Frauen damals und heute – Der lange Weg zur Gleichberechtigung

Feministinnen sind den meisten Männern ein Dorn im Auge. Mann denkt sofort an Suffragetten, ein abwertender Begriff für engagierte Frauenrechtlerinnen. Dabei geht es Frauen weniger darum, den Männern etwas wegzunehmen. Es geht um mehr Rechte für Frauen, um Gleichberechtigung.

Die (westliche) Frau von heute sieht ihre Freiheit als selbstverständlich an. Immer wieder wird erzählt, dass schon deren Vorfahrinnen freie Frauen waren. Frauen, die ihren Männern im Leben zur Seite standen und die Existenz gesichert haben. Aber das ist nur schöngeredet. Die Wahrheit sieht völlig anders aus.

Wenn Feministinnen von (fehlender) Gleichberechtigung sprechen, haben sie tausend Jahre und mehr im Visier. Und plötzlich sieht auch für die moderne Frau alles anders aus. Keine heute lebende Frau wäre entzückt, wenn sie als Magd für eine Weile im finsteren Mittelalter lebte und mal „eben so“ vom Bauern, oder Knecht … Legende, Lüge? Das ist Fakt!

Sex im Mittelalter war etwas, das der Mann mit der Frau tat. Er war aktiv, dominant und nahm sich, was sein Recht war. Die Frau war nur Mittel zum Zweck. Eine Gebärmaschine für Kinder, ein Jungbrunnen für Mannes Fleischeslust. Von Liebe reden wir später. Aber Sexualität im Mittelalter hatte ein ganz anderes Bild, das nicht Thema dieses Artikels ist.

Der „Herr Vater“, war wie der Name schon sagt, uneingeschränkter Herrscher im Haus. Er bestimmte was Frau und Töchter taten. Morgens ging Frau zur Maloche, am Abend machte sie die Beine breit. Die Töchter möglichst reich vermählt an den Nachbarsbauern. Um den Wohlstand zu mehren und zu wahren. Tod im Kindbett inklusive.

Apropos Kinder. Die hatten es nicht einfach in jener Zeit. Dafür waren sie aufgeklärter und weniger naiv. Keine Playstation, aber mit 12 bereits schwanger. Vom erst 14 Jahre alten Fürstensohn. Auch ein Spiel für den edlen Herrn.

Was hat nun die Legende von gleichberechtigten Frauen geschaffen? Verklärte Romantik, Hollywood-Filme zum großen Teil. Auch die Selbstverständlichkeiten des Lebens im 21. Jahrhundert, die viele Frauen träge machen. Es geht den meisten gut, die wenigsten hinterfragen ihre Rolle. Im Bestreben um Harmonie und Glück, haben sie sich angepasst. Nur Alice kämpft immer noch.

Witzigerweise stehen viele Lesben mehr für Frauenrechte ein, als ihre heterosexuellen Schwestern. Wir, die wir zwar Väter und Brüder haben, stehen Männern oft kritischer gegenüber. Das ist kein Hass. Aber wir sprechen Dinge an, die Heten gern übersehen. Und werden dafür noch angefeindet. „Du blöde Lesbe, du!“

Natürlich sagt Frau solche Worte kaum. Frauen beleidigen meist subtil. Krasse Sprüche kommen gern von Mann, wenn wir mit dem Finger auf ihn zeigen. Sein Recht auf Sex, sein Recht auf Dominanz, das ihm vom lieben „Herrgott“ in die Wiege gelegt worden ist. (R)Eine Erfindung alter Patriarchen. Die „große Mutter Erde“ gibt es viel länger, als jede andere Religion.

Die Diskussion um das Verbot der Prostitution, ist ein weiteres Reizthema für Mann. Er vergisst, dass die meisten Frauen dazu gezwungen werden. Absurde und haarsträubende Beispiele werden angeführt, um die „naturgeilen Nymphen“ zu zeigen, die sich willig stöhnend im Lotterbettchen wälzen. Mal ehrlich, glaubt das wirklich wer?

„Liebe ist ein Geschäft“, ist ein anderes Argument. „Warum also Sex nicht kaufen?“ Liebe mag für manche Frauen eine Ware sein. Blickt man genauer hin, werden die Hintergründe schnell klar. Freiwillig, aus „Geilheit“, verkauft sich keine Frau für Geld. Es sei denn, dass auch die Ehe als Geschäft gesehen wird.

Feministinnen von heute geht es vor allem um Gleichberechtigung in allen Lebenslagen. Um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Auch um mehr Rechte in der Ehe. Das Recht auf Beischlaf ist zum Glück gestrichen und Vergewaltigung in der Ehe endlich strafbar.

Frauen im 21. Jahrhundert sind auf dem Weg etwas zu erreichen, wovon die Frau im Mittelalter träumte. Aber Mannes Traum scheint nun geplatzt. Diese Denkweise ist so absurd, wie falsch. Und leider wird sie von vielen Frauen noch gefördert.

Ja, Mütter sind komisch, wenn es um ihre Söhne geht. Die dürfen auch die arme Nachbarstochter schwängern. Aus Spaß versteht sich. Geheiratet wird „die Schlampe“ aber nicht! Standesgemäß muss der Sohnemann sich vermählen. Am liebsten mit Frau Dr. Mehrwert. Sonst wird das (Lotter)Leben ach so teuer.

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19 Kommentare zu “Frauen damals und heute – Der lange Weg zur Gleichberechtigung

  1. Meinem Sohn ein anderes Frauenbild zu vermitteln, ist mir sehr wichtig.
    Aber wie du sagst. ..das steckt tief, noch in der Generation meiner Mutter ist die Frau im Haus. Ich lasse nicht locker, versprochen, das ist mein Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau.
    Liebe Grüße ins Elfenheim.

  2. Ein weites Feld. So schnell bekomme ich meine Gedanken nicht sortiert, aber es stimmt, von Gleichberechtigung (und irgendetwas stört mich an diesem Wort), sind wir noch das ein oder andere Lichtjahre entfernt.

    • Das (T)Raumschiff „Alle sind gleich“ ist auf der Reise zu Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Ob es ankommt liegt an uns, den Steuerleuten.

  3. Ich lese Deinen Blog ja ganz gerne, aber oft regt es mich auf, dass sehr viel verallgemeinert wird.
    Meinem Sohn 17 und meiner Tochter 19 sage ich, dass sie genau das nicht tun dürfen.
    Es ist natürlich für die Entwicklung der Kinder fatal, wenn sie schon in bestimmte Rollen reinwachsen. Das gilt aber nicht nur für den Fall wenn der Mann des Hauses das Sagen hat, sondern auch wenn es genau anders herum ist. Es gibt auch genug Kinder aus Familien in denen die Mutter die Hosen anhalten, nicht beziehungsfähig sind.
    Es sind also nur die Charaktere der Eltern, die die Kinder prägen. Ein „Hausherr“ schadet ihnen genau so wie die „Hausherrin“.

    • Leider hast du nicht mehr geantwortet. Wie ich bereits in einem anderen Kommentar schrieb, die meisten Menschen richten ihren Blick nur auf die Gegenwart und ihr soziales Umfeld. Das ist wie bei den hungernden Menschen in Afrika, die wir auch übersehen. Berechtigte Kritik an Männern zu üben weckt sofort den Widerspruch des Patriarchats. Es wird abgewiegelt, schöngeredet. Oft ist es jovialer Chauvinismus, den Männer nicht einmal als solchen empfinden. Sie sind als die dominante Spezies erzogen worden und aufgewachsen. Verallgemeinern schriebst du. Dann bitte richte deinen Blick auf die arabischen Länder, auf Afrika, auf Indien. Und selbst in Teilen Asiens gelten Frauen nichts. Sie sind billige Arbeitskräfte und werden von notgeilen Touristen bestiegen. Kaum zu leugnen, oder doch?

      Immer wieder schreibt auch Frau, dass ja „viele Frauen“ schon früher gleichberechtigt waren. Ein schönes Märchen, weiter nichts. Es ist aus den Vorzügen westlichen Lebens entstanden, der heutigen Sicht der Dinge. Werfen wir einen Blick zurück zu den Kelten, oder den Germanen. Frauen kämpften mit, Frauen waren Fürstinnen, Königinnen und zum Teil mehr gleichberechtigt, als ihre später lebenden Schwestern. Der Wandel kam auch mit der Christinanisierung. Frau hatte keusch zu sein und und und … Fakt auch: Mann hat Frauen als Hexen verbrannt! Warum? Zum Teil, weil sie um den weiblichen Zyklus wussten, Hebammen waren, Frauen vor Schwangerschaften schützten. Auch nur wieder verallgemeinert?

      Die wenigen herausragenden Frauen der Geschichte, werden immer gern als Aushängeschild genommen. Aber von wie vielen sprechen wir? Und von wie vielen nicht gleichberechtigten Millionen? Frauen heute bekommen noch immer weniger Gehalt. Bei gleicher Arbeit! Lüge, erfunden, verallgemeinert? Nein, das ist Fakt. Firmen stellen noch immer zum Teil lieber Männer ein. Frauen könnten ja schwanger werden. Verallgemeinert? Durch meinen Beruf habe ich einen sehr guten Einblick in die Denkweise von Personalchefs. Nur helfe ich solchen Typen nicht ihre Pfründe zu mehren.

      Ja, die Lage im Westen ist generell für Frauen attraktiver, als in anderen Teilen der Welt. Und genau das macht Frauen bequem und engt ihre Sichtweise ein. Und Mann freut sich, wenn sie ihm auch noch das Essen kocht.

  4. Ich tu mich immer etwas schwer mit der Gleichberechtigung. Ich bin gleichberechtigt. Punkt. Ich bin als Frau aber auch anders als ein Mann, also nicht gleich. Manchmal denke ich, dass Frauen auch ganz schlau sind und sich gegen die Karriere als Chefin und damit gegen 60-70 Stunden-Wochen und anderes entscheiden. Meine Mutter war „nur“ Hausfrau und Mutter und war die emanzipierteste Frau, die ich je gekannt habe. Gleichberechtigte Frauen hat es immer gegeben und nicht jedes kleine Mädchen ist im Mittelalter mit 12 schwanger geworden. So viele 14jährige Fürstensöhne gab es gar nicht. 😉 Schlimm ist es, wenn man keine Wahl hat, nicht selbst über sein Leben entscheiden kann. Und in dieser Hinsicht leben wir in einer privilegierten Zeit und einem freien Land.

    • Es hilft wenig nur auf die Gegenwart und die jüngere Vergangenheit zu schauen. Wo wären Frauen heute, ohne die „Sufragetten?“, ohne die Feministinnen? Wir sprechen von mehreren tausend Jahren Underdrückung und nicht von den Errungenschaften der letzten 100 Jahre. Du bist doch eine weitgereiste Frau und kennst die Unterschiede, die selbst heute noch in Teilen der Welt existieren. Gleichzeitig redest du Dinge schön, die dich zufällig weniger betreffen. Warum? Westliche Bequemlicheit, angepasstes Leben? Deutschland, Europa, die USA haben natürlich gewaltige Fortschritte gemacht in Sachen Frauenrechte. Aber selbst hier ist das Ende des Weges noch fern. Das kannst du kaum leugnen.

  5. Ich habe eine Kollegin, die bei gelegentlich ernsthaft erklärt, dass sie diese blöde Gleichberechtigung ja nie gewollt hätte. Sie hätte ja nie dafür gekämpft, und trotzdem gäbe es das jetzt und nun müssen auch Frauen arbeiten gehen, das hätte man jetzt davon.
    Traurig finde ich das. Auch wenn ich nicht glaube, dass sie ernsthaft zu früheren Zuständen zurückkehren wollen würde – allein, dass sie diese Meinung so überzeugt vertritt, finde ich einfach traurig.

    Ganz abgesehen davon ist Gleichberechtigung doch auch für Männer erstrebenswert – zumindest scheint es mir so, in der Theorie. Gleichberechtigung im Bezug auf die Aufgabenverteilung heißt doch auch, dass sie Väter sein dürfen, dass sie sich ganz anders um das Kind kümmern dürfen, dass das eben nicht eine reine Frauensache ist. Mein eigener Vater beispielsweise ist künstlerisch recht begabt, er malt, meine Mutter hat in dieser Hinsicht zwei linke Hände – dennoch war sie es, die im Kindergarten meine Schultüte basteln musste. Dass ein Mann dorthin geht, vollkommen undenkbar, erst Recht auf dem Land, und das ist noch keine zwanzig Jahre her.

    Und, Gleichberechtigung heißt ja nicht, dass Frauen und Männer gleich sind. Keine zwei Menschen auf der Welt sind gleich, ob Frau, Mann oder irgendwas dazwischen. Darum sollten sie doch trotzdem die gleichen Rechte haben.

    • Viele Menschen verstehen das Wort Gleichberechtigung falsch. Männer wittern Gefahr und sehen sich in ihren „Rechten“ beschnitten. Selbst Frauen, wie deine Kollegin, scheinen nicht zu begreifen, was unsere Vorfahrinnen geleistet haben. Zeig ihr beim nächsten Spruch dieser Art, was man mit Frauen in „Arabien“ noch heute macht und ebenso in Indien.
      Wenn eine Lesbe das Wort anspricht, ist es natürlich noch viel schlimmer. Das sehe ich an den Reaktionen auf diverse Artikel, die ich in den letzten beiden Jahren schrieb.
      Meine Eltern sind sehr japanisch. Aber mein Papa kein Macho. In Wirklichkeit ist meine Mama die Chefin im Haus. Nur würde sie das niemals öffentlich zeigen. Aber auch sie profitiert natürlich von den Fortschritten, die Frauen weltweit errungen haben. Ich muss meinen Papa mal fragen, wie er seine Rolle und die Familie im Mittelalter sieht. Auf die Antwort bin ich gespannt. Und diese Fragen darf auch nur ich ihm stellen, das ist er schon gewohnt 😉

  6. Mir fällt gerade auf, dass das Wort „Mädchen“ in der Grundschule, in der ich arbeite, von den Jungen oft als Schimpfwort benutzt wird, wenn ein Junge weint. Lustigerweise heulen meine männlichen Viertklässler viel mehr, was auch sicher mit dem Fußballspielen zusammenhängt. An solch einem Gebrauch von Worten oder Sprache erkennt man auch heute noch, dass es noch immer keine Gleichberechtigung auf allen Ebenen gibt.

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