Wenn der Porsche zweimal hupt

Es gibt Tage da weiß ich, dass Dinge passieren. Meist mir. Obwohl ich die Friedlichkeit in Person bin.
Meist habe ich Ärger mit Mann, der gern die Wildsau im Blumenbeet imitiert. Grunzen inklusive.
In der Regel sind Klischees daneben und taugen auch nicht wirklich viel. Aber bei manchen Autofahrern ist oft das Gegenteil der Fall.
Platz da, jetzt komm ich!

Mittwoch, 11:30 Uhr, wir fahren in einen Elektronik-Konzern. Der Name ist egal, aber blöd ist anders und Experten gibt es überall.
Die Radar-App im Handy piept, ich habe den Kasten schon gesehen. Brav tuckert der Z mit 50 km/h.
Schnell sein ist anders. Ich komme auch so ans Ziel.
Die Entdeckung der Langsamkeit.

Ein schwarzer Porsche aus Essen fährt (zu) dicht auf. Ich kann das genervte (Rot)Gesicht des Fahrers sehen.
„Da wills wieder einer wissen“, sage ich knapp und Yuki nickt. Sei lieb, sagen ihre Augen.
Ich biege ab und es folgt ein Hupkonzert des Porsche. Auch den Vogel zeigt mir der Mann.
Sein 911er schießt davon und muss prompt bremsen. Stuttgarter Verkehr schließt rasen aus.
Wenn der Porsche zweimal hupt.

Als wir am Ziel sind habe ich den Vorfall schon vergessen. Wir steigen aus und plötzlich hält ein Porsche an.
Das Rotgesicht aus dem Pott. Warum nur immer mir?
„Sie da!“, bellt der Typ auch prompt. „wo haben Sie den Führerschein gemacht?“
Ein BLick zu Yuki, die Rollen sind verteilt. Wir spielen japanische Touristen.
Manche Worte sind nicht einfach zu verstehen.

„Was will der Kerl denn?“, fragt mich Yuki auf japanisch. „Ist der irgendwie doof?“
„Ja, clever ist anders“, erwidere ich und mustere die 1,75 Meter Kugel auf zwei kurzen Beinen. Und eine Rolex trägt er auch.
„Na ist ja mal wieder typisch!“, poltert der Pottler. „Sprechen kein Wort deutsch und fahren so einen Wagen! Oder habt ihr den geklaut?“
Wir lächeln den Typ an, was ihn noch mehr in Rage bringt.
„Sind die alle so da oben?“, will Yuki von mir wissen. „Wenn ja, lass uns in Stuttgart bleiben.“
Der Typ ist keine Perle aus dem Revier.

„Das sage ich Ihnen!“, tobt der Wüterich, „Sie haben mich behindert!“
„Der ist echt behindert“, kommentiert Yuki trocken und mustert ihn von Kopf bis Fuß.
Ich schenke dem Kerl mein süßestes Lächeln und eine Verbeugung mache ich auch.
Noch vor einigen Jahren hätte ich anders reagiert. Aggressiver, wilder. Heute macht es mir Spaß, das Frauchen zu spielen.
Biest incognito. Beware!

Unser Gegenüber tobt noch weiter und verfällt zunehmend in heimischen Dialekt. Einige Stuttgarter bleiben stehen und schütteln den Kopf.
Wir amüsieren uns prächtig und sprechen weiter japanisch, bis ich dem Spiel ein Ende mache.
Angst haben bekanntlich nur die anderen. Dieser Kugelblitz macht sie mir nicht.
„Hömma du Erdmänneken“, sage ich mit eisiger Stimme, „getz is hier abba Schicht im Schacht!“
Sein Mund klappt nach unten, ich kann fast die Mandeln sehen.
Und Goldzähne hat er auch.

Yukis japanische Disziplin hält keine weitere Sekunde, ihr Elfenlachen spornt mich erst richtig an.
„Machma n Kopp zu“, fahre ich fort. „Getz hasse Muffensausen, wie? Dat hasse nich gedacht, wonnich?“
Ich muss keinen Ton mehr sagen. Herr Kugelblitz zieht ziemlich belämmert ab.
Auch Japanerinnen können Dialekt. Ich hoffe er hat euch geschmeckt.

Diese Anekdote ist am Mittwoch, den 01.April genau so passiert. Aber Scherze sind anders und die Realität hat oft einen seltsamen Humor.

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52 Kommentare zu “Wenn der Porsche zweimal hupt

    • Tach auch! Wie isses? 😀 Und danke fürs lesen!

      Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen, habe aber auch das Ruhrgebiet erlebt. Die Menschen da sind schon okay, ich fand den Dialekt zum schreien. So wirklich kann ich ihn nicht, aber diese Worte hatte das Kerlchen kaum erwartet von einer Japanerin 😀
      Ich hoffe deine Missvergnügungen gingen auch glimpflich aus. So was muss man nicht erleben.

      • Gut isses, langes Frei-Sein rückt sündlich näher. ^^

        Nicht wirklich. Und durch einen beherzten Sprung kam ich auch aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Meine Ausdrücke danach waren wenig gentlemanlike aber bestimmt mit viel (schwäbischem) Dialekt 😉 – und verhallten leider ungehört.

  1. Hihi… ich glaub da hätt ich nicht so eine Beherschung mehr gehabt gestern. ( muste gestern viel fahren in Hamburg Stadt und noch 2 mal 125km Autobahn )
    Aber so Typen sind auch nützlich. Sie machen einem prima die Linke Spur frei auf der Autobahn.

    • Vor einigen Jahren hätte der Typ gelitten, da wäre ich ziemlich schnell (verbal!) explodiert. Aber ich beherrsche den Ruhrpott-Dialekt ansatzweise und es passte bei dem Kerl perfekt! 😀
      Wenn ich mit dem Z unterwegs bin gibt’s auch lustige Anekdoten, wenn die Herren Porschefahrer mir nicht folgen können. Ich spreche vom normalen 911er, der Turbo ist eine andere Liga.
      Uns machte es einen Riesenspaß, den Typen zu provozieren. Und Yuki kann durchaus auch austeilen, wenn sie will. Sie hatte Bauchweh vor Lachen 😉 Frohe Ostern für dich!

  2. Sehr gut reagiert, wirklich sehr gut.

    Wobei ich mal gelesen habe, dass Porschefahrer die diszipliniertesten Autofahrer überhaupt sind. Hintergrund soll sein, dass wer sich einen Porsche leisten kann, Imponiergehabe nicht mehr nötig hat. Aber Ausnahmen bestätigen wahrscheinlich die Regel.

    • Auf dich habe ich schon gewartet, lieber Stern des Waldes. Du fährst nicht zufällig …? 😛 Ich erlebe oft das Gegenteil. Mein (umgebauter) Z wird nicht ernst genommen, oder als Gegner angesehen. Aber der hat einen Stillen-Supercharger und 500 PS +. Da ist beim normalen 911er Schicht im Schacht.

  3. Danke für das Lächeln im Gesicht – das kann ich heute besonders gut gebrauchen!
    Ich wär so gern dabeigewesen….

      • Ich könnte auch fremdsprachig zurückschallen in entsprechender schimpflage – engl., franz. (besonders gut, da dort halbes Jahr gearbeitet…), span. und so ein bischen osteuropäisch fluchen kann ich auch noch.
        Nur entsprechend mit Abstand, da ich Deine SV-Kenntnisse nicht habe. Aber wie sagt der Schwabe doch: Angscht hann i koine, aber saua kann i 😉 😉

        Erholsame Ostertage Euch beiden!

      • Ich kann freundlich lächelnd auf Japanisch beleidigen, schimpfen und toben. Aber warum? Deutsch (mit Dialekt) ist eine so tolle Sprache dafür 😉
        Danke für die Wünsche, tolle Ostern hatten wir.

  4. Wie geil ist das denn, … oh manchmal hab ich mir auch schon gewünscht einfach in einer fremden Sprache dem anderen noch mehr in Rage zu bringen und dann die Bombe platzen zu lassen, … das würde in Berlin gewiss auch geil kommen! Ihr habt toll reagiert!

  5. Du hast ganz wunderbar reagiert! Und den Typen furchtbar blamiert. Der erinnert sich noch in Jahren daran! So ist es doch viel besser, als wenn Du richtig bös ausgeteilt hättest. Das hätte bei weitem nicht diesen tiefen Eindruck gemacht. Und vielleicht hat er sogar etwas gelernt. 😉 Ich wünsch Euch beiden schöne Osterfeiertage – Ulrike

  6. XD

    Oh Mann, irgendwie tut mir der Kerl leid. Was muss der für ein trauriges, leeres Leben haben, dass er wegen ein paar Minuten hinter einem (aus seiner Sicht) zu langsamen Auto euch verfolgt, um euch zur Schnecke zu machen? Aber schön hast du ihn abserviert XD

    • Ob der uns verfolgte weiß ich nicht. Aber solche Ausraster habe ich schon öfter erlebt. Gestern war auch irgendwie ein besonderer Tag. Vermutlich hat der Erdtrabant wieder schuld. Frohe Ostertage aus dem Elfenheim!

  7. Antworten geht nur begrenzt, also ein neuer Kommentar: Ausweichen war in dem Fall gesünder, das Karosserieteil hätte sich als widerstandsfähiger erwiesen. Das Knie war in sicherer Entfernung. 😉

  8. Liegt das irgendwie am Tag? Hatte gestern auch so ein Erlebnis. Ich vor Kreuzung, Ampel grün. Aber auf der anderen Seite leider die Bahnschranke unten und er Platz zwischen der Bahnschranke und der Kreuzung war schon voll. Also bin ich brav stehen geblieben. Vor allem, weil es eh bald rot wurde und dann die Leute aus der anderen Richtung fahren wollen (fahre da täglich durch – kenne die Kreuzung gut).

    Aber der hinter mir (ein männlicher Taxifahrer) dachte wohl anders darüber. Zuerst hupt er mich an. Zwei mal. Danach drängt er auf die rechte Spur. Und die rechts-Abbieger haben früher grün. Als dann grün war biegt er allerdings nicht rechts ab, sondern drängt sich gerade über die Kreuzung rüber. Hupt alle anderen, die tatsächlich Vorrang haben, und erkämpft sich seinen Vorrang um danach im Weg zu stehen.

    2 Minuten später ging dann die Bahnschranke wieder hoch, ich habe grün gekriegt und durfte dann die nächste Zeit hinter ihm herfahren… So viel hat es ihm also gebracht. Nur ein Auto weiter vorne war er. Welches dann an der nächsten Kreuzung, wo er zum links abbiegen warten musste, auch noch frech rechts an ihm vorbeifuhr…

    Wenn der mich so angehalten hätte, wie es dir passiert ist, hätte ich dem auch ganz schön die Meinung gegeigt.

    • Aggressive Autofahrer gibt es leider immer wieder. Als Frau wirst du kaum ernst genommen. Vor allem Ortsfremde machen oft den Molli und führen sich krass auf.
      Mein 370Z ist ein Geschoss, dem du die mehr als 500 PS nicht ansiehst. Immer wieder werden wir auf der Autobahn von Boliden bedrängt, die es unbedingt wissen wollen.
      Situationen wie gestern können auch schnell in Handgreiflichkeiten enden. Die wären der Kugel aber weniger gut bekommen 😉
      Frohe Ostern für dich und liebe Grüße aus dem Elfenheim.

  9. Grossartig. Nur am Rande: es gib auch Porschefahrerinnen, aber die sind wohl eher zivilisiert. Überhaupt habe ich schlechtes Benehmen bisher nur selten von Fahrern wirklich teurer Gefährte erlebt. Meine Lösung: Tempomat, und rollen lassen 😉

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