Liebe kennt kein Geschlecht – Teil 1

Vor etwa 1 1/2 Jahren hatte ich über eine Hetero-Frau geschrieben, die sich in eine Lesbe verliebt hat. Bei den beiden hatte der berühmte Blitz eingeschlagen und sie wurden sehr schnell ein Paar. Sabine ist jetzt 39 und ihre Partnerin 44 Jahre jung. Sie leben im schönen Hessen, die Stadt ist aus Diskretionsgründen egal.

Sabine hat eine mittlerweile 14 Jahre alte Tochter, die einfach süß und zum knuddeln ist. Mit damals noch kindlicher Unschuld, hat sie die neue Beziehung ihrer Mutter nicht nur akzeptiert, sondern drollig kommentiert. „Ich habe jetzt zwei Mütter, das ist voll cool!“, waren ihre Worte.

Sabine und Heike ergänzen sich ideal. Sabine ist Beamtin, Heike verkauft Häuser. Dank Heimarbeit ist immer eine Frau zu Hause und kann sich um Frechdachs Kerstin kümmern. Die übrigens total auf Jungs steht und gleich mehrere Verehrer hat. Aber alles noch kindlich harmlos. Da wird nicht mal gefummelt, aber schon geküsst.

Die Kleine ist recht zierlich, aber wehe jemand wagt es über Lesben zu lästern. Laut Sabine wird Kerstin dann richtig wild! Ihr Vater ist ein Schwarzgurt im Taekwon-Do und unterrichtet sie seit vielen Jahren. Er war kein guter Ehemann, wie mir Sabine gesteht. Er ging stets fremd und hat vier (un)eheliche Kinder. Aber Kerstin liebt er wirklich. Er kann also kein so schlechter Vater sein. Aber ein Idiot.

Wir haben Sabine schon öfer besucht. Und letzte Woche hat sie einem Interview zugestimmt, das ich mit ihr und ihrer Partnerin führen möchte.
„Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?“, will ich wissen. „Und war es wirklich Liebe auf den ersten Blick?“
Sabine streicht sich fast verlegen durch die blonden Haare und Heike schaut sie liebevoll an. Sie ist dunkel, mit grünen Katzenaugen. Treu wie Gold und Kinderlieb.
„Es war auf der Hochzeit einer Bekannten“, beginnt Sabine. „Ich war ebenfalls eingeladen und wollte ursprünglich nicht mal gehen.“
„Warum das denn?“, frage ich sofort nach, obwohl ich die Antwort bereits kenne.“
„Weil es mich traurig machte, wenn andere Menschen glücklich waren“, sagt Sabine mit ernstem Blick. „Mein Ex-Mann hat mich nach Strich und Faden betrogen. Es hat 3 Jahre gedauert, bis ich wieder vertrauen konnte. Und dann hat mich mein neuer Freund auch verlassen. Wegen eines Motorrades, dem er verfallen war. Er wollte mich immer mitnehmen, aber ich hatte einfach Angst. Was wenn wir einen Unfall hätten? Ich muss doch an meine Tochter denken. Aber er hat das nicht kapiert.“
Manche lernen’s nie.

Das Interview wird kurz unterbrochen, denn Wildfang Kerstin stürmt in den Raum. Aufgeregt winkt sie uns zu.
Im Gefolge hat sie ein asiatisches Mädchen, das mich sofort verzaubert.
„Tante Mayumi, Tante Yuki, schaut wen ich mitgebracht habe! Das ist Mamiko!“ (Tochter von Mami)
„Mamiko-chan“, sage ich leise auf Japanisch und ernte ein scheues Lächeln. „Wir haben fast die gleichen Namen. Ich bin Mayumi. Du weißt doch, was das heißt?“
Die Kleine nickt und strahlt. Wir wechseln einige Worte, dann laufen die Mädchen nach draußen. Ich wechsele einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. Ihr Kinderlein kommet.

Nun ist Heike an der Reihe. Nun muss sie gestehen. Und das macht sie gern.
„Kanntest du Sabine schon?“, frage ich.
„In einer Kleinstadt kennt man sich eher“, ist die lächelnde Antwort. „Ich hatte sie schon gesehen. Ein Gesicht in der Menge, das Frau schwer vergisst. Da bin ich ehrlich.“
„Ach?“, empört sich Sabine gespielt. „Das hast du mir noch nie gesagt!“
„Du musst nicht alles wissen meine Süße“, erwidert Heike lachend. „Frau darf auch so ihre kleinen Geheimnisse haben. Stimmt’s Yuki?“
Elfchen nickt bezeichnend und schaut mich frech an.
Verschwörung der Elfen? Das wird interessant!

„Und  sie fiel dir dann gleich auf dieser Feier auf?“, frage ich weiter. „Und warum warst du eigentlich dort?“
„Das ließ sich kaum vermeiden“, sagt Heike. „Die Braut ist meine Schwester.“
Alles lacht und ich notiere, dass Frauen meist zu albern sind. Ich natürlich auch.
„Sabine fiel mir sofort auf“, fährt Heike fort. „Sie hat so zerbrechlich und verloren gewirkt.“
„Mama Butch“, necke ich Heike und sie lacht.
„Ja“, sagt sie. „So bin ich. Ich muss auch immer helfen.“
„Und du kanntest Heike auch?“, richte ich das Wort an Sabine.
„Jein“, erwidert sie. „Ja, ich hatte sie bereits gesehen. Aber ohne mir viel dabei zu denken. Du siehst Menschen, aber du kommst nie in Kontakt.“
„Was ich an diesem Tag geändert habe“, gesteht Heike.
Mutige Frauen braucht das Land.

„Du hast sie einfach so angesprochen?“, will ich wissen. „Ich dachte immer, das sei mein Part.“
„Wer hat denn wen bitte angesprochen?“, fragt Yuki mich prompt. „Ich dich, falls du dich erinnerst.“
„Ach ja?“, necke ich sie. „Eigentlich ging es dir ja um meine Hose. Das Gespräch habe ich in Gang gebracht.“
„Ihr seid echt der Wahnsinn“, sagt Sabine und schaut uns abwechselnd an. „Wenn man euch zuhört könnte man an Streit denken. Aber ich weiß, es ist nur Spiel.“
Elfchen lacht und schmiegt sich in meinen Arm.
„Ja“, sagt sie. „Die Dicke ist wirklich eine Puppenspielerin.“
Dabei bin ich nur Yukis Marionette. Aber das habt ihr euch bestimmt schon so gedacht.

Fortsetzung folgt …

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19 Kommentare zu “Liebe kennt kein Geschlecht – Teil 1

    • Vor einigen Jahren hätte ich genau diesen Satz ebenfalls gesagt. Heute formuliere ich ihn anders: Jeder Mensch kann (prinzipiell) jeden Menschen lieben.

      • Das glaube ich auch, aber ich denke doch, dass die primäre sexuelle Orientierung nicht einfach so verschwindet. Als Hetero Frau in einer lesbischen Beziehung zum Beispiel würde mir im sexuellen Bereich doch was fehlen. Gut, es gibt natürlich Spielzeuge jeder Art, aber das ist doch nicht ganz dasselbe ……. vielleicht auch nicht ……

      • Wir sprechen von einer Frau, die zutiefst von Männern enttäuscht worden ist. Betrogen, gedemütigt, verlassen. Die meisten Heten sprechen sofort den Penis an, wenn das Thema auf Beziehungen kommt. Ich finde das witzig und fast wirkt das vorgeschoben. Es geht nicht um Sex, oder wie Frau befriedigt werden möchte. Wir sprechen von der Liebe zweier Menschen. Zufällig sind es zwei Frauen. Alles gut.

        Es gibt eine Menge Hetero-Frauen, die sich mit Lesben einlassen. Oft nur aus Neugier, aus purem Spaß. Das endet nie gut für die Lesbe, die dann natürlich die Dumme ist. Aber es gibt auch Schwestern, die Heten jagen, sie umdrehen, vernaschen, wie immer Frau das auch nennen mag. Da geht es nur um Sex, um Lust. Von Liebe reden wir später. Ich werde im zweiten Teil des Berichts noch einige Fakten nennen. Und vielleicht in Zukunft auch noch mehr darüber schreiben, wie Frauen sich finden und lieben (lernen). Bei mehr als du vielleicht glaubst, ist die Neugier da. 😉

      • An der Neugier zweifle ich in keiner Weise auch nicht am Verlieben, auch nicht an der Beziehung an sich, nur am sexuellen Teil, an der Möglichkeit des Umdrehens. Sexuelle Orientierung ist doch angeboren und Lust und Liebe sind nicht zwei getrennte Teile des Lebens ….
        Aber ich bin schon gespannt auf den zweiten Teil.

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