Warum wer auch immer (nicht) lesbisch ist

Die Schmierfinken und Paparazzi der Welt, haben ein neues Opfer entdeckt. Die aus den Twilight-Filmen bekannte Schauspielerin Kristen Stewart steht seit einer Weile im Fokus des meist männlichen Interesses. Nun ist das nicht weiter schlimm mag sich mancher Leser denken. Publicity ist die Schauspielerin gewohnt. Aber wie sie dazu steht nun als lesbisch erklärt zu werden, hat eine völlig andere Qualität.

Die Fakten: Kristen hat über Weihnachten und Sylvester Urlaub mit ihrer Freundin Alicia Cargile gemacht. Geldgeile Paparazzi haben die Frauen dabei fotografiert, wie sie … ACHTUNG … Händchen haltend über den Strand spazierten und nebeneinander saßen. Stille im Publikum. Der Saal hält den Atem an … Dann erklingt ein silberhelles Elfenlachen und die lapidare Frage „Na und?“

Und genau an dieser Stelle sollten alle meine LeserInnen lachen. Denn zu mehr taugen die Schlagzeilen der Presse nicht. Liebe Schmierfinken, die ihr euch Journalisten nennt, selbst alte Damen gehen oft Arm in Arm spazieren. Und Händchen halten wir Mädels schon im Kindergarten. Im Gegensatz zu Mann haben wir wenig Angst vor Nähe. Wir genießen sie. Und das hat meist keinen sexuellen Hintergrund.

Zwar ist es mir nicht völlig egal, ob Kristen nun bi, lesbisch, oder doch nur Hete ist, aber im Grunde genommen spielt es keine Rolle. Wichtig ist nur, dass hier ein Mensch glücklich ist und Zeit mit einem anderen Menschen verbringen kann. Und auch wenn dieser Mensch nun zufällig eine Frau ist, was in aller Götter Namen ist dabei?

Aber wenn ich mir das Geschmiere und Geseiere auf diversen Webseiten anschaue, wird mir schon wieder schlecht. Mannes Auswurf ziert lustvoll-gierig die virtuellen Blätter. „Kristen Stewart und Alicia Cargile – lesbische Liebe?“, steht zum Beispiel dort. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Kleinhirne der Schwachmaten schon rattern, um einen Blick auf „lesbischen Sex“ zu erhaschen.

Diverse Kommentare unter den Arikeln zeigen mir, welcher Geist so manchen Poster leitet. Vielleicht solltet ihr euren Kopf gegen die Wand stoßen, an Kristen kommt ihr auch damit nicht ran. Und das ist auch gut so. Mir zeigt der Umgang mit dieser „Neuigkeit“, die schon lange keine mehr ist, wie die Welt wirklich denkt. Lesbisch zu sein, ist noch lange nicht normal. Dabei kennt Liebe kein Geschlecht.

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56 Kommentare zu “Warum wer auch immer (nicht) lesbisch ist

  1. Schön geschrieben, auch wenn die Nachricht selbst vollkommen an mir vorüber gegangen ist. Die Schauspielerin ist von ihrem Können her so gar nicht meine Kragenweite, vielleicht deswegen. Aber das ist egal, vor allem vor dem Hintergrund. Solche Überschriften sorgen für Schlagzeilen, wie du schon sagst. Für verkaufte Bilder, für Projektionsflächen. Die Wahrheit dahinter ist (vielen) egal.
    Aber, btw, liebe Nandalya: Was heißt denn da bitte „nur“ Hete? *zwinker*

    • Du warst soeben Zeugin, wie das Biest in mir vor Wut geschnaubt hat. Ich weiß von Kristens Freundschaft schon seit Wochen. Und ich gönne ihr jegliches Glück. Was mich aber fuchsig macht sind Schmierfinken, die daraus sofort lüstern eine Story machen. Ich stelle mir dann vor, wie sie Yuki und mich ablichten, wie sie Dinge unterstellen, wenn wir im Training mit anderen üben und und und …!

      Im Normalfall ignoriere ich solche Artikel, aber sie sprangen mich seit Tagen immer wieder an. Und dann platzt mir der Kragen und die Worte fließen. Für Freiheit, für die Liebe, die keine Grenzen kennt.

    • Ich verfolge die Szene nun schon seit vielen Jahren. Und einige Promis und Sternchen machen eine recht unglückliche Figur, wenn es um Liebesdinge geht. In meinem privaten Umfeld war das nicht viel anders, viele Mädels haben Hemmungen und große Angst. Schaut man sich an wie die Welt oft reagiert, ist das sehr gut zu verstehen.

      • Hast du den Eindruck, dass es bei Frauen und Männer bezüglich Bekenntnis zur Homosexualität Unterschiede gibt? In der Akzeptanz? In den Reaktionen?

      • Ja, definitiv! Frauen stehen Homosexualität sehr oft viel aufgeschlossener gegenüber. Aber das ist auch regional verschieden. In Dörfern ist das Thema oft noch ein Tabu, in der Großstadt schon gelebte Normalität. Im sogenannten „Coming Out“ gibt es kaum Unterschiede. Es hat nicht jeder Mensch meinen Mut.

        Siehe Japan. Dort ist Homosexualität bei Mann eher toleriert, als bei Frau. Frau hat gefälligst Hete zu sein, ihre wahre Neigung wird einfach ignoriert.

      • Ich erlebe es absolut pauschal gesagt so: Frauen sehen die Homosache recht locker – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.
        Männer können noch mit homosexuellen Frauen mit, aber bei Männern, die sich küssen, ist dann Schluss.
        Das es in Japan anders ist, da merke ich, spielt die kulturelle Prägung bei mir alle Stücke. Das ist gar nicht so leicht sich vorzustellen.

  2. Ach Mayumi, dein Text veranlasst mich, ein wenig von meiner zeit- und auch selbstverschuldeten Abstinenz aufzugeben und dir zu schildern, dass man Homosexualität oft dann angedichtet bekommt, wenn offenbar Unerklärliches geschieht. Beispiel: Mir wurde nach der Trennung von meinem Wäscheberg eine Beziehung mit meiner besten Freundin nachgesagt, denn es ist ja sonst nicht anders zu erklären, wie man einen so tollen Hecht nach so langer Zeit verlassen kann. Außerdem, denk dir nur, waren auch wir zusammen im Urlaub, zwei Mal sogar! Und auch noch für 2 Wochen! Man(n) bestätigte mir allerdings auch meinen guten Geschmack.
    Unlängst bekannte sich eine junge Dame, ortsbekannt und -beliebt aufgrund ihrer sozialen Aktivitäten in unserem Dorf, zu ihrer Partnerin. Weniger wohlgesonnene Menschen wittern nun Nachlässigkeit und Verlust des Pflichtbewusstseins – kann ja gar nicht anders, bei so einer Konstellation! Wir haben einen gemeinsamen Trainer, 78jährig, der gerade gestern, weil darauf angesprochen, zu dem Thema sagte: „Ich bin ja durchaus altmodisch, aber ich meine, jeder soll lieben, wen er will. Das Schlimme daran ist das, was die Medien draus machen.“ In diesem Sinne.

    • Vielen lieben Dank für diesen langen Kommentar. Ich hatte dich schon vermisst! 🙂

      Ein Mann schrieb unter einen der Artikel etwas, dass ich ihm hoch anrechnen muss: Wenn ich mit meinem Kumpel in Urlaub fahre, bin ich dann automatisch schwul?

      Normalerweise lasse ich die Leute reden und zeige auch undamenhaft den Mittelfinger. Aber die Sensationsgier der Menschen, ihre Vorurteile, widern mich oft an.

  3. Das ist ja wirklich albern, da kann man echt nur noch lachen. Und wenn es demnächst Fotos gibt, auf denen sie ein Sandwich in der Hand hält, hat sie dann plötzlich einen Brotfetisch? 😛

    Kristen Stewart ist mir relativ egal, aber wie die Klatschpresse sich ihre Geschichten zusammenspinnt, ist manchmal (häufig?) wirklich peinlich. Und was sie sich zum Skandal zu dichten versucht, zeigt ein recht enges Weltbild.

    • Ein Teil von mir ist eine hoffnungslose Romantikerin. Und wenn was an der Sache dran ist, so ist das auch okay! Die Art und Weise wie die Presse damit umgeht widert mich an. Und wie wenig die Welt – außerhalb gewisser Grenzen – dieses „anders sein“ toleriert. Aber was ist anders? Darüber (vielleicht) morgen mehr. Ich will euch LeserInnen ja nicht zu sehr beanspruchen 😉

      Wann kommen deine 500 Worte?

      • Ja, klar, wenn Kristen in einer Partnerschaft mit wem auch immer glücklich ist, ist das toll für sie. Jede Liebe macht die Welt ein bisschen schöner 🙂 Aber die Klatschpresse scheint auch unfähig zu sein, sich einfach mal für jemanden zu freuen. Irgendeinen Skandal muss es immer geben *augenroll*

        Tjaaa, die 500 für diese Woche… mal sehen? Spätestens Sonntagabend 😉

  4. Ach, wir Frauen werden einfach schnell als lesbisch betitelt:
    Ich überlege mir eine WG mit einer Freundin zu gründen –> lesbisch. Na klar… dann sind also alle meine Arbeitskollegen, die in einer Männer-WG wohnen, schwul. Ist doch logisch, oder etwa nicht?
    Ich mit derselben Freundin von oben im Skiurlaub. Übernachtung im Doppelzimmer, da günstiger –> lesbisch. Schläft ja mit einer Frau im selben Bett. Zumindest für eine Woche. Muss also was laufen.
    Ich will nicht mit Mann X schlafen, weil Mann X mein Arbeitskollege ist und den Ruf hat, mit jeder ins Bett zu hüpfen –> lesbisch. Weil X ist ja so unwiderstehlich, dass der einzige Grund, warum Frau nicht mit ihm ins Bett will, nur dieser sein kann. Wenn man das nun auf die Männer anwendet… da wären ja viele schwul…
    Ich bin seit 4 Jahren Single –> lesbisch. So lange kann niemand Single sein, deswegen verheimliche ich ja eindeutig eine Beziehung, derer ich mich schämen muss. Nur: Wenn es so wäre, würde ich auch dazu stehen.
    Ich habe viel Kontakt mit Homosexuellen –> lesbisch, weil sonst hat man ja keinen Kontakt. Naja… Würde bei mir aber heissen, dass ich keinen Kontakt mehr zu meinem Cousin haben dürfte, und auch viele seiner Freunde komplett ignorieren müsste.

    Das Interessante dabei: Die Gerüchte werden immer von Männern verbreitet. Und würde man dasselbe mit ihnen tun, wären die ja sowas von wütend…
    Ich kontere aber trotzdem immer damit. Irgendein männliches Beispiel aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis findet sich immer, auf den man die gleichen Kriterien anwenden kann, und der somit einfach schwul sein muss. Damit halten die meisten Leute dann die Klappe. Das schlimme ist allerdings, dass dies meistens hinten rum geschieht, d.h. man erfährt es dann nur vom Hörensagen und hat keine Chance, direkt etwas darauf zu erwidern.

    • Ich kenne die geschilderten Szenarien alle von Hetero-Freundinnen. Immer nur Lesben muss auch ich nicht um mich haben. 😉 Nun stell dir vor ich sei mit Männern befreundet. Also einfach so. Ich wäre dann in den Augen der Leute sofort wieder hetero, oder bi. Verkehrte Welt, die nur auf Sensationen hofft.

      • Hmm… bei jemandem der Humor hat, könnte ich das nächste mal ja kontern mit „Nein, bin nicht lesbisch, sondern bi, bin ja auch mit Männern befreundet“. Immer alles Lächerliche gleich schön ins Lächerliche ziehen 😉

  5. Haha, mir entgleitete beim lesen auch ein gelangweiltes „Na und?!“…lasse reden, bzw. schreiben, die brauchten eh nur etwas um die Fotos unter zu kriegen…stell dir mal vor die Papparazzi wären umsonst da gewesen…unverantwortlich.

    • Ja, der Ärmste müsste nun am Hungertuch nagen 😀 Aber ich bin ehrlich und gestehe, dass ich weniger tolerant zu solchen Menschnen wäre. Und ich kann (verbale) Ausfälle von Promis durchaus verstehen.

  6. Oha, wenn Händchen halten ein Indiz für Homosexualität ist, dann sind 95% der Araber schwul. Dort ist es nämlich völlig üblich, dass Männer Hand in Hand spazieren gehen… 😉

  7. Du meine Güte! Nach diesen Kriterien zu urteilen, wäre ich sowas von lesbisch! Ich bin noch nie als lesbisch bezeichnet worden, weil ich Single bin oder auch gerne mal mit einer Freundin verreise.
    In China habe ich 1987 allerdings folgendes erlebt: Ich war für eine paar Tage mit einem Holländer unterwegs in Kanton. Dort trafen wir auf Studenten, die ihr Englisch übern wollten, aber auch mit großer Offenheit Fragen stellten, u.a. „Es reisen so viele westliche Paare zusammen: 2 Männer, oder 2 Frauen: sind die alles homosexuell?“ Ich bin aus allen Wolken gefallen und brauchte ne Weile, bis ich das verneinte.Schließlich war ich gerade erst 3 Wochen mit einer Freundin unterwegs gewesen. Meine Gegenfrage dann: „Wie ist es denn mit Homosexualität in China?“ „Das gibt es nicht!“ „Warum nicht?“ „Das ist in China verboten!“ Homosexualität ist bei den jungen Leuten in China heute kein Thema mehr.
    Übrigens mag ich schwule Männer/Freunde sehr. Die grabschen nicht so schnell. 😉

    • China, wie ganz Asien, ist bei Homosexualität noch immer Steinzeit. Wie fast immer werden vor allem in Japan Männer mehr toleriert, als Frauen. Das Thema selbst wird ignoriert. Punkt. Gibt es für den Japaner einfach nicht. Frauen haben hübsch, jugendlich und hetero zu sein. Diese Haltung stößt mich sowas von ab! Klar wird es langsam besser, aber mit minimalen Schritten!

      • Ich muss dazu noch etwas sagen: Ich bin China 1992 eine zeitlang mit einem Schwulen gereist. Der schwärmte mir von Shanghai als dem Paradies für Schwule vor. Irgendwie schade, dass ich den Mann aus den Augen verloren habe. Wir hatten sehr, sehr viel Spaß… Es war richtig gut, mit ihm zu reisen.

      • Diese regionalen Unterschiede gibt es überall auf der Welt. Siehe Deutschland. NRW gegen BaWü. Der Süden ist kein Paradies für Homosexuelle.

  8. Um Blätter, welche diese Nachricht bringen, muss es ja wirklich sehr schlecht bestellt sein, denn selbst in der „Sauren-Gurken-Zeit“ sollte ein solcher Beitrag kaum jemanden hinter dem Ofen hervor locken. Aber anscheinend gibt es genug Hohlköpfe, die nach Meldungen dieser Art gieren. Mir wird dank Dir aber einmal mehr klar, warum ich Klatschblätter maximal (zwangsläufig mangels Auswahl) bei der Friseuse meines Vertrauens durchblättere: ich muss mich so nicht unnötig aufregen. 😉
    Liebe Grüsse
    Charlotte

    • Da sind wir (mal wieder) der gleichen Meinung. Normalerweise gebe ich mehr auf Szeneseiten, die aber bitte seriös sein sollten. Momentan lache ich über den „Rosenkrieg“ von Ellen und Portia, die das aber absichtlich und wegen der Publicity machen. Sie veröffentlichen Videos der anderen, ohne deren Wissen. Elle DeGeneres auf dem Laufband singend als Beispiel. Und Ellen ist nun mal eine absolute Wucht! 😀

  9. Jeder einzelne von uns hat das Recht die Art von Sex auszuleben, welche seinen Vorstellungen entspricht. Egal was andere davon halten wollen, dieser Bereich geht anderen nun auch wirklich nichts an!

  10. Och Nandalya, ich glaube, Du hast das falsch verstanden! Ich habe die Debatte in der Fachzeitschrift meines Vertrauens verfolgt und kann Dir ganz klar sagen, dass die liebe Kristen wirklich voll lesbisch sein tut, weil nämlich, also, jetzt nicht nur weil die da so voll das Händchenhalten mit der Frau da machen tut, wo ihre Freundin ist!, sondern auch – aufgepassst! – weil die doch jetzt, also die Kirsten da so, ja weil die sich jetzt immer burschikoser kleidet und so, also mit Hemad und Hose und keine Kleidchen mehr und Dekoltee auch nicht mehr, also, das hatt sie noch, aber das zeigt sie nicht, und hat auch festes Schuhwerk an und wer sich so kleidet, ja, der ist lesbisch, klarer fall, WEIL nämlich alle Lesben aussehen wollen wie Männer, comprende?

    Oh Mann: Ich geb`s zu: Habe im Supermarkt so ein Schmierblatt durchgeblättert und bin aus dem Lachen nicht mehr rausgekommen!

    • Der Tomboy-Look wird von immer mehr Mädels oft und gern getragen. Und Kristen war noch die besonders chic gekleidet, das gibt sie selbst zu. 😉 Im Gegensatz dazu habe ich die letzte Zeit öfter mal Kleid / Rock getragen. Unglaublich, oder? Meine Biestigkeit ist nämlich meist in Sweatshirts, Flanellhemden und Cargohosen anzutreffen und natürlich sportlichen Schuhen. Macht sich halt besser am Steuer finde ich. Und ich laufe damit auch schneller … um diverse Paparazzi auf die Bäume zu jagen! Was hast du denn nun gedacht?

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