christentum verstanden.

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      • Selbst schuld, sag ich nur. Aber die Zeiten werden sich bald ändern, auf jeden faschistischen, engstirnigen Homophoben kommen viele nette, intelligente, mitfühlende Menschen. Irgendwann wird der Wandel dann auch hoffentlich die Kirchoberen erreichen! Wenn.nicht: Deren Pech!

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  3. Wenn es die eheliche Gleichstellung gäbe, könnte ja immer noch jedes Paar für sich entscheiden, ob es heiraten will oder nicht. Es gibt immer noch gute Gründe für die Ehe, ob nun finanziell, rechtlich oder emotional, und es gibt auch immer noch genügend Leute, die sie wollen, ob homo- oder heterosexuell. Es jemandem vorzuenthalten, nur weil man mit der Partnerwahl nicht einverstanden ist, finde ich ungerecht und unzulässig.

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    • Yuki und ich haben bereits einige Jahre als Paar zusammengelebt bevor wir dies auch rechtlich besiegelt haben. Dabei ging es nie um Vorteile. Uns ging es darum, das ohnehin schon starke WIR-Gefühl zu stärken. Provokation für Homophobe inklusive.

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  4. Ehrlich? Ich hatte nie Hochzeitsambitionen. Inzwischen habe ich genügend Paare floraldekorierend beglitten, um die Unwichtigkeit eines solchen Paktes unterstrichen zu wissen. Aber, und das ist genau wichtige Aspekt: Mein Urteil gilt nur für mich und ein jedwedes Menschenkind muss nach seiner freien Entscheidung handeln dürfen. Die Braut darf die Braut jetzt küssen? Ja sicher! Ich erkläre Sie hiermit zu Mann und Mann? Unbedingt! Sie möchten nie heiraten? Nö! Die Wichtigkeit eines solchen Aktes muß frei entscheidbar sein. Für jeden. Punkt.
    Ich sende euch Sommerliebgrüße ins Elfenheim, Käthe, glücklich unberingt.

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  5. Bei unsere Hetero-Hochzeit machten wir ein witziges, zu uns passendes Fest für rechtliche und vorsorgliche Vorteile. Emotional hat sich seit 3,5 Monaten nicht wirklich etwas verändert. Eine schöne Erinnerung mit vielen Freunden.
    Ich sehe es übrigens als selbstverständlich an, dass die Diskriminierung von Individuen endlich enden muss. Was auch immer einen Menschen ausmacht muss gesellschaftlich respektiert werden.
    MfG toe

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  6. Emotional ändert der Verwaltungsakt nichts.
    Wir haben den Schritt aus rechtlichen/vorsorgerechtlichen Gründen getan – da Nachwuchs unterwegs war und wir eh schon eine gemeinsame Eigentumswohnung haben….Es ist einfach einfacher dann.
    Und: wer zusammen füreinander sorgt, sollte die gleichen Rechte haben, egal welche Geschlechter es tun!
    Euch beiden liebe Grüße!

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  7. Mich hat vor einiger Zeit ein Freund gefragt, warum ich denn heiraten wolle..
    Für mich war eigentlich schon immer klar, dass ich später einmal heiraten möchte, lange bevor mir klar wurde, dass die Person, die ich dann eheliche, aller Wahrscheinlichkeit nach eine Frau sein wird 😉
    Aber warum eigentlich?
    Das ist ja prinzipiell einmal eine gute Frage, und ich denke da gibt es mehrere Gründe:
    – kulturelle Bedeutung: heiraten und Ehe hat in unserer Kultur einen – wenn auch kleiner werdenden – Platz -> Hochzeit war und ist seit Generationen ein wichtiges Ereignis im Leben der Menschen dieses Kulturkreises gewesen
    – romantische Bedeutung: welches Mädchen träumt nicht von einer Hochzeit, bei der es neben seiner Traumperson zum Altar schreitet, beregnet von Rosenblüten, und alle vor Rührung anfangen zu weinen…? Okay, gut, bestimmt gibt es genug Mädchen, die das nicht tun. Ich aber, und ich möchte dass das irgendwann einmal Realität wird 🙂
    – Ehe als Symbol der Liebe: manch einer meint, er bräuchte dieses Symbol nicht (mehr), da man seine Liebe auch anders zeigen kann.. und natürlich gibt es auch andere Symbole, rote Rosen, Ringe, ein Liebesbrief….aber kein Symbol ist so aussagekräftig und…groß, wie die Ehe, da man mit der Ehe seinem Lieblingsmenschen (und dem Rest der Welt) symbolisiert, dass man den Rest seines Lebens mit dieser Person teilen möchte
    – Ehe als Sammlung von Rechten: auch das ist mir wichtig, damit meine zukünftige Regenbogenfamilie mit idealerweise etwa 6 Kindern (:D) gut abgesichert ist – und auch meine zukünftige Partnerschaft, damit meine irgendwann-einmal-Frau das Recht hat, Entscheidungen für mich zu treffen, wenn ich dazu einmal nicht mehr in der Lage sein sollte

    Zusammenfassend lässt sich also ganz klar sagen: Ja, ich will. Heiraten. Und zwar genauso, wie Hetero-Paare auch, weil meine Liebe kein Stück kleiner oder schlechter ist, als die zwischen gegengeschlechtlichen Paaren, und als Anerkennung dieser Liebe haben wir Regenbogenmenschen nichts anderes verdient als vollständige Gleichstellung!

    (Entschuldigt die wirren Gedanken – es ist halb eins nachts und ich habe seit einer Woche quasi ununterbrochen Mathe gelernt)

    In diesem Sinne: Gute Nacht, einen schönen morgigen Tag und ein wundervolles Wochenende an alle, die das hier lesen 🙂

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  8. Wie schon zuvor erwähnt, wünsche ich mir, dass es ganz bald zu einer Gleichstellung der Ehe von Homosexuellen kommt. Dafür ist aber leider die falsche Partei an der Macht, worauf du schon hingewiesen hast. Aber da ich ja versuche in Umständen immer das Gute zu sehen, nehme ich das als zusätzliche Zeit wahr, um für eine perfekte Hochzeit sparen zu können. 😉 Meiner süßen und widerspenstigen Prinzessin auf der Erbse muss ich etwas bieten, damit sie „ja“ sagt und damit sie merkt, dass es mir damit ernst ist.

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    • Wir haben lange gewartet mit der Heirat. Ja, für uns ist es eine. Aber letztlich war es dann auch egal und bei aller modernen Offenheit sind wir doch etwas konservativer und den Schritt in die Ehe gegangen. Was auf dem Papier steht interessiert dabei nicht. Unabhängig davon kämpfen wir weiter für die Gleichstellung. Die Frage ist nur, ob wir langfristig in Deutschland bleiben. Europas Entwicklung stimmt nachdenklich. Mit ein Grund die USA länger zu testen.

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