Weihnachten zu Hause

Wir, die wir im Wohlstand leben, werden an Weihnachten zu Hause sein. Aber wo ist „zu Hause“ überhaupt? Viele Menschen haben auch dieses Jahr ihr Heim, ihr Land verloren. Hilflos irren sie durch fremde Länder und werden kaum anerkannt. Ohnmächtig, ohne Geld und Sprache, schauen sie auf die für sie Reichen dieser Welt.

Wieder einmal, wie schon seit Jahrhunderten, wird Religion für Krieg benutzt. Machthungrige Patriarchen überziehen die Welt mit Feuer und Schwert. Und das ist falsch. Alte Männer opfern einmal mehr die Jugend der Welt. Und der Teufel lacht, um es mit christlicher Symbolik zu sagen.

„Kriege entstehen aus dem Scheitern, das Menschsein der Anderen zu verstehen“, hat der Dalai Lama gesagt. Ich sage, dass es billigste Machtgier ist, um dem eigenen Ego zu schmeicheln. Um Geld und Ressourcen anzuhäufen.

Die Mächtigen der Welt spielen ein böses Spiel. Es ist Schach mit dem Glauben der Menschen. Bauernopfer inklusive. Die Leidtragenden sind die Menschen, die hilflos vor dem Terror fliehen. Sie haben ihr Zuhause verloren, sie sind an Weihnachten allein. Rechte Hohlköpfe stehen nun in Deutschland auf, um Front gegen „Ausländer“ zu machen. Gegen den Islam, gegen Menschen die anders sind.

Anders als wer, frage ich? Wir alle, die wir satt und sicher in unseren Heimen sitzen, sind AusländerInnen in einem anderen Teil der Welt. Das sollten wir nie vergessen, wenn wir rührselig in weihnachtliche Stimmung verfallen und dicke Geschenke unser eigen nennen.

Auch ich werde Weihnachten im Kreis der Familie verbringen. Meine Eltern sind bereits hier. Wir sind in Deutschland zu Hause. Wir, dir wir aus Japan sind. Aber wir geben immer ein Stück von unserem Glück weiter. Und zur Not kämpfen wir auch dafür. Auch für die, die anders sind. Macht ihr das auch?

Wir, die wir im Wohlstand leben, sollten aufhören zu jammern. Wen interessiert es angesichts des Elends auf der Welt, ob der Zweitwagen von Familie Neureichoberprotz, einen Reifenschaden hat. Reicht denen die Hand, die alles verloren haben. Das wünsche ich mir für dieses Weihnachten, für das kommende Jahr. Und weniger Jammerblogs, auf allerhöchstem Niveau.

Schließen möchte ich diesen Beitrag mit den Worten von Charles Dickens: „Und ich werde an Weihnachten nach Hause kommen. Wir alle tun das oder sollten es tun. Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen. Für eine kurze Rast, je länger desto besser, um Ruhe aufzunehmen und zu geben.“  

In diesem Sinn wünsche ich allen meinen LeserInnen friedliche und frohe Weihnachten. Wir lesen uns bald wieder. Nie angepasst und immer kämpferisch.

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50 Kommentare zu “Weihnachten zu Hause

  1. Meine Schwester, die es wissen muss, da sie Japanologie studierte und auch mal ein Jahr in Kyoto weilte, sagte, Weihnachten auf japanisch funktioniere mit viel viel viel Kuchen. 🙂 Das klingt gut in meine Ohren.
    Ansonsten weißt du natürlich, dass ich ganz deiner Meinung bin.
    Schöne und entspannte Tage wünsche ich euch und ich freue mich schon sehr auf die nächsten Artikel von dir,
    Eva

    • Japaner mögen Weihnachten. Oder was sie dafür halten. Unser Vorteil: Wir leben in Deutschland und haben es fast 1:1 übernommen.

      Wir hatten schöne Tage, meine Eltern waren dieses Jahr zu Besuch. Also gab es viel Familie. Auch Kuchen. Woher hast du das nur wieder gewusst? 😀

  2. Auch Dir und den Deinen (und uns allen…das obige unterschreibend…) ein friedliches Fest und ein friedliches, gesundes und buntes Neues Jahr wünscht die stuttgarterapothekerin
    (die Deinen Blog seeeehr gerne liest, auch wenn ich nicht immer dazu komme, zu kommentieren)

    • Die Zeit ist ein gar flüchtiges Gut. Ach … 🙂 Ja, das nächste Jahr wird wild und bunt. Bremsen? Das machen doch nur die anderen! 😀 Liebe Grüße auch an dich.

  3. (Nachträglich) auch dir frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet schöne Feiertage und kommt nächste Woche gut ins neue Jahr. Auf dass du auch 2015 für Gerechtigkeit und Frieden kämpfen kannst 🙂 Im Blog und im Leben.

  4. Für spezielle Weihnachtsgrüße zu spät, ich jockele gerade ein wenig hinterher; ist es doch nicht zu spät für Herzensgrüße so überhaupt. Alles Liebe für Dich und Dein Elfchen und alle anderen Deiner Lieben.
    Ich freue mich immer an der Silhouette von Elbflorenzanien, wenn wir da vorbei fahren. Die prachtvolle Yenidze, die verschiedenen Kirchen, sie strahlten bisher Gemeinsamkeit und Offenheit für mich aus. Diesmal strahlte Dresden ein wenig getönter.
    Innigstrahlende Grüße jedoch von mir zu Dir, Deine Käthe.

  5. „Wieder einmal, wie schon seit Jahrhunderten, wird Religion für Krieg benutzt. Machthungrige Patriarchen überziehen die Welt mit Feuer und Schwert. […] Alte Männer opfern einmal mehr die Jugend der Welt. Und der Teufel lacht, um es mit christlicher Symbolik zu sagen.“ Das ist meine Lieblingstextstelle von dir. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Menschheit sich jemals weiterentwickeln wird. Wird es jemals eine Zeit geben, in der Religion nicht instrumentalisiert wird und in der kein Krieg herrscht? Ich würde es mir wünschen!

      • Und anders als im Science-Fiction-Film „Equilibrium“ möchte ich nicht, dass dafür die Emotionen von Menschen durch eine psychotrope Substanz auf ein Minimum reduziert werden müssen, auch wenn sie normalerweise der entscheidende Auslöser von Gewalttätigkeiten sind.

    • Tötet nicht und verhindert, daß getötet wird. Hütet euch vor Ehebruch und Unzucht. Meidet die Lüge und üble Nachrede, harte Worte und eitles Geschwätz. Verachtet den Geiz und die Gier. Tut Gutes, und haltet fest am rechten Glauben. Die Grundvoraussetzung zur Erleuchtung ist der Wille, sich selber zu erlösen, um dadurch anderen von Nutzen sein zu können. (Buddha)

      Kommt bekannt vor? Aber auch Buddhisten töten. Der Unterschied zu anderen Religionen, in buddhistischen Schriften findet sich kein Aufruf zur Gewalt. Hier muss also eine klare Trennung von Mensch und seinem Glauben erfolgen.

      • Mir gefallen Buddhas Worte! Ich habe auch schon einiges zu ihm gelesen, wodurch mir die Worte wirklich bekannt vorkommen. Auch Jesus hat zum Pazifismus aufgerufen. Christen dürften demnach auch nicht töten etc. Das stand sogar schon in den 10 Geboten (Altes Testament). Dumm nur, wenn sich keiner daran hält.

      • Okay, Buddha hat 500 Jahre vor Jesus gelebt. Ich kann nicht herausfinden, wie alt das Alte Testament ist. Wahrscheinlich ist es aber jünger als Buddhas Sutren. Mal wieder 100 Punkte für dich. Ich will gar nicht wissen, wie mittlerweile der Punktestand aussieht. 😅

      • Das Alte Testament basiert auf dem jüdischen Talmud, wie der ganze christliche Glaube auf dem Judentum basiert. Warum das ein Problem geworden ist, werden nur die Menschen der damaligen Zeit gewusst haben. Aber die kann keiner mehr fragen, sie sind schon lange tot.

        Die Entstehung des Talmuds wird drei Männern zugeschrieben, die alle später als Buddha lebten. Aber große Philosophen haben oft und gern in den jeweils anderen Schriften gelesen und daraus gelernt.

        Punktestand? Führen wir einen Wettkampf oder tauschen wir Wissen aus? 🙂

      • Das das Alte Testament aus dem Judentum stammt, weiß ich ja. Mir war nur nicht klar, dass das Judentum jünger als der Buddhismus ist. Danke für die Info!
        Natürlich will ich mit dir nur ganz brav unser Wissen austauschen. 😉

      • Jünger, älter, spielt das wirklich eine Rolle? Jeder ehrliche Glaube, der friedlich bleibt, ist gut. Ich wehre mich aber klar gegen den absoluten Anspruch DER einzig wahre Glaube zu sein und das noch mit Gewalt durchzusetzen.

      • Es ging mir nur darum zu überlegen, ob der Buddhismus vielleicht den jüdischen oder christlichen Glauben mit beeinflusst hat. Natürlich gibt es nicht das einzig wahre Glaubensprinzip. Meistens nimmt man die Religion der Familie an (natürlich nicht immer).

      • Ich gehe davon aus, dass es so war. Was auch für den Islam gilt, der sich am Judentum orientierte. Mohammed suchte Anerkennung durch die Juden, bekam sie nicht und schrieb dann seine Hassverse.

        Weißt du, JapanerInnen sehen Religion recht gelassen. Da wird Shintoismus fröhlich mit Buddhismus und dem christlichen Glauben gemixt. Das nenne ich Toleranz.

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