Liebe kennt kein Geschlecht – Teil 2

Wir sind zu Besuch bei Freundinnen. Sabine und Heike, ein wundervolles Frauenpaar. Und ein weiteres Beispiel für die Liebe und gegen Homophobie. Hier nun Teil 2 des Interviews. Viel Spaß beim lesen!

„Ich hatte damals eine Trennung hinter mir“, fährt Heike fort. „Meine Partnerin hatte mich verlassen. Und mehr als 10 Jahre hinterlassen tiefe Spuren. Aber mein Blick ging auch nach vorn. Da gab es plötzlich diesen blonden Engel. Und ich habe Hallo gesagt.“
„Ja, das hat sie wirklich“, sagt Sabine und streichelt Heikes Hand. „Ich war froh, dass jemand mit mir spricht. Aber dass sie auf Frauen steht, habe ich nach fünf Minuten schon gewusst.“
Heike ist wirklich überrascht von dem Geständnis, das ist ihr deutlich anzusehen.
„Das hast du mir nie gesagt“, schmollt sie gekonnt. Und sofort gibt ihr Sabine einen Kuss.
Wie war das noch mit den Spielchen? Frauen können das perfekt.

„Und weiter?“, will ich wissen. „Wie standest du dazu?“
„Meine beste Freundin ist lesbisch“, antwortet Sabine. „Ich kenne die Szene, weiß was passiert. In Frauenclubs war ich auch, aber nur als Begleiterin. Lesbische Frauen waren nie mein Ding. Aber sie haben mir mehr Verständnis entgegengebracht, als andere Frauen. Und ich denke nicht, weil sie mir nur ins Höschen wollten.“
Aber kann sich Frau da sicher sein?
Ich muss schmunzeln, ich weiß es gut. Aber es stimmt, nicht alle Frauen sind gleich.

„Wir hatten einen tollen Abend“, fährt Sabine fort. „Ja, ich habe mit ihr getanzt. Und ich fühlte mich plötzlich wieder begehrt, als ich ihr Interesse bemerkte. Da hat sich ein neuer Mensch für mich interessiert. Und nicht so plump, wie Mann.“
„Du hast sie verführt?“, will ich von Heike wissen, die sofort die dunkle Lockenmähne schüttelt.
„Von wegen!“, gibt sie preis. „Rate, wer mir einen Kuss zum Abschied gab?“
Und Sabine wird prompt rot.

„Ich war beschwipst“, erklärt Sabine schnell. „Und in mir war dieses tolle Hochgefühl. Heike war der richtige Mensch zur richtigen Zeit. Ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt. Und dann habe ich von ihr geträumt.“
„Ich habe meine arme Schwester am nächsten Morgen aus dem Bett geklingelt“, sagt Heike, „um an Sabines Adresse zu kommen. Und dann habe ich mich ins Auto gesetzt und bin zu ihr gefahren. Völlig spontan und voll auf Risiko. Aber worauf sollte ich auch warten? Dass die Süße selbst in die Gänge kommt? Das wäre vermutlich nie passiert. Der Mut hatte sie bereits halb verlassen.“
Sabine nickt und holt tief Luft.
„Stellt euch nur vor, da klingelt die bei mir! Ich dachte ich müsse im Erdboden versinken vor Scham. Und was hab ich doofe Kuh gemacht? Sie reingebeten, Essen gekocht und den ganzen Tag mit ihr verbracht.“
Klassisch. Liebe geht auch durch den Magen.

„Der Tag war irre“, erzählt nun wieder Heike. „Die Süße kann sowas von gut kochen, da könnte ich glatt neidisch werden.“
„Du kochst doch auch lecker“, wird sie von Sabine gelobt. „Nur eben anders, ich musste ja immer viel Kindergerichte machen.“
„Hast du dich damals in sie verliebt?“, will ich von Heike wissen. „Oder erst im Lauf der Zeit?“
„Am Vortag schon“, gesteht Heike fast verlegen. „Ich wusste, die oder keine mehr!“
Sabines Augen schimmern feucht, als ihre Partnerin dieses Geständnis macht.
„Und du?“, frage ich. „Wie war das bei dir?“
Frauengeschichten. Ich höre sie immer wieder gern.

„Ich war geschmeichelt. Und aufgeregt. Verwundert. Auch über mich und wie, vor allem was ich fühlte. Ja, ich wollte Heikes Aufmerksamkeit. Ihre ganze Persönlichkeit hat mich zutiefst berührt. Oder besser umgehauen, das kommt der Wahrheit schon sehr nahe.“
„Aber du hattest noch nie zuvor etwas mit einer Frau?“, stelle ich klar.
„Nein“, erwidert Sabine. „Noch nicht mal einen Kuss. Aber in meinem Bauch und meinem Herz waren plötzlich Schmetterlinge. Und ich habe mich nur ganz kurz gewehrt. Meine Freundin hat sich für mich gefreut und mir sogar noch Mut gemacht. Sie kennt Heike und weiß, dass ich keine bessere Frau finden kann. Und auch keine bessere Mutter.“
„Ach nee?“, kommt es wie eine Stimme aus Yukis und meinem Mund.
Wir lachen. Ja, Sabine ist schwanger. Mit 39 ist sie noch nicht zu alt und ein zweites Kind wollte sie schon lange. Eine neue Regenbogenfamilie ist entstanden. Und Wildfang Kerstin findet das supercool. Und sie freut sich auf das neue Baby. Sie mag gern die große Schwester sein.

Ja, die Liebe kennt kein Geschlecht. Hier haben sich zwei Menschen gefunden und nicht Hete und Lesbe. Sabine hat übrigens mehrfach unmissverständlich klargestellt, dass sie nichts für andere Frauen empfindet. Nur für ihre Heike. Und so ist es gut.

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21 Kommentare zu “Liebe kennt kein Geschlecht – Teil 2

    • Gern geschehen! Liebe ohne Grenzen? Das wäre schön. Bei den beiden hat es funktioniert, was aber bei Frau (Hete / Bi)- Frau (Lesbe) nicht die Regel ist.

  1. Manchmal schlägt der Blitz ganz ungeachtet sonstiger „Programmierungen“ ein. Wunderschöne Geschichte 🙂

    • Sabine hat sich schon oft gefragt, ob sie nicht doch Bi ist. Aber sie empfindet wirklich keinerlei Verlangen nach einer anderen Frau, als eben ihrer Heike. Und ich gehe fest davon aus, dass sie im Fall eines Scheiterns, wieder zu Mann ginge. Aber du solltest die beiden sehen, das ist fast wie bei Yuki und mir.

  2. Ich habe (meist stumm) schon viele deiner Artikel gelesen. Dieser hier hat mich ganz besonders berührt und zu Tränen gerührt. Danke!

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