Ein schwarzer Tag in meinem Leben

Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. In meinem Herzen ist kein Platz für Trauer, oder winterliche Melancholie. Und doch ist am vergangenen Wochenende etwas geschehen, was die Farbe aus meinem Leben genommen hat. Mein Geist ist in die Dunkelheit geglitten. Der Tag war Rabenschwarz.

Es ist Samstag 6:30 Uhr, als der Wecker in meine Ohren summt. Sofort bin ich hellwach und ziehe Elfchen frech die Decke weg. „Biest!“,  ruft sie sofort, das Kopfkissen verfehlt mich um Zentimeter.
Lachend fliehe ich vor ihr und bin als Erste in der Küche.
„Beil dich Schlafmütze!“, rufe ich und beginne mit meinem Werk.
Aber Elfen brauchen immer 5 Minuten länger, als ihr menschliches Pendant.
Der Spaß endet schnell, dieser Tag wird noch ereignisreich.
Yuki ist aufgeregt und ich die Ruhe selbst. Was soll schon groß geschehen?

Es folgt Frühstück und Zähneputzen. Die (Un)Sitte das vor dem Frühstück zu machen werde ich nie verstehen. Gepackt haben wir schon am Abend und geduscht natürlich auch. Auf die Idee ungewaschen ins Bett zu gehen kämen JapanerInnen nie.
Der Audi Q3 hat ausgedient, der Nissan Qashqai ist unser neuer Wagen. Wolf hat ihn kurzerhand für die Firma gekauft, als neues „Biestmobil“, wie er ihn nennt.
Immerhin hat der Audi uns treu gedient und fast störungsfrei durch die Monate begleitet. Aber ein Motorschaden war das Aus. Der Test war trotzdem positiv, die Daten bleiben wichtig.
Aber wir bekommen bald einen neuen Dauertester. Nur was es ist, das will uns Wolf noch nicht verraten. Ich starte den kleinen Diesel, Düsseldorf wir kommen!

Deutlich langsamer als sonst, aber dafür entspannt erreichen wir gegen Mittag mein Elternhaus. Von dort geht die Reise schon bald weiter. Mit meinem Vater im Gepäck.
Wir reden wenig, seine Miene ist grau an diesem Tag. Vielleicht sind es auch nur die Schatten des Winters. Mein Vater ist kein negativer Mann.
Ein flaches Gebäude harrt unserer Ankunft schon. Mit flinken Schritten eilen wir zur Tür. Neonlicht ersetzt das öde Grau.
Unsere Wege trennen sich kurz, Yuki und ich müssen einen anderen Weg gehen. In der Umkleide ziehen wir uns um. Die Haare werden zum Pferdeschwanz gebändigt.
Schweigend gehen wir einen langen Gang entlang.´Es folgt ein schwarzer Tag in meinem Leben, den ich so schnell nicht vergessen kann.
Mein Vater wartet schon. Auch er im Karate-Gi. Was habt ihr denn nun gedacht?

Streng wirkende Männer und eine Frau mustern mich kritisch. Mehr als zehn Jahre ohne jede Praxis ist ihnen suspekt.
Nun mag eine Mayumi vieles sein, aber dumm mit Sicherheit nicht. Und im Karate-Verband bin ich immer Mitglied geblieben.
Trainiert habe ich bekanntlich immer. Auch, wenn mein Fokus auf anderen Dingen lag. Aber Karate bleibt immer ein wichtiger Teil in meinem Leben. Karate liegt mir im Blut.
Schon vor der Karate-WM in Bremen, habe ich intensiv für den 3. Dan geübt. Wobei es nur Wiederholungen waren. Das Programm kann ich im Schlaf.
(M)Ein weiterer Weg zur Meisterschaft, wie mein Vater gern erklärt.

Es ist lange her, dass ich im Karate eine Prüfung machte. Entsprechend hoch ist die Skepsis der Trainer. Aber mein Vater ist auch dabei. Meister unter sich.
Nach dem 2. Dan bin ich eigene Wege gegangen und habe mich umorientiert. Gürtel waren mir plötzlich weniger wichtig. Und ganz ehrlich, im Kumite schlage ich auch einen höheren Dan. Ich habe Yuki auch Karate beigebracht. Sie kann das richtig gut. Ihr Rang ist viele Stufen unter Schwarz. Aber wer will meine Elfe schlagen? In der Liebe zu mir ist sie ohnehin unerreicht, da hält sie alle Gürtel dieser Welt. Entsprechend tapfer steht sie neben mir. Und ich liebe sie dafür.
Die Prüfung beginnt. Lasset die Spiele beginnen. Jetzt wird gekickt.

Viele Menschen haben ein falsches Bild vom Schwarzen Gürtel. Sie glauben, dass man nun ein(e) MeisterIn ist. Natürlich ist das richtig und auch wieder falsch. Großmeister sehen das etwas anders.
In Wahrheit bleibt man bis zum 5. Dan (Meister)SchülerIn. Erst dann folgt die wahre Meisterstufe. Aber schon lange vor dem 1. Dan, habe ich Karate als Weg für mich erkannt.
Dan ist das japanische Wort für Stufe / Rang. Und dort stehe ich Gürtelmäßig auf dem zweiten (Meister)Rang Zwei. Mein Dickkopf hat einst mehr verhindert. Aber das ist nun vorbei.
Elfchen darf auch zeigen was sie kann. Sie beginnt und ich bin wie immer fasziniert.
Yuki tanzt einen Reigen, der aus purer Eleganz geboren worden ist.
Zwar ist es „nur“ Grün, was sie als Farbe erhält. Aber ich weiß, was meine Elfe wirklich kann.
Wie im Aikido, wird sie auch im Karate ihre Frau stehen. Und im Leben steht sie gleichberechtigt neben mir.

Nun geht es los für mich. Hochkonzentriert trete ich nach vorn.
Sie testen mich so hart, wie ich erwartet hatte. So muss ich alle Kata aus dem Schülerbereich zeigen, was kein Problem bedeutet.
Auch Kihon Ido ist gefragt, sie wollen die Grundtechniken sehen. Die Zeit vergeht fast ohne Pause, der Körper ist nun Karate.
Mein Geist ist klar und fokussiert, nichts außer diesem Tag ist wichtig.
Ich muss zwei Kämpfe bestreiten. Zeit mich zu amüsieren.
Ein Mädel mit dem 1. Dan liegt nach 10 Sekunden auf der Matte. Sie hat keine Chance gegen mich. Und sie fällt immer wieder, ein wenig tut sie mir leid.
Der Schwarze Gürtel macht noch keine Kämpferin.

Der deutlich größere Mann ist schwerer zu knacken, er setzt auf Konter und seine langen Beine. Das wird spaßig. Normal bin ich die Konternde. Aber ich kann auch voll auf Angriff gehen. Normalerweise kämen nun Mayumi typisch z. B. Tritte zum Knie. Aber das hier ist Sport. Ich will niemand verletzen.
Mein Karate-Stil ist anders, aber das darf ich in einer Prüfung nicht zeigen. Hier wird auf Tradition geachtet.
Aber 1,62 Meter geballte Energie besiegt auch einen Mann, der sich für überlegen hält. Und so einige Techniken im Goyu-Ryu Stil sind mit dem Aikido verwandt.
Muss ich mehr erzählen?

Aus den Augenwinkeln beobachte ich die Reaktionen der Prüfer, die deutlich überrascht und begeistert sind. Mein Vater gestattet sich ein leichtes Schmunzeln.
Vielleicht noch ein Wort über ihn, der immer auch mein Sensei ist. Bei aller Liebe zu mir bleibt er streng, wenn es um Fragen des Karate geht.
Er hat mich nie bevorzugt. Meine Gürtel sind ehrlich erworben, niemand hat sie mir geschenkt.
Und auch an diesem Tag gibt es kein Pardon. Nach Selbstverteidigung, Kampfrichterwesen, Kata, Erklärung der Techniken und intensiven Fragen zum Karate sehe ich die Farbe Schwarz!
Schwarz ist mehr, als nur eine Farbe. Und Schwarz habe ich mir redlich verdient.

Es ist wieder mein Vater, der mir stolz die Urkunde zum 3. Dan überreicht. Und auch einen neuen Gürtel, der nun drei Streifen hat: Sandan, der Grad des anerkannten Schülers, wie es im Karate heißt. Bis zum 4. Dan muss ich nun vier Jahre warten. Vielleicht drei, bei verkürzter Vorbereitungszeit. Und wenn es nach meinem Vater geht, so müssen weitere Grade her. Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. Aber dieser 6. Dezember ist (m)ein schwarzer Tag. Und das ist richtig gut.

Wer mehr über die Farbe Schwarz lesen möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Klick mich: Drei Farben Schwarz und Die Farbe Schwarz

 

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34 Kommentare zu “Ein schwarzer Tag in meinem Leben

  1. Ich habe schon bei der Überschrift geahnt, dass du uns nur auf’s Glatteis führen willst. 😉 Meine besten Glückwünsche sende ich euch!!
    Liebe Grüße,
    Eva

  2. Ach, du Arme, das war ja wirklich ein rabenschwarzer Tag für dich XD Wie passend, dass Yuki den Gürtel in der Farbe der Hoffnung bekommen hat. (Ist es das in Japan eigentlich auch?)

    Im Ernst: Glückwunsch euch beiden! Es ist immer schön, wenn jahrelange Arbeit auch belohnt wird.

    • Ich Ärmste sehe nun total schwarz 😀

      Es ist so, dass ich schon lange den 3. und 4. Dan hätte machen können und nun eigentlich bei Nr. 5 wäre. Aber ich hatte damals andere Ideen und wollte mich nicht an Gürteln messen lassen. Dickköpfchen eben. Die Vorbereitung für den 3. Dan waren wenige Monate. Es geht bei höheren Graden auch nicht mehr nur um Technik. Später wird der mentale Aspekt immer wichtiger. Yuki könnte auch schon lange den 1. Dan haben. Aber den wird sie im Frühjahr erst im Aikido machen und dann Schritt für Schritt auch im Karate. Vielleicht kann sie dabei immer 2 Stufen überspringen, das wird noch entschieden. Sie kann es auf jeden Fall!

      Grün ist die Farbe der Fruchtbarkeit und des Wachstums in der traditionellen japanischen Kultur. Sie kann auch für Ewigkeit stehen, als Symbol für immergrüne Bäume.

    • Die alten japanischen Meister machten viel Geheimniskrämerei um ihr Können. Sie haben ihre Kunst nur an wenige Menschen vermittelt und sie nie öffentlich gezeigt. Ja, es macht mir (wieder!) Spaß. Und ich zeige meine Kunst anderen Menschen gern. Vielen lieben Dank auch an dich 🙂

    • Dankeschön! Prüfungen sind nicht wirklich schwer, wenn man die Angst besiegen kann. Und Angst ist bekanntlich nur ein Gefühl. Liebe Grüße von Yuki und mir 🙂

  3. Du schaffst es, dass man nach einer „schwarzen“ Überschrift atemlos den Artikel liest, nach kurzer Zeit erleichtert, dass es sich wieder um einen Erfolg handelt, der sich fast leicht anhört. Doch es steckt sicherlich viel Arbeit darin und Können, um einen solchen schwarzen Gürtel zu erhalten. Ich verneige mich in größter Hochachtung vor Dir. Herzlichen Glückwunsch! Ulrike

    • Es gab eine wesentlich dunklere Fassung des Artikels. Aber ich habe an meine älteren LeserInnen gedacht und wie sie sich beschwerten 😉

      26 Jahre Karate, 26 Sport hinterlassen Spuren. Nach dieser Zeit lebt man Karate. Die Prüfung ist in diesem Fall nur als Lohn zu sehen. Auch dir vielen lieben Dank 🙂

    • Vielen Dank auch dir 🙂

      Mein Papa respektiert meine Entscheidungen. Das fällt ihm zwar schwer, aber auch er lernt dazu. Damals war es für mich richtig einen anderen Weg zu gehen. Aber nun bin ich zurück von dieser Seitenstraße. 😉

  4. Dein Artikel hat mir Mut gemacht. Ich stehe am Samstag vor meiner ersten Prüfung in Karate, und das mit 53 Jahren. Aber ich habe keinen strengen Vater, der auf mich schaut, sondern einen tollen Lehrer und Freund- aber das ist dir dein Vater sicher auch.. Mal sehen, wie es ausgeht.
    Grüße
    Rolf

    • Karate kannst du in jedem Alter lernen. Gesundheit vorausgesetzt. Mein Vater ist alles andere als streng, das hast du offenbar falsch verstanden. Streng nur im Sinn von keinen Vorteil verschaffen, weil ich seine Tochter bin. Ich wünsche dir viel Glück bei der Prüfung, die du sicherlich meistern wirst.

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