Wenn Solidarität ein Fremdwort ist

Das Wort Frauensolidarität wird gern als Schlagzeile von den Medien genutzt. Meiner Erfahrung nach, ist es nicht sehr weit damit her. Da halte ich im Gegenteil Männer für wesentlich solidarischer, wenn es um das Durchsetzen eigener Interessen geht. Der Zickenkrieg bei Frauen, ist leider Alltag auf der Welt.

Vor einer Weile habe ich den Artikel „Ich bin nicht lesbisch!“ verfasst. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Solidarität, wohin das Auge schaut. Aber wieviel davon ist wirklich echt und nicht nur schöner Schein? Eine lesbische Feministin hat es auf den Punkt gebracht: „Wann auch immer ich den Satz – Ich bin nicht lesbisch / schwul, aber toleriere Homosexuelle – höre, zucke ich zusammen. Er zeigt deutlich die Probleme auf, die Heteros mit Homosexuellen haben. Es muss sich sofort abegegrenzt werden. Das ist wie ein innerer Zwang.“

Apropos Feministinnen, die zum Teil aus Lesben bestehen. Die Bewegung ist tief gespalten, was man an einer Birgit Kelle sieht. Die schreibt lieber Bücher über den Genderwahn und wie Gaga der doch ist. Oder fordert Frauen auf, die Bluse zu schließen. Ach Birgit, muss das wirklich sein?

Die Solidarität von Heten gegenüber Lesben hält sich in engen Grenzen. Die scheinbare Zustimmung zum lesbischen Leben, hat etwas damit zu tun, dass zur anerzogenen Frauenrolle die Höflichkeit gehört. Während Männer ihre Interessen auf direktem Weg verfolgen, wird bei Frauen die offene Konfrontation meist vermieden. Ausnahmen mag es in Blogs und Foren geben. Dort sind Mäuse plötzlich Tiger.

In Wirklichkeit verachten viele Heten Lesben und das Bild, das sie von Frauen zeigen. Diese Verachtung hat als Hintergrund die Angst, dass das bürgerliche Familienmodell – Frau als Hausfrau und Mutter – vielleicht doch nicht so glücksverheißend ist, wie Frauen es in der Öffentlichkeit vorzugeben haben, um als gute Frau zu gelten. Spieglein, Spieglein an der Wand …

Stellen Lesben dieses Leben scheinbar in Frage, kochen die Emotionen hoch. Sofort werden emotional-unsachliche Attacken geritten, bis hin zur persönlichen Beleidigung. Gegnerinnen sind (angebliche) Feministinnen, oder „im Schrank lebende“ Bi-Frauen und Lesben, die ihre Neigung gern verstecken.

„Du (Lesbe) hast ja keine Ahnung!“, heißt es sofort. „Mit wie vielen Männern warst du (Lesbe) schon zusammen?“ Diese oft vorschnell gemachten Aussagen zeigen, wie Menschen wirklich ticken. Und wie sie danach versuchen Schadensbegrenzung zu betreiben, um nicht als homophob zu gelten.

Nicht nur von Männern wird (mir) immer gepredigt, „Homosexualität sei mittlerweile akzeptiert” und “Lesben und Schwule in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Jetzt mal ehrlich, wollt ihr mich veralbern? Im Einzelfall mag das so sein. Vielleicht an Uni A und in Wohnzimmer B. Aber in der Summe sieht das anders aus.

In den Kommentaren auf meine Artikel widersprechen sich Menschen oft selbst. Oder outen sich auf eine Weise, die nachdenklich macht. Wenn ich von Gewalt und Mobbing gegen Homosexuelle schreibe, wird gern die ureigenste Sicht geschildert. Die Sicht eines weißen, heterosexuellen Menschen, der niemals die Fratze der Gewalt und Diskriminierung (gegen homosexuelle Ausländer) gesehen hat. Nur in der eigenen Familie. Oder doch im Feundeskreis. Logik, der besonderen Art.

Fazit: Der Satz „Ich habe nichts gegen Lesben / Schwule“, wird gern von homophoben Menschen benutzt, um die wahren Gedanken zu verschleiern. Aber auch von Menschen, die nicht auf ihre Worte achten. Die Gesellschaft hat sie dazu gebracht. Homosexualität und fairer Umgang miteinander ist dort noch lange nicht angekommen. Nur der Genderwahn.

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44 Kommentare zu “Wenn Solidarität ein Fremdwort ist

  1. … wobei ich mich zunehmend frage, warum der „moderne“ Mensch überhaupt auf seine sexuelle Orientierung reduziert werden muss. Passt er dann besser in die Schemata der Werbeindustrie o.a.? Für das künftige Zusammenleben aller Menschen müssten wir eigentlich andere Kernthemen wesentlich intensiver diskutieren. Weshalb mir diese Einteilung in Kistchen und Abgrenzungen usw. ziemlich auf den Wecker geht … Also, hier noch mal: Ich mag alle Menschen. Punkt.

  2. Schwierig ist auch der „ich toleriere das und das …“-Satz, der oft geäußert wird. Weil es eigentlich nichts zu tolerieren, also zu erdulden gibt. Solange noch irgendwelche Leute meinen, wie tolerant sie doch sind, solange ist Homosexualität nicht als etwas Normales, Dazugehörendes in der Gesellschaft angekommen.

  3. Da kann ich dir mal nicht so zustimmen. Ich empfinde die Frauensolidarität als wesentlich stärker als die unter Kerlen oder mit Kerlen. Grad wenn Kerle vom Wehrdienst beim Bund anfangen, merkst das doch sofort. “ Ja das war cool, mit und bla bla bla „. Da brauchst nur einmal nachfragen, ob die noch jemand von damals kennen, wenn die Verbundenheit doch so cool, schön und angenehm war. Da ist nix, aber sowas von nix. Kerle bleiben meiner Erfahrung nach einem nur solange in Freundschaft verbunden, solange sie dadrin irgendwie ein Vorteil sehen. Das da mal jemand nach nem Monat nachfragt mit: “ Hey wie gehts dir? “ ist bei mir im direkten vgl. zu Frauen die totale Ausnahme. Und das auch nur weil ich den Typen schon den Kopf gewaschen hab, das es sich gefälligst gehört nach 1-2 Monaten nachzufragen wenn man nix voneinander hört.

    • Du verwechselst etwas. Männer „bekriegen“ sich weniger, als Frauen das oft tun. Die hauen sich vielleicht mal auf die Nase, wir dagegen zicken bis der Arzt kommt. Selbst in der LGBT-Gemeinde gibt es kaum Einigkeit und jede(r) kann alles besser und der / die andere ist ja so doof und … Emotionale Bindungen empfinde ich bei Frauen stärker. Aber im nächsten Moment zerfleischen sie sich schon wieder, was für eine Sache von Nachteil ist.

      • Sachlich alles richtig, aber das gehört dazu wenn man ein Weibchen ist. Mir fehlt das z.b. auf Arbeit wenns nicht immer mal etwas Zickenzoff gibt untereinander. Da merkt man doch das wir für die Sache leben und nicht wie Männer nur unser Ding durchziehen.

      • Zickenzoff beende ich meist sehr schnell. Wer etwas zu sagen hat soll das tun und sich dann bitte wieder sammeln und seinen Job, sein „Ding“ machen. Die „Kratzbeißfauch-Nummer“ gehört in den Kindergarten. 😉

  4. Ich halte diese Geschichte von den Männer-Seilschaften, die sich projektieren und Frauen an beruflichen Aufstieg behindern, für ein äußerst gepflegtes Gerücht. Nach meiner Erfahrung existiert es schlicht nicht. Aber Ich habe schon häufig festgestellt, dass weibliche Solidarität ebenfalls ein Schlagwort ist, die nicht existiert. Warum Rivalität von Frauen untereinander im Berufsleben stärker ausgeprägt ist, hat sich mir nicht erschlossen. Aber es ist manchmal so. Ich kenne da persönliche Beispiele aus der Finanzwelt des Wirtschaftslebens und der Ärzteschaft, die waren für mich irritierend beeindruckend. Insofern kann ich es bestätigen, mit der Frauensolidarität ist es nicht sehr weit her.

    Es gibt da zwar so Worte wie Stutenbissigkeit und Zickenkrieg, aber ich weiß nicht, ob sie den Sachverhalt zutreffend treffen.

    • Die beiden Schlagworte gibt es zwar, aber Männer „zicken“ auch. Es ist korrekt, Frauen beharken sich oft auf eine Weise, die kaum zu begreifen ist. Ich kann das durchaus neutral sehen, mit emotionaler Distanz. Ganz davon gefeit bin ich dann aber auch nicht. Dass es die Männer-Seilschaften gibt steht außer Frage. Du bedienst mit deinem ersten, beschwichtigenden Satz (un)bewusst dieses Klischee. Frauen verdienen wesentlich weniger bei gleicher Qualifikation, oder werden von Führungspositionen ausgeschlossen. Das mag in deinem Beruf anders sein, aber nicht in der Fläche. Ausnahmen, wie Mutti Merkel, zählen da wenig.

  5. Hallo Nandalya,

    ich bin vor ein paar Wochen über ein anderes Blog bei dir gelandet. Und hab mich direkt erstmal von hinten nach vorne durchgelesen.
    Mir gefällt deine Art zu schreiben, deine Weltanschauung und deine liebevollen Neckerein mit deiner Elfe. Man kann spüren, wie sehr ihr beieinander angekommen seid.
    „Homosexualität und fairer Umgang miteinander sind in der Gesellschaft noch lange nicht angekommen“. Damit hast du leider allzuoft Recht.
    Man merkt es oft an unbedachten Kommentaren. Offener Gegenhalt eher seltener, eher unterschwellig. Und gerade dieses Gezicke der Damenwelt untereinander, ein Graus. Da haben sich mir als kleines Mädchen schon buchstäblich die Nackenhaare aufgestellt. Fazit: ich hab fast nur mit Jungs gespielt.
    Ein früherer bekannter hat immer auf seinem jüngeren Sohn rumgehackt. Weichei, Heulsuse, du stellst dich an wie ein Mädchen oder, auch oft gesagt „wie eine Schwuchtel“. Ich hab ihn dann mal gefragt, ob sein Sohn denn weniger wert wäre, wenn er tatsächlich schwul wäre. Betretenes Schweigen. Dann absolute Abwehr: mein Junge wird nicht „so einer“. Als ob er sich aussuchen könnte…
    Heute, 6 Jahre später, ist sein Junior mit einem wunderbaren jungen Mann glücklich und sein Vater musste sich zwischen Akzeptanz oder kompletten Bruch entscheiden. Und es klappt.
    Und das wünsche ich mir eigentlich für jeden Menschen. So zu leben, das er glücklich sein kann. Egal, mit wem. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
    Und auch mein Liebster musste sich am Anfang unserer Beziehung mal eine harsche Kritik gefallen lassen, als er sich sehr unbedacht über Homosesuelle geäußert hat. Es war ein Denkanstoss der gefruchtet hat 🙂
    Ich wünsche Dir und deiner Elfe eine glückliche Zukunft.
    Liebe Grüße
    Tanja

    • Hallo Tanja, vielen Dank für deinen Kommentar. Leider lesen sich die wenigsten neuen Besucher meiner Seite alle Artikel durch und stürzen sich oft nur auf ein aktuelles Thema, missverstehen dadurch eine Intention.
      Was du schreibst ist genau die Realität, die ich meinte. Selbst in Japan gibt es Vorurteile gegen „andere“, wie Chinesen, Koreaner und eben die Gaijin. Von Homosexuellen ganz zu schweigen.
      Elfchen und ich haben (versteckten) Rassismus und (versteckte) Homophobie erlebt. Ich deutlich mehr. Mit Jungs habe ich auch „gespielt“, aber ich glaube es hat denen nicht so gut gefallen. 😉
      Liebe Grüße aus dem Elfenheim.

  6. Nein, nein, ich halte den Mund und sage gar nichts dazu, sonst erwische ich wieder den Satz, der mich deutlich als homophob outet …… oder so :mrgreen:

  7. Guten Morgen,
    ja, von deinen „Spielen“ mit den Jungs hab ich gelesen 🙂 Ich glaube auch, das sie es in nicht so guter Erinnerung haben *kicher*
    Ich halte es immer so, das ich mir ein neu entdecktes Blog komplett durchlese. Das ist oftmals eine Menge „Arbeit“, aber es sagt halt viel mehr über die Autorin / den Autor aus als nur ein rausgepickter Artikel. Und ich habe gemerkt, das wir uns in vielen Einstellungen und Meinungen doch sehr gleichen. Gerade diese direkte Ehrlichkeit ist Etwas, womit viel nicht unbedingt auf Anhieb klarkommen. Und auch dein „nicht wegschauen und einmischen“ kenn ich von mir. Mir wurde früher immer prophezeit das ich für dieses Einmischen mal richtig Ärger bekommen würde… ich warte heute noch drauf 😉 und das sind nun schon fast 45 Jahre 🙂
    Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag und liebe Grüße
    Tanja

    (sitze hier in der Firma in D’dorf ums Eck der japanischen Schule und gucke aus dem Bürocontainer den Kaninchen beim Mümmeln zu. Es lebe die Frühstückspause)

    • Sich einzumischen ist immer gut. Aber ich habe auch Männern schon gegen andere Männer geholfen. Dem kleinen Jungen damals, der sein Taschengeld abgeben sollte, einem alten Mann am Bahnhof, der überfallen worden ist und und und … Ungerechtigkeit ist mir ein Gräuel!
      In Düsseldorf leben wir hoffentlich bald wieder. Dann mische ich die Stadt wieder auf! 😀 Spaß beiseite, einen guten Morgen auch für dich.

      • Leider wird sich zu wenig eingemischt…
        Einstieg in die U-Bahn und dort quasi zwischen 2 betrunkene Weiße und einem jungen Schwarzen geraten. Die beiden Betrunkenen hatten ihn wohl vorher schon angepöbelt und rumgeschubst, keiner hat was getan und nun stand ich im Weg. Ich wurde mit einem „verpiss dich, du Schlampe“ angekeift. Und es wurde mit einem lächelnden „und wenn nicht?“ meinerseits gekontert. Der jüngere der Beiden bekam nur große Augen und hat sich direkt zurückgezogen. Der Ältere schlug zu. Da er so sehr betrunken war, war ein Ausweichen kein Problem. Aber erst in dem Moment, wo er ein „schwaches Weibchen“ angegriffen hat, haben sich andere Mitfahrende plötzlich eingemischt. Für den sichtlich verängstigten schwarzen Jugendlichen hatte sich zuvor keiner eingesetzt. Das was sich die restlichen Mitfahrenden da dann anhören durften war dann wenig erquicklich für sie. Da könnt ich k….

        Wie oft hab ich schon gehört „du kannst die Welt nicht verändern“…
        Doch, ich kann es zumindest in meinem Umfeld mit den mir zu Verfügung stehenden Mitteln versuchen. Punkt. Und das kann Jeder.

        LG
        Tanja

      • Die meisten Menschen haben Angst. Helden gibt es nur noch im Film. Mir fehlen jene Hemmungen, die Frauen gern nachgesagt werden. Ich reagiere meist instinktiv und richtig. Egal ob mit Worten, oder eimem Kick. Was du schreibst ist leider Realität, wird aber von der Öffentlichkeit gern verleugnet. Meist von jenen Menschen, die weggeschaut haben.
        Ja, jeder kann sich einmischen. Und muss dazu nicht zwingend Karate können. Aber es hilft.

  8. Sehr interessant! 🙂
    Zickenkrieg finde ich persönlich grässlich und anstrengend – weswegen ich immer Angst habe, dass ich mich irgendwann mal dabei erwischen könnte, selbst welchen zu verbreiten. Man weiß ja nie, wie man sich mit dem Zickenvirus infizieren könnte! :O Ich habe aber noch Hoffnung, immun zu sein. ^^
    Einen schönen Abend noch, ihr Elfenheimbewohner! 🙂

  9. Nachlesend wollte ich eigentlich auf Deinen aktuellen Text kommentieren, fand aber hier in einem Kommentar von Dir diesen einen ganz bonfortionösen Satz: “ Wobei ich denke, dass jeder Mensch sich in jeden Mensch verlieben kann. Frauen fällt das nur leichter. Sex spielt dabei nicht immer die entscheidende Rolle.“
    Danke dafür, Deine Käthe, prinzipiell nichts gegen Menschenkinder habend. Und mit Grußkuß ins Elfenheim.

  10. Einverstanden! —|— Darüber hinaus: Diese Gesellschaft war einmal auf dem Weg, Tolerant zu werden, ja das Miteinander von Andersdenkenden und/oder -lebenden zu respektieren. Vereinzelt „sogar“ diese anders Seienden als Bereicherung zu empfinden. Seitdem die internationale „Finanzoligarchie“ (nach Professor Max Otte) zum offenen Angriff auf die Mittelschichten übergangen ist, ist die Toleranz in eine Phobie umgeschlagen. (Existenz-)Angst essen Seele auf.

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