Das ist mein Leben!

Diesen Beitrag widme ich all jenen Mädchen und Frauen, die ihre Gefühle noch immer verbergen. Schon mehrfach habe ich über mein Coming Out berichtet und wie einfach es für mich gewesen ist. Aber das ist nicht die Regel. Viele lesbische Frauen haben es schwerer als ich.

Was mich so anders macht, so selbstbewusst, ist kaum mit Worten zu erklären. Zum Teil ist es meine (innere) Stärke, mein messerscharfer Verstand. Ich bin nicht das typische Girlie im Barbie-Look. Und für eine Frau bin ich doch recht aggressiv. Was kein Nachteil ist. Frauenpower braucht das Land.

Immer wieder wollen Frauen von mir wissen, wie ich mein „Lesbisch sein“ entdeckte. Aber wie kann man etwas entdecken, das schon immer da gewesen ist? Außer zu Ken und meinem Vater, habe ich niemals etwas für Mann empfunden. Und selbst als junges Mädchen war mir schon klar, dass das eine unschuldige Liebe ist.

Trotzdem war und bin ich in der Lage, auch den (Traum)Körper eines Mannes zu kommentieren. Aber ohne jede Neigung ihn jemals zu berühren. Einen schönen Körper finde ich ästhetisch. Bei Couch-Potatoes wird mir schlecht.

Frauen haben mich von jeher angezogen. Immer stärker, je älter ich geworden bin. Und doch gab es das Wort „lesbisch“ noch nicht in meiner Gedankenwelt. Sexuell bin ich die Spätstarterin. Dafür dann aber gleich mit Turbo. Und das war gut.

Täglicher Sport, Bücher, Schreiben und die Schule, waren lange mein Lebenssinn. Während andere Mädels von Männern schwärmten, haben die mich nicht umgehauen. Ich sie schon. Mit mir war nie gut Kirschen essen.

Nach dem Kuss mit Natalie und dem Gespräch mit Karin, war etwas in mir erwacht, das jahrelang geschlafen hat. Während andere Frauen von einem ungeheuerlichen Druck sprechen, der vor dem Coming Out auf ihrer Seele lastet, kannte ich diese Probleme nie. Einmal realisiert was ich bin, habe ich mich sofort mitgeteilt. Und meine Eltern damit geschockt.

Wobei Schock auch hier das falsche Wort bezeichnet. Meine Eltern wussten immer, dass ich anders bin. Aber Lesben werden in Japan quasi ignoriert. Und junge Frauen haben oft erst sehr spät den ersten Sex. Meiner war mit einer Frau. Und so war es gut.

„Sei du selbst“, möchte ich allen Mädchen und Frauen mit auf den Weg geben. „Steh zu dir und habe keine Angst. Deine Eltern werden dich auch noch lieben, wenn du dich als Lesbe erklärst. Vielleicht dauert es eine Weile, aber sie werden es akzeptieren. Und deine Geschwister und Freunde sowieso.“

So wie ich kannst auch DU leben! Offen lesbisch und mit Frau, als Partnerin. „Sei du selbst!“, möchte ich zu allen Frauen sagen. Verwirklicht euch und geht euren Weg. Egal wohin er führen mag. Hauptsache weg aus Enge und Zwang.

Neuen LeserInnen, die mehr über mich lesen möchten, empfehle ich diese Artikel:

1. – Mein Weg – mein Coming Out – Kommt Mayumi raus?

2. – Out with Dad

3. – Das Mädchen mit den blonden Haaren

4. – Die Lesbe

 

 

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16 Kommentare zu “Das ist mein Leben!

    • Für viele Menschen ist das Selbstbewusstsein eine zarte Pflanze, die immer gehegt und gepflegt werden muss. Auch du kannst das!
      Liebe Grüße aus dem Elfenheim.

  1. Man muss sich trauen und das garnicht so einfach wie man das immer meint.
    Woher weiß man am Anfang wann der richtige Zeitpunkt ist, sein Körper jemand anders offen zu verschenken und man auch das dafür nötige Vertrauen hat? Oder wann man besser noch wartet, auch wenn alle anderen schon weiter sind? Nur der eigene Körper kann einem da die Antwort geben und die ist bei jedem individuell. ( Was einem aber keiner vorher sagt im sog. Aufklärungsunterricht oder sollte man besser sagen: im auswendig lernen von Geschlechtsteilen. * mit den Augen roll * )
    Es gibt da kein Ziel und nur sehr wenige trauen sich den Sprung ins kalte Wasser.

    Vielleicht hilft dem ein oder anderen Mädchen auch meine Kurzfassung dazu:
    Ich war auch spät dran damals, alle hatten schon in meiner Klasse. Was bei mir auch irgendwie Druck verursacht hat. Ich hab dann was mit dem Klassenproll angefangen. Also mit dem mal Eisessen und paar Tage später ins Kino. Ich weiß noch das ich mich nicht wohl fühlte an dem Tag und als im Film ne Knutschscene kam, wollte er an meine Lippen. Dummerweise ( ich weiß bis heute nicht obs Absicht oder Versehen von ihm war ) berührte irgendwas mein Dekolteé und da war Ende. Ich hab dem sowas von ne Scene gemacht, uiuiuiui….
    Anschließend bin ich in die Arme meiner besten Freundin ( später Frau ) geflüchtet. Ich hab alles was Liebe und das wovon die anderen da dauernd quatschten erstmal vergessen, auch wenn ich schon 15zen war. 1 Jahr später wurde ich dann beim brüten über Mathe Hausaufgaben, nachdem ich 3 oder 4 mal vergeblich versucht hab besten Freundin das in den Kopf zu bringen, einfach geküst. Ihr Kopf war auf einmal so Nahe und bevor ich den Gedanken: “ Was soll das denn jetzt werden wenns fertig ist ? “ zuende gedacht hatte, verbrannten ihre Lippen die meinen. Was für ein Feeling. Was da im meinem Kopf abging kann ich nicht beschreiben. Irre würde es wohl noch am besten Treffen.
    Sexuell das erste mal war mit ihr ende 17zen, 1 Woche später bin ich zuhause ausgezogen.
    Wobei wirklich sexuell Aktiv wurde ich erst so mit 23 / 24 zig in etwa.

    • Dankeschön für diesen ausführlichen Bericht! Er deckt sich mit dem, was mir Freundinnen berichteten, die teils krasse Erlebnisse hatten und stark litten. Nur wenige, wie meine beste Freundin Karin und ich, haben nie den Umweg über Mann genommen. Diese Menschen geben mir einfach nichts, als potenzielle Partner.

      Ein Problem unserer Gesellschaft, ist die von Männern geprägte Sexualität. Viele Frauen wissen nicht einmal richtig über den eigenen Körper Bescheid und wie er funktioniert. Sex ist quasi ein Tabuthema. Wie du richtig sagtest: auswendig lerrnen, wie das Bienchen mit dem Blümchen …
      Die ach so geschmähten Feministinnen versuchen seit Jahrzehnten aufzuklären und die Rolle der Frau zu verändern. Nur werden wir leider von den eigenen Schwestern boykottiert, wie du vielleicht weißt. Frauen nehmen, was Mann sie lehrt, für das Maß aller Dinge. Sie hinterfragen ihre Sexualität kaum. Viele haben noch nicht einmal einen Orgasmus, aber dafür mit 17 das erste uneheliche Kind. Und das Frauen mit Frauen und Männer mit Männern, das passt nicht in diese ultrakonservativ geprägte Welt.
      Ich weiß nicht, wie es mir in Japan ergangen wäre. Vermutlich hätte ich dort große Probleme gehabt. Aus dem Schrank wäre ich aber auch dort gekommen. Ehrlich und direkt. So bin ich nun mal.

      • von „krasse Erlebnissen“ kann ich Stunden erzählen. Teilweise glaubt einem das ja nichtmal wer….

        z.b.:
        als ich mit meiner Freundin zusammen gekommen bin ( d.h. sie hat mich Häufchen Elend damals aus dem Regen vor der Eingangstür gezogen ) und wir uns in der Klasse nebeneinander gesetzt hatten. Ohne das da überhaupt was war zu dem Zeitpunkt.
        1 Woche später hatten wir Dauertafeldienst. Sprich immer Tafelwischen und in der Klasse bleiben. Natürlich konnte man rausgehen, aber wenn man zu spät auf den Gängen war, was sich garnicht anders mach ließ, wurde man angemeckert. Die Schulordnung durfte ich 2 mal abschreiben deswegen.
        Ok einmal hab ich sie vorher abgeschrieben und mir eingesteckt weil wir raus wollten. Klar wurden wir aufgehalten und ich hab der Lehrerin die grad anfangen wollte direkt in die Hand gedrückt mit ein paar scharfen Worten. Danach haben wirs einfach gelassen und sind
        drin geblieben.

        Später stellte mir der Typ ( siehe oben ) nach in der Schule. Klar er war ja nicht zum Zug gekommen. Auf der Treppe wollte er mir von hinten was, aber meine Freundin hat mich zur Seite gezogen und er machte einen unsanften Abgang. Die Folge ? -> 2 Sozialstunden wo wir dem Hausmeister helfen musten, weil angeblich hätten wir ihn die Treppe runter….
        Alternativ wäre nur gewesen sich bei ihm zu Entschuldigen, aber ehrlich… bei dem? Never in my Life. Das war im übrigen der Hauptgrund das ich mit dem SV angefangen hab.

        Oder ( das muss in der letzten Klasse vorm Abschluß gewesen sein )….
        2 Leute ( Mann & Frau ) kamen für ein paar Stunden in den Unterricht und erzählten was über Familie u.s.w.. Später wurden Mädchen und Jungs getrennt. Das war damals schon nach meinem ersten Kuss und wir hatten auch schon deutlich Gefühle füreinander.
        Da stellt uns doch dieses Weibsbild 2 Holzdildos hin mit verpackten Kondomen dazu und sagt: “ Hier, sonst lernt ihr das ja nie “
        WOW… ich brauchte erst nen paar Sekunden bis das im Kopf ankam. Ich hab mir das Ding geschnappt und ihr mit vollem Einsatz in Rücken geworfen. Fazit: Tadel und Schulfrei für eine Woche da wir uns auch dort nicht entschuldigen wollten.

        Aber bei der Zeugnissverleihung haben wirs denen zurückgezahlt …
        Erst wurde ich aufgerufen und direkt danach meine spätere Frau. Ich nach vorne auf die Bühne, danke danke und rechts seitlich runter, meine spätere Frau wurde aufgerufen, einmal vorne längs und kurz nach ihr nochmal auf die Bühne. Sie sich ihr Papier geschnappt und einmal geknutscht auf der Bühne. Da war Stimmung in der Bude sag ich dir. *fg*

      • In (einigen) Großstädten ist Homosexualität einfacher und mehr toleriert. Die meisten Leute, auch Blogger, haben trotzdem ein Problem damit. Wie sollten sie es auch anders kennen? Die Welt wird nun mal vom Patriarchat dominiert. Alles! Sexualität ist männlich und Frau lernt nur das, was Mann genehm ist. Vielleicht starte ich dazu eine eigene Miniserie. Auf die (homophoben) Reaktionen bin ich jetzt schon gespannt 😉

  2. Ich finde es toll, wie du andere Frauen und Mädchen zu einem Coming Out ermutigst und glaube auch, dass die Eltern in den allermeisten Fällen früher oder später damit klar kommen. Ich habe mit meiner Mutter allerdings eine etwas andere Erfahrung gemacht, die mich bis jetzt sehr frustriert. Sie glaubt mir bis heute nicht, dass ich bisexuell bin. Nachdem ich mich von meiner Freundin getrennt hatte, bin ich nach einiger Zeit mit meinem Freund zusammengekommen. Seit daher betrachtet sie mich als heterosexuell und verneint die andere Seite von mir komplett, was mich manchmal wirklich verletzt. Denn für mich ist es durchaus ein wichtiger Teil meiner Identität.

    • Bisexuelle haben es meiner Erfahrung nach noch schwerer. Zum Teil werden sie von keiner der beiden Welten wirklich akzeptiert. Aus Unkenntnis, Unsicherheit und Verlustangst. Und doch ist es wichtig zur eigenen identität zu stehen und einem Partner nichts zu verheimlichen. Ich kenne genug Fälle in denen die Frauen weiter im Schrank bleiben, um es bildlich auszudrücken. Der Leidensdruck ist ungeheuer groß!
      In Asien ist ein Coming Out für Eltern schlicht DIE Katastrophe. Man verliert dort das Gesicht, wird entehrt und und und … Frauen in Asien gehen daher oft Scheinehen mit schwulen Männern ein und spielen Familie vor. Kinder inklusive, die aber durch künstliche Befruchtung entstehen.
      Meine Mama hatte es auch schwer zu Beginn. Mein Papa komischerweise nicht. Frauen neigen dazu sich eher die Schuld daran zu geben, wie ihre Kinder werden und sind. Was oft hilft ist die Frau / Freundin der Familie vorzustellen und sie ins Leben zu integrieren. Was hilft ist das Gefühl der Liebe zu kommunizieren, das wir für unsere Frauen haben. Meine Yuki ist eine zweite Tochter für meine Eltern geworden. Und ich für ihre. Wir hatten Glück … und den nötigen Dickkopf.
      Weiterhin alles Gute für dich! 🙂

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