Japanisch, lesbisch, Frau

Japanisch, lesbisch, Frau sind die drei Vorurteile, die mich mein Leben lang begleiten. Nun lamentiere ich darüber nicht, ich zeige lediglich die Fakten auf. Wobei ich bewusst die Frage stelle, warum die Welt zum Teil rassistisch ist.

Wenn du als kleines Kind nach Deutschland kommst, siehst du die Welt mit anderen Augen. Deutschland war spannend, neu und regnerisch kalt. Das sind meine ersten Erinnerungen an Düsseldorf im Winter. Und ja, ich liebe diese Stadt. Und dieses Land, das seit 28 Jahren meine Heimat ist.

Rassismus und Vorurteile habe ich erstmalig als kleines Mädchen erlebt. Am eigenen Leib, als mich ein Junge hart zu Boden stieß. Und am Boden liegen auch all die Flüchtlinge, die in den Augen vieler Deutscher „anders“ sind. Eine andere Hautfarbe, ein anderer Glaube macht sie zu Außenseitern.

„Nein, die wollen wir in Deutschland nicht!“ So der Tenor vieler Gruppen, die sich Rassismus auf die Fahnen schrieben. Dumm nur, dass auch diese Menschen Ausländer in jedem anderen Land der Erde sind. Und auf dem Mars sowieso. Da gehören sie hin. Weit weg von uns, von mir. Und das war nun auch schon fast rassistisch.

Hart, aber fair ist meine Devise im Leben. Und das ist untypisch für die Durchschnittsfrau. Aber weder bin ich Durchschnitt noch das Mäuschen von nebenan. In mir steckt eine Kämpferin, die auch an Schienbeine tritt. Oder blutige Nasen verteilt, wie bei dem schubsenden Jungen. Er hat es nie wieder getan.

Die meisten Menschen kennen Vorurteile nur aus Büchern. Ich erlebe Intoleranz fast täglich. Da stehe ich als kleine Japanerin mit Doktortitel und werde von Mann belächelt. Von Mann, der die Entscheidung trifft, ob ich den Job als Beraterin bekomme, um seine Firma zu retten. „Ach Sie können das …?“ Hätte er das mal studiert.

Noch mehr Gegenwind schlägt mir bei den aggressiven Jägern unter der Spezies Mann entgegen, die mich lüstern mustern. Mann träumt vom Dreier mit „zwei Lesben“ und dass nur (s)ein Penis alles dominiert. Dieser nicht vorhandene „Mehrwert“ taugt vielleicht für jene Frauen, die sich nach Begattung sehnen. Dumm nur, dass selbst nicht lesbische Frauen keine reinen Sexobjekte sind. Mannes Fantasie hat sie nur dazu gemacht.

Man(n) hat mich „Schlitzauge“ und „Japs“ genannt. Beliebt ist auch „Kleine.“ Und das sind nur die nicht vulgären Worte. Auf die anderen verzichte ich in diesem Blog. Als Kind zweier Welten kann ich immer beide Seiten sehen. Ich verstehe die Angst der Menschen ebenso, wie ihre Vorurteile. Ja, auch ich bin nicht frei davon.

Als ich von meinem Frieden mit Mann schrieb, war das ehrlich gemeint. Männer sind nicht länger erklärte Feinde für mich. Aber um gleichberechtigte Partner zu werden bedarf es einiger Mühe, die von beiden Seiten kommen muss. Da hilft es wenig, wenn Machos über meinen Blog herfallen, oder dummdreiste Hooligans ein Küsschen wollen. Da erwacht dann sofort das Biest in mir. Mit oft harten Konsequenzen. Aber nicht für mich.

Japanisch, lesbisch, Frau sind  die drei Begriffe, die ich niemals ändern kann. Und warum sollte ich das wollen? Was ich aber möchte ist mehr Toleranz unter den Menschen. Egal ob sie von Deutschen kommt, oder mir, „der kleinen, lesbischen Japanerin.“ Ich gehe dann mal an mir arbeiten. Habt einen schönen Tag!

Wer mehr lesen möchte: Lass Mann mal ran – Gewalt gegen Frauen und Mein Frieden mit Mann

Advertisements

25 Kommentare zu “Japanisch, lesbisch, Frau

  1. Hat dies auf Wunderwaldverlag rebloggt und kommentierte:
    Die Probleme kennt man auch als Hete, weil ja heute alles über die „sexuelle Neigung“ definiert werden muss. Wird höchste Zeit, sich zu solidarisieren, auch wenn ich immer noch nicht kapiert habe, wer sich diese Unterschiede für Menschen hat einfallen lassen, also: Computer, reblog!

  2. Schön geschrieben und absolut wahr! Die Menschheit braucht nun mal ihre Schubladen, in die sie ihr Gegenüber stecken kann. Dumm halt, dass Du gleich drei Schubladen brauchst ( Du bist ja aber auch frech 🙂 🙂 ). Das verwirrt vermutlich manche und dann ist es einfacher, gleich rassisstisch zu sein. Dämlich, aber leider wahr. Warum sollst Du etwas ändern, wenn Du so leben willst und Dich so wohl fühlst? Und warum musst Du Dich erklären? Jeder doch einfach so, wie er möchte. 🙂

  3. Leider gibt es ja kaum Menschen, die frei sind von Vorurteilen. Ich nehme mich davon nicht aus. Schön wäre halt, dass sich immer mehr dessen bewusst werden und erst einmal nachdenken, bevor vorschnelle Urteile gefällt werden. Nur ist das halt weniger bequem – zum einen, weil es mehr „Hirnleistung“ braucht, zum anderen weil man dadurch auch teilweise sein eigenes Verhalten hinterfragen müsste…

  4. Sehr wahre Gedanken gut formuliert! Da folge ich doch diesem Blog und wünsche alles erdenklich Gute!

    Liebe Grüße aus den Schubladen, Frau, von Geburt an blind, fast fünfzig und alleinstehend!

    Christiane (Texthase Online)

  5. Das kling so bitter, auch enttäuscht und ein wenig traurig. Wir machen ja alle Erfahrungen der Ablehnungen, aber Du hast offenbar davon eine übergrosse Menge erlebt. Verarbeiten kann man das ja mit der Zeit, hoffentlich hat es dich nicht verbittert. Kannst Du inzwischen mit hetero-Männern (die keine Chauvis sind) wieder freundlich-distanziert umgehen? ich wünsche Dir neben der Kraft zu kämpfen auch Zufriedenheit und Glück.

    • Bitter? Enttäuscht? Eher weniger. Ich bin ein positiv denkender Mensch. Aber meine Welt ist anders. Männern stehe ich meist kritisch-distanziert gegenüber. Enttäuscht sind nur die anderen, die mich in ihre Schublade pressen wollten. Zufrieden bin ich mit meinem Leben. Zufrieden neben der besten Frau der Welt zu stehen: Meiner Elfe 🙂

  6. Am einfachsten ist es, wenn man mit dem Strom schwimmt. Man bekommt schon Probleme, wenn man als Heteto kein klassisches 0815 Leben führt. Die Spitzen in der Kindheit kenne ich auch, die Kinder können grausam sein! Das Problem der Intoleranz haben aber alle Länder. Die Intensität der Intoleranz wird anders sein. Du bist zum Glück eine selbstbewusste Frau, kannst gut kontern, dich gut wehren. Leider kann das lange noch nicht jeder.
    LG, Emma

    • Die meisten Menschen – Frauen UND Männer – stehen Ablehnung, Vorurteilen und Gewalt hilflos gegenüber. Der Schock in der Kinderseele sitzt tief, wenn Freunde sie ausgrenzen. Das ist mir zum Glück nie passiert, als Kind ist niemand lesbisch 😉 Und ich fand zwar Jungs in meinem Alter doof, aber Hass war das nicht. Die Begegnung mit dem Dummbeutel hat trotzdem die Kämpferin in mir geweckt. Mein Papa hatte ein Augenzwinkern für mich, als er damals davon erfahren hat. Das ist seine Form des Lächelns. Und ein leises „Gut gemacht.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s