Und es hat Bumm Bumm gemacht!

Ein Lied, das kurz nach meiner Geburt entstand und eine Aussage über die Berliner Techno-Kultur, sie prägen heute Thema und Überschrift meines Blogs. Ein Beitrag mit einem ernsten Hintergrund. Ein Beitrag, den ich nur schreiben kann, da ich ihn meiner Reaktion verdanke. Kurz und knapp: Ein Testwagen ist Schrott und wir kommen aus dem Krankenhaus.

Es ist Dienstag, der 27.Januar 2015. Ein Tag an dem Elfchen und ich neu geboren werden. Ein Tag der voll Glück beginnt und in einer Katastrophe endet. 9:30 Uhr, die Straßen sind belebt, aber kein stressiger Berufsverkehr. Der Audi gleitet manierlich über die Autobahn. Rasen, das machen nur die anderen. Unser Ziel ist München, ein Auftrag wartet dort. Gut gelaunt sind wir auf dem Weg.

Wir verbinden stets angenehm und nützlich. Testfahren kann so einfach sein. Bald schon steht Norwegen vor der Tür, ein Ritt auf blankem Eis. „Tausend mal berührt, tausend mal ist nix passiert, tausend und eine Nacht und es hat zoom gemacht“, klingt es aus dem Radio. Klaus Lage heißt der Sänger. Und irgendwann habe ich das Lied bereits gehört.

Gedankenverloren summe ich mit und ernte ein freches Elfenlachen. Yuki weiß, wie sie mich necken kann. Und necken will mich offenbar auch ein Mercedes, der nicht anders, als dicht auffahren kann. Mit einem Blick erfasse ich die Situation. Wenn ich jetzt bremsen muss wars das mit den Ringen der Macht.

Ich schalte einen Gang zurück und schere blitzartig aus. Der V8 brüllt und mehr als 700 getunte PS schieben den Audi voran. Alles gut, der Drängler ist Geschichte. Wir reden über Pläne BaWü zu verlassen. Die alte Heimat ruft und Yuki kommt natürlich mit. Noch ist nichts spruchreif, aber die Tage im Süden scheinen gezählt. Neue Ideen braucht das Land.

Ein Warnlicht im Amaturenbrett, das automatische Getriebe kracht. Ein Motorschaden bei 210 km/h kann niemals gut enden. Der Wagen ist mir egal, ich jage ihn brutal nach vorn. Weg von dem LKW, weg auch von den anderen Rasern.

Der Audi geht ins Notlaufprogramm und mein Programm auf Touren. Yuki erfasst die Lage und wird bleich und still. Nur kurz berührt sie meinen Arm. Ich nicke. Vorsprung durch Technik ist anders.
„Ich liebe dich“, sage ich und versuche den Wagen zu lenken. Aber die Hilfsmittel fallen aus. Ein Auto ohne Servolenkung ist kaum noch zu beherrschen. Vor allem mit einem kaputten Gang.
Per Schaltwippe erzwinge ich die nächste Stufe. Die Leitplanke nähert sich, dann schlägt der Audi ein. Wer schon einmal einen Unfall hatte, der kennt das Geräusch von verformendem Blech. Es ist hässlich, es ist böse. Und es ist sehr laut. Die Stille danach ist bleiern. Hurra, wir leben noch!

Airbags und ausgefeilte Autobaukunst retten unser Leben. Und auch die Erfahrung von tausend Meilen.
Ein Blick zu Yuki. Alles gut. Spontan greife ich nach ihrer Hand.
Die Türen sind blockiert, wir kommen nicht mehr aus dem Wrack. Plan B tritt nun in Aktion. In den Scharnieren haben die Techniker Mini-Sprengsätze verbaut, die per Fernbedienung gezündet werden. Ohren zu und durch. Ich trete den Rest der Tür nach außen. Im Freien holen wir tief Luft.

Ein LKW-Fahrer hat mitgedacht. Er hat gebremst und den Warnblinker eingeschaltet. An ihm kommt keiner mehr vorbei.
Per Handy rufe ich Polizei und Wolf. Während wir warten wird die Unfallstelle gesichert.
Der LKW-Fahrer hilft. Vor allem auch gegen Gaffer. Der Mann ist ein Riese und kann böse schauen. Ich schmunzele. Ein Mensch nach meinem Geschmack.

Wolf mit Team erscheint noch vor der Polizei. Besorgte Blicke und Verständnis von Mann.
„Ist alles in Ordnung bei euch?“
Ich erkläre, was geschehen ist. Die Ingenieure nicken.
Als die Polizei anrückt gibt es Beamtenübereifer. Uns wird sofort mit Strafzettel gedroht.
Wolf wird böse und lässt harte Worte folgen. Technikversagen ist noch nicht unter Strafe gestellt.

Zur Sicherheit werden wir ins Krankenhaus gebracht. Ein Rundum-Check, eine Nacht im Zweibettzimmer. Die Entwarnung kommt am Morgen. Uns fehlt nichts. Nur das Training vom letzten Tag. Aber sind wir ehrlich, was soll Frau mit Elfe schon passieren? Unser Glück kann auch dieser Unfall nicht weiter trüben. Wir sind zusammen. Und das ist alles, was zählt.

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46 Kommentare zu “Und es hat Bumm Bumm gemacht!

    • Was ihr nur immer mit den Männern habt 😉 „Knutschgrippige“ Grüße zurück, wir sind leicht erkältet.

      Weißt du, so schlimm sind Unfälle eigentlich nicht. Auf einer dicht befahrenen Autobahn kann es dann zur Katastrophe kommen. Daher bin ich absichtlich in die Leitplanken der Nothaltebucht gefahren.

  1. Puuuh, zum grossen Glück hattet ihr Elfenglück im Unglück! Ich wünsche euch eine umso friedlichere restliche Woche.

    • Vielen Dank. Zur Zeit bekämpfen wir böse Schnupfen-Viren, die unsere Näschen gerötet haben. Aber dagegen hilft auch Elfenliebe. Daran glaube ich ganz fest. 🙂

    • Wir sind arg durchgerüttelt worden, aber Airbags mildern alles ab. Das Team zerlegt bereits die Reste des Getriebes. Aber vermutlich war ein Materialfehler schuld. Kommt vor. Eben nur doof bei 210 km/h 😉

  2. Phuh, da habt Ihr aber – neben der vorbildlichen Reaktion – mächtig Schwein gehabt. Zum Glück! Schön, dass Euch nichts passiert ist.
    Ich kenne das Gefühl, wenn ein Wagen geschrottet wird – vor x Jahren durch Sekundenschlaf auf der Autobahn. Damals auch gute Reaktion und viel Glück: nur ein paar Schrammen und blaue Flecken – das Auto Geschichte und Charlottchen um eine nachhaltige Erfahrung reicher. ;o)
    Liebe Grüsse
    Charlotte

    • Wir haben nicht mal einen Kratzer. Und meine blauen Flecken haut mir Yuki doch immer 😀 Spaß beiseite. Wie du weißt, habe ich diverse Kurse im Driften, Schleudern, Rennen etc. gemacht. Sogar die A-Lizenz, ich dürfte also richtige Rennen fahren. Nur ist es immer so eine Sache, das auf abgesperrten Strecken zu üben und es dann auf einer dicht befahrenen Autobahn zu erleben. Aber das Training half. Und alles ist gut. Liebe Grüße aus dem Elfenheim an dich.

  3. Scheiße, das hätte schief gehen können! Mit Zwohundertzehn! Da hattet ihr eine Horde von Schutzengeln. Gut, daß Du so ruhig geblieben bist, rumpaniken hilft zwar nix, aber ich weiß nicht, ob ich das so überlegen hinkriegen könnte. Aber ich bin ja auch keine Testfahrerin. Verdammte Hacke, ich hab schon vom Lesen schwammige Kniee! Was bin ich froh, daß euch nichts passiert ist. Erschrockene Grüße mit Erleichterungswortkuß obendrauf, Eure Käthe.

    • Stress, den haben immer nur die anderen. Ein Biest bleibt ruhig. Es waren dann auch keine 210 km/h mehr, mit denen ich in die Leitplanken bin. Aber der Wagen war kaum noch beherrschbar. Ist klar, da drin steckt auch ein „herr = Mann.“ Und die machen immer, was sie wollen. Nur nicht mit Elfchen und mir. Nächtliche Grüße zurück.

  4. Nothaltebucht klingt ja nicht nach viel Platz. Und ja, auf einer Autobahn kann sich das schnell zum Schlechten entwickeln, wenn die Anderen da nicht mitdenken.

    Ein nachträgliches Lob für deine Reaktion – und Gott sei Dank seid ihr ok aus der Sache rausgekommen. Wieder eine Erfahrung mehr.

  5. Meine Güte, das war wirklich knapp! 😨 Ich bin froh, dass euch damals nichts passiert ist. Besonders rührend finde ich, wie ihr in so einem Moment miteinander umgegangen seid.

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