Tuning für die Liebe

Wenn etwas lange in Gebrauch ist, wird es immer Abnutzungserscheinungen geben. Das ist bei Autos und in der Liebe so. Nur zu Beginn läuft alles rund. Aber so, wie der Sportwagen vielleicht ein paar PS mehr vom Tuner brauchen kann, gibt es auch Berater in Sachen Liebe. Paartherapeuten schimpfen sich solche klugen Geister, die wie ein Spuk im Geldbeutel sind.

Aber was können die überhaupt? Und macht Tuning überhaupt Sinn? Es ist klar, die Geisterjägerin und Turbobiene Frau Dr. humoris causa Landar wird das testen! Ausgeschlafen, wie ich bin, geht es auf Erkundungsreise. Dabei fällt mir einmal mehr der lahme Diesel auf, mit dem Yuki und ich durch die Lande fegen. Also eher tuckern. Schnell ist anders.

Im Tuninglabor stürze ich mich vehement auf den streng geheimen Überrechner. Kein Wolf in Sicht, das Passwort prangt mittig auf der Tastatur. Männer und Sicherheit! Jetzt wird auch klar warum die NSA überall Zugriff hat.

Hüpfende Zahlen, sich überschlagende Kurven erfreuen meinen Blick. Ach so, das ist nur der neue Tuningkalender von Titelli. Kein Wunder, dass Elfchen böse schaut. Als ich die Werte der Einspritzdüsen ändere tippt mir Yuki an den Kopf. Ich höre ein Wort, das wie „Penisneid“ klingt. Was die nur immer hat?

Ich lege los, die Finger fliegen über die Tasten. Mein Blick ist fest auf den Bildschirm gerichtet. Die Leistungskurve stimmt. Dort noch ein Haken, hier noch ein Parameter, zufrieden lehne ich mich zurück. Wenn doch die Liebe auch so einfach wäre.

„Bist du bald fertig?“, will Yuki wissen und setzt sich auf meinen Schoß. „Mach hin, wir wollen endlich los!“
„Sei mal froh, dass ich das Fahrwerk so lassse“, lästere ich. „Aber lange Beine sind immer gut.“
„Sei mal froh, dass ich dicke Hintern mag“, kontert Yuki. „Obwohl …, abspecken ist immer gut.“
Ausgleich auf Elfenart.

Tuning (to tune), steht für abstimmen, harmonisieren. Und als diplomierte Schrauberin kann ich das richtig gut. Ist doch klar, wenn ich schon bei meiner Frau die richtigen Schalter drücke. Und zumindest ich brauche keine Yuki 2.0. Das alte Modell ist perfekt.

Liebestuning ist komplett anders. Um Abnutzung zu vermeiden, muss Frau neue Wege gehen. Oder besser fahren. Weg aus dem Alltagstrott und rauf auf die Alpen. Oder ein Trip nach Holland, um alte Freundinnen zu besuchen. Und auch der Osten hat viel zu bieten. Tuning für die Seele findet Frau dort überall.

„Was machst du da, Mayumi?“, dringt Mannes Stimme an mein Ohr. „Willst du den Motor explodieren lassen? Mit den Werten bist du kurz davor.“
Ich schrecke hoch, die Zahlen verschwimmen vor meinen Augen. Wolf steht neben mir. Nur er darf so was zu mir sagen.
Und mein Elfchen grinst.

„Wassen?“, maule ich los. „Der olle Diesel braucht mehr Leistung und nicht die paar Pferdestärken.“
Gemeint ist unser Dienstwagen, ein Nissan QASHQAI Diesel, mit schlappen 130 PS. Nun ist wenig anders und 130 PS mehr als genug. Aber wenn ich schon für eine Tuning-Firma Autos teste, ist mehr ein muss. Elfchen sieht das gelassen, ihr reicht der Wagen aus.
Schneller, höher, weiter!

„Weniger ist oft mehr“, sagt Wolf trocken und ruft einige gespeicherte Werte ab. „Da hast du ein sanftes Tuning mit nun 160 PS. Und jetzt lass mich meine Arbeit machen.“
Im Handumdrehen sind die neuen Parameter eingespielt. Nun darf der Wagen zeigen, was er kann. Auf der Autobahn ist der Schub merklich besser. Auch, wenn aus einem lahmen Gaul kein Rennpferd wird. Aber er läuft nun runder und braucht weniger Sprit.
(Liebes)Tuning, das ich mag. Und meine Elfe kommt immer mit.

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2 Kommentare zu “Tuning für die Liebe

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