Die Baby-Dykes – Neue Lesben braucht das Land

Als „Baby-Dyke“ bezeichnen Lesben gern frisch geoutete (junge) Frauen, die meist einen „Tomboy-Look“, oder „Butch-Charakter“ haben. Die Fachbegriffe finden sich bei google, oder Wikipedia. Aber muss ich die wirklich noch erklären?

In letzter Zeit fallen mir zunehmend junge Frauen „Baby-Dykes“ auf, die „lesbische Erfahrungen“ machen wollen. In Queer-Clubs, Foren und bei Tumblr, gibt es sie zuhauf. Dazu ein Wort von mir. Lesbisch sein ist keine Wahl. Frau ist es, oder eben nicht. Dass Frauen weniger Berührungsängste mit dem gleichen Geschlecht haben, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Bisexualität ist weiter verbreitet, als bisher angenommen. Vor allem bei Frauen, die einen eigenen Weg gehen wollen. Prinzipiell bin ich für die Selbstverwirklichung von Frauen. Sie sollte machen können, was sie will. Aber als geborene Lesbe, die nie mit einem Mann zusammen war, sind mir diese „Baby-Dykes“ suspekt.

Baby-Dykes kleiden sich nicht nur lesbischer, als jede Lesbe, ihr ganzes Verhalten ist laut und viel zu schrill. Für mich sind diese Mädels reine Spielerinnen, die nur Herzen brechen. Die wenigsten werden lesbisch bleiben und flüchten nach einer Phase (wieder) in die Arme von Mann. Zurück bleiben gebrochene Herzen.

Schon sehe ich die KritikerInnen mit dem Finger auf mich zeigen. „Du hast doch auch schon Heten verführt, Mayumi!“ Ja, das habe ich. Aber dazu gehören immer Zwei. Ich habe nie Liebe geheuchelt, oder Ehen zerstört. Es war Spiel, Spaß, auf beiden Seiten. Und es war immer gut.

„Warst du nicht auch mal eine „Baby-Dyke?“, mag die nächste Frage sein. Und da muss ich leise lachen. Ich bin eine Alpha und keine Butch. Lange Haare, wenig Schminke, aber meist ein Tomboy-Look. Und maskulin habe ich noch nie gewirkt. Immer japanisch, frech und hübsch.

In einer sich wandelnden Gesellschaft zeigt diese neue Lust von Frau, wo wir wirklich stehen. Und obwohl ich einerseits froh darüber bin, dass Homosexualität sichtbarer wird, so stehe ich dieser Hype auch skeptisch gegenüber. Und da bin ich nicht allein.

In meinem Bekanntenkreis sehen die Mädels das ähnlich. Zwar nehmen manche das „Frischfleisch“ gern mit, aber langfristiger Spaß ist anders. Plötzlich entstehen wieder Lager, die bereits halb in Vergessenheit geraten waren. „Echte Lesben“ gegen „Baby-Dykes.“ Und das ist ein ziemlich schlechter Film.

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19 Kommentare zu “Die Baby-Dykes – Neue Lesben braucht das Land

  1. „Baby-Dykes – Da habe ich einen neuen Begriff gelernt. Kann es nicht auch sein, dass die Mädchen gelangweilt vom täglichen Leben auf die Suche nach dem Abenteuer gehen und mit dem Feuer spielen? Sie tun etwas, das in ihren Augen möglicherweise „verboten“ oder „tabu“ ist. Das passiert bei jungen Leuten zur Zeit fast überall. Ich habe es selbst erlebt, dass sich ein Mädchen auf einer (nicht besonders dicht befahrenen) Kreuzung auf den Boden legte und sich von ihren kichernden Freundinnen fotografieren ließ. Wie ich im Fernsehen dann gesehen habe, ist das ein richtiger Trend. Wahrscheinlich geht das mit den Baby-Dykes auch irgendwann wieder vorbei. LG – Ulrike

    • Ja, in gewisser Weise hast du recht mit dem Abenteuer. Aber es sind nicht nur jungen Frauen! Plötzlich scheinen sich auch vom Leben und Ehemann Enttäuschte auf zum Teil tief vergrabene Gefühle zu besinnen. Nur verstehen die nicht, dass „wir“ kaum auf sie warten und sie noch ein falsches Bild der Szene vermitteln.
      Vermutlich wird von den Spielerinnen noch bei der Freundin geprahlt, wie sie „die Lesbe“ rumgekriegt hat. Früher waren wir die Jägerinnen. Und einige sind das immer noch.

  2. Es ist schwierig, dazu eine Meinung zu äußern, weil du selbst irgendwie zerrissen erscheintst dabei. Einerseits willst du mehr Öffentlichkeit, andererseits wirkt diese Art der Öffnung auf dich scheinbar falsch. Einerseits lässt du jeden sein, wie er will, und sagst, Bisexualität nimmt zu, andererseits scheinst du diese Form der Sexualität nicht ganz zu verstehen, zumindest besagt das der darauffolgende Satz.

    Ich kann schon verstehen, dass diese kurzfristigen Modelesben euch grinsen lassen. Und wahrscheinlich würde ich, wäre ich du, auch die Augen über sie rollen, denn es geht ja hauptsächlich um die Art, wie sie sich kleiden und geben, die euch aufregt. Und weil ich mit Posern, und irgendwie sind sie das, nicht viel anfangen kann, würde ich sie auch nicht als Frischfleisch sehen. Aber ich würde sie sein lassen, wie sie eben in diesem Moment sein wollen. Irgendwie pseudo-lesbisch und scheinbar hauptsache „offen“ und nicht rein-hetero 🙂

    • Pseudos und Imitate werfen leider ein falsches Bild auf uns. Vor allem Mann wird nun (zu Unrecht!) denken, dass wir alle bisexuell sind. Für die meisten Männer ist Sex zwischen zwei Frauen vermutlich hochattraktiv. Wie sonst wären die lesbischen Fake-Pornos zu erklären. Die sind von Mann für Mann gemacht.
      In gewisser Weise sehe ich es als Erfolg der LGBT-Bewegung, wenn wir nun imitiert und damit akzeptiert werden. Nur die gebrochenen Herzen haben eine schlechte Qualität. Ich werde noch darüber berichten. Oder Yuki. Die mag auch mal wieder bloggen.

      • Oh, Yuki will bloggen? Immer her damit, ich lese zu gerne Ihre Sicht auf die Dinge – vor Allem natürlich auf Schwesterchen Biest! 😉

  3. Suspekt trift es genau. Übertreiben es Maßlos und sobald man mal den Staub wegwischt, kommt doch wieder eine Hetero zum Vorschein.
    Nach meiner ersten Trennung ( nach über 10 Jahren zusammen seit der Schulzeit / hab die erste festgehalten die mir übern Weg gelaufen ist ) bin ich mal auf so eine reingefallen, weil ihr Trösten einfach gut tat. Hinterher wars noch viel schmerzhafter…

    Aber… meine Chefin findet die gut. Die bringen den meisten Getränkeumsatz in der Bar.
    Mir sind da selbst lesbische unoperierte Transfrauen lieber, zumindest die die dazu stehen das sie nie prima Ballerina werden.

    • Wenn es (dir) gelingt emotionale Distanz zu wahren und nicht sofort die große Liebe zu sehen, kannst du auch Spaß mit Baby-Dykes haben. Aber aus dem Alter sind wir beide raus denke ich.

      • Jap.
        Für 1-2 Nächte mach ich höchstens mal wenn ich weiß das mein Gegenüber erfahren ist und es die min. 2-3 Tage Heulen danach Wert war. D.h. ja ich glaub nach wie vor an die große Liebe… schließlich bin ich ja auch ein großes Mädchen. *fg

  4. Interessant, der Trend ist mir als Außenseiterin bisher verborgen geblieben. ^^ Ich glaube da spielen mehrere Dinge eine Rolle. Wie bereits von Vorrednerinnen erwähnt, ist es sicher die Suche nach dem Abenteuer und das Verlangen etwas ausprobieren zu wollen. Andererseits habe ich manchmal das Gefühl, dass von vielen Leuten geradezu erwartet wird, dass Frauen bereits mindestens einmal etwas mit einer anderen Frau hatten. Vielleicht gerade weil die von dir erwähnten Fake-Lesbenpornos so beliebt sind und Offenheit gerade ohnehin schick ist und dann will man nicht hintenanstehen und probiert sich lieber auch in der Hinsicht „Frau liebt Frau“ mal aus, dann kann man das immerhin später den Enkeln berichten. Oder der besten Freundin, wenn man über „die Männer“ jammert, die einem zuletzt das Herz gebrochen haben. Sehr faszinierende und irritierende Entwicklung auf jeden Fall. 😀

    • Szene-Clubs sind sehr beliebt bei Heten. Ein Grund: Sie konnten dort ungestört tanzen, feiern, ohne von Mann angebaggert zu werden. Das ging soweit, dass nur noch Stammgäste eingelassen worden sind.
      Weißt du, viele Menschen glauben, dass Lesben auf jede Frau stehen. Da werfe ich mich weg vor Lachen 😀 Ich bin von Bi-Mädels früher angebaggert worden, Heten haben zu flirten versucht. Aber ich bestimme mit welcher …. oder eben nicht.
      Klar spielt Neugier eine große Rolle. Wobei ich nie auf die Idee käme einen Mann zu testen. Warum auch? Er kann mir nicht geben, was ich nicht schon viel besser habe.

      • Das ist auf jeden Fall ein großer Vorteil von Clubs mit nur Frauen ^^ Schwulenclubs sollen da aber auch sehr beliebt sein, nur schmuggeln sich da wohl öfters Heterokerle zum Flirten ein. 😉
        Ist doch vollkommen logisch, da Heterofrauen ja bekanntlich auch auf jeden Mann stehen. Is doch so, oder?!? 😛
        Du bist ja auch keine der frustrierten Damen, die heulen, wie furchtbar alle Männer doch seien. 😉 Wenn es klappt, hat man in der Tat keinen Grund an anderen Ufern nach dem Glück zu suchen, bei Frustration ist das ein (meistens wohl erfolgloser) „Alternativplan“ 🙂

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