Japan, deine Religionen!

Japaner sind Buddhisten, das weiß doch jedes Kind. Weit über 80 Prozent der Bevölkerung gehören diesem Glauben an. Japaner sind aber auch Shintoisten. Und auch diese Zahl liegt bei weit über 80 Prozent. Ein Widerspruch, gar eine Lüge? Nein! Frau Dr. Landar erklärt, wie Religion in Japan funktioniert.

Aber zurück zu den Prozenten, die eine statistische Unmöglichkeit sind. Auch in Japan gibt es keine Sonderrechnung, wenn man die beiden Zahlen addiert. Aber zu 100 Prozent steht fest, dass Japaner sehr pragmatisch sind. Und das gilt auch bei Religion. Als Mädchen habe ich den Buddhismus erfahren und wie die alten Weisen ticken. Und dass der Shintoismus über allem steht.

Im Westen ist man meist Christ und wird im Sinn der Bibel erzogen. Dass die christliche Kirche heidnische Wurzeln hat, wird gern übersehen. Ich will hier nur das Osterfest, den Weihnachtsbaum und Allerheiligen nennen. Und, dass Kirchen oft auf heidnischen Kultplätzen stehen. Alles kein Problem, wenn man ehrlich ist.

Der Japaner hat kein Problem damit, sich aus dem (Über)Angebot der Religionen das zu herauszuholen, was ihm passt. Beispiel gefällig? Kinder werden shintoistisch getauft, wobei Taufe nur ein Vergleichswort zur Beschreibung der Zeremonie ist. Geheiratet wird in Japan gern nach christlichem Vorbild und gestorben buddhistisch. Alles klar?

Ich selbst bin mit Hausgöttern, Yokai und Geistern aufgewachsen, die für mich selbstverständlich sind. Und Buddha ist und war kein Gott. Für einen Mann, war er recht weise. Und Fehler hatte er natürlich auch. Als Vertreterin des Zen-Buddhismus bin ich bekanntlich sehr kämpferisch unterwegs. Mein Weg, nicht der des Buddha.

Was Japaner nicht kennen, ist die im Westen vorherrschende Trauerkultur, diese viele Menschen lähmende Angst vor Teufel, Tod und Sündenfall. Das hat die unreformierte Kirche damals nur erfunden, um ihre Schäfchen besser zu kontrollieren. Wer in Angst lebt, der braucht einen Erlöser. Wer in Angst lebt, der zahlt. Und Rom bleibt an der Macht.

Japaner verehren ihre Ahnen in einer Weise, wie es auch Chinesen tun. Selbst japanische Christen haben kein Problem damit, diese Sitte weiter zu pflegen. Aber Christen sind und bleiben die Minderheit in Japan, das waren sie immer schon. Sie mixen munter die Sitten und werden dafür gern kritisiert. Aber wo ist das Problem?

Man kann sagen, dass sich in Japan viele Religionen vermischen und so eine eigene Form des Glaubens erschaffen haben. Shintoismus und Buddhismus ebenso, wie der Taoismus und Konfuzius Lehren. Ein weiser Mensch hat einmal Synkretismus dazu gesagt, was es vermutlich trifft. Aber die Menschen glauben. Und das ist alles was zählt.

„Japan, deine Religionen!“, habe ich bewusst als Überschrift gewählt. Aber sie spiegelt kaum wieder, wie Japan wirklich ist. Faszinierend auf alle Fälle, egal ob Buddhist, oder Shintoist über den Köpfen der Menschen steht. Ich bete übrigens meine Elfe an. Und das mindestens zu 1000 Prozent. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

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16 Kommentare zu “Japan, deine Religionen!

  1. Klasse! Super-interessant, vortrefflich geschrieben und ungeheuer „lehrreich“, mal so eine „Innenansicht“ lesen zu können! Liebe Nandalya: Bitte mehr zu diesem spannenden Thema! 🙂

  2. „Buddha: Für einen Mann, war er recht weise.“ 🙂 Und er war der erste, der auch die Ordinierung von Frauen als Nonnen ermöglichte. Die Frauen hatten auch im Urchristentum eine bedeutende Stellung und viel zu sagen in der Gemeinde. Ich mag die pragmatische Einstellung der Japaner zur Religion.
    Danke für diesen interessanten Artikel! LG Ulrike

  3. Ein faszinierenden Thema, Japan und seine Religionen. Ich denke, dass das Religionsthema nicht nicht nur ein interessantes Gedankenkonstrukt ist, sondern sich auch weiterhin auswirkt.

    Zutreffend hat die reformierte Kirche die Trauerkultur und den Angst vor Tod und Sündenfall erfunden, um ihre Schäfchen besser kontrollieren zu können. Vorab ging natürlich die Durchsetzung des christlichen Glaubens im 4. Jahrhundert durch den röm. Kaiser Konstantin. Man hat zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass das Gottkaisertum nicht mehr zu halten war und ferner bot sich die Jenseits-Orientierung des christlichen Glaubens als Allheillösung aller Fragen wunderbar an.

    Aber, warum ist das Essen im Süden Europas besser als kalten Norden. Warum haben die Katholiken eine Kultur diverse Obstwässer und die Protestanten kennen lediglich ihren Doppelkorn. Meines Erachtens ein Ausdruck katholischer Lebensfreude gegenüber protestantischer Askese. Zu sehen ist auch, dass der wirtschaftliche Aufschwung der Schweiz, der Niederlande und auch Amerika ohne den Calvinismus wahrscheinlich gar nicht stattgefunden hätte.

    Wie gesagt, ich denke das es sich weiterhin auswirkt. Ungeachtet sexualfeindlicher katholische Erziehung hast du ja gegebenenfalls selbst einmal die Erfahrung gemacht, dass katholische Frauen durch die Möglichkeit zur Beichte anders sind.

    • Buddhisten sehen Religion(en) ganz entspannt. Es gibt sie und das ist gut. Weniger gut ist das, was Menschen im Namen der Religion machen. Und ich spreche nicht vom Doppelkorn. Aber das wusstest du bestimmt 😉

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